Das Leben ohne Prostata
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Alles rund um Prostatakrebs

Prostatakrebs

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Gewinn und Erhalt der Gesundheit

Das Leben ohne Prostata

Bei der radikalen Prostatektomie wird die gesamte Prostata mit den Samenblasen entfernt. Die Folgen einer solchen Operation und der Umgang damit ist eine sehr persönliche und individuelle Erfahrung, die durch verschiedene Faktoren beeinflusst wird.

Älterer Mann und junge Frau spielen Karten
Auch ohne Prostata können Männer ein gutes Leben führen | Foto: Canva

Für jeden Mann hat die Entfernung der Prostata in Abhängigkeit von der sozialen Lebenssituation, dem Alter, den sozialen Kontakten sowie dem Beruf unterschiedliche Auswirkungen und somit auch eine unterschiedliche Bedeutung.

Operationen an der Prostata dienen dem Gewinn und Erhalt der Gesundheit. Mit einer gezielten und individuellen Nachbehandlung kann durch persönliches Training in den allermeisten Fällen wieder ein aktives Leben ohne Einschränkungen erreicht werden.

Wann kommt es zur Entfernung der Prostata?

Nicht bei jedem Mann kommt es im Rahmen einer Prostata-Operation zu einer vollständigen Entfernung des Organs. Bei Männern mit einer gutartigen Erkrankung der Prostata, der sogenannten BPH (benigne Prostatahyperplasie), wird die Kapsel der Prostata belassen. Ähnlich einer Pampelmuse wird nur das Innere entfernt und die Kapsel bleibt erhalten.

Handelt es sich jedoch um eine bösartige Erkrankung der Prostata, wird das gesamte Organ mit den Samenblasen und den Samenleitern in einer Operation entfernt. Ziel ist bei der radikalen Prostatektomie, alle Krebszellen vollständig zu entfernen. 

Bei einer radikalen Entfernung der Harnblase wegen eines Harnblasenkarzinoms wird die Prostata regelhaft mitentfernt. Bei der Bildung einer neuen Harnblase aus Dünndarm kann unter Umständen zur Verbesserung der Kontinenz eine Prostata-Teilresektion helfen. Aus onkologischen Gründen sollte dieses Vorgehen jedoch nur in speziellen Fällen durchgeführt werden.

Lebenserwartung ohne Prostata

Die An- oder Abwesenheit der Prostata hat keinen Einfluss auf die Lebenserwartung eines Mannes. Die Erkrankungen der Prostata können unbehandelt jedoch zu einer Verkürzung der Lebenserwartung führen: Bei einer gutartigen Prostatavergrößerung kann es zu einem Harnaufstau bis hin zu einem Nierenversagen kommen, eine Krebserkrankung der Prostata kann unbehandelt die Lebenserwartung deutlich verkürzen.

Ziel ist es, durch eine exakte Diagnostik und entsprechend angepasste Behandlung die Lebenserwartung zu verlängern und Schäden und Beeinträchtigungen zu vermeiden.

Bei Prostatakrebs ist die Kenntnis der Prognose über den Krankheitsverlauf neben der Lebenserwartung wichtig, um eine Übertherapie und damit eventuell auftretende Nebenwirkungen aus nicht nötigen Behandlungen zu verhindern.

Ein nicht aggressives Prostatakarzinom bedarf gegebenenfalls niemals einer Therapie. Laut S3-Leitlinie der medizinischen Fachgesellschaften ist in diesem Fall die sogenannte "aktive Überwachung" oder sogar nur ein "zuwartendes Beobachten" eine gute Behandlungsoption. Das heißt: Der Tumor wird regelmäßig unter Berücksichtigung der Tumoreigenschaften wie Größe, Wachstum und Aggressivität, sowie Alter und Wunsch des Patienten kontrolliert, Diese aktive Überwachung kann jederzeit in eine aktive Behandlung überführt werden, sodass die Lebensqualität so lange wie möglich erhalten bleibt, ohne die Chancen auf Heilung zu verpassen.

Je jünger der Patient und je aggressiver der Krebs desto früher sollte der Tumor jedoch aktiv behandelt werden, um eine Tumoraussaat im Körper zu verhindern. Beim Vorliegen von Metastasen oder organüberschreitendem Tumorwachstum ist die Lebenserwartung bei jungen Pateinten verkürzt.

Bei einer aggressiven Form von Prostatakrebs kann die frühzeitige radikale Entfernung der Prostata die Lebenserwartung im Vergleich zum unbehandelten Krebs deutlich erhöhen.

Die Folgen einer Prostataentfernung

Die Entfernung der Prostata kann langfristige Nebenwirkungen mit sich bringen. Diese sind in der ehemaligen Funktion der Prostata begründet: Kontinenz und Potenz.

Blasenkontrolle:

Zumindest für einige Zeit kann es nach der Operation zu einem unbemerkten Urinverlust (Inkontinenz) kommen. Durch ein Kontinenz-Training kann ein gesunder Mann ohne neurologische Vorerkrankungen in der Regel wieder die vollständige Kontrolle über die Blase bekommen.

Im höheren Alter und bei Erkrankungen, die das Nervensystem betreffen, etwa Diabetes, Schlaganfall oder Morbus Parkinson, ist es schwieriger, den unwillkürlichen Abgang von Urin wieder zu kontrollieren.

Potenz und Erektion:

Älteres Paar schaut sich verliebt in die Augen
Die Potenz ist bei einer Vielzahl der Patienten beeinflusst | Foto: Canva

Die Prostata-Operation beeinflusst bei einer großen Zahl von Patienten die Potenz, aber nicht das Berührungsempfinden oder die Fähigkeit zum Orgasmus. Nach der Prostatektomie kann die Sexualität jedoch anders erlebt werden.

Der Samenerguss bleibt nach dem operativen Eingriff aus, da die Samenleiter nicht mehr in der Harnröhre münden und sowohl die Prostata als auch die Samenblasen entfernt wurden. Betroffene Männer sind nach einer Prostatektomie somit zeugungsunfähig.

Bei einer radikalen Prostatektomie kann es zudem trotz nervschonender Operationstechniken dazu kommen, dass die für eine Erektion zuständigen Nerven beschädigt werden. Hiernach ist eine spontane Erektion nicht mehr möglich.

Je nach Tumorstadium kann der Versuch des Nerverhalts durchgeführt werden. Die Erfolgsraten liegen bei circa 50 Prozent, sodass Männer weiterhin spontan Geschlechtsverkehr ausüben können. Gelingt es nicht die Nerven zu erhalten, kann durch die Injektion eines Medikaments in den Schwellkörper des Penis eine vollständige Erektion für eine Dauer von circa zwei Stunden erreicht werden.

Retrograde Ejakulation

Bei der Behandlung einer Prostatavergrößerung, bei der die Prostatakapsel belassen wird, bleiben alle Kontinenz- und Sexualfunktionen erhalten. Der Samenerguss kann allerdings abgeschwächt sein oder ganz ausbleiben. Grund ist der rückwärtige Samenerguss in die Harnblase, die sogenannte retrograde Ejakulation.

Schwere der Folgen von Lebenssituation abhängig

Ob und wie schwerwiegend die Folgen der Erkrankung und der Behandlung der Prostata für den Betroffenen sind, hängt auch von der jeweiligen Lebenssituation des Mannes ab. So bereitet eine leichtgradige Belastungsinkontinenz einem sportlichen Wanderer mehr Probleme als einer „Leseratte“ oder einem leidenschaftlichen Schachspieler. Eine Impotenz ist unter Umständen für einen 70-Jährigen belanglos, während es für einen 50-Jährigen in neuer Partnerschaft einer Katastrophe gleichkommt.

Suchen Sie das Gespräch

Gute Kommunikation zwischen Therapeuten und Patient ist einer der wichtigsten medizinischen Wirkfaktoren und kann die Genesung positiv beeinflussen. Betroffene sollten sich daher nicht davor scheuen, das Gespräch mit erfahrenen Ärzten, Psychologen, Physiotherapeuten und Pflegekräften zu suchen, um über Ihre Situation und über Ihr Erleben zu sprechen. Das Verarbeiten und Bewältigen einer Erkrankung erfordert Zuversicht und ein Ziel vor Augen.

Eine Reha-Maßnahme kann ein erster guter Weg sein, hierfür wieder neue Kraft und Ausdauer zu erlangen um Lebenswege neu zu beschreiten.

Unser Experte für diesen Beitrag:

Dr. Bernhard Kuckhoff, Kommissarischer Leiter Urologie, Leitender Oberarzt im Helios Klinikum Rhein/Bonn Sieg