Was sind die Ursachen einer Fingerfraktur?
„Der Bruch eines Fingerknochens ist häufig die Folge einer direkten Krafteinwirkung. Je nach Unfallmechanismus kommt es zum Bruch des Knochens im Bereich der Basis, des Schaftes, des Köpfchens oder des körperfernen Endgliedes – sogenannte Nagelkranzfrakturen“, erklärt Oberarzt Dr. Carsten Baade, Abteilungsleiter der Handchirurgie in den Helios Weißeritztal-Kliniken.
Typische Ursachen sind:
- Stürze auf die ausgestreckte Hand
- Sportverletzungen (z. B. Ballsportarten, Kampfsport)
- Quetschungen (z. B. Tür, Schublade, Werkzeuge)
- Verkehrsunfälle
Welche Beschwerden macht ein Fingerbruch?
Typische Anzeichen eines oder mehrerer gebrochener Fingerknochen sind:
- starke Schmerzen
- Schwellung und/oder Bluterguss
- Bewegungseinschränkung (der benachbarten Fingergelenke)
- sichtbare Fehlstellung
Bei Nagelkranzfrakturen bildet sich häufig ein rasch sichtbarer Bluterguss unter dem Fingernagel aus.
Wie erfolgt die Diagnostik?
Zur Diagnosestellung findet eine gründliche klinische Untersuchung statt. Dabei werden unter anderem die Beweglichkeit, Durchblutung und Sensibilität des Fingers überprüft. Um das genaue Ausmaß und die exakte Lage des Bruchs zu ermitteln, schließt sich eine Röntgenuntersuchung an.
Bei besonders komplexen oder gelenknahen Brüchen kann ergänzend auch eine CT-Untersuchung notwendig sein.
Welche Behandlungsmethoden gibt es für einen Fingerbruch?
Die gute Nachricht: „Bei den meisten Fingerbrüchen reicht eine konservative Behandlung mit einer Gipsschiene oder einem Schienenverband zur Ruhigstellung. Eine Operation ist nur bei Instabilität oder stärkeren Fehlstellungen nötig“, sagt Chefarzt Dr. Lars Thomaschewski, Chefarzt Unfall-, Wiederherstellungs- und Orthopädische Chirurgie, Ärztlicher Direktor.
Ziel der Behandlung eines gebrochenen Fingers ist die möglichst frühzeitige Wiederherstellung der Fingerbeweglichkeit und Handfunktion. Sowohl bei konservativ (ohne Operation) als auch operativ behandelten Fingerfrakturen sollte daher so rasch wie möglich mit der Bewegungstherapie begonnen werden.
konservativ
Die konservative Behandlung ist in der Regel möglich bei:
- stabilen Bruchformen,
- unverschobenen oder nur gering verschobenen Brüchen,
- Brüchen, die durch ein geschlossenes Einrichtungsmanöver stabilisiert (Bruch wird gerade gestellt) werden können,
- Frakturen ohne Gelenkbeteiligung und
- Frakturen ohne Drehfehlstellung.
Für die konservative Behandlung können sowohl individuell angefertigte Gipsschienen verwendet werden als auch handelsübliche und in unterschiedlichen Größen erhältliche Schienenverbände (Orthesen).
operativ
Die Notwendigkeit zur operativen Therapie besteht in folgenden Fällen:
- instabile Bruchformen
- eindeutig verschobene Brüche mit Verkürzung, Dreh- oder Achsfehlern
- Brüche mit Gelenkbeteiligung
- Brüche mit Knochendefekt
- Brüche als Teil einer komplexen Handverletzung
Um die Operation schmerzfrei durchführen zu können, kommen verschiedene Betäubungsverfahren infrage, zum Beispiel eine Vollnarkose oder eine Regionalanästhesie des Armes (Plexusanästhesie).
Bei der operativen Behandlung müssen zunächst die Bruchstücke wieder in die richtige Position gebracht werden (Reposition). Dies kann geschlossen, das heißt ohne Hautschnitt, oder offen erfolgen. Die Länge des Hautschnittes richtet sich dabei nach dem Ausmaß der Verschiebung und der erforderlichen Stabilisierung.
Je nach Bruchform, Lage und Knochenqualität kann die Stabilisierung (Osteosynthese) mittels Drähten, Schrauben oder Platten durchgeführt werden. Hierzu stehen speziell für die Handchirurgie entwickelte Implantate aus Stahl oder Titan zur Verfügung.
Bei Knochendefekten kann es unter Umständen erforderlich sein, den Defekt mit körpereigenen Knochenbälkchen oder synthetischem Knochenersatzmaterial aufzufüllen.
Neben den aufgeführten Kriterien können individuelle Aspekte der Patientin oder des Patienten eine wichtige Rolle bei der Wahl des Behandlungsverfahrens spielen. Diese können in einem Gespräch vor einem operativen Eingriff besprochen werden.
Was sind Operationsrisiken einer Fingerfraktur?
Neben den allgemeinen Operationsrisiken kann es bei der operativen Bruchversorgung zu spezifischen Komplikationen kommen. Infektionen der Drahteintrittstellen können vorkommen, daher sind regelmäßige Wundkontrollen und eine Säuberung der Hautregion sehr wichtig.
Bei der Verwendung von Platten kann es zu Verklebungen der Streck- und Beugesehnen kommen, was die Beweglichkeit des Fingers einschränken kann. Wichtig sind hier frühzeitige Übungen im Rahmen einer Physiotherapie als vorbeugende Maßnahme.
Trotz großer Sorgfalt ist auch das Auftreten von Dreh- oder Achsfehlstellungen nicht immer sicher auszuschließen.
Wie sieht die Nachbehandlung aus?
Auch wenn das Ziel eine möglichst frühe Übungsstabilität ist, ist in seltenen Fällen eine zusätzliche Ruhigstellung durch eine Schiene nötig. Zum Erhalt der Beweglichkeit, sollte aber zumindest die nicht unmittelbar betroffenen Gelenke frühzeitig bewegt werden. Mithilfe von physio- und ergotherapeutischen Übungen lernen Betroffene die Stabilität des Fingers und die Beweglichkeit schrittweise wieder aufzubauen.
Nach einer Drahtosteosynthese wird empfohlen, das Metall zu entfernen. Schrauben oder Platten können in der Regel belassen werden. Sie werden nur entfernt, wenn sie stören.
Wie sind die Erfolgsaussichten nach Fingerbruch?
Die Prognose ist abhängig vom Frakturtyp, Schweregrad, Weichteilschaden und möglichen Begleitverletzungen. Dr. Carsten Baade: „Bei frühzeitiger und korrekter funktioneller konservativer oder operativer Behandlung einer Fingerfraktur kann in den meisten Fällen eine gute Beweglichkeit erreicht werden.“
Leider kommt es aber nicht selten zu Bewegungseinschränkungen in den benachbarten Fingergelenken kommen. In diesen Fällen kann eine operative Lösung der Verwachsungen im Bereich der Sehnen (Tenolyse) oder der Gelenke (Arthrolyse) oder eine Kombination beider Verfahren (Arthrotenolyse) erforderlich sein.
FAQ
Als Sofortmaßnahme sollten Sie die PECH-Regel anwenden:
- P (Pause): Bewegen Sie den verletzten Finger nicht mehr. Eine vorübergehende Stabilisierung kann je nach Verletzung sinnvoll sein.
- E (Eis): Kühlen Sie den Finger, um Schwellungen und Schmerzen zu reduzieren. Achten Sie darauf, dass Sie das Coolpack nie direkt auf die Haut legen.
- C (Compression – Kompression): Legen Sie einen lockeren Verband um den Finger, um die Schwellung zu begrenzen. Achten Sie darauf, nichts abzuschnüren.
- H (Hochlagern): Halten Sie die Hand oben, sodass die Schwellung nicht zunimmt oder leichter abklingen kann.
Zu den typischen Beschwerden und Anzeichen zählen:
- Schmerzen bei Druck und Bewegung
- ausgeprägte Schwellung
- (starke) Bewegungseinschränkung
- sichtbare Fehlstellung der Finger
- offener Bruch
Die Heilungsdauer hängt von der Schwere des Bruchs ab. Ein Knochen benötigt meist bis zu sechs Wochen, um stabil zusammenzuwachsen. Die Bruchlinien lassen sich aber oft noch nach Monaten im Röntgen nachweisen, auch können bis zur vollständigen Belastbarkeit mehrere Monate vergehen.
Ihre Ärztin oder Ihr Arzt bespricht mit Ihnen, wann eine vollständige Belastung wieder möglich ist. Eine frühzeitige lastfreie Übungsbehandlung sollte, wenn möglich, aber sehr zeitnah begonnen werden, um Bewegungseinschränkungen und Verklebungen der Sehnen vorzubeugen.
Die Bewegung des Fingers ist meist sehr eingeschränkt und wenn, dann nur unter Schmerzen möglich.
Eine Schwellung kann die Beweglichkeit des Fingers zusätzlich einschränken.
Sie sollten einen gebrochenen Finger zügig behandeln lassen. Je eher der Bruch behandelt wird, desto geringer ist das Risiko von möglichen Komplikationen.
Ein gebrochener Finger geht in der Regel mit starken Schmerzen, einer erkennbaren Schwellung und Blutergüssen einher. Zudem lässt er sich häufig nur noch sehr eingeschränkt und unter Schmerzen bewegen. Auch eine sichtbare Fehlstellung ist ein wichtiges Indiz für einen Fingerbruch. Taubheit und Kribbeln sind ebenfalls mögliche Anzeichen eines gebrochenen Fingers und können auf Begleitverletzungen hinweisen.
Eine Verstauchung kann ähnliche Symptome verursachen. Auch sie ist durch Schmerzen begleitet, die Schwellung tritt jedoch meist langsamer auf.
Ob der Finger verstaucht oder gebrochen ist, lässt sich oftmals nur nach einer ärztlichen Untersuchung sicher beurteilen.