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Brachytherapie bei Prostatakrebs: Wann sie sinnvoll ist und wie sie abläuft

Die Brachytherapie ist neben der Operation und der äußeren Bestrahlung eine wichtige Behandlungsoption bei Prostatakrebs. Sie eignet sich nicht für jeden Patienten, kann aber in passenden Fällen eine sehr gezielte Therapiemöglichkeit sein. Wir erklären, wann die Brachytherapie sinnvoll ist, wie sie abläuft und welche Vor- und Nachteile sie hat.

27.05.2026 Lesedauer: - Min.
Medizinisch geprüft von Tobias Klatte
HDR Brachytherapie.
Inhaltsverzeichnis

Die wichtigsten Fakten zur Brachytherapie

  • Die Brachytherapie ist eine Form der Strahlentherapie, bei der die Prostata von innen bestrahlt wird.
  • Sie kommt vor allem bei lokal begrenztem Prostatakrebs mit niedrigem oder günstigem intermediärem Risiko infrage.
  • Bei ungünstigem intermediärem oder hohem Risiko wird sie meist mit anderen Behandlungen kombiniert.
  • Der Eingriff ist minimalinvasiv und erfolgt in der Regel in Narkose.
  • Nebenwirkungen betreffen vor allem die Harnwege, seltener den Darm oder die Sexualfunktion.
  • Ob die Methode geeignet ist, hängt immer von individuellen Voraussetzungen ab.

Was ist eine Brachytherapie?

Die Brachytherapie ist die innere Bestrahlung der Prostata. Dabei werden kleine radioaktive Strahlenquellen direkt in die Prostata eingebracht und das Tumorgewebe sehr gezielt bestrahlt.

Am häufigsten wird die sogenannte Low-Dose-Rate-Brachytherapie (LDR) eingesetzt:

  • Kleine Metallstifte („Seeds“) werden dauerhaft in die Prostata implantiert.
  • Sie geben über Wochen bis Monate kontinuierlich eine niedrige Strahlendosis ab.
  • Die Strahlung wirkt direkt im Tumorgewebe.

Diese Behandlung wird auch als Seeds-Therapie bei Prostatakrebs bezeichnet.

Daneben gibt es die High-Dose-Rate-Brachytherapie (HDR). Dabei wird die Strahlung nur vorübergehend über dünne Katheter abgegeben und die Strahlenquelle anschließend wieder entfernt. Die HDR-Brachytherapie wird häufig zusammen mit einer äußeren Bestrahlung eingesetzt.

Wann ist eine Brachytherapie sinnvoll?

Die Brachytherapie ist nicht für alle Männer mit Prostatakrebs die passende Behandlung. Sie wird gezielt bei Patienten eingesetzt, bei denen der Tumor auf die Prostata begrenzt ist und wenn bestimmte Voraussetzungen erfüllt sind. Sie kommt infrage bei:

  • lokal begrenztem Prostatakrebs mit niedrigem Risiko
  • ausgewählten Patienten mit günstigem intermediärem Risiko

„Ein günstiges intermediäres Risiko bedeutet: Der Tumor gehört nicht mehr zur niedrigsten Risikogruppe, zeigt aber noch keine Merkmale eines besonders aggressiven Verlaufs. In diesen Fällen kann eine Brachytherapie weiterhin eine geeignete, organerhaltende Behandlung sein. Die S3-Leitlinie nennt die LDR-Brachytherapie hier ausdrücklich als mögliche Monotherapie“, sagt Priv.-Doz. Dr. med. Tobias Klatte, Chefarzt der Klinik für Urologie im Helios Klinikum Bad Saarow.

Bei ungünstigem intermediärem Risiko oder hohem Risiko wird die Brachytherapie in der Regel nicht allein eingesetzt. Hier kann sie Teil einer Kombinationstherapie sein, zum Beispiel zusammen mit einer äußeren Bestrahlung und gegebenenfalls zusätzlich mit einer Hormontherapie.

„Wichtig ist außerdem, dass die Harnfunktion ausreichend gut ist. Ausgeprägte Beschwerden beim Wasserlassen, eine sehr große Prostata oder bestimmte Voroperationen können gegen eine Brachytherapie sprechen“, so Chefarzt Klatte.

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Helios Klinikum Bad Saarow

Chefarzt Klinik für Urologie, Leiter der Uroonkologischen Zentren

Ein günstiges intermediäres Risiko bedeutet: Der Tumor gehört nicht mehr zur niedrigsten Risikogruppe, zeigt aber noch keine Merkmale eines besonders aggressiven Verlaufs. In diesen Fällen kann eine Brachytherapie weiterhin eine geeignete, organerhaltende Behandlung sein.

Wie läuft eine Brachytherapie ab?

Vor dem Eingriff wird die Prostata genau vermessen. Dazu kommen in der Regel bildgebende Verfahren wie der transrektale Ultraschall zum Einsatz. Auf dieser Grundlage wird die Behandlung individuell geplant.

Die Implantation der Seeds erfolgt meist unter Narkose:

  • Eine Ultraschallsonde im Enddarm ermöglicht die genaue Steuerung.
  • Feine Nadeln werden über den Damm in die Prostata eingebracht.
  • Über diese Nadeln werden die Seeds an den zuvor geplanten Stellen platziert.

Der Eingriff dauert etwa 60 bis 90 Minuten. Häufig ist nur ein kurzer stationärer Aufenthalt nötig. Je nach Zentrum, individuellem Verlauf oder Begleiterkrankungen können Patienten oft nach ein bis drei Tagen wieder nach Hause.

Ziel der Behandlung ist es, das Tumorgewebe in der Prostata gezielt durch die Strahlung zu schädigen.

LDR Brachtherapie

Welche Vorteile hat die Brachytherapie bei Prostatakrebs?

Die Brachytherapie kann in geeigneten Fällen eine wirksame und vergleichsweise schonende Behandlungsoption sein.

Mögliche Vorteile sind:

  • gezielte Bestrahlung direkt in der Prostata
  • geringere Belastung des umliegenden Gewebes
  • kurzer stationärer Aufenthalt
  • keine große Operation nötig

Welche Risiken und Nebenwirkungen gibt es?

Wie jede Krebstherapie ist auch die Brachytherapie nicht frei von Risiken. Welche Beschwerden auftreten können, hängt unter anderem vom eingesetzten Verfahren und davon ab, ob zusätzlich eine äußere Bestrahlung erfolgt.

Mögliche häufigere Nebenwirkungen sind:

  • häufigerer Harndrang
  • erschwertes Wasserlassen
  • Brennen beim Wasserlassen
  • Blut im Urin oder in der Samenflüssigkeit
  • Reizungen der Harnwege oder des Enddarms
  • vorübergehende Erektionsstörungen

Diese Beschwerden treten vor allem in den ersten Wochen nach der Behandlung auf und bessern sich im Verlauf.

Schwerwiegende Nebenwirkungen sind selten. Ganz ausschließen lassen sie sich aber nicht. Dazu gehören zum Beispiel:

  • Harnverhalt, also die Unfähigkeit, die Blase zu entleeren
  • anhaltende Reizbeschwerden der Harnblase
  • Verengung der Harnröhre
  • Entzündungen oder Blutungen im Bereich des Enddarms
  • dauerhafte Erektionsstörungen
  • Infektionen
  • sehr selten Verletzungen umliegender Strukturen

Für wen ist die Brachytherapie nicht geeignet?

Eine Brachytherapie ist in der Regel nicht geeignet bei:

  • fortgeschrittenem Prostatakrebs mit Metastasen
  • Tumoren, die nicht mehr auf die Prostata begrenzt sind, sofern kein passendes Kombinationskonzept vorliegt
  • ausgeprägte Beschwerden beim Wasserlassen
  • bestimmte anatomische Voraussetzungen an der Prostata, die die sichere Durchführung erschweren
  • bestimmte Voroperationen an der Prostata, wenn dadurch das Nebenwirkungsrisiko erhöht wäre

„Ob eine Brachytherapie sinnvoll ist, sollte deshalb immer in einem erfahrenen Zentrum individuell geprüft werden“, rät der Leiter der uroonkologischen Zentren.

FAQ

Bei ausgewählten Patienten mit niedrigem Risiko oder günstigem intermediärem Risiko kann die Brachytherapie eine vergleichbare Tumorkontrolle erreichen wie eine Operation oder äußere Bestrahlung.   

Das hängt vom Verfahren ab. 

 

LDR-Brachytherapie: Die Seeds verbleiben dauerhaft im Körper. Die von ihnen abgegebene Strahlung nimmt aber im Lauf der Zeit deutlich ab.  Deshalb gelten meist für einen begrenzten Zeitraum Vorsichtsmaßnahmen, vor allem im engen Kontakt mit Schwangeren oder kleinen Kindern. Wie lange diese genau gelten, hängt unter anderem vom verwendeten radioaktiven Material und von den Empfehlungen des Zentrums ab.

 

HDR-Brachytherapie: Hier besteht die Radioaktivität nur im Moment der Bestrahlung. Sobald die Strahlenquelle entfernt wurde, bleibt keine Radioaktivität im Körper zurück.  

Die Seeds verbleiben als inaktive Metallstifte dauerhaft im Körper. Ihre Radioaktivität nimmt mit der Zeit ab, bis keine wirksame Strahlung mehr abgegeben wird.

Bei der Brachytherapie wird die Strahlung von innen direkt in die Prostata abgegeben. Bei der äußeren Bestrahlung wird sie von außen durch die Haut auf die Prostata gerichtet.

 

Beide Verfahren können wirksam sein. Welche Methode besser passt, hängt vom Tumor, von Begleiterkrankungen und von den Behandlungszielen ab. 

Nach der Brachytherapie finden regelmäßige Nachkontrollen statt. Dabei wird unter anderem der PSA-Wert überprüft. Im Rahmen der Kontrollen lässt sich beurteilen, wie gut die Behandlung wirkt und ob Nebenwirkungen auftreten, die behandelt werden sollten.  

Helios Klinikum Bad Saarow

Chefarzt Klinik für Urologie, Leiter der Uroonkologischen Zentren

Ob eine Brachytherapie sinnvoll ist, sollte deshalb immer in einem erfahrenen Zentrum individuell geprüft werden.

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S3-Leitlinie Prostatakarzinom Online: https://www.leitlinienprogramm-onkologie.de/... (Zugriff am 27.05.2026)