Helios Klinikum Bad Saarow

„Es ist mir ein großes Bedürfnis, meinen Landsleuten zu helfen“

„Es ist mir ein großes Bedürfnis, meinen Landsleuten zu helfen“

Ali Allam war elf Jahr alt, als er 1989 ohne Eltern als Kriegsflüchtling aus dem Libanon nach Deutschland kam. Fast drei Mal so lange lebt er nun schon in Berlin, doch seine Heimat hat der Leiter des OP-Zentrums im Helios Klinikum Bad Saarow nie vergessen.

Ali Allam

Herr Allam, können Sie uns etwas aus Ihrer beeindruckenden Lebensgeschichte erzählen? Warum sind sie aus Beirut nach Deutschland gekommen?

Von 1975 bis 1990 tobte im Libanon ein schrecklicher Bürgerkrieg. Während meine Eltern und meine verheiratete Schwester aus politischen Gründen Beirut nicht verlassen durften, wollten sie uns fünf Allam Brüder in Sicherheit wissen. Somit sind wir nach Berlin gekommen. Mein ältester Bruder, der bereits 1984 hierher ausgewandert war, holte mich dann nach und ich wuchs in der Obhut meiner Brüder auf. Ich hatte also großes Glück, meinen Weg in Deutschland gehen zu können. Nach meinem Medizinstudium, das ich in Leipzig absolviert habe, kam ich dann 2006 als Assistenzarzt ins Helios Klinikum nach Bad Saarow. Seit 2013 bin ich Oberarzt der Klinik für Anästhesiologie, Intensivmedizin und Schmerztherapie und leite darüber hinaus das OP-Zentrum.

Kind wird operiert

Warum engagieren Sie sich als Vorstandsmitglied in der Deutsch-Arabischen Medizinischen Gesellschaft e.V. (DAMG)?

Die Gründe meines Engagements für diese Gesellschaft sind vielfältig. Natürlich will ich in erster Linie Kranken helfen und ihr Leid lindern. In vielen Ländern dieser Welt ist es eben leider nicht selbstverständlich, dass der Patient die für ihn erforderliche Therapie bekommt. Außerdem fühle mich nach wie vor meinen arabischen Landsleuten sehr verbunden. So haben wir beispielsweise im Februar 2020 in einem libanesischen Krankenhaus gemeinsam mit einem deutsch-arabischen Ärzteteam schlimme Fehlbildungen bei Kindern operiert.

Krankenhaus im Libanon

Können Sie über den Einsatz noch mehr berichten?

Unser Ärzteteam flog im Februar 2020 von Berlin nach Beirut. Weiter ging es nach Saida, einer Stadt im Süden Libanons. Das dortige Krankenhaus gehört zum palästinensischen roten Halbmond und wurde ursprünglich für kranke Menschen aus den palästinensischen Flüchtlingslagern errichtet. Da aber momentan die politische und wirtschaftliche Lage im gesamten Libanon sehr schwierig ist, werden derzeit in dem Krankenhaus arme Menschen egal welcher Herkunft behandelt. Die Organisation und Planung unseres Einsatzes erfolgte über die Deutsch-Arabische Medizinische Gesellschaft  (DAMG).

Unser Ärzteteam bestand aus einer Kinderärztin, zwei Kinderchirurgen, zwei Gefäßchirurgen und zwei Anästhesisten. Die Vorbereitungen wurden von den vor Ort tätigen Ärzten durchgeführt, sodass wir nach entsprechender Vorstellung in den Sprechstunden sofort mit dem Operieren beginnen konnten. Wir haben viele kinderchirurgische Eingriffe durchgeführt: unter anderem urogenitale Fehlbildungen wie Hypospadien aber auch kosmetisch/funktionelle, wie z.B. Vernarbungen nach Verbrennungen an den Händen und Armen sowie Fremdkörperentfernungen. In der Gefäßchirurgie führten wir unter anderem Bypass-Operationen durch sowie Nekrektomien bei diabetischen Füßen und Varizen-Operationen.

Kind im Krankenhaus mit zwei Frauen am Bett

Wie wichtig ist es Ihnen, anderen zu helfen?

Als Vater von vier gesunden Kindern kann ich mich sehr glücklich schätzen. Umso wichtiger ist es für mich, kranken Kindern und ihren Eltern zu helfen. Das Gefühl, ein Kind mit einer Fehlbildung operiert und ihm geholfen zu haben sowie die Erleichterung der Eltern zu spüren, ist unbeschreiblich.

Darüber hinaus ist es eine große Bereicherung, mit den Ärzten vor Ort in den kollegialen Austausch zu treten, andere Strukturen und andere Gesundheitssysteme kennenzulernen und das Land aus einer anderen Perspektive zu sehen.

 

Das Interview führte Anja Paar.

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Unser Klinikum bietet mit nahezu allen Fachrichtungen eine hochspezialisierte Medizin. Als Akademisches Lehrkrankenhaus der Medizinischen Hochschule Brandenburg nimmt es an der Lehre und Ausbildung von Medizinstudenten teil.