Perimenopause: Das Wichtigste auf einen Blick
- Die Perimenopause ist eine Phase der Wechseljahre, die meist in den 40ern beginnt.
- Es kommt zu Hormonschwankungen, unregelmäßigen Zyklen sowie veränderten Monatsblutungen.
- Eine sorgfältige Anamnese, die Schwere der Symptome und veränderte Zyklen geben wichtige Hinweise auf die Perimenopause.
- Hormontests sind nicht immer sinnvoll, können aber in bestimmten Fällen relevant sein.
- Ziel der Behandlung ist es, Beschwerden zu lindern, die Lebensqualität zu erhalten und Folgeerkrankungen vorzubeugen.
Was ist die Perimenopause?
Die Perimenopause ist die hormonelle Übergangsphase vor und um die Menopause herum. In dieser Phase der Wechseljahre verändert sich der Menstruationszyklus, der Hormonspiegel schwankt und die Funktion der Eierstöcke lässt nach. Ein erster Hinweis auf den Beginn der Perimenopause können Veränderungen im Menstruationszyklus sein, insbesondere wenn der Zyklus sonst regelmäßig war.
Meist beginnen die ersten Veränderungen im vierten Lebensjahrzehnt. Die Perimenopause kann aber deutlich früher oder später beginnen. Wie lange sie dauert, unterscheidet sich von Frau zu Frau.
"Perimenopausale Veränderungen können bereits deutlich früher einsetzen als viele annehmen. Die sogenannte prämature Ovarialinsuffizienz beschreibt den Verlust der Eierstockfunktion vor dem 40. Lebensjahr. Erste Hinweise können unregelmäßige Perioden, Hitzewallungen und Stimmungsschwankungen sein", sagt Svitlana Tymofeieva, Fachärztin für Frauenheilkunde und Geburtshilfe im Helios MVZ Köthen – Frauenheilkunde Bernburg.
Welche Symptome können in der Perimenopause auftreten?
Während der Perimenopause können verschiedene Beschwerden auftreten:
- unregelmäßige Menstruationszyklen
- stärkere oder schwächere Blutungen
- Hitzewallungen und Schweißausbrüche
- Haarausfall
- Gelenk- und Knochenschmerzen
- zyklisches Brustspannen
- Wassereinlagerungen (Ödeme) an Fingern oder Augenlidern
- Schlafstörungen
- Stimmungsschwankungen und/oder depressive Verstimmungen
Nicht jede Frau nimmt die Veränderungen wahr. Einige Frauen haben kaum Beschwerden, andere hingegen eine Vielzahl.
Wie lässt sich eine Perimenopause erkennen?
"Die Wechseljahre beginnen meist unbemerkt. Frauen nehmen kleine Veränderungen im Körper oder ihrer Stimmung wahr, können diese aber nicht einordnen. Erst mit der Zeit kann der Verdacht auf den Beginn der Wechseljahre beziehungsweise Perimenopause kommen", erklärt Svitlana Tymofeieva.
Die ersten Anzeichen können Veränderungen des Menstruationszyklus sein. Die Monatsblutungen können unregelmäßig werden und die Abstände zwischen den Blutungen können sich verändern. Laut Leitlinie Peri- und Postmenopause können Zykluslängenveränderungen von mindestens sieben Tagen bei Frauen, die zuvor eine regelmäßige Blutung hatten, auf den Beginn der Perimenopause hindeuten. Blutungsabstände von mehr als 60 Tagen können auf eine bereits fortgeschrittene Perimenopause hinweisen.
Die Rolle der Hormone während der Perimenopause
In der Perimenopause kommt es zu hormonellen Schwankungen. Durch einen abnehmenden Progesteronspiegel werden die Eisprünge seltener. Dies kann zu längeren, stärkeren oder unregelmäßigen Blutungen führen.
Zusätzlich wird die Produktion von Östrogen unregelmäßiger: Es kann sowohl zu einem Östrogenmangel als auch zu einem Überschuss kommen. Die Folgen sind unter anderem Hitzewallungen, Brustspannen oder Stimmungsschwankungen.
Auch die Follikelreserve nimmt während der Perimenopause ab. Dadurch kommt es zum Anstieg des follikelstimulierenden Hormons FSH und des luteinisierenden Hormons LH, um die nachlassende Eierstockfunktion auszugleichen. Auch der Testosteronspiegel nimmt kontinuierlich ab, was sich auf die Muskelkraft und Libido auswirken kann.
"Die hormonellen Schwankungen in der Perimenopause sind für viele der Beschwerden verantwortlich und werden von Frauen in unterschiedlicher Intensität wahrgenommen", sagt die Fachärztin.
Sind Hormontests in der Perimenopause sinnvoll?
Ein routinemäßiger Hormontest in der Perimenopause ist nicht besonders aussagekräftig. Die Gründe dafür sind unter anderem, dass es zu starken Schwankungen der Hormone kommt und es sich in erster Linie um eine Momentaufnahme handelt, die den Verlauf nicht verlässlich aufzeigt. Laut Leitlinie wird die Diagnose Perimenopause daher klinisch über die Symptome gestellt. Die prognostische Gültigkeit einer Hormonbestimmung in dieser Phase beträgt in der Regel nur eine Gültigkeit von zwei bis vier Wochen.
Ein Test kann jedoch unter gewissen Voraussetzungen infrage kommen, zum Beispiel:
- Bei Frauen zwischen dem 40. und 45. Lebensjahr mit Symptomen wie Hitzewallungen und Zyklusveränderungen ist eine FSH-Bestimmung empfohlen.
- Zum Ausschluss anderer Ursachen bei unklaren Beschwerden, die durch andere Erkrankungen mit ähnlichen Symptomen, wie einer Schilddrüsenerkrankung ausgelöst werden können.
- Bei Frauen unter 40 Jahren, die starke Symptome verspüren und bei denen es Hinweise auf eine eingeschränkte Eierstockfunktion (prämature Ovarialinsuffizienz - POI) gibt. In diesen Fällen wird der FSH-Wert ermittelt, um die Diagnose zu sichern.
Wenn keine medizinische Notwendigkeit (Indikation) vorliegt, handelt es sich bei einem Hormontest oftmals um eine individuelle Gesundheitsleistung (IGeL), die selbst bezahlt werden muss.
"Von frei verkäuflichen Speichel-Hormontests rate ich ab, da sie nicht für medizinisch-diagnostische Zwecke geeignet sind. Im Speichel selbst kommt nur ein Bruchteil von dem an, was im Blut an Hormonen nachweisbar ist. Daher können diese Tests oft einen Hormonmangel anzeigen, obwohl möglicherweise keiner vorliegt", sagt Svitlana Tymofeieva.
Was hilft bei Beschwerden in der Perimenopause?
Nicht jede Perimenopause ist behandlungsdürftig. Die Therapie sollte sich immer nach den individuellen Beschwerden richten und wie stark sie Alltag und Lebensqualität einschränken. Ziel ist es, Symptome zu lindern, die Lebensqualität zu erhalten und langfristigen Folgeerkrankungen möglichst vorzubeugen.
Welche nicht-medikamentösen Möglichkeiten gibt es?
Auch Anpassungen des Lebensstils können helfen, mit den Beschwerden der Perimenopause umzugehen. Laut S3-Leitlinie kann eine kognitive Verhaltenstherapie (KVT) insbesondere bei Schlafproblemen helfen und die Lebensqualität verbessern. Auch Verfahren wie progressive Muskelrelaxation, Yoga und Akupunktur können bei Hitzewallungen, Schweißausbrüchen und psychischen Beschwerden infrage kommen.
Wann kommt eine Hormontherapie infrage?
Bei Hitzewallungen und Schweißausbrüchen kann eine menopausale Hormontherapie (MHT) infrage kommen. Vorab sollten mögliche Kontraindikationen geprüft und Nutzen und Risiken der Hormontherapie mit der Patientin besprochen werden.
Für die Hormontherapie stehen unterschiedliche Präparate und Anwendungsformen zur Verfügung: Es können Hormone wie Östrogen und Progesteron oder eine Kombination beider Hormone in Form von Tabletten, als Gel oder Pflaster eingesetzt werden. Welche Behandlung geeignet ist, um das Hormonungleichgewicht auszugleichen, richtet sich individuell nach der Patientin.
Pflanzliche Medikamente und Nahrungsergänzungsmittel
Einige pflanzliche Präparate können laut Leitlinie bei Beschwerden in der Perimenopause ebenfalls eingesetzt werden. Die S3-Leitlinie nennt unter anderen Isoflavone, Traubensilberkerze (Cimicifuga) und Rhapontik-Rhabarber-Extrakt. Allerdings ist die Wirksamkeit unterschiedlich gut belegt, daher sollten Patientinnen mit ihrer Gynäkologin oder ihrem Gynäkologen über den Einsatz sprechen.
Wann sollte ich mit Beschwerden zum Arzt?
"Wenn Sie Beschwerden wie Hitzewallungen, einen veränderten Zyklus oder Stimmungsschwankungen haben, sollten Sie dies in Ihrer gynäkologischen Praxis besprechen. Insbesondere starke Blutungen sollten Sie ärztlich abklären lassen", rät die Fachärztin.
Ob eine Perimenopause vorliegt, lässt sich meist anhand des Alters, der Symptome und den vorliegenden Veränderungen im Zyklus einschätzen. Zudem können auch andere Ursachen, wie eine Erkrankung der Schilddrüse oder ein Nährstoffmangel in der Praxis ausgeschlossen werden.
Kann ich in der Perimenopause noch schwanger werden?
In der Perimenopause sinkt die Fruchtbarkeit. Es ist zwar weiterhin möglich schwanger zu werden, aber die Wahrscheinlichkeit nimmt ab. Besteht in der Perimenopause ein Kinderwunsch, kann eine Beratung mit der Frauenärztin beziehungsweise dem Frauenarzt sinnvoll sein.
Wenn kein Kinderwunsch besteht, sollte auch in der Perimenopause verhütet werden. Wenngleich die Wahrscheinlichkeit einer Schwangerschaft sinkt, ist sie nicht ausgeschlossen. Auch bei unregelmäßigen Zyklen können weiterhin Eisprünge auftreten, allerdings ist deren Zeitpunkt schwer vorherzusagen. Lassen Sie sich in der gynäkologischen Praxis beraten, welche Verhütungsmethode geeignet ist.
FAQ
Die Prämenopause geht der Perimenopause voran. Sie ist die erste Phase der hormonellen Umstellung, noch bevor es zu klassischen Symptomen kommt.
Die Perimenopause ist eine mehrjährige Übergangsphase im Rahmen der Wechseljahre. In dieser Zeit schwankt der Hormonspiegel stark und es kann zu Beschwerden kommen, die den Alltag stark beeinflussen können.
Die Menopause beschreibt den Zeitpunkt der letzten Regelblutung. Ob es tatsächlich die letzte war, lässt sich erst rückblickend bestimmen, wenn zwölf Monate ohne Menstruation aufgetreten sind.
Ja. Zu Beginn der Perimenopause können Sie noch regelmäßig Ihre Menstruation haben. Erste Anzeichen für den Start der Perimenopause sind unter anderem ein leicht veränderter Zyklus, stärkere oder schwächere Blutungen sowie ein veränderter Hormonspiegel. Ein Hormontest zur Diagnose der Perimenopause ist in der Regel nicht notwendig.
Ja, Sie sollten auch in der Perimenopause verhüten, wenn kein Kinderwunsch besteht. Zwar nimmt die Wahrscheinlichkeit ab, schwanger zu werden, aber es weiterhin möglich.
Die Beschwerden während der Perimenopause können neu auftreten und sich verändern. Eine wichtige Rolle spielen dabei zum Teil starke Hormonschwankungen, die Reaktionen im Körper auslösen. So kann es sein, dass Sie sich an manchen Tagen völlig normal fühlen und an anderen Tagen Beschwerden auftreten.
Wichtig: Nicht jede Frau nimmt die Beschwerden während der Perimenopause gleich wahr.
S3-Leitlinie Peri- und Postmenopause - Diagnostik und Interventionen Online: https://register.awmf.org/... (Zugriff am 04.11.2026)