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Kniearthrose effektiv behandeln

Wenn Ihr Knie dauerhaft Schmerzen bereitet, ist Arthrose eine häufige Ursache. Erfahren Sie hier, wann eine Knie-OP bei Arthrose sinnvoll ist und welche Möglichkeiten es gibt, Ihr Gelenk so lange wie möglich zu erhalten.

09.06.2026 Lesedauer: - Min.
Medizinisch geprüft von Sebastian Massel
Ultraschall Knie 02
Inhaltsverzeichnis

OP bei Kniearthrose: Die Fakten

  • Eine Kniearthrose muss nicht immer sofort operiert werden, zunächst werden konservative Maßnahmen ausgeschöpft.
  • Eine Operation kommt infrage, wenn Schmerzen und Bewegungseinschränkungen zu stark den Alltag einschränken und konservative Verfahren keine Erleichterung mehr bringen.
  • Je nach Ursache und Stadium der Arthrose sind sowohl gelenkerhaltende als auch gelenkersetzende Verfahren möglich.
  • Bei stark fortgeschrittener Kniearthrose kann eine Teilprothese oder Knie-Totalendoprothese das Gelenk ersetzen.

Arthrose im Knie ohne Operation behandeln

„Die Therapie der Kniegelenksarthrose beginnt meist ambulant mit der sogenannten konservativen Therapie, also ohne OP. Zu diesen ersten Maßnahmen gehören Medikamente gegen Schmerzen und Entzündungen sowie Physiotherapie“, sagt Sebastian Massel, Oberarzt der Orthopädie und Unfallchirurgie in der Helios Bördeklinik.

Eine Injektionsbehandlung mittels ACP (Eigenbluttherapie) oder Hyaluron ist auch möglich. Im Frühstadium der Arthrose profitieren acht von zehn Betroffenen von einer Hyaluronbehandlung. Im weiter fortgeschrittenen Stadium der Arthrose kann eine intraartikuläre Injektionsbehandlung mit Cortison hilfreich sein.

Wenn die konservativen Behandlungsmaßnahmen nicht ausreichen, gibt es verschiedene schonende und gelenkerhaltende operative Möglichkeiten.

Wann ist eine Operation bei Arthrose im Knie sinnvoll?

Eine Operation sollte erst in Betracht gezogen werden, wenn die konservativen Behandlungsmaßnahmen nicht mehr ausreichen und Schmerzen sowie Bewegungseinschränkungen den Alltag bestimmen.

Die Art der Behandlung richtet sich nach dem Schweregrad der Arthrose und dem individuellen Empfinden des Patienten. Dazu sollen Ärztinnen und Ärzte ausführlich über die operativen Möglichkeiten, wie eine Knieteilprothese oder eine Knietotalendoprothese (Knie-TEP) sowie über Vor- und Nachteile als auch Risiken und Erwartungen aufklären.

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Helios Bördeklinik

Oberarzt

Die Therapie der Kniegelenksarthrose beginnt meist ambulant mit der sogenannten konservativen Therapie, also ohne OP. Zu diesen ersten Maßnahmen gehören Medikamente gegen Schmerzen und Entzündungen sowie Physiotherapie.

Welche operativen Behandlungsmöglichkeiten gibt es bei Arthrose im Knie?

Im Rahmen der operativen Behandlungsmöglichkeiten können sowohl gelenkerhaltende als auch gelenkersetzende Verfahren zum Einsatz kommen.

Die Arthroskopie (Gelenkspiegelung) ist ein minimal-invasiver Eingriff zur Diagnose und Behandlung bei Knieschmerzen. Der Operateur führt eine Spezialkamera und Instrumente über einen kleinen Hautschnitt ein, um das Gelenk zu spülen, Knorpelschäden zu beheben oder geschädigte Meniskus- oder Kreuzbandanteile zu behandeln.

 

Die Behandlung wird in der Regel ambulant durchgeführt.

 

Wichtig: Laut S3 Leitlinie wird die alleinige Arthroskopie nicht bei Kniearthrose empfohlen. Eine Ausnahme stellen Meniskusschäden und/oder freie Gelenkkörper dar, wenn diese das Gelenk beim Bewegen blockieren. In diesen Fällen kann die Arthroskopie zur Besserung der Beschwerden beitragen. 

Bei der Umstellungsosteotomie handelt es sich um eine sogenannte Achskorrektur des Beins. Jedes Bein ist individuell geformt und nur selten wirklich gerade. Bei X- und O-Beinen handelt es sich um eine ausgeprägte Fehlstellung der Beinachse, die zu einer einseitigen Belastung des Kniegelenks führt. Bei X-Beinen wird die äußere Kniegelenkshälfte stärker beansprucht, bei O-Beinen die innere. Dadurch nutzt sich der Knorpel einseitig ab. Die Folge: Arthrose und Knieschmerzen. Die Umstellungsosteotomie kann in Betracht gezogen werden, wenn die Arthrose noch nicht weit fortgeschritten ist.

 

Fehlstellungen wie X- oder O-Beine sind häufig angeboren. Sie können aber auch eine Folge von Unfällen sein, wie beispielsweise nach einem Kreuzbandriss“, erklärt der Oberarzt. Eine Umstellungsosteotomie, auch Umstellungsoperation genannt, nimmt eine Achskorrektur des Beins vor. Nach der Operation kann sich das Körpergewicht gleichmäßig über das gesamte Gelenk verteilen. 

 

Welche Vorteile bringt eine Operation?

 

Der Patient behält sein eigenes Knie. Die Umstellungsosteotomie gehört zu den gelenkerhaltenden Operationen. Der Verschleiß wird idealerweise aufgehalten oder aber deutlich verlangsamt. Der Zeitpunkt, bis ein künstliches Kniegelenk eingesetzt werden muss, kann dadurch häufig um mehrere Jahre nach hinten verschoben oder ganz vermieden werden.

 

Wie läuft die Umstellungsosteotomie ab?

 

Abhängig von der Ursache der Beschwerden wird entweder der Unterschenkel oder der Oberschenkel komplett durchtrennt. Dabei entnimmt man im betroffenen Bereich einen Keil, bringt den Knochen in die gewünschte Position und fixiert ihn mit einer winkelstabilen Platte aus Titan.

 

Wie lange dauert es, bis man nach einer Knie-OP wieder richtig laufen kann?

 

Im Anschluss an die Operation sollte das Bein circa sechs Wochen nicht belastet werden. Erst danach kann die Belastung langsam gesteigert werden, bis das Bein schmerzadaptiert vollbelastet werden kann.

Für eine Knorpeltransplantation darf der Knorpel noch nicht zu stark geschädigt und das Gelenk muss weitgehend erhalten sein. Alle beschriebenen Eingriffe werden mit Hilfe des Arthroskops durchgeführt und können ambulant erfolgen.

 

Mikrofrakturierung

 

Wird während der Arthroskopie ein kleinerer Knorpelschaden festgestellt, kann dieser im gleichen Schritt abgetragen werden. Anschließend werden kleine Löcher in den darunterliegenden Knochen gebohrt. Dies stimuliert Reparaturmechanismen des Knochenmarks, es bildet sich neues Gewebe, auch Faserknorpel genannt. Dieser ist jedoch nicht ganz so belastbar wie der ursprüngliche Knorpel.

 

Autologe Knorpel-Knochen-Transplantation

 

Bei dieser Methode wird der geschädigte Knorpel inklusive des darunterliegenden Gewebes in einem minimal-invasiven Eingriff ausgestanzt. An einer gesunden Stelle wird ein Knorpel-Knochenstück entnommen und eingesetzt. Das eigene Gewebe wächst dort an und repariert die defekte Stelle. Patienten sind nach dem Eingriff in der Regel schnell wieder mobil. Das Verfahren kann jedoch nur angewendet werden, wenn der Knorpeldefekt noch sehr klein ist.

 

Knorpelzell-Transplantation

 

Mit dieser Methode können auch großflächigere Knorpelschäden beispielsweise bei einer Arthrose 3. oder 4. Grades repariert werden. In einem ersten Eingriff werden ein kleines Stück Knorpel sowie Blut des Patienten entnommen. Anschließend werden die Knorpelzellen isoliert und in einem speziellen Verfahren vermehrt. Nach sechs bis acht Wochen hat sich neuer Knorpel gebildet, der an der defekten Stelle eingebracht wird. Dieser ist ähnlich belastbar wie der ursprüngliche Knorpel. Damit der neue Knorpel aushärten kann, ist nach dem Eingriff eine Rehabilitationszeit von mindestens sechs Wochen notwendig.

Wann ist künstlicher Gelenkersatz nötig?

Wenn konservative Behandlungsmethoden die Beschwerden im fortgeschrittenen Stadium der Arthrose nicht mehr ausreichend lindern können, gibt es die Möglichkeit einer Knie-Teilprothese oder einer Knieendoprothese (Knie-TEP).

Ziel ist, die Beweglichkeit zu verbessern und die Schmerzen zu reduzieren.

Für einen künstlichen Gelenkersatz im Knie müssen bestimmte Voraussetzungen erfüllt sein:

  • Schmerzen im Knie bestehen seit mindestens drei Monaten
  • konservative Therapiemaßnahmen bringen keine Linderung der Beschwerden
  • die Schädigung des Kniegelenks ist eindeutig in der Bildgebung zu erkennen
  • die Lebensqualität der Betroffenen ist durch Schmerzen und Bewegungseinschränkungen stark beeinträchtigt

Wie verläuft die Knie-Operation?

Mit einem Hautschnitt wird das Kniegelenk von vorne in Längsrichtung eröffnet. Der Oberschenkelknochen und der Schienbeinkopf werden so geformt, dass die Prothesenkomponenten belastungsstabil und drehsicher verankert werden können. Am Oberschenkel und am Schienbeinkopf werden die ursprünglichen Knorpelflächen durch eine Metallkomponente, ähnlich wie eine Kronung, ersetzt.

Die Metallbasisplatte wird auf dem Schienbeinkopf verankert, die dann den Plastikmeniskus aufnimmt. Beide Komponenten (Oberschenkel- und Schienbeinkomponente) bilden zusammen die neuen Gelenkflächen. Dieser Gelenkflächenersatz wird mit Knochenzement auf den Knochen aufgeklebt. Diese sichere Befestigung unterstützt, dass es bei einem eventuell notwendigen Zweiteingriff keine größeren Knochenverluste gibt.

Oberarzt Massel: „Je nach Ausmaß der Knorpelzerstörung kann ein einfacher oder ein kompletter Gelenkflächenersatz implantiert werden. Sind wesentliche, die Stabilität des Gelenkes sicherstellende Bänder zerstört, werden auch verschieden stark gekoppelte Prothesenvarianten eingesetzt, die mehr oder weniger diese Bandfunktionen ersetzen. Bei einem weit fortgeschrittenen Verschleiß der Kniescheibenrückfläche kann auch hier ein Rückflächenersatz erfolgen.“

Wie lange muss ich nach der OP im Krankenhaus bleiben?

Nach der Operation werden Sie bereits am selben Tag beziehungsweise am Tag nach der Operation mit Unterstützung aus dem Bett heraus mobilisiert. Der stationäre Aufenthalt beträgt in der Regel vier bis sechs Tage. Es schließt sich eine dreiwöchige Rehabilitationsbehandlung an, die ambulant oder stationäre erfolgen kann.

Welche Risiken hat eine Knieoperation?

Wie jeder Eingriff ist auch der Einsatz eines künstlichen Kniegelenks mit Risiken verbunden. Dazu gehören unter anderem

  • Infektionen
  • Wundheilungsstörungen
  • Blutgerinnsel
  • Bewegungseinschränkungen

Im Laufe der Jahre kann sich die Prothese lockern. Zudem kann es zu einer allergischen Reaktion, etwa gegen Nickel, kommen.

Vor der Operation werden Sie ausführlich über die Risiken informiert.

FAQ

Laut Studienlage hält eine implantierte Knieprothese mehr als 20 Jahre in 90 Prozent der Fälle. Ein gewisses Restrisiko verbleibt jedoch in Bezug auf Lockerung, Instabilität und Infektion.

 

Eine weitere Operation, um das Gelenk zu erneuern (Wechseloperation) ist selten notwendig.

Es wird unterschieden zwischen der Knie-Totalendoprothese (Knie-TEP) und Teilprothesen, die nur bestimmte Bereiche des Gelenks ersetzen. In bestimmten Fällen kann auch eine gekoppelte Knie-TEP eingesetzt werden, zum Beispiel, wenn das Kniegelenk starke Schäden aufweist und zusätzliche Stabilität erforderlich ist.

 

Erfahren Sie hier mehr über die verschiedenen Prothesen-Arten

Eine Gonarthrose lässt sich nicht umkehren. Das heißt, dass Schmerzen zunehmen können und auch die Beweglichkeit immer weiter abnehmen kann. Konservative Maßnahmen können hier entgegenwirken und das Fortschreiten der Erkrankungen verlangsamen, aber nicht aufhalten.

 

Die Entscheidung für oder gegen eine Knieoperation ist vollkommen legitim und sollte nach ausführlicher Beratung gemeinsam mit der betreuenden Ärztin oder dem betreuendem Arzt getroffen werden. 

Ja, auch nach dem Einsatz einer Teil- oder Totalendoprothese ist Sport weiterhin möglich. Laut Leitlinie sind Bewegung und Kräftigungsübungen sehr relevant, um die Muskulatur zu stärken und die Beweglichkeit zu verbessern. Dabei sollten Sie darauf achten, eine Überlastung zu vermeiden.

 

Geeignet sind Sportarten wie

 

  • Yoga und Pilates
  • Schwimmen (außer Brustschwimmen)
  • Wassergymnastik
  • Nordic Walking
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S3-Leitlinie Gonarthrose Online: https://register.awmf.org/... (Zugriff am 09.06.2026)