Aortenklappenstenose: Fakten auf einen Blick
- Bei einer Aortenklappenstenose ist die Herzklappe verengt.
- Die häufigste Ursache ist ein altersbedingter Verschleiß mit zunehmender Verkalkung der Klappe.
- Typische Beschwerden sind Luftnot, Engegefühl in der Brust und Schwindel, ggf. kann eine Bewusstlosigkeit eintreten
- Ein Herzultraschall gilt als wichtigstes Untersuchungsverfahren.
- Eine schwere Aortenklappenstenose kann einen Klappenersatz notwendig machen.
Was ist eine Aortenklappenstenose?
Die Aortenklappe verbindet die linke Hauptkammer des Herzens mit der Hauptschlagader, der Aorta. Sie besteht aus drei Klappentaschen, die sich öffnen, wenn sich das Herz zusammenzieht und danach wieder schließen. Dadurch wird ein Rückfluss des Blutes aus der Hauptschlagader zurück ins Herz verhindert.
Was sind Ursachen einer Aortenklappenstenose?
Die häufigste Ursache für die Aortenklappenstenose ist der altersbedingte Verschleiß, der mit einer zunehmenden Verkalkung der Klappe einhergeht. Zusätzlich verdicken und versteifen die Klappentaschen, die sich dadurch schlechter öffnen.
„Bei einer Aortenklappenstenose lagern sich Kalk, Cholesterin und Entzündungszellen an den Taschenklappen ab, die dann mit der Zeit verdicken und verengen. Dadurch können sich die Klappentaschen nicht mehr richtig öffnen“, sagt Prof. Dr. Alexander Bufe, Chefarzt der Medizinischen Klinik I sowie Facharzt für Innere Medizin und Kardiologie im Helios Klinikum Krefeld.
Seltener kann eine sogenannte bikuspide Aortenklappe zu einer Stenose führen. Bei diesem angeborenen Herzklappenfehler weist die Aortenklappe nur zwei oder eine Tasche auf anstelle von drei auf. Meist weisen diese Patientinnen und Patienten schon deutlich früher, ab dem 40. Lebensjahr, krankhafte Veränderungen an der Klappe auf.
Außerdem können ein rheumatisches Fieber Veränderungen sowie eine Entzündung der Herzinnenhaut (Endokarditis) zu Vernarbungen der Klappe und damit zu einer Aortenklappenstenose führen.
Wie äußert sich eine Aortenklappenstenose?
Die Aortenklappenstenose geht mit dem gleichzeitigen Auftreten folgender Symptome einher:
- Luftnot zunächst bei Belastung, im fortgeschrittenen Stadium auch in Ruhe
- Engegefühl in der Brust
- Schwindel bis hin zu Ohnmachtsanfällen
Weitere Anzeichen können sein:
- verminderte Leistungsfähigkeit und schnelle Erschöpfung
- Lungenödem (Flüssigkeitsansammlung in der Lunge)
- im fortgeschrittenen Stadium: Herzschwäche (Herzinsuffizienz)
"Wenn Sie solche Symptome bei sich bemerken, gehen Sie in Ihre hausärztliche Praxis, um dieses abklären zu lassen. Von dort können Sie an eine kardiologische Fachpraxis überwiesen werden", rät Prof. Dr. Alexander Bufe.
Diagnostik einer Aortenklappenstenose
Zunächst findet ein Gespräch zu Beschwerden, Krankengeschichte und Familienanamnese statt. Im Anschluss hört die Ärztin oder der Arzt das Herz mit einem Stethoskop auf auffällige Herzgeräusche ab. Allein dadurch kann oft schon eine Diagnose fast sicher vermutet werden.
Beim Verdacht auf eine Aortenklappenstenose schließt sich eine Ultraschalluntersuchung (Echokardiografie) des Herzens über den Brustkorb an. "Die Echokardiografie ist das entscheidende Verfahren, um mehr über die Verkalkung, die Pumpleistung der linken Herzkammer, die Wanddicke und andere strukturelle Veränderungen zu erfahren und den Schweregrad zu ermitteln", sagt der Krefelder Chefarzt.
Weitere Untersuchungen können sich anschließen, darunter:
- Röntgen des Brustkorbs
- Elektrokardiografie (EKG)
- Ultraschall über die Speiseröhre, auch "Schluckecho" (Transösophageale Echokardiographie, TEE)
- Herzkatheteruntersuchung
- Belastungstests, wenn Beschwerden nur unter Belastung auftreten
Die Aortenklappenstenose wird in leichtgradig, mittelgradig und hochgradig eingeteilt.
Wie wird eine Aortenklappenstenose behandelt?
Eine leichtgradige und symptomfreie Aortenklappenstenose kann zunächst in regelmäßigen Abständen kontrolliert werden. Patientinnen und Patienten sollten
- regelmäßige Kontrolluntersuchungen wahrnehmen,
- schwere körperliche Belastungen meiden,
- Begleiterkrankungen behandeln lassen.
Prof. Dr. Alexander Bufe: "Treten Symptome auf wird in der Regel ein Klappenersatz notwendig. Bei asymptomatischem Patienten kann bei sehr hochgradiger Stenose auch ein Klappenersatz angeraten werden. Gemeinsam berät das interdisziplinäre Herzteam über das weitere Vorgehen und ob ein chirurgischer Aortenklappenersatz oder der kathetergestützte Aortenklappenersatzes besser geeignet ist."
Medikamentöse Therapie
Medikamente können eine Aortenklappenstenose nicht aufhalten oder rückgängig machen. Sie werden vor allem zur Behandlung von Begleiterkrankungen oder nach dem Eingriff eingesetzt.
Sollte ein Eingriff aufgrund des Allgemeinzustands oder durch Begleiterkrankungen nicht möglich sein oder lehnt die Patientin beziehungsweise der Patient ihn ab, steigt das Risiko für eine Herzinsuffizienz. Eine medikamentöse Therapie der Herzinsuffizienz mit ACE-Hemmern und einem Diuretikum, das die Wasserausscheidung über die Nieren fördert, ist jedoch möglich. Wichtig ist, mit einer niedrigen Dosierung zu beginnen und den Blutdruck engmaschig zu kontrollieren. Sonst besteht das Risiko eines kritischen Blutdruckabfalls.
Kathetergestützter Aortenklappenersatz (TAVI)
Für ältere Patientinnen und Patienten oder Personen mit einem hohen Operationsrisiko kommt oftmals der kathetergestützte Aortenklappenersatz (TAVI) infrage. Bei diesem Verfahren wird eine biologische Herzklappenprothese über einen Gefäßzugang mithilfe eines Katheters implantiert. Am häufigsten wird die Leistenarterie verwendet.
Vorteil dieses Verfahrens sind unter anderem
- eine schnellere Wundheilung
- keine Narkose notwendig
- weniger Schmerzen nach dem Eingriff
- raschere Mobilisation und frühere Selbstständigkeit
Chirurgisches Verfahren
Eine verengte Klappe kann durch eine biologische oder mechanische Aortenklappe ersetzt werden.
- Biologische Prothesen besitzen Taschen aus tierischem Material, zumeist vom Rind oder Schwein. Die Segel sind in ein Gerüst eingenäht, das der Prothese ihre Form gibt. Häufig halten sie 12 bis 15 Jahre.
- Mechanische Klappen, auch Kunstklappen genannt, bestehen aus einem Karbonring, in dem zwei Karbonflügel eingesetzt sind. Ihr Vorteil liegt in der nahezu unbegrenzten Haltbarkeit.
Die Operation findet in Vollnarkose statt. Der Zugang zur Aortenklappe erfolgt über eine Teileröffnung des Brustbeins oder über einen kleinen Schnitt an der rechten Seite des Brustkorbes. Das Herz wird mit der Herz-Lungen-Maschine verbunden und stillgelegt. Anschließend wird die erkrankte Aortenklappe herausgeschnitten und eine neue Herzklappe eingenäht. Nachdem die Funktionstüchtigkeit der neuen Klappe erfolgreich getestet wurde, wird die Herz-Lungen-Maschine entfernt und die Haut sorgfältig verschlossen.
Reha nach Aortenklappenersatz
Sowohl nach der chirurgischen Herzklappenoperation als auch nach einem TAVI-Eingriff kann sich eine kardiologische Reha-Maßnahme anschließen. Diese dient dazu, den Genesungsprozess zu unterstützen. Ziel ist es, die körperliche Belastbarkeit durch moderates Training und Atemübungen langsam zu steigern. TAVI-Patientinnen und -Patienten kommen oft ohne Reha aus.
Wie sind der Verlauf und die Erfolgsaussichten?
Wenn eine hochgradige Aortenklappenstenose nicht behandelt wird, schädigt sie langfristig das Herz, wodurch sich die Lebenserwartung verkürzt. Außerdem kommen kardiale Dekompensationen und plötzliche Todesfälle vor. Rechtzeitig erkannt, überwacht und behandelt, ist die Prognose deutlich positiver.
Nach erfolgreichen Klappenersatz besser sich die Beschwerden und Belastbarkeit meist deutlich, sodass ein oft normales Leben ohne Einschränkungen möglich ist. Dafür sind jedoch eine gesunde Lebensweise, die regelmäßige Einnahme der verordneten Medikamente sowie ärztliche und zahnärztliche Kontrolluntersuchungen notwendig.
FAQ
Laut den europäischen Leitlinien haben Frauen im Vergleich zu Männern eine höhere Sterblichkeitsrate. Einer der Hauptgründe ist, dass die Erkrankung bei Frauen später diagnostiziert wird und sie seltener oder später zur fachärztlichen Praxis überwiesen werden.
Beschwerden wie Luftnot oder Erschöpfung werden fälschlicherweise oftmals als alters- oder gewichtsbedingt eingestuft, obwohl sie erste Hinweise auf eine Herzklappenverengung sein können. Frauen sollten solche Symptome ernst nehmen und immer ärztlich abklären lassen.
Nach dem chirurgischen Verfahren überwacht das Stationsteam in den darauffolgenden 24 Stunden Ihren Zustand engmaschig. Im Normalfall können Sie nach fünf bis sieben Tagen aus der Klinik entlassen werden.
Erfolgte ein kathetergestützter Aortenklappenersatz, können Sie die Klinik bei einem unkomplizierten Verlauf meist nach drei bis fünf Tagen verlassen.
In beiden Fällen hängt die Aufenthaltsdauer vom individuellen Verlauf ab.
Nein, einer Stenose der Aortenklappe kann nicht verlässlich vorgebeugt werden. Daher ist es wichtig, Begleiterkrankungen richtig einzustellen und nach der Diagnose rechtzeitig mit der Behandlung zu starten.
Pocket-Leitlinie: Herzklappenerkrankungen Online: https://www.mediclin.de/... (Zugriff am 07.08.2026)