Die Prostata: Lage und Funktion
Die Prostata, auch Vorsteherdrüse genannt, ist ein etwa kastaniengroßes Organ des Mannes. Sie liegt unterhalb der Harnblase und umschließt die Harnröhre.
Ihre wichtigste Aufgabe ist die Bildung eines milchig-weißen Sekrets, das beim Samenerguss gemeinsam mit den Spermien abgegeben wird. Dieses Sekret sorgt dafür, dass sich die Samenzellen bewegen können und ausreichend versorgt werden
Wie entsteht Prostatakrebs?
Wachstum und Teilung der Körperzellen sind normalerweise ein geregelter Prozess. Alte Zellen sterben ab und werden durch neue ersetzt. Durch Veränderungen im Erbgut einzelner Zellen (Mutationen) kann dieses Gleichgewicht gestört werden. Die Folge ist ein unkontrolliertes Zellwachstum, durch den ein Tumor entsteht.
Beim Prostatakrebs handelt es sich um eine solche bösartige Veränderung der Zellen der Vorsteherdrüse. Warum genau sich bei einem Mann ein Prostatakrebs entwickelt und bei einem anderen nicht, ist bislang nicht vollständig geklärt. Bekannt sind jedoch mehrere Risikofaktoren, etwa:
- höheres Lebensalter
- familiäre Vorbelastung
- bestimmte genetische Veränderungen
Die Erkrankungsrate steigt mit dem Alter. Bei Männern unter 40 Jahren ist Prostatakrebs selten. Deutlich häufiger tritt er ab dem 60. Lebensjahr auf. Das durchschnittliche Erkrankungsalter liegt bei etwa 71 Jahren.
Wichtig zu wissen: Ein erhöhtes Risiko bedeutet nicht automatisch, dass Prostatakrebs entsteht. Umgekehrt können auch Männer ohne bekannte Risikofaktoren erkranken.
Gutartige Prostatavergrößerung oder Prostatakrebs?
Mit zunehmendem Alter verändert sich die Prostata bei vielen Männern: Sie kann größer werden, ohne dass dies krankhaft ist. Die gutartige Vergrößerung ist häufig und nicht mit Prostatakrebs gleichzusetzen.
Die gutartige Prostatavergrößerung (benigne Prostatahyperplasie, BPH) entsteht meist im zentralen Bereich der Prostata in Umgebung der Harnröhre und kann Beschwerden beim Wasserlassen verursachen wie einen schwachen Harnstrahl oder häufigen Harndrang. Sie ist medikamentös oder auch durch ein operatives Verfahren gut behandelbar.
Prostatakrebs entsteht meist weiter entfernt von der Harnröhre im äußeren Teil der Vorsteherdrüse, wo er oft lange Zeit unbemerkt bleibt. Die Probleme beim Wasserlassen zeigen sich oft erst später, wenn sich der Tumor bereits vergrößert hat.
„Bemerken Sie bei sich ein verändertes Harnverhalten, beispielsweise mit einem verstärkten Harndrang oder erschwertem Wasserlassen, sollten Sie dies unbedingt urologisch abklären lassen. Ob hinter einer Veränderung eine ernsthafte Erkrankung steckt, lässt sich nicht zuverlässig selbst einschätzen“, sagt Prof. Dr. Thomas Steiner, Chefarzt Urologie und Leiter des Uroonkologischen Zentrums im Helios Klinikum Erfurt.
Prostatakrebs: Wachstum und Ausbreitung
Solange der Tumor auf die Prostata begrenzt ist, bestehen sehr gute Möglichkeiten, ihn optimal zu behandeln: Etwa durch Operation, Bestrahlung oder auch durch ein kontrolliertes Abwarten („aktive Überwachung“) bei sehr langsam wachsenden Tumoren.
Hat sich der Krebs bereits über die Prostata hinaus ausgebreitet, stehen heute verschiedene moderne Therapien zur Verfügung, um das Tumorwachstum zu bremsen, Beschwerden zu lindern und die Lebensqualität zu erhalten.
Welche Behandlung sinnvoll ist, hängt immer von mehreren Faktoren ab: Beispielsweise vom Tumorstadium, von den Eigenschaften des Tumors und auch den persönlichen Lebensumständen des Betroffenen.
Prostatakrebs nach Gewebetyp
Etwa 95 Prozent aller Prostatakrebserkrankungen sind sogenannte Adenokarzinome. Sie entstehen aus Drüsenzellen der Prostata und unterscheiden sich in ihrem Wachstumsverhalten teils deutlich.
Seltene Sonderformen sind unter anderem:
- neuroendokrine Prostatakarzinome
- intraduktale Karzinome (IDC-P)
- Sarkome der Prostata
Diese Formen spielen im klinischen Alltag eine untergeordnete Rolle, erfordern aber spezielle Therapiekonzepte.
Prostatakrebs nach Lokalisation
Die Prostata wird anatomisch in verschiedene Zonen eingeteilt:
- Periphere Zone
- Übergangszone (Transitionalzone)
- Zentrale Zone
Rund 70 bis 75 Prozent aller Prostatakarzinome entstehen in der peripheren Zone. Diese Lage erklärt, warum der Tumor lange unauffällig bleiben kann und bei der Früherkennung gezielt gesucht wird.
Fazit: Wissen schafft Sicherheit
Prostatakrebs ist eine häufige Erkrankung, die vor allem im höheren Lebensalter auftritt. Viele Tumore entwickeln sich langsam und bleiben lange auf die Prostata begrenzt. Das eröffnet gute Möglichkeiten für eine individuell angepasste Behandlung bis hin zur Heilung.
„Prostatakrebs ist kein Thema, das man aus Angst verdrängen sollte. Wer an den Früherkennungsuntersuchungen teilnimmt und auftretende Veränderungen frühzeitig abklären lässt, verschafft sich im Krankheitsfall den größten Handlungsspielraum“, sagt Professor Dr. Steiner.
FAQ
Prostatakrebs ist eine bösartige Erkrankung der Prostata, einer Drüse unterhalb der Harnblase. Er entsteht, wenn sich die Zellen der Prostata unkontrolliert vermehren. In vielen Fällen wächst der Tumor langsam und verursacht lange Zeit keine Beschwerden.
Nein. Prostatakrebs verläuft sehr unterschiedlich. Viele Tumore wachsen so langsam, dass sie über Jahre hinweg keine Probleme verursachen. Entscheidend sind vor allem das Tumorstadium, die Wachstumsgeschwindigkeit des Tumors und der Zeitpunkt der Diagnose.
In frühen Stadien verursacht Prostatakrebs häufig keine typischen Symptome. Beschwerden beim Wasserlassen können auftreten, sie können aber auch Folge einer gutartigen Prostatavergrößerung sein.
Die Teilnahme an den Früherkennungsuntersuchungen ab 45 Jahren ist daher besonders wichtig.
Prostatakrebs ist in Deutschland die häufigste Krebserkrankung bei Männern. Zuletzt registrierte das Robert Koch-Institut über 79.000 Neuerkrankungen in einem Jahr (Stand 2023).
Das Risiko steigt mit zunehmendem Alter deutlich an. Bei jüngeren Männern ist die Erkrankung sehr selten, ab dem 60. Lebensjahr tritt sie häufiger auf.