Das Wichtigste auf einen Blick
- Die vollständige Entfernung der Prostata heißt radikale Prostatektomie.
- Sie wird bei lokal begrenztem Prostatakrebs durchgeführt.
- Es besteht ein Risiko für Inkontinenz und Erektionsstörungen.
- Viele Beschwerden verbessern sich mit der Zeit.
Wann muss die Prostata entfernt werden?
Ob eine Operation sinnvoll ist, hängt vor allem davon ab,
- wie aggressiv der Tumor ist,
- ob er auf die Prostata begrenzt ist,
- welche Begleiterkrankungen vorliegen und
- welche persönlichen Wünsche und Lebensumstände bestehen.
Ziel einer radikalen Prostatektomie ist, alle Krebszellen vollständig zu beseitigen. Dafür wird die Prostata mit den Samenblasen entfernt.
Auch bei einer gutartigen Prostatavergrößerung (benigne Prostatahyperplasie, BPH) kann ein Eingriff notwendig werden. Dabei wird jedoch in der Regel nur das vergrößerte Gewebe entfernt, nicht die gesamte Prostata.
Wie ist das Leben ohne Prostata?
Die Prostata ist kein lebensnotwendiges Organ. Deshalb hängt auch die Lebenserwartung nicht davon ab, ob die Prostata vorhanden ist oder nicht. Vielmehr spielt die zugrundeliegende Erkrankung die ausschlaggebende Rolle.
Im Alltag kann sich ohne Prostata jedoch einiges grundlegend verändern, vor allem:
- beim Wasserlassen
- in der Sexualität
Welche Folgen kann eine Prostataentfernung haben?
Nicht jeder Mann ist von den Folgen wie beispielsweise Urinverlust oder Erektionsstörungen im gleichen Ausmaß betroffen. Zudem verbessern sich viele Beschwerden mit der Zeit. Trotzdem ist es wichtig, mögliche Veränderungen zu kennen und im Rahmen der Nachsorge mit der betreuenden Ärztin oder dem betreuenden Arzt zu besprechen.
Urinverlust (Harnverlust)
Nach der Operation können viele Männer zunächst ungewollt Urin verlieren (Inkontinenz), zum Beispiel beim Husten, Lachen oder Aufstehen. In vielen Fällen bessert sich dies innerhalb von Wochen bis Monaten durch gezielte Physiotherapie (Beckenbodentraining).
Wie schnell sich die Schließmuskelfunktion erholt, ist individuell verschieden. Ein Beckenbodentraining kann Männern ohne neurologische Vorerkrankungen helfen, die Kontrolle zurückzugewinnen. Im höheren Alter und bei Erkrankungen, die das Nervensystem betreffen, etwa Diabetes, Schlaganfall oder Morbus Parkinson, ist es schwieriger, den unwillkürlichen Abgang von Urin wieder zu kontrollieren.
Erektionsstörungen
Die für eine Erektion wichtigen Nerven verlaufen sehr nah an der Prostata. Können diese Nerven während der Operation geschont werden, ist die Chance höher, dass Erektionen wieder möglich sind.
„Um diesen sensiblen Eingriff beim Mann so gewebeschonend wie möglich durchzuführen, bieten viele Helios Standorte robotergestützte minimalinvasive Verfahren wie das Da-Vinci-System an. Damit sind kleinste Schnitte, zitterfreies und millimetergenaues Operieren, dreidimensionale, 10- bis 40-fach vergrößerte Bilder und eine optimierte Darstellung der Gefäße und der feinen anatomischen Strukturen möglich. So können die Gefäß-Nerven-Bündel in vielen Fällen erhalten und damit das Risiko einer Impotenz und Inkontinenz minimiert werden“, sagt Priv.-Doz. Dr. Olaf Reichelt, Chefarzt der Klinik für Urologie und Kinderurologie im Helios Klinikum Aue.
Aber: Auch bei einer nervenschonenden Operation ist eine vorübergehende Erektionsstörung möglich.
Welche medikamentösen Möglichkeiten es zur Behandlung der Erektionsstörungen gibt, lesen Sie in unserem Artikel „Sexualität nach Prostatakrebs“.
Sexualität und Orgasmus
Die Prostata-Operation beeinflusst bei einer großen Zahl von Patienten zwar die Potenz, aber nicht das Berührungsempfinden oder die Fähigkeit zum Orgasmus. Da der Samenerguss nach der Entfernung der Prostata ausbleibt, empfinden viele Männer den Orgasmus jedoch anders als vorher.
Retrograde Ejakulation
Bei der Behandlung der gutartigen Prostatavergrößerung, bei der die Prostatakapsel belassen wird, bleiben im Regelfall alle Kontinenz- und Sexualfunktionen erhalten. Der Samenerguss kann allerdings abgeschwächt sein oder ganz ausbleiben. Ursache dafür ist der sogenannte rückwärtige Samenerguss in die Harnblase, die retrograde Ejakulation.
Wie belastend sind die Folgen?
Wie stark die Veränderungen empfunden werden, ist sehr unterschiedlich und hängt auch von der jeweiligen Lebenssituation des Mannes ab: Eine Impotenz ist unter Umständen für einen älteren Mann einfacher zu akzeptieren, während sie für einen Mann mittleren Alters eine Katastrophe darstellt.
Deshalb ist es wichtig, die eigenen Erwartungen in die Entscheidung einzubeziehen.
Wann sollte ich ärztlichen Rat einholen?
Nach der Operation sollten Sie sich bei Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt melden, wenn:
- der Urinverlust sich nicht bessert
- Schmerzen, Fieber oder Blutungen auftreten
- Probleme beim Wasserlassen bestehen
- sexuelle Beschwerden belastend sind
Auch Unsicherheit ist ein guter Grund, nochmal das ärztliche Gespräch zu suchen.
FAQ
Je nach Gesundheitszustand bleiben Patienten wenige Tage bis zwei Wochen nach der Operation in der Klinik. Die Heilung der inneren Wundflächen nimmt insgesamt vier bis sechs Wochen in Anspruch.
Der Wiedereinstieg in den Beruf hängt stark von der Art der Tätigkeit ab:
- Leichte Bürotätigkeiten sind oft nach drei bis vier Wochen wieder möglich
- körperlich schwere Arbeit ist frühestens nach sechs Wochen wieder möglich, daher kann die Arbeitsunfähigkeit auch länger dauern.
In den ersten sechs Wochen nach der Operation sollten körperlich schwere Arbeiten wie das Heben von Lasten über 5 Kilogramm (Getränkekisten, schwere Einkaufstaschen oder Wassereimer), Holzhacken, Umgraben oder Schaufeln oder auch das Umstellen von Möbeln vermieden werden. Auch auf Radfahren oder Fitnessübungen wie Sit Ups sollte in dieser Zeit verzichtet werden.
Nein. Bei wenig aggressiven Tumoren kann auch eine aktive Überwachung sinnvoll sein. Zudem kommt bei bestimmten Tumoren auch eine alleinige Bestrahlung infrage.
Auf natürlichem Weg können nach der vollständigen Entfernung der Prostata keine Kinder mehr gezeugt werden. Bei der Operation werden die Samenleiter durchtrennt, anschließend wird keine Samenflüssigkeit mehr gebildet.
Wenn ein Kinderwunsch besteht, sollte unbedingt vor der Behandlung die Möglichkeit der Samenkonservierung mit der behandelnden Ärztin oder dem Arzt besprochen werden.
Ja. Auch ohne Prostata ist ein Orgasmus grundsätzlich möglich. Allerdings kommt es dabei zu keiner Ejakulation mehr („trockener Orgasmus“), da keine Samenflüssigkeit mehr gebildet wird.