Brustkrebs – Mammakarzinom

Brustkrebs – Mammakarzinom

Brustkrebs ist mit etwa 56.000 Neuerkrankungen pro Jahr die häufigste Tumorerkrankung der Frau. Mit den heutigen diagnostischen und therapeutischen Möglichkeiten kann mit einer Heilungschance von 90 Prozent gerechnet werden. Neben der Operation und einer Chemo-/Hormontherapie gehört die Strahlentherapie zu den Grundbausteinen der effektiven Tumorbehandlung des Mammakarzinoms.

Die Klinik für Strahlentherapie der Helios Kliniken Schwerin ist schon seit vielen Jahren Mitglied des Brustzentrums Schwerin und damit in die interdisziplinäre Behandlung bei Brustkrebs eingebunden.

In einer wöchentlichen Tumorkonferenz wird gemeinsam mit den Spezialisten der verschiedenen Fachbereiche (Gynäkologie, Onkologie, Strahlentherapie, Pathologie, Radiologie) über die effektivste Therapie jeder einzelnen Patientin beraten.

Nach einer brusterhaltenden Operation gehört die Strahlentherapie der verbliebenen Brust zur Standardtherapie. Damit sollen eventuell noch vorhandene, nicht entfernte Tumorzellen zerstört und somit ein Rückfall der Erkrankung verhindert werden.

Bei jungen Frauen sowie bei Frauen mit einem erhöhten Rückfallrisiko wird zusätzlich zur Bestrahlung der gesamten Brust im Anschluss noch eine zusätzliche kleinvolumige Bestrahlung im ehemaligen Tumorbereich (Boost) angeschlossen.

Nach einer Brustentfernung (Mastektomie) muss nur in bestimmten Situationen die Brustwand nachbestrahlt werden: bei sehr großen Tumoren, bei unvollständiger Tumorentfernung oder bei Befall der Lymphknoten.

Sind mehrere Lymphknoten befallen, kann eventuell auch eine Mitbestrahlung der Lymphabflusswege notwendig werden.

Die Standard-Therapie bei der Nachbestrahlung eines operierten Mammakarzinoms besteht aus 28-30 Bestrahlungen + 5-8 Boostbestrahlungen. Daraus resultiert eine Gesamtbehandlungszeit von ca. 7 Wochen bei 5 Bestrahlungstagen pro Woche.

In neuesten Untersuchungen hat sich jedoch gezeigt, dass eine Reduzierung der Bestrahlungstage durch Erhöhung der täglichen Einzeldosis (Hypofraktionierung) gleich gute Langzeitergebnisse erzielt wie die konventionelle Strahlentherapie. Zwei aktuelle Studien belegten zudem, dass die Patientinnen nach der Hypofraktionierung seltener unter lokalen Nebenwirkungen litten und ihre Lebensqualität durch die Verkürzung der Therapie verbessert werden konnte.

Diese Studienergebnisse können wir in Schwerin bestätigen. Wir führen bereits seit einigen Jahren diese verkürzte Form der Strahlentherapie durch und sehen ebenfalls weniger akute Nebenwirkungen. Die Dauer der Therapie kann so um 2 Wochen verkürzt werden.

Bei einer Mitbestrahlung der Lymphabflusswege kann diese Verkürzung der Bestrahlungszeit leider nicht durchgeführt werden, da Langzeitergebnisse zur Verträglichkeit der höheren Einzeldosis im Bereich der Armnerven ausstehen.

Ablauf im Video

 

Für jede Frau erfolgt eine individuelle Bestrahlungsplanung. Dafür wird zuerst eine Computertomografie des Brustkorbs in Bestrahlungsposition (Lagerung von Brust und Armen auf einer speziellen Schiene mit Kopfstütze) durchgeführt. 

An diesem Tag werden auch bereits die erforderlichen Markierungen im Bereich des Brustkorbs mit wasserfesten Stiften angebracht, damit eine exakte Einstellung der Therapiefelder an jedem Bestrahlungstag gewährleistet ist. Diese Markierungen dürfen daher nicht entfernt werden.

Mit dem im CT gewonnen Datensatz wird das genaue Zielgebiet der Bestrahlung von Ärzten bestimmt. Anschließend wird von Medizinischen Physikern ein dreidimensionaler Bestrahlungsplan berechnet, um eine möglichst gleichmäßige Dosisverteilung im Zielgebiet zu erreichen.

Modernste Technik erlaubt heute eine sehr präzise Bestrahlung, so dass im gewünschten Bereich eine hohe Strahlenkonzentration erreicht wird, ohne dem umliegenden gesunden Gewebe zu schaden. Erreicht wird dies mit Geräten, die aus verschiedenen Richtungen Strahlen senden, die aber nur dort, wo die Strahlen sich überschneiden, ihre gewünschte zellschädigende Wirkung entfalten.

 

 

Atemgating im Video

-     Bei vor allem jüngeren Patientinnen mit einem linksseitigen Brustkrebs, die sich einer intensiven Chemotherapie unterziehen mussten, sollte man bei der Bestrahlung darauf achten, dass das Herz so gut wie möglich geschont wird. Hierzu wenden wir in Schwerin eine Technik an, die noch nicht an allen Zentren angeboten wird. Die Bestrahlung erfolgt ausschließlich in tiefer Einatmung („deep inspiration breathhold”, DIBH). Im Gegensatz zur Strahlenbehandlung in Atemruhelage wird bei dieser Technik der Effekt ausgenutzt, dass sich bei der tiefen Einatmung und der größeren Lungenfüllung das Herz von der Brustwand entfernt. Bei der Strahlenbehandlung kann daher eine deutliche Schonung des Herzens und der brustwandnahen Koronararterie erreicht werden.

Grundsätzlich gilt: Das tägliche Leben sollte so normal wie möglich bleiben!

Auf die Haut im Bestrahlungsfeld dürfen keine Reizstoffe aufgetragen werden. Warmes Wasser und Duschen ist erlaubt, jedoch sollte keine Seife verwandt werden, da die Haut vorübergehend ihre Fähigkeit zur eigenen Schutzstoffbildung verliert. Es sollte nach Möglichkeit keine beengende Kleidung getragen werden, synthetische Stoffe gemieden werden. Die bestrahlte Haut darf nicht der Sonne ausgesetzt werden. Die Einzelheiten wird der behandelnde Arzt mit Ihnen besprechen.

Akute Nebenwirkungen treten heute bei Anwendung moderner Bestrahlungstechniken nur in einer sehr milden Form auf. Im Mittelpunkt steht eine leichte Rötung der Haut, die nach Tagen bis Wochen nach Beginn der Bestrahlung auftritt. Die Rötung kann mit einem leichten Spannungsgefühl in der bestrahlten Brust verbunden sein. Nur selten tritt eine feuchte Hautschuppung auf, die eine Behandlung mit speziellen Hautsalben erfordert. Das Auftreten von Übelkeit ist sehr selten und meist nur vorübergehender Natur. Das Allgemeinbefinden kann durch Müdigkeit beeinträchtigt sein, insbesondere wenn zuvor körperlich anstrengende zusätzliche Behandlungen (Operation, Chemotherapie) erfolgt sind.

Als Spätfolge kann sich die operierte und bestrahlte Brust etwas fester im Vergleich zur nicht bestrahlten Brust anfühlen. Im Übrigen sind Spätfolgen wie eine bleibende Bräunung der Haut (Hyperpigmentierung)und besenreiserartige Veränderungen der Blutgefäße in der Haut selten geworden. Ein schmaler Lungensaum kann mitbestrahlt werden und erfährt eine narbige Umwandlung (Fibrose), die jedoch die Atmung und körperliche Leistungsfähigkeit nicht vermindert.

Die prinzipiell erforderlichen Unterlagen für eine Bestrahlung  wie

  • CT – Abdomen / Thorax CD
  • MRT – Becken CD
  • ggf. PET - CT
  • Histologie im Wortlaut
  • Operationsbericht
  • Tumorboardprotokoll

sind, wenn nicht bei uns diagnostiziert, vor der Erstvorstellung an unsere Ambulanz zu übersenden.