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Krampfadern: Wenn Venen dauerhaft erweitert sind

Krampfadern sind häufig – und nicht immer nur ein kosmetisches Problem. Während sie bei manchen Menschen harmlos bleiben, verursachen sie bei anderen schwere Beine, Schwellungen, Juckreiz oder Hautveränderungen. Eine frühzeitige Abklärung hilft, Beschwerden einzuordnen und passende Behandlungsmöglichkeiten zu finden.

24.06.2026 Lesedauer: - Min.
Medizinisch geprüft von Alexios Spyropoulos, MHBA
Process of varicose vein surgery in hospital, operating room, vein sealing, venous vascular surgery concept
Inhaltsverzeichnis

Das Wichtigste im Überblick

  • Krampfadern sind dauerhaft erweiterte oberflächliche Venen, meist an den Beinen.
  • Nicht jede Krampfader ist gefährlich oder behandlungsbedürftig. Viele Menschen haben nur leichte oder kosmetisch störende Veränderungen.
  • Typische Risikofaktoren sind Veranlagung, langes Stehen oder Sitzen, Bewegungsmangel, Übergewicht, Schwangerschaften und zunehmendes Alter.
  • Die wichtigste Untersuchung ist der Duplex-Ultraschall.
  • Behandlungsmöglichkeiten reichen von Kompression und Bewegung bis hin zu modernen Eingriffen.
  • Sofort medizinisch abgeklärt werden müssen: starke einseitige Schwellung, zunehmende Schmerzen, Rötung oder Überwärmung am Bein.

Was sind Krampfadern?

Krampfadern, medizinisch Varizen genannt, sind dauerhaft erweiterte oberflächliche Venen. Sie treten meist an den Beinen auf und schimmern bläulich oder violett durch die Haut.

Bei gesunden Venen wirken die Venenklappen wie kleine Ventile, die verhindern, dass das Blut auf seinem Weg zurück zum Herzen wieder in die Beine sackt. Bei Krampfadern schließen diese Klappen häufig nicht mehr richtig. Dadurch staut sich das Blut in den oberflächlichen Venen, die Gefäßwände geben nach und die Vene erweitert sich. Die Folge sind geschlängelte, hervortretende oder knotig wirkende Venen an Waden, Kniekehlen oder den Innenseiten der Beine.

Krampfadern gehören zu den häufigsten Formen einer chronischen Venenerkrankung. Fachleute sprechen je nach Ausprägung auch von einer chronischen venösen Insuffizienz beziehungsweise einer Venenschwäche. Dabei gelingt es den Venen nicht mehr ausreichend, das venöse Blut aus den Beinen zurück zum Herzen zu transportieren.

Das bedeutet nicht automatisch, dass eine akute Gefahr besteht. Der verlangsamte Rückfluss kann aber Beschwerden wie Schwellungen, Schweregefühl oder Hautveränderungen begünstigen.

Eine mildere Form der erweiterten Venen sind Besenreiser. Die feinen rötlichen oder bläulichen Äderchen direkt unter der Haut sind meist harmlos, können aber optisch stören. Manchmal sind sie Hinweis auf eine beginnende Venenschwäche.

Wie entstehen Krampfadern?

Krampfadern entstehen meist durch ein Zusammenspiel mehrerer Faktoren. Häufig besteht eine familiäre Veranlagung zu schwächerem Bindegewebe oder schwächeren Venenwänden. Dadurch können Venenklappen leichter undicht werden. Ärztinnen und Ärzte sprechen dann von insuffizienten Venenklappen. Dadurch kann ein sogenannter venöser Reflux entstehen, bei dem Blut teilweise zurückfließt und sich in den oberflächlichen Venen staut.

Begünstigende Faktoren sind unter anderem:

Auch Abflussstörungen im tiefen Venensystem können Krampfadern begünstigen, etwa nach einer tiefen Venenthrombose.

Welche Symptome verursachen Krampfadern?

Viele Krampfadern verursachen lange keine oder nur geringe gesundheitliche Probleme. Betroffene spüren vor allem nach langem Stehen, Sitzen oder an warmen Tagen Beschwerden. Typische Symptome sind:

  • schwere, müde oder gespannte Beine
  • Schwellungen an Knöcheln oder Unterschenkeln
  • Schmerzen oder Druckgefühl
  • Juckreiz
  • nächtliche Wadenkrämpfe
  • sichtbare Hautveränderungen
  • oberflächliche Venenthrombose

Wann sollten Krampfadern ärztlich abgeklärt werden?

Eine ärztliche Abklärung ist sinnvoll, wenn Krampfadern Beschwerden verursachen, sich deutlich verändern oder erstmals ausgeprägt auftreten.

Zeitnah ärztlich abklären lassen sollten Sie Krampfadern bei:

  • Schwellung eines Beines
  • zunehmenden Schmerzen
  • Hautverfärbungen, Ekzemen oder offenen Stellen
  • Blutungen aus einer Krampfader

Mögliche Folgen einer chronischen Venenschwäche

Krampfadern sind häufig gut behandelbar. Unbehandelt oder bei fortgeschrittener Venenschwäche können sie jedoch zu Problemen führen. Möglich sind zum Beispiel:

  • oberflächliche Venenentzündungen
  • Blutungen aus stark erweiterten Venen
  • zunehmende Schwellneigung
  • Hautverfärbungen oder Ekzeme
  • offene, schlecht heilende Wunden am Unterschenkel (Ulcus cruris)

Diese Komplikationen treten nicht bei allen Betroffenen auf. Sie sind aber ein Grund, Krampfadern nicht dauerhaft zu ignorieren, wenn Beschwerden oder Hautveränderungen dazukommen.

Wie werden Krampfadern diagnostiziert?

Am Anfang steht ein Gespräch (Anamnese) und eine körperliche Untersuchung. Die Ärztin oder der Arzt schaut sich die Beine im Stehen und Liegen an, fragt nach Beschwerden, Vorerkrankungen, familiären Häufigkeiten, Schwangerschaften, Medikamenten und beruflicher Belastung durch langes Stehen oder Sitzen.

Die wichtigste Untersuchung ist in der Regel die Duplexsonographie (Duplex-Ultraschall beziehungsweise Venenultraschall). „Dabei werden die Venen sichtbar gemacht und gleichzeitig Blutfluss, Klappenfunktion und Durchgängigkeit der tiefen Venen beurteilt. So lässt sich feststellen, welche Venen betroffen sind und welche Behandlung sinnvoll sein kann“, sagt Dr. Alexios Spyropoulos, Facharzt für Allgemein- und Gefäßchirurgie, Phlebologe und Ärztlicher Wundexperte im Helios MVZ Cuxhaven.

Helios MVZ Cuxhaven

Facharzt für Allgemein- und Gefäßchirurgie, Phlebologe

Bei der Duplexsonographie werden die Venen sichtbar gemacht und gleichzeitig Blutfluss, Klappenfunktion und Durchgängigkeit der tiefen Venen beurteilt. So lässt sich feststellen, welche Venen betroffen sind und welche Behandlung sinnvoll sein kann.

Wie werden Krampfadern behandelt?

Welche Behandlung passt, hängt vom Befund, den Beschwerden, der betroffenen Vene, Begleiterkrankungen und den persönlichen Wünschen ab. Ziel ist, Beschwerden zu lindern, Komplikationen vorzubeugen und die Lebensqualität zu verbessern.

Allgemeine Maßnahmen und Kompression

Bei leichten Beschwerden können helfen:

  • Bewegung
  • Hochlagern der Beine
  • Gewichtsreduktion bei starkem Übergewicht
  • Kompressionstrümpfe

Indem Kompressionsstrümpfe von außen Druck ausüben, unterstützen sie den Rückfluss des Blutes zum Herzen. Durch Kompression können Beschwerden wie Schwellung oder Schmerzen bei manchen Menschen zwar gelindert werden, sie beseitigt Krampfadern aber nicht.

Endovenöse Verfahren: Lasern und Radiofrequenz

Bei endovenösen Verfahren wird die betroffene Vene von innen verschlossen. Dazu wird ein dünner Katheter in die Vene eingeführt. Mittels Laser- oder Radiofrequenzablation wird Wärme erzeugt, sodass sich die Vene verschließt. Das Blut fließt anschließend über gesunde Venen zurück zum Herzen.

Endovenöse Verfahren sind ähnlich wirksam wie eine Operation und werden häufig eingesetzt. Mögliche Nebenwirkungen sind

  • Schmerzen
  • Blutergüsse
  • Verhärtungen
  • Hautverfärbungen
  • selten auch Nervenreizungen

Im Vergleich zur klassischen Operation treten diese Nebenwirkungen seltener auf.

Wichtig: Die Kostenübernahme sollte vorab mit der Krankenkasse geklärt werden, da nicht alle gesetzlichen Krankenkassen jedes endovenöse Verfahren automatisch übernehmen.

Sklerotherapie: Krampfadern veröden

Bei der Sklerotherapie wird ein Verödungsmittel als Flüssigkeit oder Schaum in die betroffene Vene gespritzt. Die Behandlung mit Schaum wird auch Schaumsklerosierung genannt. Das Mittel reizt die innere Venenwand, sodass sich die Vene verschließt und später vom Körper umgebaut wird.

Die Methode eignet sich je nach Befund für Besenreiser, kleinere Krampfadern, Seitenäste oder bestimmte größere Venen. Nebenwirkungen können Hautverfärbungen, Verhärtungen oder eine oberflächliche Venenentzündung sein. Häufig sind mehrere Sitzungen nötig.

Operation: Venenstripping und Phlebektomie

Beim Venenstripping wird eine erkrankte Stammvene über kleine Schnitte abgebunden und entfernt. Häufig ist die große oder kleine Stammvene des oberflächlichen Venensystems betroffen. Zusätzlich können Seitenastvarizen beziehungsweise Seitenastkrampfadern über sehr kleine Hautschnitte entfernt werden. Dieses Verfahren heißt Phlebektomie oder Miniphlebektomie.

„Die Operation kann in der Regel Beschwerden wie Schmerzen, Schwellungen und Juckreiz lindern“, sagt Dr. Spyropoulos. Mögliche Nebenwirkungen sind Blutergüsse, Wundinfektionen, Narben, Hautverfärbungen oder selten Nervenverletzungen und Thrombosen.

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Nach der Behandlung

Nach einer Krampfaderbehandlung ist frühe Bewegung meist ausdrücklich erwünscht. Gehen aktiviert die Wadenmuskelpumpe und unterstützt den venösen Rückfluss.

Ob und wie lange Kompressionsstrümpfe getragen werden sollen, hängt vom Verfahren, vom Befund und von der ärztlichen Empfehlung ab und wird deswegen immer individuell festgelegt.

Was hilft gegen Krampfadern im Alltag?

Sie können Krampfadern nicht immer verhindern, besonders wenn eine erbliche Veranlagung besteht. Aber Sie können einiges tun, um Beschwerden zu lindern und die Venen zu unterstützen. Hilfreich sind:

  • regelmäßig gehen, spazieren, Rad fahren oder schwimmen
  • langes Stehen und Sitzen unterbrechen
  • die Beine mehrmals täglich hochlagern
  • Fuß- und Knöchelgymnastik im Sitzen
  • auf die Zehenspitzen stellen und langsam wippen
  • bei langen Auto-, Zug- oder Flugreisen regelmäßig Pausen einlegen beziehungsweise aufstehen und gehen
  • ausreichend trinken
  • starkes Übergewicht reduzieren
  • einschnürende Kleidung an Beinen, Leisten oder Taille meiden
  • hohe Absätze nicht dauerhaft tragen

„Eine Regel lautet: „Lieber laufen und liegen als stehen und sitzen.“ Entscheidend ist nicht die sportliche Höchstleistung, sondern regelmäßige Bewegung im Alltag“, rät Dr. Spyropoulos.

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FAQ

Meist sind Krampfadern nicht akut gefährlich. Sie können aber Beschwerden verursachen und in fortgeschrittenen Fällen zu Hautveränderungen, Venenentzündungen oder offenen Wunden beitragen. Deshalb ist eine ärztliche Abklärung sinnvoll.

Dauerhaft erweiterte Krampfadern bilden sich meist nicht vollständig von allein zurück. Sie gelten als chronisches Venenleiden. Die Beschwerden können sich aber durch Bewegung, Hochlagern und Kompression bessern. In der Schwangerschaft entstandene Krampfadern können sich nach der Entbindung teilweise zurückbilden. 

Cremes, Salben oder Venentabletten können bei manchen Menschen Beschwerden wie Schwellungen, Juckreiz oder Spannungsgefühl lindern. Gegen die Krampfadern selbst helfen sie aber nicht. In der Regel ist der Nutzen solcher Mittel wissenschaftlich auch nicht eindeutig belegt.

Kompressionsstrümpfe können Beschwerden wie Schwellungen, schwere Beine oder Spannungsgefühl lindern. Die Krampfadern selbst verschwinden dadurch jedoch nicht. 

Eine Behandlung der Venenerkrankung ist sinnvoll, wenn Krampfadern Beschwerden bereiten, die Haut verändern, Komplikationen auftreten oder die Krampfadern die Betroffenen stark belasten. Welche Methode geeignet ist, hängt vom Ultraschallbefund und den individuellen Bedürfnissen ab. 

Viele Betroffene fragen sich, ob es für den Körper gefährlich ist, wenn eine Vene „fehlt“. Bei Krampfadern ist die betroffene Vene bereits krankhaft verändert und transportiert das Blut nicht mehr zuverlässig.

 

Wird diese Vene entfernt oder verschlossen, übernimmt das gesunde Venensystem den Rücktransport des Blutes. Die Blutversorgung des Beins wird dadurch in der Regel nicht verschlechtert.

Ja. Auch nach einer erfolgreichen Behandlung können sich später neue Krampfadern bilden. Das liegt daran, dass die Veranlagung zur Venenschwäche bestehen bleibt. Bewegung, Gewichtskontrolle und regelmäßige Kontrolle bei Beschwerden können helfen, neue Probleme früh zu erkennen.

Stark ausgeprägte Krampfadern können in seltenen Fällen bluten, etwa nach kleinen Verletzungen. Blutungen aus Krampfadern sollten ärztlich abgeklärt werden, vor allem wenn sie wiederholt auftreten. 

Geeignete Anlaufstellen sind:

  • Hausärztinnen und Hausärzte
  • Fachärztinnen und Fachärzte für Gefäßmedizin beziehungsweise Angiologie, Phlebologie oder Gefäßchirurgie

 

Wichtig ist, dass bei behandlungsbedürftigen Krampfadern ein Duplex-Ultraschall durchgeführt wird.