Was ist eine Radiusfraktur?
Unter einer Radiusfraktur versteht man einen Bruch der Speiche (Radius), eine distale Radiusfraktur meint den Bruch der handgelenksnahen Speiche. Umgangssprachlich ist dann auch von einem „Handgelenksbruch“ die Rede. Die Speiche ist einer der beiden Unterarmknochen, die das Handgelenk mit dem Ellenbogen verbinden. Sie liegt auf der Daumenseite.
Medizinisch wird unterschieden zwischen Brüchen ohne Gelenkbeteiligung und Brüchen, die bis in das Gelenk reichen. Frakturen ohne Beteiligung des Gelenks (extraartikuläre Frakturen) sind häufiger und weniger problematisch.
Betroffen von einer distalen Radiusfraktur können Menschen aller Altersklassen sein: Bei Kindern, Jugendlichen und jüngeren Erwachsenen ist meist ein aktiver Lebensstil und/oder erhöhte Risikobereitschaft bei Sportarten ursächlich, dann betrifft sie häufiger Männer. Bei älteren Menschen spielt die abnehmende Knochendichte eine entscheidende Rolle. Hiervon sind deutlich öfter Frauen betroffen.
In Deutschland ereignen sich etwa 200.000 solcher Brüche jährlich, das entspricht etwa einem Bruch alle 2,5 Minuten. Aufgrund der Häufigkeit dieser Verletzung und ihrer Tragweite ist eine zielgerichtete handchirurgische konservative oder operative Therapie notwendig, um eine rasche Wiederaufnahme der Handfunktion erreichen zu können. Die Wahl der passenden Therapie wird dabei stets individuell getroffen.
Welche Symptome hat ein gebrochenes Handgelenk?
Nach einem Sturz auf die Hand oder das Handgelenk treten meist recht schnell Beschwerden auf. Typische Anzeichen, die auf einen Bruch hinweisen:
- Schmerzen
- Schwellung
- Bluterguss
- Kraftverlust
- eingeschränkte oder fehlende Beweglichkeit
- sichtbare Fehlstellung oder Verformung durch Knochenverschiebung
- Knochenknirschen (Krepitation)
Wichtig: Treten nach einem Sturz zunehmende Schmerzen, Schwellungen, Taubheitsgefühle oder einer sichtbare Fehlstellung auf oder handelt es sich um einen offenen Bruch ist sofort eine ärztliche Abklärung nötig. Versuchen Sie bis dahin die Hand und das Handgelenk möglichst ruhig zu halten.
Distale Radiusfraktur: Ursachen im Überblick
"Eine distale Radiusfraktur ist schnell passiert. Bei einem Sturz versuchen viele Menschen, sich mit den Händen abzufangen. Dabei wirken starke Kräfte auf Hand und Unterarm. Das kann letztlich mit einem Bruch der Speiche enden", sagt Prof. Dr. Elias Volkmer Chefarzt der Klinik für Handchirurgie am Helios Klinikum München West. Der Sturz kann sowohl auf die ausgestreckte (extendierte) als auch auf die gebeugte (flektierte) Hand erfolgen.
Risikofaktoren sind unter anderem:
- Alter
- abnehmende Knochensubstanz (Osteoporose)
- Sportarten mit erhöhtem Sturzrisiko
- Verkehrs- und Autounfälle
Ärztinnen und Ärzte unterscheiden die distale Radiusfraktur unter anderem in zwei Arten:
- Flexionsfraktur (Smith-Fraktur): Dabei knickt das Handgelenk in Richtung der Handinnenfläche ab.
- Extensionsfraktur (Colles-Fraktur): Dabei verschiebt sich das gebrochene Knochenfragment nach außen in Richtung des Handrückens. Die Colles-Fraktur tritt häufiger auf, da viele Menschen versuchen, den Sturz mit ausgestreckten Händen abzufangen.
Von großer Bedeutung hierbei ist, ob der Bruch verschoben ist, und ob die Gelenkfläche der Speiche betroffen ist.
Wie wird eine Radiusfraktur diagnostiziert?
In den meisten Fällen kann schon aufgrund des Erscheinungsbildes ein Bruch vermutet werden. Die Leitlinie empfiehlt zunächst eine klinische Untersuchung. Dabei prüfen Ärztinnen und Ärzte unter anderem, ob eine Fehlstellung vorliegt, wie stark die Schwellung ist und ob Blutergüsse, Druckschmerzen und Gefühlsstörungen bestehen. Zudem überprüfen sie die Beweglichkeit und Durchblutung der Hand.
Die Diagnose wird dann mit einer Röntgenaufnahme des Handgelenks in zwei Ebenen bestätigt. Im Röntgenbild lässt sich die Lage des Bruchs und der Verlauf der Bruchlinie meist sicher erkennen.
Ist das Röntgenbild nicht aussagekräftig genug oder der Bruch sehr komplex und reicht bis ins Gelenk, kann zusätzlich eine Computertomographie (CT) sinnvoll sein, um den Bruch genauer zu beurteilen und eine Operation zu planen.
Therapie und Behandlungsmethoden einer distalen Fraktur
Welche Behandlung sinnvoll ist, hängt vor allem davon ab,
- ob der Bruch stabil oder instabil ist,
- ob das Gelenk betroffen ist,
- ob Begleitverletzungen vorliegen,
- welche individuellen Anforderungen und Bedürfnisse im Alltag an die Hand bestehen.
Ziele der Behandlung sind sowohl bei der konservativen als auch operativen Methode, die Hand möglichst schmerzarm, beweglich und belastbar zu erhalten.
Wann reicht eine konservative Behandlung aus?
"Bei einem stabilen Bruch ohne Gelenkbeteiligung oder mit nur geringer Verschiebung kann häufig konservativ mit Gips oder Gipsschiene behandelt werden", sagt Prof. Dr. Volkmer.
Durch die Ruhigstellung kann der Knochen in der richtigen Position gehalten werden und wieder heilen. Der regelrechte Heilungsverlauf wird durch Röntgenkontrollen überwacht. Eine Behandlung mit Gips und eine entsprechende Ruhigstellung ist für bis zu sechs Wochen erforderlich.
Im Anschluss erhalten Patientinnen und Patienten Physiotherapie, um mit gezielten Übungen wieder schrittweise mehr Beweglichkeit und Kraft zu erlangen.
Wann ist eine Operation notwendig?
Eine Operation kann notwendig sein, wenn der Bruch
- verschoben ist,
- instabil ist,
- oder bis in das Gelenk reicht.
Im Rahmen der Operation werden die verschobenen Knochenfragmente wieder anatomisch korrekt ausgerichtet und fixiert. Dazu wird der Bruch durch eine eingebrachte Platte (Plattenosteosynthese) stabilisiert. Die Plattenosteosynthese bietet den Vorteil, dass die Bruchenden direkt stabil fixiert werden können.
Nach der Operation kann oft direkt mit physiotherapeutischen Maßnahmen gestartet werden. Eine längere Ruhigstellung ist oft nicht nötig.
Die Knochenbruchheilung und damit die Belastbarkeit des Handgelenkes dauert bis zu sechs Wochen. Sie hängt vom Bruch und vom individuellen Heilungsverlauf ab.
Gut zu wissen: In schwierigen Fällen muss vor Durchführung der Operation eine Schnittbilddiagnostik des Handgelenkes mittels CT durchgeführt werden. Durch diese genaue Analyse des Bruchverlaufes ist es möglich, den korrekten Zugang zur Stabilisierung des Bruches zu wählen.
Wenn die Gelenkfläche verschoben ist, empfiehlt Prof. Volkmer eine arthroskopisch assistierte Versorgung, bei der während der Operation mittels Gelenkspiegelung die Gelenkfläche wieder genauestmöglich eingerichtet wird, um eine Folgearthrose zu vermeiden. Diese Technik wird allerdings ausschließlich von Handgelenksspezialisten angeboten.
Erfolgsaussichten: Was bringt die Behandlung?
Prof. Dr. Volkmer: "Die meisten Patientinnen und Patienten erreichen nach der Behandlung wieder eine gute Funktion des Handgelenks.“ Es kann jedoch auch sein, dass die Beweglichkeit des Handgelenks eingeschränkt bleibt. Das ist vor allem bei komplizierten Brüchen, Gelenkbeteiligung oder einem erschwertem Heilungsverlauf möglich.
Eine verletzungsbedingte Berufs- oder Erwerbsunfähigkeit ist nur selten zu befürchten.
FAQ
Typische Anzeichen einer Radiusfraktur sind Schmerzen, eine Schwellung sowie eine eingeschränkte Beweglichkeit des Handgelenks. Je nach Bruch kann auch eine Fehlstellung sichtbar sein.
Wenn der Verdacht besteht, dass Sie sich das Handgelenk nach einem Sturz oder Unfall gebrochen haben, sollten Sie dies umgehend ärztlich untersuchen lassen und eine Notaufnahme aufsuchen. Symptome, die eine sofortige ärztliche Untersuchung erforderlich machen, sind sehr starke Schmerzen, Schwellungen, ein offener Bruch, Taubheitsgefühle oder Kribbeln sowie Durchblutungsstörungen (kalte/blaue Finger). Auch Bewegungseinschränkungen und Knackgeräusche erfordern eine ärztliche Abklärung.
Bei einer verspäteten Behandlung kann es zu dauerhaften Bewegungseinschränkungen, Kraftverlust oder auch Arthrose kommen.
Nein. Im Falle eines stabilen Bruchs, also wenn es sich um einen glatten, unkomplizierten Bruch ohne Gelenkbeteiligung handelt, kann oftmals konservativ mithilfe eines Gipses oder einer Gipsschiene behandelt werden.
Die operative Therapie ist in der Regel bei instabilen Brüchen, bei denen es zu einer Verschiebung der Knochenfragmente und einer Gelenkbeteiligung kommt, notwendig.
Die Knochenbruchheilung und damit die Belastbarkeit des Handgelenkes dauert bis zu sechs Wochen. Sie ist unter anderem abhängig von der Art des Bruchs, der gewählten Behandlung und dem individuellen Heilungsverlauf.
Ja, das ist möglich. Eine unterschiedlich ausgeprägte Einschränkung der Beweglichkeit des Handgelenkes kann vorkommen. Ursachen dafür können etwa eine Verklebung von Sehnen, ein falsches zusammenwachsen der Knochen sowie Arthrose sein. Eine frühzeitige Physiotherapie kann eine vorbeugende Maßnahme sein, um die Funktion zu erhalten.
Häufigkeit, Entstehung und Klassifikation der distalen Radiusfraktur Online: https://www.thieme-connect.com/... (Zugriff am 16.04.2026)
Therapie der distalen Radiusfraktur Online: https://link.springer.com/... (Zugriff am 16.04.2026)
S2e-Leitlinie Distale Radiusfraktur Online: https://register.awmf.org/... (Zugriff am 16.04.2026)