OP bei Kniearthrose: Die Fakten
- Eine Kniearthrose muss nicht immer sofort operiert werden, zunächst werden konservative Maßnahmen ausgeschöpft.
- Eine Operation kommt infrage, wenn Schmerzen und Bewegungseinschränkungen zu stark den Alltag einschränken und konservative Verfahren keine Erleichterung mehr bringen.
- Je nach Ursache und Stadium der Arthrose sind sowohl gelenkerhaltende als auch gelenkersetzende Verfahren möglich.
- Bei stark fortgeschrittener Kniearthrose kann eine Teilprothese oder Knie-Totalendoprothese das Gelenk ersetzen.
Arthrose im Knie ohne Operation behandeln
„Die Therapie der Kniegelenksarthrose beginnt meist ambulant mit der sogenannten konservativen Therapie, also ohne OP. Zu diesen ersten Maßnahmen gehören Medikamente gegen Schmerzen und Entzündungen sowie Physiotherapie“, sagt Sebastian Massel, Oberarzt der Orthopädie und Unfallchirurgie in der Helios Bördeklinik.
Eine Injektionsbehandlung mittels ACP (Eigenbluttherapie) oder Hyaluron ist auch möglich. Im Frühstadium der Arthrose profitieren acht von zehn Betroffenen von einer Hyaluronbehandlung. Im weiter fortgeschrittenen Stadium der Arthrose kann eine intraartikuläre Injektionsbehandlung mit Cortison hilfreich sein.
Wenn die konservativen Behandlungsmaßnahmen nicht ausreichen, gibt es verschiedene schonende und gelenkerhaltende operative Möglichkeiten.
Wann ist eine Operation bei Arthrose im Knie sinnvoll?
Eine Operation sollte erst in Betracht gezogen werden, wenn die konservativen Behandlungsmaßnahmen nicht mehr ausreichen und Schmerzen sowie Bewegungseinschränkungen den Alltag bestimmen.
Die Art der Behandlung richtet sich nach dem Schweregrad der Arthrose und dem individuellen Empfinden des Patienten. Dazu sollen Ärztinnen und Ärzte ausführlich über die operativen Möglichkeiten, wie eine Knieteilprothese oder eine Knietotalendoprothese (Knie-TEP) sowie über Vor- und Nachteile als auch Risiken und Erwartungen aufklären.
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Welche operativen Behandlungsmöglichkeiten gibt es bei Arthrose im Knie?
Die Arthroskopie (Gelenkspiegelung) ist ein minimal-invasiver Eingriff zur Diagnose und Behandlung bei Knieschmerzen. Der Operateur führt eine Spezialkamera und Instrumente über einen kleinen Hautschnitt ein. Jetzt kann er das Gelenk spülen, Knorpelschäden beheben oder geschädigte Meniskus- oder Kreuzbandanteile behandeln. Die Arthroskopie eignet sich bei Kniearthrose im Anfangsstadium. Die Behandlung wird in der Regel ambulant durchgeführt.
Bei der Umstellungsosteotomie handelt es sich um eine sogenannte Achskorrektur des Beins.
Jedes Bein ist individuell geformt und nur selten wirklich gerade. Bei X- und O-Beinen handelt es sich um eine ausgeprägte Fehlstellung der Beinachse, die zu einer einseitigen Belastung des Kniegelenks führt. Bei X-Beinen wird die innere Kniegelenkshälfte stärker beansprucht, bei O-Beinen die äußere. Dadurch nutzt sich der Knorpel einseitig ab. Die Folge: Arthrose und Knieschmerzen.
Fehlstellungen wie X- oder O-Beine sind häufig angeboren. Sie können aber auch eine Folge von Unfällen sein, wie beispielsweise nach einem Kreuzbandriss.
Eine Umstellungsosteotomie, auch Umstellungsoperation genannt, nimmt eine Achskorrektur des Beins vor. Nach der Operation kann sich das Körpergewicht gleichmäßig über das Gelenk verteilen. Beim Gehen wird jetzt wieder der gesunde Teil des Gelenks belastet, der abgenutzte Teil wird entlastet und schmerzt nicht mehr.
Welche Vorteile bringt eine Operation?
Der Patient behält sein eigenes Knie. Die Umstellungsosteotomie gehört zu den gelenkerhaltenden Operationen. Der Verschleiß wird idealerweise aufgehalten oder aber deutlich verlangsamt. Der Zeitpunkt, bis ein künstliches Kniegelenk eingesetzt werden muss, kann dadurch häufig um mehrere Jahre nach hinten verschoben oder ganz vermieden werden.
Wie läuft die Umstellungsosteotomie ab?
Abhängig von der Ursache der Beschwerden, wird entweder der Unterschenkel oder der Oberschenkel komplett durchtrennt, in die gewünschte Position gebracht und mit einer winkelstabilen Platte aus Titan fixiert.
Wie lange dauert es, bis man nach einer Knie-OP wieder richtig laufen kann?
Im Anschluss an die Operation sollte das Bein circa sechs Wochen nicht belastet werden. Erst dann wird die Belastung langsam gesteigert.
Wann ist künstlicher Gelenkersatz nötig?
Wenn konservative Behandlungsmethoden die Beschwerden im fortgeschrittenen Stadium der Arthrose nicht mehr ausreichend lindern können, gibt es die Möglichkeit einer Knie-Teilprothese oder einer Knieendoprothese (Knie-TEP).
Ziel ist, die Beweglichkeit zu verbessern und die Schmerzen zu reduzieren.
Für einen künstlichen Gelenkersatz im Knie müssen bestimmte Voraussetzungen erfüllt sein:
- Schmerzen im Knie bestehen seit mindestens drei Monaten
- konservative Therapiemaßnahmen bringen keine Linderung der Beschwerden
- die Schädigung des Kniegelenks ist eindeutig in der Bildgebung zu erkennen
- die Lebensqualität der Betroffenen ist durch Schmerzen und Bewegungseinschränkungen stark beeinträchtigt
Wie verläuft die Knie-Operation?
Mit einem Hautschnitt wird das Kniegelenk von vorne in Längsrichtung eröffnet. Der Oberschenkelknochen und der Schienbeinkopf werden so geformt, dass die Prothesenkomponenten belastungsstabil und drehsicher verankert werden können. Am Oberschenkel und am Schienbeinkopf werden die ursprünglichen Knorpelflächen durch eine Metallkomponente, ähnlich wie eine Kronung, ersetzt.
Die Metallbasisplatte wird auf dem Schienbeinkopf verankert, die dann den Plastikmeniskus aufnimmt. Beide Komponenten (Oberschenkel- und Schienbeinkomponente) bilden zusammen die neuen Gelenkflächen. Dieser Gelenkflächenersatz wird mit Knochenzement auf den Knochen aufgeklebt. Diese sichere Befestigung unterstützt, dass es bei einem eventuell notwendigen Zweiteingriff keine größeren Knochenverluste gibt.
Oberarzt Massel: „Je nach Ausmaß der Knorpelzerstörung kann ein einfacher oder ein kompletter Gelenkflächenersatz implantiert werden. Sind wesentliche, die Stabilität des Gelenkes sicherstellende Bänder zerstört, werden auch verschieden stark gekoppelte Prothesenvarianten eingesetzt, die mehr oder weniger diese Bandfunktionen ersetzen. Bei einem weit fortgeschrittenen Verschleiß der Kniescheibenrückfläche kann auch hier ein Rückflächenersatz erfolgen.“
Wie lange muss ich nach der OP im Krankenhaus bleiben?
Nach der Operation werden Sie bereits am selben Tag beziehungsweise am Tag nach der Operation mit Unterstützung aus dem Bett heraus mobilisiert. Der stationäre Aufenthalt beträgt in der Regel vier bis sechs Tage. Es schließt sich eine dreiwöchige Rehabilitationsbehandlung an, die ambulant oder stationäre erfolgen kann.
Welche Risiken hat eine Knieoperation?
Wie jeder Eingriff ist auch der Einsatz eines künstlichen Kniegelenks mit Risiken verbunden. Dazu gehören unter anderem
- Infektionen
- Wundheilungsstörungen
- Blutgerinnsel
- Bewegungseinschränkungen
Im Laufe der Jahre kann sich die Prothese lockern. Zudem kann es zu einer allergischen Reaktion, etwa gegen Nickel, kommen.
Vor der Operation werden Sie ausführlich über die Risiken informiert.
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S3-Leitlinie Gonarthrose Online: https://register.awmf.org/... (Zugriff am 09.06.2026)