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Trikuspidalklappeninsuffizienz: Wenn die Herzklappe undicht ist

Die Trikuspidalklappeninsuffizienz (TI) ist die häufigste Erkrankung der Trikuspidalklappe. Bei der TI ist die Herzklappe undicht, sodass Blut im Herzen nicht nur vor, sondern auch durch die undichte Herzklappe zurückfließt. Erfahren Sie, welche Symptome typisch sind und welche Behandlungsmöglichkeiten es gibt.

06.08.2026 Lesedauer: - Min.
Medizinisch geprüft von Marc M. Vorpahl, Mirko Doss
heart rate monitor in hospital
Inhaltsverzeichnis

Trikuspidalklappeninsuffizienz: Das Wichtigste in Kürze

  • Bei einer Trikuspidalklappeninsuffizienz schließt die Herzklappe nicht mehr vollständig, sodass Blut zurückfließen kann.
  • Ein Teil des Blutes fließt dabei aus der rechten Herzkammer zurück in den rechten Vorhof.
  • Anzeichen können Wassereinlagerungen (in den Beinen und im Bauchraum), Appetitlosigkeit oder auch Magen-Darm-Beschwerden sein.
  • Die Echokardiografie (Ultraschall des Herzens) ist die wichtigste Untersuchung. Sie zeigt wie gut die Herzklappe arbeitet – ganz ohne Schmerzen oder Röntgenstrahlung
  • Für die Behandlung kommen häufig medikamentöse Verfahren in Betracht
  • Schwere Formen können je nach Befund per Katheterverfahren oder einer Operation behandelt werden. Dabei wird eine Klappe repariert oder auch ersetzt.

Was ist die Trikuspidalklappe?

Die Trikuspidalklappe dient als Ventil zwischen dem rechten Vorhof und der rechten Herzkammer. Sie besteht in der Regel aus drei Klappensegeln, die an einem Bindegewebsring aufgehängt sind. Zusätzlich sind die Enden der Segel mit Sehnenfäden an der rechten Herzkammer befestigt.

„Die Trikuspidalklappe reguliert den Blutstrom vom rechten Vorhof in die rechte Herzkammer. Mit jedem Herzschlag zieht sich der Herzmuskel zusammen und pumpt damit das Blut vorwärts. Dabei öffnet sich die Herzklappe und sauerstoffarmes Blut fließt aus dem gesamten Körper über den rechten Vorhof in die rechte Herzkammer und schließlich in den Lungenkreislauf. Bei einer Undichtigkeit der Trikuspidalklappe ist dieser Vorgang empfindlich gestört“, sagt Prof. Dr. Marc M. Vorpahl, Chefarzt Kardiologie, Rhythmologie und Angiologie im Helios Klinikum Siegburg.

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Was ist eine Trikuspidalklappeninsuffizienz?

Bei einer Trikuspidalklappeninsuffizienz ist die Klappe undicht, sodass Blut zurück in den rechten Vorhof fließt und damit zu einem erheblichen Rückstau in den eigentlich zuführenden Venen des gesamten Körpers führen kann. Je nach Beschwerdebild und Befund kann die undichte Trikuspidalklappe durch eine Reparatur eine Rekonstruktion oder auch einen Ersatz, behandelt werden.

Es wird zwischen einer primären und sekundären Trikuspidalklappeninsuffizienz unterschieden:

  • Die primäre (organische) TI ist eine strukturelle Veränderung (Defekt) der Herzsegel. Auslöser können Verschleiß, angeborene Defekte und Entzündungen der Segel bei einer Endokarditis sein. Diese Veränderungen finden sich aber eher selten und machen circa zehn Prozent der Fälle aus.
  • Die sekundäre (funktionelle) TI ist deutlich häufiger (90 Prozent). Bei dieser Form ist die Herzklappe strukturell eigentlich gesund – sie wird undicht, weil die rechte Herzkammer sich stark vergrößert hat und die Klappe dadurch auseinandergezogen wird und nicht mehr richtig schließen kann. Das Problem liegt also nicht an der Herzklappe, sondern an dem vergrößerten Herzen um sie herum. Die Ursache dafür kann in einer linksseitigen Klappenfehlfunktion (Aorten- oder Mitralklappe), einer Myokardfehlfunktion, einem chronischen Lungenhochdruck oder einem stark vergrößerten Vorhof liegen.

Welche Symptome verursacht eine Trikuspidalklappeninsuffizienz?

Zu den vorherrschenden Symptomen zählen:

  • Atemnot
  • Leistungsminderung
  • Müdigkeit
  • Wassereinlagerungen in den Beinen (Ödeme), dem Bauch (Aszites) oder auch im ganzen Körper (Anasarka)

Allerdings sind die Beschwerden zu Beginn oft unspezifisch. Auch Herzrhythmusstörungen sind möglich.

In fortgeschrittenen Stadien können spezifischere Anzeichen auftreten:

  • erweiterte Halsvenen (Jugularvenen) mit auffälligem Venenpuls
  • vergrößerte Leber und Milz
  • Bauchwasser (Aszites)
  • bindegewebige Lebervernarbung (kardiale Leberzirrhose) sind möglich

Es kann jedoch auch vorkommen, dass Patientinnen und Patienten symptomarm oder in der eigenen Wahrnehmung auch vollkommen symptomfrei bleiben.

Was sind Ursachen einer undichten Trikuspidalklappe?

In den meisten Fällen ist die Ursache der Herzklappenundichtigkeit eine Überdehnung des rechten Ventrikels, der zu einer Dehnung des Klappenrings (Anulus) und Zug an den Klappensegeln (Tethering) führt.

Ein erhöhter Blutdruck in den Lungenarterien kann durch den größeren Widerstand zu einer Mehrbelastung und schließlich zu einer Erschöpfung des rechten Ventrikels führen, die ebenfalls eine TI auslösen kann. Seltener ist die Erkrankung auf einen Abriss eines Sehnenfadens der Trikuspidalklappe oder einen Defekt infolge einer bakteriellen Entzündung (Endokarditis) zurückzuführen.

Wie wird eine Trikuspidalklappeninsuffizienz diagnostiziert?

Zunächst erfasst die Ärztin oder der Arzt alle Informationen zu Symptomen und Krankheitsgeschichte. Anschließend folgt die körperliche Untersuchung, wobei unter anderem das Herz auf auffällige Herzgeräusche abgehört wird.

„Die Echokardiografie, also der Ultraschall des Herzens, ist die Standuntersuchung im Rahmen der Diagnostik einer Trikuspidalklappeninsuffizienz", sagt Prof. Dr. Marc M. Vorpahl. Bei der Untersuchung sehen Kardiologinnen und Kardiologen die Klappenstruktur und den Blutfluss in Echtzeit. So können sie auch erkennen, wie viel Blut durch die undichte Klappe zurückfließt.

Darüber hinaus kann ein Herzultraschall über die Speiseröhre (transösophageale Echokardiografie, TEE) notwendig sein. Dabei wird das Herz aus nächster Nähe betrachtet. So lassen sich die Ursache und insbesondere die Möglichkeiten der Behandlung oft entscheidend beurteilen. Treten die Beschwerden nur unter Belastung auf, kann zudem ein Stress-Echo sinnvoll sein. Dabei wird das Herz unter körperlicher Belastung oder Medikamentenwirkung untersucht.

Helios Klinikum Siegburg

Chefarzt Kardiologie, Rhythmologie und Angiologie

Die Echokardiografie, also der Ultraschall des Herzens, ist die Standuntersuchung im Rahmen der Diagnostik einer Trikuspidalklappeninsuffizienz.

Wie wird eine Trikuspidalklappeninsuffizienz behandelt?

In frühen Stadien wird in der Regel zunächst die auslösende Grunderkrankung und eine mögliche Herzschwäche medikamentös behandelt. Wenn die Symptome fortschreiten, können weitere Verfahren in Frage kommen.

Die operative Behandlung der Trikuspidalklappe wird bei bestehender Komplexität der Grund- und Nebenerkrankungen eher zurückhaltend durchgeführt. In der überwiegenden Zahl der Fälle – 80 bis 90 Prozent – wird die operative Behandlung der Trikuspidalklappe als Kombinationseingriff durchgeführt, wenn auch noch eine andere Herzklappe oder Bypässe gemacht werden müssen. Die Herzklappe wird dann meistens durch eine minimalinvasive Operation (Schlüssellochtechnik) repariert und die Dichtigkeit wiederhergestellt. In seltenen Fällen muss die Herzklappe ersetzt werden, wenn eine Reparatur nicht möglich ist.

Katheterbasierte Verfahren bei Trikuspidalinsuffizienz: TEER

Das TEER-Verfahren (Transcatheter Edge-to-Edge Repair) kann für Patientinnen und Patienten infrage kommen, wenn sie

  • eine hochgradige, therapierefraktäre und symptomatische TI haben
  • das Operationsrisiko aufgrund ihres hohen Alters oder der Begleiterkrankungen als sehr hoch eingeschätzt wird.

Als Zugang für den Katheter reicht ein „Stift großer“ Einstich im Bereich der Leistengefäße. Von dort wird der Katheter bis zu Herzklappe vorgebracht. Unter Ultraschall- und Röntgenkontrolle werden die Klappensegel durch eine oder auch weitere kleine „Klammern“ verbunden. Dadurch lässt sich die Undichtigkeit der Trikuspidalklappe präzise und schonend verringern.

„Im Vergleich zu einer offenen Herzoperation ist der Krankenhausaufenthalt nach einer minimalinvasiven Reparatur der Trikuspidalklappe mittels Katheterverfahren in der Regel deutlich kürzer. Die in aller Regel auch erheblich vorerkrankten Patientinnen und Patienten sind dank des schonenden Verfahrens auch deutlich schneller wieder auf den Beinen", sagt Prof. Dr. Marc M. Vorpahl.

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Helios Klinikum Siegburg

Chefarzt Herzchirurgie

Bei einer Trikuspidalklappenrekonstruktion wird die natürliche Form der Trikuspidalklappe wiederhergestellt. Dafür wird ein C-förmiger „offener Ring“ eingenäht.

Operative Trikuspidalklappenrekonstruktion

Der minimalinvasive Eingriff findet in Vollnarkose und ohne großen Brustschnitt statt. Zugang zu Trikuspidalklappe ermöglicht ein kleiner Schnitt an der rechten Seite des Brustkorbs. Über die Gefäße in der rechten Leiste wird die Herz-Lungen-Maschine angeschlossen. Das Herz muss für die Rekonstruktion nicht stillgelegt werden.

"Bei einer Trikuspidalklappenrekonstruktion wird die natürliche Form der Trikuspidalklappe wiederhergestellt. Dafür wird ein C-förmiger „offener Ring“ eingenäht. Anschließend testen wir die Funktion der Trikuspidalklappe. Ist der Test erfolgreich, kann die Herz-Lungen-Maschine entfernt und die Haut wieder verschlossen werden", sagt Prof. Dr. Mirko Doss, Siegburger Chefarzt der Herzchirurgie.

Nach dem Eingriff werden Ihre Vitalparameter in den darauffolgenden 24 Stunden engmaschig auf einer Wachstation (Intermediate Care-Station) überwacht. Wenn Ihr Zustand es erlaubt, werden Sie zeitnah auf die Normalstation verlegt. Die Aufenthaltsdauer beträgt in der Regel sieben bis zehn Tage.

FAQ

In den meisten Fällen ist eine leichte Trikuspidalklappeninsuffizienz harmlos und erfordert keine Therapie.

 

Eine undichte Trikuspidalklappe ist keine Seltenheit: Bei über 50 Prozent der Menschen lässt sich mit der exzellenten Bildqualität der modernen Geräte eine minimale TI nachweisen. Sie verursacht aber keine Beschwerden und hat keinen Einfluss auf die Lebenserwartung. Ob regelmäßige Kontrollen notwendig sind, wird individuell entschieden.

Ob eine Trikuspidalklappeninsuffizienz sich zurückbildet, hängt von der Ursache ab.

 

Besteht eine funktionelle Herzklappenerkrankung aufgrund einer anderen Grunderkrankung verringert und stabilisiert sich die Undichtigkeit häufig, wenn die Grunderkrankung erfolgreich behandelt werden kann.

Die Schweregrade der Trikuspidalklappeninsuffizienz umfassen traditionell:

 

  • Grad 1: gering
  • Grad 2: mäßig
  • Grad 3: hochgradig

 

Erweitert wird die Einteilung in schweren Fällen um:

 

  • Grad 4: massiv
  • Grad 5: sintflutartig

 

Die Einteilung erfolgt unter anderem durch eine Ultraschalluntersuchung des Herzens.

Wenn trotz optimaler, leitliniengerechter medikamentöser Therapie weiterhin eine hochgradige TI besteht, sollte die Patientin oder Patient in einem spezialisierten Zentrum vorgestellt werden. Ob dann ein operativer Eingriff oder ein minimalinvasives Verfahren mittels eines Kathetersystems infrage kommt, entscheidet das Herzteam individuell und in Absprache mit der Patientin oder dem Patient sowie den Zuweisenden.

 

Das Herzteam bündelt die interdisziplinäre Expertise der Kolleginnen und Kollegen der Fachabteilung für Anästhesie, Kardiologie und Herzchirurgie, um ein optimales Ergebnis zu erreichen. Die Patientinnen und Patienten haben dadurch die Möglichkeit, die für sie infrage kommenden Behandlungsoptionen abzuwägen und dem vom Herzteam empfohlenen Vorgehen informiert zustimmen zu können.

Durch eine Trikuspidalklappenrekonstruktion wird der Rückfluss der Herzklappe beseitigt und damit die krankhafte Belastung des rechten Herzens behandelt.

 

Dadurch lassen Beschwerden wie zum Beispiel Schwellungen der Beine, Wassereinlagerungen im Bauch, Abgeschlagenheit, Müdigkeit und auch Atemnot in aller Regel deutlich nach.

Das Operationsrisiko einer Trikuspidalklappenrekonstruktion wird durch Faktoren wie das Lebensalter, die körperliche Verfassung und das Vorliegen von Begleiterkrankungen beeinflusst. Eine Rolle spielt auch, ob es sich um eine geplante Operation oder einen dringlichen Eingriff handelt, oder auch, ob andere Strukturen des Herzens mitoperiert werden müssen.

Besprechen Sie mit Ihrer Kardiologin oder Ihrem Kardiologen, ob und wie intensiv Sie trainieren können. Das hängt unter anderem vom Schweregrad der Erkrankung, möglichen Beschwerden sowie der Herzfunktion ab.

 

Auch die Teilnahme an Herzsportgruppen kann sinnvoll sein, um unter fachlicher Anleitung die Leistungsfähigkeit zu verbessern und mögliche Ängste abzubauen.

ESC Pocket Guidelines: Sportkardiologie und lörperliches Training für Patienten mit kardiovaskülären Erkrankungen Online: https://herzmedizin.de/... (Zugriff am 06.08.2026)


Erkrankungen der Mitral- und Trikuspidalklappe Online: https://www.springermedizin.de/... (Zugriff am 06.08.2026)


Pocket Leitlinie Herzklappenerkrankungen Online: https://herzmedizin.de/... (Zugriff am 06.08.2026)