Das Wichtigste auf einen Blick
- Bei der Aortenklappenrekonstruktion bleibt die eigene Herzklappe erhalten.
- Der häufigste Grund für eine Rekonstruktion ist eine undichte Aortenklappe.
- Nicht jede Aortenklappe lässt sich rekonstruieren.
- Ziel ist, die Funktion der Klappe möglichst dauerhaft wiederherzustellen.
Was ist eine Aortenklappenrekonstruktion?
Die Aortenklappenrekonstruktion ist ein operatives Verfahren, um die undichte Aortenklappe (Aortenklappeninsuffizienz) zu reparieren, anstatt sie durch eine Prothese zu ersetzen.
"Ein Vorteil der Rekonstruktion ist, dass die eigene Herzklappe erhalten bleibt. Dadurch kann in der Regel auf bekannte Komplikationen durch Herzklappenprothesen sowie eine dauerhafte medikamentöse Behandlung mit Blutverdünnern verzichtet werden", sagt Prof. Michael A. Borger, Direktor der Universitätsklinik für Herzchirurgie im Herzzentrum Leipzig.
Kurz erklärt: Die Aortenklappe
Die Aortenklappe ist ein Ventil zwischen der linken Herzkammer und der Hauptschlagader (Aorta). Sie verhindert den Rückfluss des Blutes aus der Hauptschlagader in das Herz.
Eine normal angelegte Aortenklappe besteht aus drei Taschen. Es gibt jedoch auch angeborene Formen mit zwei Taschen, die sogenannte bikuspide Aortenklappe. Laut Leitlinie Herzklappenerkrankungen ist in Ländern mit einem hohen Einkommen Verschleiß aufgrund des Lebensalters oder aufgrund von Verkalkungen die häufigste Ursache für undichte Aortenklappen. Dies betrifft sowohl Klappen mit drei als auch zwei Taschen.
Wann kann eine Aortenklappe rekonstruiert werden?
„Der häufigste Grund für eine Aortenklappenrekonstruktion ist die Aortenklappeninsuffizienz, bei der die Aortenklappe nicht mehr richtig schließt. Das bedeutet: Es strömt nach jedem Herzschlag Blut aus der Hauptschlagader zurück in die linke Herzkammer, was diese zusätzlich belastet“, erklärt Prof. Michael A. Borger.
Auch eine Erweiterung der Aortenwurzel (also ein Aneurysma) kann zu einer Undichtigkeit führen. Sie tritt gehäuft bei Patientinnen und Patienten mit einem angeborenen Marfan-Syndrom auf. Dabei handelt es sich um eine erblich bedingte Krankheit des Bindegewebes.
Einen Sonderfall stellt die akute Aortendissektion dar. Hierbei kommt es zum Riss der Gefäßwand der Aorta, was zu schweren inneren Blutungen führt. Durch das Einreißen der Innenschicht der Aorta kann auch die Aortenklappe beeinträchtigt und akut undicht werden, da sie sich teilweise von der Aortenwand ablöst. Dieses Krankheitsbild ist akut lebensgefährdend und muss sofort operiert werden.
Wann ist eine Rekonstruktion nicht möglich?
Eine Rekonstruktion der Aortenklappe ist unter Umständen nicht möglich, wenn
- die Klappentaschen stark verkalkt sind und das Gewebe dadurch hart und unbeweglich ist,
- das Klappengewebe stark geschädigt und durch Entzündungen zerstört ist oder
- die Klappe angeborene Veränderungen aufweist, wodurch keine dauerhaft stabile Rekonstruktion zu erwarten wäre.
Was sind Ziele der Aortenklappenrekonstruktion?
Durch die Operation sollen Form und Funktion der eigenen Aortenklappe vollständig oder so weit wie möglich wiederhergestellt werden.
Für Patientinnen und Patienten bedeutet das, dass sich ihre Herzfunktion wieder verbessern kann. Das kann sich unter anderem in einer gesteigerten Leistungsfähigkeit und in der Abnahme der bisherigen Symptome zeigen.
Wie läuft eine Aortenklappenrekonstruktion ab?
Der Zugang zur Aortenklappe erfolgt in der Regel in minimalinvasiv mit einem kleinen Schnitt über dem Brustbein. Der Eingriff erfolgt unter dem Einsatz einer Herz-Lungen-Maschine, die die Aufgaben des Herzens und der Lunge übernimmt, um das Herz vorübergehend zum Stillstand zu bringen. Anschließend wird die Aortenklappe untersucht und vermessen. Mithilfe verschiedener Techniken werden Form und Funktion der eigenen Aortenklappe repariert. Im Anschluss wird die Klappenfunktion überprüft. Ist das Ergebnis positiv, wird die Herz-Lungen-Maschine entfernt und anschließend die Haut sorgfältig verschlossen.
Der Eingriff findet in Vollnarkose statt und dauert in der Regel zwischen drei bis vier Stunden.
Operation nach David
In einigen Fällen schließt die Aortenklappe nicht mehr richtig, weil sich der Klappenring um die Aortenklappentaschen erweitert hat. Die Folge ist, dass sich die Klappentaschen nicht mehr in der Mitte treffen und richtig schließen können.
Um diese Veränderung zu beheben, wird ein Teil der Aorta (Hauptschlagader) in eine Gefäßprothese (Rohrprothese) eingenäht. Die Aortenklappe selbst wird erhalten und in der Gefäßprothese fixiert. Ziel ist es, dadurch den Klappenring zu stabilisieren.
Operation nach Yacoub
Bei diesem Verfahren werden die erweiterte Aortenwurzel und die drei kleinen Ausbuchtungen über der Herzklappe rekonstruiert. Dazu wird eine zungenartige Gefäßprothese um die Herzklappe herummodelliert, bis sich die Ränder der Klappentaschen wieder treffen.
Das Verfahren soll die natürliche Beweglichkeit der Aortenwurzel und Klappe möglichst erhalten.
Operation bei Riss der aufsteigenden Aorta
Bei einer akuten Aortendissektion der aufsteigenden Aorta ist die innere Wandschicht des herznahen Abschnitts der Hauptschlagader eingerissen. Behandlungsziel ist es, den betroffenen Abschnitt der Aorta durch eine Rohrprothese zu ersetzen und wenn nötig die Abgänge der organversorgenden Arterien ebenfalls zu rekonstruieren. Gleichzeitig kann mithilfe der David-Technik die Aortenklappe in die Rohrprothese eingesetzt und so erhalten werden.
Ist die Aortenklappe schon krankhaft verändert, können die Aortenklappe und Aorta durch eine kombinierte Klappen- und Gefäßprothese ersetzt werden. Dies wird als klappentragendes Conduit bezeichnet.
Wie geht es nach der Operation weiter?
Direkt nach dem Eingriff kommen Sie zunächst auf die Intensiv- beziehungsweise Wachstation, wo Ihre Vitalwerte engmaschig kontrolliert werden. Sobald Ihr Zustand stabil genug ist, werden Sie auf die Normalstation verlegt.
„Um den Behandlungserfolg zu prüfen, führen wir ein erneuten Herzultraschall durch. Wenn alles in Ordnung ist, können Sie in der Regel nach fünf bis sieben Tagen wieder entlassen werden. Das ist abhängig von Ihrem individuellen Verlauf“, sagt der Herzchirurg. Zudem teilt man Ihnen mit, welche Medikamente Sie weiter einnehmen sollten oder ob Anpassungen nötig sind.
Nach dem Klinikaufenthalt kann eine kardiologische Rehabilitation sinnvoll sein. Dazu spricht Ihrer Ärztin oder Ihr Arzt mit Ihnen.
Welche Vorteile hat die Aortenklappenrekonstruktion?
Die Vorteile der Rekonstruktion liegen unter anderem in dem niedrigen Operationsrisiko und der geringen Rate an postoperativen bakteriellen Entzündungen der Herzklappe (Endokarditiden). Zudem erzielt die Aortenklappenrekonstruktion im Vergleich zum biologischen Klappenersatz eine vergleichbare Langzeitprognose.
Im Vergleich zum mechanischen Klappenersatz müssen Patientinnen und Patienten nicht dauerhaft blutverdünnende Medikamente einnehmen.
Welche Risiken und Komplikationen sind möglich?
Die Aortenklappenrekonstruktion geht mit einem niedrigen Risiko einher. Dennoch kann es auch hier wie bei jedem Eingriff am Herzen zu Komplikationen kommen. Dazu zählen unter anderem Blutungen, Herzrhythmusstörungen oder Wundheilungsstörungen.
Auch ein erneutes Auftreten einer Undichtigkeit der Aortenklappe ist möglich, sodass eine weitere Operation notwendig werden kann.
FAQ
Wie lange eine rekonstruierte Aortenklappe funktionsfähig bleibt, hängt unter anderem vom Ausgangsbefund und von Begleiterkrankungen wie Bluthochdruck oder Bindegewebsschwächen ab.
Die Leitlinie empfiehlt, dass eine Rekonstruktion nur stattfinden sollte, wenn dauerhaft gute Langzeitergebnisse zu erwarten sind.
In der Regel ist nach einer erfolgreichen Aortenklappenrekonstruktion keine lebenslange Einnahme von Blutverdünnern notwendig.
In den ersten drei Monaten nach der Operation können solche Medikamente jedoch notwendig sein. Dies wird individuell entschieden. Hierzu wird Sie die behandelnde Kardiologin oder der behandelnde Kardiologe informieren.
Ja, die Verfahren finden meist minimalinvasiv über einen kleinen Zugang im oberen Teil des Brustbeins statt.
Nach der Aortenklappenrekonstruktion sollten Sie sich zunächst nur leicht bewegen, zum Beispiel kurze Gehstrecken. In einer Rehabilitation oder Herzsportgruppe können Sie unter Anleitung langsam beginnen, Ihre Ausdauer zu verbessern.
Sprechen Sie mit Ihrer Kardiologin oder Ihrem Kardiologen, ab wann Sie wieder mit sportlichem Training beginnen können und worauf Sie dabei achten sollten. Sobald Sie sich vollständig von dem Eingriff erholt haben, gibt es in der Regel keine Einschränkungen hinsichtlich Ihrer Aktivitäten oder sportlichen Betätigung.
Bei einer Herzklappenrekonstruktion wird die eigene defekte Herzklappe repariert und erhalten.
Bei einem Klappenersatz hingegen wird die erkrankte Herzklappe durch eine biologische oder mechanische Klappenprothese ersetzt.
Pocket Guidelines Herzklappenerkrankungen Online: https://herzmedizin.de/... (Zugriff am 17.08.2026)