Historie der Strahlentherapie in Schwerin

1938  erste nachweisbare Bestrahlung eines Collum-Ca. in der Röntgenabteilung des Marienkrankenhauses in Schwerin

1949 Aufstellung einer Röntgenabteilung der Poliklinik im Marienkrankenhaus

Röntgenabteilung wird zum Institut

Marienkrankenhaus verschwand aus der Bezeichnung

Poliklinik wird zur Städtische Poliklinik, die dann zur Bezirkspoliklinik wird

Für die Therapie standen zur Verfügung: zwei Apparate der Firma  C. H. F. Müller (Stufenschaltung und wassergekühlte Röntgenröhre) Es handelte sich um Apparate aus der Mitte der 30er Jahre des 20.JH mit Doppelstativ, Röhrenstrom bis 4mA, damit geringe Dosisleistung und lange Bestrahlungszeiten

Therapiespektrum: Mammakarzinome, Unterleibstumore, Nieren- und Magenkarzinome, entzündliche und degenerative Erkrankungen

Hinzu kamen funktionelle Bestrahlungen bei Schilddrüse, Hypophyse und Nebenniere

Hauttumore sowie Hämangiome und intravaginale Bestrahlungen wurden mit einem Müller-Gerät mit Hohlanodenröhre nach van der Plaats sowie einer Chaoulröhre behandelt

Ein Problem stellte lange Zeit die Herddosis dar: Die Zeit der „Holzknechtdosis“ (Hauterythemdosis, HED) war vorbei. Die Haut mit ihren Reaktionen war aber bei diesen Energien noch immer der limitierende Faktor. Deshalb wurde immer noch Bezug auf die Oberflächendosis genommen. Bei Einzeldosen von 2-300R (R Einheit für Röntgen LINK ABC Strahlentherapie) hatte man eine GOD (Gesamtoberflächendosis) von 3-4000 R; somit waren Hautschäden vorprogrammiert.

Daher musste die Nachbestrahlung auf 2 bis 3 Serien verteilt werden. Tiefendosiskurven und Tiefendosentabellen wurden schon umfangreich genutzt. Ein Problem gab es vor allem bei Feldüberschneidungen.

1952 Aussage von Chantrain: wer nicht 4000R am Herd erreicht und dafür auch einen Schaden riskiert, der hat unterdosiert.

Lösung damals: Mehrfeldertechnik, Kreuzfeuerbestrahlung, Rotation und Boostbestrahlung bei gynäkologischen Tumoren (intravaginal), Anfang der 50er Jahre kam die Siebbestrahlung dazu. Rodé: Siebbestrahlung ist die Cobaltkanone des kleinen Mannes. Die weniger Dosis bekommenden Gewebebrücken unter den Stegen hatten gute Voraussetzungen zur Erholung. Man konnte so bei täglichen Einzeldosen von 1000R unter dem Siebloch bis zu 10000R OD (Oberflächendosis) anbringen, erreichbare HD (Herddosis) (je nach Patientendicke) 3-4000 R, auch dreimal 3000 R in wöchentlichen Abständen bei damals vertretbaren Nebenwirkungen.

Dosiert wurde nach Schröck und Vietor in „Strahlentherapie“, Band 70 und 71.

Dosismessung und Qualitätssicherung: die Betriebsspannung der Therapiegeräte wurde über die Kugelfunkenstrecke gemessen, die Oberflächendosis wurde mit dem Hammer-Dosimeter gemessen, später mit einem Ionognom. Die Halbwertschichtdicken wurden  mittels einzelner Aluminium- bzw. Kupferplatten ermittelt.

Isodosenermittlung: An der Robert-Rößle-Klinik wurden damals auf einem Schaukasten transparente Isodosenkegel für die verschiedenen Feldgrößen und Abstände über dem Bild eines Körperquerschnittes aufgelegt, so ließen sich die Lage und Winkel der Felder optimal festlegen. In Schwerin hat man sich mit der Dosis im Zentralstrahl und der ermittelten Tiefe des Tumors mittels Lineal und Beckenzirkel einigermaßen beholfen.

Einzugsgebiet damals: Es reichte von der Interzonengrenze im Westen nach Osten bis etwa Stavenhagen und Teterow, erfasste den Norden von der Ostseeküste im Kreis Grevesmühlen nach Süden bis in die Gegend von Perleberg und Wittenberge. Es gab ca. 7 Betten für die Strahlentherapie bis in die 50er Jahre.

1951 erhielt die Strahlentherapie eine gemischte Bettenstation mit etwa 17 Betten im Erdgeschoß des Hauses Schelfmarkt 15.

1953 wurde die Strahlentherapie auf zwei Stationen erweitert

1954 Umzug in die Schelfstraße und Beginn der Radiumtherapie

Bezug einiger Radiumquellen aus der Strahlentherapie in Cottbus. Anfertigung von Moulagen mit Robert Müller, Bleicherode.

1958 Anschaffung eines TuR T-200 Röntgentherapiegerätes          

1969 Umzug in die neue Strahlentherapie in Lankow, Lübecker Straße 276.                     

In Lankow Ausrüstung mit einem Tur-T-250, ein Gerät, das auch für Rotationsbestrahlungen geeignet war.                                                                                 

Bemühung um eine Erweiterung der therapeutischen Palette mittels eines Telekobaltgerätes. Obwohl die DDR damals ein im Ostblock konkurrenzloses Telekobaltgerät baute (TCo 2000) wurde das tschechische Gerät Chisobalt 2B75 angeschafft.                                                                                                            

1974 Austausch gegen das Theratron 750 aus kanadischer Produktion, gewartet von der Firma Philips.                                                                                                            

1980 Austausch des TuR-Gerätes gegen ein ungarisches (Medicor), das ebenfalls mit vielen Mängeln behaftet war ( in 6 Jahren wurde es maximal 6 Monate genutzt)

1984 Austausch des Gerätes durch ein RT-250 der Firma Philips                           

1984 erste Aufstellung eines Afterloadinggerätes  Decatron der Firma Robert Müller, der zu den Pionieren der Afterloadingtechnik in Deutschland zählt. Die Entwicklung war bereits 1971 begonnen worden und

1989 Ersatz des Afterloadinggerätes durch das Decatron A vom VEB Tisore aus dem Kombinat Textilmaschinenbau ersetzt.

1991 wurde dann der erste Linearbeschleuniger in Schwerin in Betrieb genommen, es handelte sich um den SL-20 der Firma Philips, später dann Elekta                          

1992 kam dann das Afterloadinggerät Gammamed 12i der Firma Sauerwein.

1994 wurde das Theratron gegen ein neues Theratron ausgetauscht.

Schon 1988 haben wir in Schwerin CT-gestützt die Dosisverteilung im Patienten geplant.

Ein vom damaligen Mathematiker entworfenes Programm ProPlan wurde im gegenüberliegenden Rechenzentrum zur Berechnung der Dosisverteilung genutzt.

1989 im Sommer kam dann neue westliche Rechentechnik unter Umgehung der Embargoliste hinzu.

Im Jahre 2008 wurde im Rahmen der Privatisierung des ehemaligen Bezirkskrankenhauses am jetzigen Standort in der Wismarschen Strasse der Neubau der Strahlentherapie errichtet.                                                                                                           

Heute verfügen wir über 3 moderne Linearbeschleuniger, die über sehr fortschrittliche Therapieoptionen (IMRT, VMAT, Gating, Stereotaxie, IGRT, CBCT und 6-D-Tisch) verfügen.

Hinzu kommen ein modernes Afterloadinggerät und ein Röntgentiefentherapiegerät. Für die Bildgebung stehen alle moderne Verfahren zur Verfügung (CT, MRT, SPECT-CT, PET-CT)