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Angiographie: Was bei der Untersuchung passiert und wann sie eingesetzt wird

Eine Angiographie kann zur Diagnostik und Therapie von Erkrankungen der Gefäße (Arterien und Venen) eingesetzt werden. Ist die Untersuchung schmerzhaft? Welche Risiken gibt es? Und was passiert genau dabei? Wir beantworten die wichtigsten Fragen.

29.06.2026 Lesedauer: - Min.
Medizinisch geprüft von unseren Helios Expert:innen
Visualization of the heart vessels (coronary vessels) on the monitor in the operating x-ray lab.
Inhaltsverzeichnis

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Eine Angiographie hilft dabei, in Blutgefäßen Verengungen, Verschlüsse oder Aneurysmen zu erkennen.
  • Sie wird erforderlich, wenn ein Gefäß-Ultraschall nicht für eine exakte Diagnose oder eine Therapieplanung ausreicht oder wie z.B. bei den Herzkranzgefäßen nicht möglich ist.
  • Je nach Fragestellung kommen Katheterangiographie, CT-Angiographie oder MR-Angiographie zum Einsatz.
  • Die Katheterangiographie ermöglicht häufig Diagnose und Behandlung in einer Sitzung.
  • Welche Untersuchung gewählt wird, hängt von der individuellen Situation ab.

Was ist eine Angiographie?

Bei einer Angiographie werden Arterien sichtbar gemacht, entweder durch Röntgendurchleuchtung, durch Röntgenschichtaufnahmen (CT) oder im Kernspin (MRT). Damit sie sichtbar werden, müssen sie vorher mit Kontrastmittel gefüllt werden.

Die Untersuchung kann in verschiedenen Gefäßregionen erfolgen, zum Beispiel:

  • an den Herzkranzgefäßen
  • an den Hals- und Hirngefäßen
  • an den Becken- und Beinarterien
  • an den Gefäßen der inneren Organe

Wann wird eine Angiographie durchgeführt?

Eine Angiographie wird durchgeführt, wenn der Verdacht auf eine Gefäßerkrankung besteht oder bereits bekannte Veränderungen der Blutgefäße genauer abgeklärt werden sollen und eine Ultraschall-Untersuchung nicht ausreicht. Typische Gründe sind:

  • Durchblutungsstörungen der Beine
  • Verengungen oder Verschlüsse von Arterien
  • Erkrankungen der Herzkranzgefäße
  • Aneurysmen
  • Gefäßfehlbildungen
  • Blutungen im Körper
  • wenn bestimmte Operationen oder Eingriffe geplant sind

Welche Arten der Angiographie gibt es und wie laufen sie ab?

Für eine Angiographie stehen verschiedene Verfahren zur Verfügung. Je nach Untersuchung kommen unterschiedliche Kontrastmittel zum Einsatz.

Katheterangiographie

Die klassische Angiographie erfolgt über einen dünnen Katheter. Er wird meist über das Handgelenk oder die Leiste in ein Blutgefäß eingeführt und bis zur gewünschten Körperregion vorgeschoben. Über den Katheter wird unter Röntgen-Durchleuchtung Kontrastmittel in das Gefäß gespritzt.

Ein wichtiger Vorteil der Katheterangiographie: Wird dabei eine Gefäßverengung entdeckt, kann sie häufig direkt behandelt werden – zum Beispiel durch eine Ballonaufdehnung oder die Implantation eines Stents.

Die Katheterangiographie wird außerdem in folgenden Fällen eingesetzt:

  • bei bestimmten Notfällen wie einem Herzinfarkt oder ausgewählten Schlaganfällen (verschlossene Gefäße können unmittelbar wieder eröffnet werden)
  • Verschluss von Aneurysmen
  • unklare Befunde aus MR-Angiographie oder CT-Angiographie
  • zur gezielten Tumorbehandlung

Die Untersuchung: Bei einer Katheterangiographie liegen Sie im Katheterlabor unter einer fahrbaren Röntgenröhre. Die Einstichstelle wird desinfiziert, steril abgedeckt und örtlich betäubt. Anschließend wird die Handgelenks- oder Leistenschlagader ultraschallgesteuert punktiert, der Katheter vorsichtig in das Gefäß eingeführt und unter Röntgen-Kontrolle bis zur zu untersuchenden Region vorgeschoben.

Wenn das Kontrastmittel injiziert wird, kann sich das für Sie kurzzeitig warm anfühlen. Dies ist in der Regel harmlos und klingt schnell wieder ab.

Während der Untersuchung entstehen mehrere Aufnahmen der Blutgefäße und Videos des Durchflusses.

CT-Angiographie (CTA)

Bei der CT-Angiographie erstellt ein Computertomograph detaillierte Röntgen-Schnittbilder der Blutgefäße. „Die eigentlichen Aufnahmen dauern meist nur ein bis zwei Minuten. Deshalb eignet sich die CT-Angiographie besonders zur schnellen Abklärung von Notfällen“, sagt Dr. med. Gabriele Kischel-Augart, Chefärztin der Klinik für Gefäßchirurgie am Helios Klinikum Niederberg.

Einsatzgebiete sind:

  • Verdacht auf Lungenembolie, Schlaganfall oder einen Riss in der Hauptschlagader.
  • Kontrollen von bereits eingesetzten Metall-Stents, die im MRT oftmals nicht gut eingesehen werden können.
  • Untersuchungen bei Menschen mit nicht MRT-tauglichem Herzschrittmacher oder Metallsplittern im Körper.

Die eigentlichen Aufnahmen dauern meist nur ein bis zwei Minuten. Deshalb eignet sich die CT-Angiographie besonders zur schnellen Abklärung von Notfällen.

Helios Kliniken GmbH

Da der Computertomograph Röntgenstrahlung nutzt, besteht bei der CT-Angiographie eine Strahlenbelastung. Je nach Körperregion kann sie unterschiedlich hoch sein:

  • CTA der Hirngefäße: ca. 3 bis 5 Millisievert (mSv)
  • CTA der Hauptschlagader (Aorta): ca. 8 bis 10 mSv
  • CTA der Herzkranzgefäße (Kardio-CT): ca. 1 bis 5 mSv

Zum Vergleich: Die natürliche Strahlenbelastung beträgt in Deutschland rund 2,1 Millisievert pro Jahr.

Die Untersuchung: Nachdem Ihnen ein Zugang zur Kontrastmittelgabe über die Vene gelegt wurde, legen Sie sich auf die fahrbare Liege des Computertomographen. Anschließend wird Ihnen das Kontrastmittel injiziert, dann fährt Sie die Liege durch den breiten CT-Ring, während eine Röntgenröhre berührungslos um Sie herum rotiert. Sie müssen für wenige Sekunden den Atem anhalten, um Unschärfen zu vermeiden. Die Bilder entstehen, während Sie auf der Liege durch den vorne und hinten geöffneten CT-Ring hindurchfahren.

MR-Angiographie (MRA)

Die MR-Angiographie erfolgt im Magnetresonanztomographen (MRT) und nutzt starke Magnetfelder statt Röntgenstrahlen. Die wichtigsten Anwendungsgebiete sind:

  • Abklärung der Schaufensterkrankheit (pAVK)
  • Veränderungen der Hirngefäße, die das Schlaganfallrisiko erhöhen können
  • Überprüfung eines Aortenaneurysmas
  • Beurteilung der Nierenarterien bei Nierenhochdruck
  • Aufdecken von Gefäßentzündungen (Vaskulitis)

In bestimmten Fällen kann die MRA ohne Kontrastmittel durchgeführt werden.

Die MRA ermöglicht eine strahlungsfreie und hochauflösende Darstellung der Blutgefäße, eignet sich aber weniger für stark verkalkte Arterien oder zur Beurteilung bereits eingebrachter Stents.

Die Untersuchung: Im Vorfeld der MRA müssen Sie alle metallischen Gegenstände wie Schmuck oder Piercings ablegen. Vor der Untersuchung wird Ihnen ein Zugang für die Kontrastmittelgabe gelegt. Anschließend legen Sie sich auf die Liege des Magnetresonanztomographen, eine Spule wird über der zu untersuchenden Körperregion platziert. Dann fährt die Liege Sie in das MRT (umgangssprachlich „Röhre“). Während der Aufnahmen müssen Sie ruhig liegen bleiben. Beim MRA entsteht ein lautes, rhythmisches Klopfen. Sie erhalten deswegen Kopfhörer beziehungsweise einen Gehörschutz.

Welche Untersuchungsmethode infrage kommt, hängt von Ihren Beschwerden, möglichen Vorerkrankungen und den bisherigen Untersuchungsergebnissen ab.

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Was passiert vor und nach einer Angiographie?

Der genaue Ablauf hängt vom gewählten Verfahren ab.

Vorbereitung

Vor der Untersuchung bespricht das Behandlungsteam mit Ihnen:

  • bestehende Vorerkrankungen
  • Allergien
  • aktuelle Medikamente
  • die Nieren- und Schilddrüsenfunktion
  • mögliche Risiken und Alternativen

Gegebenenfalls müssen bestimmte Medikamente vorübergehend angepasst werden.

Wenn Sie unsicher sind, welche Medikamente Sie vor der Untersuchung einnehmen dürfen, fragen Sie frühzeitig beim Behandlungsteam nach.

Nach der Untersuchung

Nach einer Katheterangiographie wird die Punktionsstelle einige Zeit überwacht. Je nach Untersuchungsumfang können Sie die Klinik noch am selben Tag oder nach einer kurzen Beobachtungsphase wieder verlassen.

Nach einer CTA oder MRA bleiben Sie häufig etwa 30 Minuten zur Beobachtung in der Praxis oder Klinik. So können seltene unmittelbare Reaktionen auf das Kontrastmittel erkannt werden.

Wenn Sie kein Beruhigungsmittel bekommen haben, können Sie die Praxis in der Regel anschließend verlassen. Haben Sie ein Beruhigungsmittel erhalten, dürfen Sie an diesem Tag nicht selbst Auto fahren und müssen abgeholt werden.

Grundsätzlich sollten Sie nach der Untersuchung den Empfehlungen der Praxis oder Klinik folgen. Dazu gehören häufig:

  • Ausreichend trinken (sofern keine medizinischen Gründe wie beispielsweise eine Herzschwäche oder eine schwere chronische Nierenerkrankung dagegensprechen), um die Ausscheidung des Kontrastmittels über die Nieren zu unterstützen
  • Körperliche Schonung für einige Stunden
  • Beobachtung der Einstichstelle

Ist eine Angiographie schmerzhaft?

Die meisten Menschen empfinden eine Angiographie nicht als schmerzhaft. Die örtliche Betäubung kann kurz brennen. Während der Untersuchung selbst wird meist nur ein Druckgefühl wahrgenommen. Das Wärmegefühl nach Injektion des Kontrastmittels ist normal und klingt nach kurzer Zeit wieder ab.

Sollten Beschwerden auftreten, können diese jederzeit dem Behandlungsteam mitgeteilt werden.

Welche Risiken hat eine Angiographie?

Die Angiographie gilt insgesamt als sicheres Verfahren. Ganz ohne Risiken kommt jedoch keine medizinische Untersuchung aus. Möglich sind:

  • Blutergüsse an der Einstichstelle
  • Nachblutungen
  • Infektionen
  • allergische Reaktionen auf das Kontrastmittel
  • vorübergehende Einschränkung der Nierenfunktion

Schwerwiegende Komplikationen sind insgesamt selten. Vor der Untersuchung bespricht das Behandlungsteam mit Ihnen, welche Risiken in Ihrer persönlichen Situation relevant sein können.

Wichtig: Bei stärkeren Schmerzen, Nachblutungen oder Schwellungen sollten Sie ärztlichen Rat einholen.

Was sollten Sie vor einer Angiographie beachten?

Informieren Sie das Behandlungsteam insbesondere über:

  • die Einnahme von Blutverdünnern
  • bekannte Allergien
  • Nierenerkrankungen
  • eine Herzschwäche (Herzinsuffizienz)
  • Schilddrüsenerkrankungen, insbesondere Schilddrüsenüberfunktionen
  • eine mögliche Schwangerschaft
  • eine Platzangst, da bei entsprechender Vorbelastung die Röhre des MRT Anfälle von Panik auslösen kann.

Je nach Untersuchungsmethode kann es erforderlich sein, einige Stunden vorher nichts mehr zu essen oder zu trinken. Ob dies notwendig ist, erfahren Sie vorab.

Welche Angiographie ist die beste?

Es gibt nicht die „beste“ Angiographie. „Welches Verfahren geeignet ist, hängt von der Fragestellung, der zu untersuchenden Körperregion und individuellen Faktoren wie Vorerkrankungen oder vorhandenen Implantaten ab. Die erste Untersuchung sollte wenn möglich eine Gefäß-Ultraschalluntersuchung sein. Nur wenn dadurch nicht alle notwendigen Informationen erhalten werden, benötigt man eine Angiographie. Das Behandlungsteam wählt dann die Methode aus, die für die jeweilige Fragestellung die aussagekräftigsten Informationen liefert“, sagt Dr. med. Gabriele Kischel-Augart.

FAQ

Je nach Untersuchungsmethode dauert die Angiographie unterschiedlich lange:

  • CT-Angiographie: wenige Minuten
  • MR-Angiographie: ca. 30 Minuten
  • Katheterangiographie: rund zwei Stunden

Viele Angiographien können ambulant erfolgen. Ob das möglich ist, hängt vor allem von der gewählten Untersuchungsmethode und möglichen Begleiterkrankungen ab. 

Der Herzkatheter (auch Koronarangiographie) ist eine spezielle Form der Angiographie, bei der die Herzkranzgefäße untersucht werden. 

Ja, häufig ist dies möglich. Das Behandlungsteam prüft vorab die Nierenfunktion und entscheidet individuell über das geeignete Verfahren. 

Für die Darstellung der Schlagadern im Brustkorb einschließlich der Herzkranzgefäße, für die Hirngefäße im Schädel und für einige Eingeweideschlagadern gibt es keine gute Alternative.  Für alle anderen Gefäße ist die Duplexsonographie (Doppler-Ultraschall) eine kontrastmittel- und strahlungsfreie Alternative. Für diese Körperregionen (Bauchaorta und Beckengefäße, Arm- und Beinschlagadern, Halsschlagadern) ist sie meist die Untersuchungsmethode der ersten Wahl. 

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