Im Takt bezaubernder Noten

Im Takt bezaubernder Noten

In der Epoche der Romantik erlebte die Hausmusik ihre Blütezeit. Doch wie sieht es heute aus? Bleibt neben dem Alltagsstress noch Platz für das gemeinsame Musizieren? Sollten wir uns vielleicht sogar Zeit dafür nehmen? Ja, sagen die Musiktherapeuten des Helios Park-Klinikums Leipzig. Musizieren fördert nämlich nicht nur Fähigkeiten wie den Tast- und Hörsinn oder die Feinmotorik, sondern produziert ganz nebenbei eine Vielzahl von Glückshormonen.

Die Idylle, von der man gern träumt, sie rückt in immer weitere Ferne. Stress, Hektik, Angst um den Planeten, Egoismus und Individualismus – mehr denn je sehnen sich viele Menschen nach der „guten alten Zeit“. Zumindest wünschen sie sich Epochen herbei, die im Rückblick für das Gute stehen. Die Romantik gehört zweifelsfrei dazu. Jenes Zeitalter der Erweckung, des rasanten Fortschritts, aber auch der Kunst. Kaum verwunderlich also, dass gerade hier, zur Mitte des 19. Jahrhunderts, die Hausmusik zu ihrer größten Blüte fand. Auch wenn diese vom einstigen Glanz inzwischen etwas eingebüßt hat, gibt es doch noch immer eine Vielzahl Menschen, die in häuslicher Runde vergnüglich musizieren.

Der Ausfall zahlreicher Musikkonzerte war eine der Folgeerscheinungen der Coronakrise. Um den Kontakt zum Publikum während dieser Zeit nicht zu verlieren, griffen etliche Künstler, vor allem Musiker, auf ein bewährtes Mittel zurück: Sie luden ihre Zuhörer zu sich ins heimische Wohnzimmer ein. Moderne Medien machen es möglich, dass auch wenige Quadratmeter Stube eine unbegrenzte Zahl Gäste zulassen. Starpianist Igor Levit nutzte diese Art der Präsentation ebenso wie Max Rabe, die US-Amerikanerin Billie Eilish oder Komiker Otto Waalkes, um nur einige wenige zu nennen. Hauskonzerte und Hausmusik erlebten somit eine fulminante Renaissance.

Ganz ohne Leistungsdruck

Claudia Steidte

Das Musizieren inmitten heimischer Vertrautheit als beliebtes Freizeitvergnügen war nie ganz verschwunden, betont Swaantje Paetzolt, Musiktherapeutin im Zentrum für Seelische Gesundheit des Helios Klinikums Leipzig. „Es gibt nach wie vor viele Musikinteressierte, bei denen Musik einen hohen Stellenwert besitzt“, ergänzt sie. Das romantische Bild, das die Hausmusik im Kopf erzeugt, sei nicht ganz falsch.

Sobald eigenhändig produzierte Musik im Haus erklingt, entsteht eine andere, freundliche Atmosphäre.

Claudia Steidte, Musiktherapeutin am Helios Park-Klinikum

Entscheidend, darin sind sich beide Frauen einig, sei es anzuerkennen, dass Hausmusik keineswegs professionellen Ansprüchen genügen muss. „Vielfach sind die Akteure Laien, die ein Instrument spielen können. Dabei ist es völlig gleichgültig, ob Familienmitglieder, Freunde oder Bekannte das musikalische Wagnis angehen“, ist Steidte überzeugt. Unkonventionell, aus den Gegebenheiten des Augenblicks erwachsen, treffen auch Amateure bei gemeinsamer Hausmusik mit viel Spaß an der Sache immer den „richtigen Ton“. Die Scham vor öffentlichen Auftritten, mit der so mancher Zeitgenosse zu kämpfen hat, entfällt dabei völlig.

Einfach Miteinander

Musiktherapie

Der fehlende Leistungsanspruch beflügele zudem die Mitwirkenden, nehme ihnen jeglichen Druck von der Schulter, bestätigt auch Musiktherapeutin Viola Grandke.

Maßgebend ist stattdessen die entstehende Gruppendynamik, der freudvolle Umgang miteinander, das Entstehen neuer Kreativität,

sagt Viola Grandke.

Ihrer Aussage nach erleben Menschen, die sich auf privater Ebene zusammenfinden und musizieren ein Gemeinschaftsgefühl, das weit über die Musik hinausgeht. Hausmusik garantiere vielmehr ein Beziehungserlebnis, vermittelte allen Beteiligten eine positive Resonanz, sorge unterschwellig aber auch dafür, das musikalische Niveau des Einzelnen zu heben. Denn das „lustvolle Spielen eines Instrumentes und der eigene Anspruch nach Leistung stellen natürlich keinen Gegensatz dar“, fügt Viola Grandke an. Darüber hinaus führe Musik die Mitwirkenden auf menschlicher Ebene zusammen. „Wenn der letzte Ton verklungen ist, packt man nicht einfach die Instrumente ein und geht seiner Wege, sondern kommt zwanglos ins Gespräch über das Alltagsgeschehen“, weiß Swaantje Paetzolt aus eigener Erfahrung zu berichten.

Förderung und Balsam zugleich

Kind spielt Geige

Der Wunsch vieler Eltern nach frühkindlicher Musikerziehung ihrer Sprösslinge in Kindergarten und Grundschule, aber auch die bei vielen Jugendlichen und Erwachsenen begehrten Kurse an den Musikschulen des Landes belegen zweifelsfrei, dass sich das Musizieren nach wie vor großer Beliebtheit erfreut. Wissenschaftlich belegt ist, dass Musik unterschiedlichste Hirnregionen gleichzeitig aktiviert. Zudem können etwa ruhige Klänge die Ausschüttung von Stresshormonen verringern. Eigenständiges Musizieren beansprucht sogar ein kompliziertes Zusammenspiel verschiedener Fähigkeiten, wozu der Hörsinn, das Sehen, der Tastsinn oder die Feinmotorik zählen. Während Musizieren bei Kindern nachweislich die geistige und soziale Entwicklung fördert, mobilisiert selbständiges Musizieren bei Erwachsenen das Gehirn und produziert eine Vielzahl Glückshormone. Musik ist und bleibt eben Balsam für die Seele.

Lifestyle & Vorsorge

Musiktherapie

Ein wichtiger Aspekt im Hinblick auf ein gesundes Frauenherz ist vor allem die Kenntnis der geschlechtsspezifischen Risikofaktoren. Die klassischen Risikofaktoren (Rauchen, Fettstoffwechselstörung, Zuckerkrankheit und Bluthochdruck) spielen bei Männern und Frauen eine Rolle, jedoch in unterschiedlichem Ausmaß. Achtsamkeit ist in vielerlei Hinsicht gefragt.

Für Frauen spielen zusätzlich die Schwangerschaftskomplikationen (Bluthochdruck oder Zuckerkrankheit während der Schwangerschaft) eine große Rolle. Rheumatische und Autoimmunerkrankungen treffen Männer und Frauen als Risikofaktoren für die Entwicklung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen gleichermaßen.

Alles in allem betrachtet geht es nicht nur um körperliche Fitness oder Aktivität und z. B. das Vermeiden von Übergewicht, sondern auch um das seelische Gleichgewicht und die Vermeidung von emotionalem Stress. Besonders jenseits der Menopause sollten Frauen mehr auf sich achten und auch vermeintlich herzfernen Symptomen Beachtung schenken.

Schon gewusst?

Deutschlandweit wird bereits seit 1932 am 22. November der Tag der Hausmusik begangen. Datiert ist er auf den Cäcilientag, der Schutzpatronin der Kirchenmusik. Nehmen wir diesen also zum Anlass und holen die Instrumente aus den Schubladen wieder heraus. Wie wäre es mit einem kleinen Familienkonzert während der bevorstehenden Weihnachtsfeiertage…