Diagnose: Bikuspide Aortenklappe
Als Linus sechs Wochen alt ist, erfährt Familie Windisch von dem angeborenen Herzfehler. Ein auffälliges Herzgeräusch führt die Familie zum Kinderkardiologen, wo sie für Linus die Diagnose einer bikuspiden Aortenklappe erhält.
„Mir ist schon vorher aufgefallen, dass etwas nicht stimmt. Linus war ein sehr kleines Baby und viel zu ruhig. Nach der Diagnose wussten wir, woran das lag“, reflektiert Mama Kathrin.
Die bikuspide Aortenklappe gehört zu den häufigsten angeborenen Herzfehlern. Nach der Diagnose lässt sich die Familie untersuchen. Das Besondere daran: Nicht nur Vater Tino hat diese erbliche Aortenpathologie. Auch Tochter Julia hat eine Verdickung der Aortenklappe, mit der sie von nun an in regelmäßiger kardiologischer Kontrolle ist. „Ich wusste zwar um eine nicht näher bezeichnete Herzerkrankung meines Vaters und eines zeitigen Todes meines Großvaters, aber habe mir vorher um mich keine Gedanken gemacht. Allerdings habe ich immer schnell geschwitzt und war bei körperlicher Belastung rasch erschöpft. Nach der Familiendiagnose wusste ich, wo die Symptome herkommen und konnte aktiv behandelt werden“ erklärt der 50-jährige Tino Windisch.
Kann die Klappe nicht repariert werden, muss sie ersetzt werden. Üblicherweise kommen dafür mechanische oder biologische Klappenprothesen zum Einsatz. Mechanische Klappen sind zwar sehr haltbar, erfordern aber in der Regel eine dauerhafte Einnahme von gerinnungshemmenden Medikamenten. Diese sollen Blutgerinnsel verhindern, können jedoch das Risiko für Blutungskomplikationen erhöhen. Biologische Klappen kommen meist ohne lebenslange Blutverdünnung aus, können aber insbesondere bei jüngeren Menschen schneller verschleißen. „Daher bietet die Ross-OP eine besondere Alternative: Die Methode ist vor allem für Kinder, Jugendliche, junge Erwachsene, sportlich aktive Menschen, Patientinnen mit Schwangerschaftswunsch oder Menschen geeignet, die Gerinnungshemmer nicht gut vertragen“, differenziert Dr. Vollroth die Optionen.
Ross-OP versorgt Vater und Sohn am Herzzentrum Leipzig
Auch Tino Windisch soll ursprünglich eine mechanische Herzklappe an einer anderen Klinik erhalten. Nachdem Linus im Kinderherzzentrum Leipzig aber erfolgreich mit der Ross-OP versorgt wurde, spricht er aktiv die Experten am Herzzentrum Leipzig an: „Ich wollte keine künstliche Herzklappe haben. Außerdem habe ich bei Linus gesehen, wie erfolgreich die Ross-OP war. Also habe ich Dr. Vollroth angerufen und gefragt, ob er auch mich operieren würde. Ich hatte zwar Angst vor der Operation, aber Linus hat mir Kraft gegeben. Er ist den Weg vor mit gegangen; da wollte ich das auch schaffen“, schildert Tino Windisch. Im einzigen zertifizierten EMAH-Zentrum in Thüringen, Sachsen und Sachsen-Anhalt werden in Leipzig Erwachsene mit angeborenen Herzfehlern behandelt. So wird auch Papa Tino am Herzzentrum Leipzig operiert. Im Duo operieren Kinderherzchirurg Priv.-Doz. Dr. med. Marcel Vollroth und Herzchirurg Priv.-Doz. Dr. med. Alexey Dashkevich Vater und Sohn – jeweils im Lead mit ihrer speziellen Expertise. „Wir hatten von Anfang an großes Vertrauen in beide Ärzte. Sie haben uns immer das Gefühl gegeben, wichtig zu sein und uns alles genau erklärt. Und auch die Pflege hat enormes geleistet. Sie waren immer ruhig und haben sich toll um uns gekümmert“, resümiert Mama Kathrin den Aufenthalt am Herzzentrum Leipzig.
Vater und Sohn erhalten durch die Ross-Operation wieder eine höhere Lebensqualität. Linus kann wieder im Fußballverein spielen und ist darüber hinaus sehr sportlich. „Ich fand die Operation rückblickend gar nicht so schlimm und freu mich darüber, dass ich nun ohne große Einschränkungen wieder Sort treiben kann. Vorher konnte ich nie die komplette Spiellänge durchhalten, hab schnell geschwitzt und hatte einen hohen Puls. Jetzt ist das alles möglich“, blickt der 15-jährige Linus zurück auf die OP.
Vater Tino mit Sohn Linus und Arztteam
Familie Windisch bei Jugendweihe von Sohn Linus