Was ist ein Schnappfinger?
„Ein Schnappfinger entsteht, wenn die Sehne des Fingers nicht mehr frei durch das Ringband, meist in der Hohlhand, gleiten kann. Das führt dazu, dass der betroffene Finger schmerzhaft schnappt, springt oder in der gebeugten Stellung blockiert“, sagt Dr. Uwe-Jens Teßmann, Leiter der Unfall und Handchirurgie am Helios Klinikum Berlin-Buch.
Prinzipiell kann jeder Finger betroffen sein, am häufigsten tritt der Schnappfinger jedoch am Daumen, Ring- und Mittelfinger auf.
Schnappfinger: Welche Ursachen gibt es?
Die sogenannten Beugesehnen der Finger werden durch Ringbänder an den Fingerknochen entlanggeführt. Beim Bewegen des Fingers gleitet die Beugesehne unter diesen Ringbändern hindurch. „Kommt es jedoch zu einer entzündlichen Verdickung dieser Sehnenscheide oder auch der Sehne selbst, kann diese nicht mehr reibungslos gleiten. Sie bleibt hängen, wodurch der Finger in seiner Bewegung eingeschränkt ist und schmerzhaft schnappt“, erklärt der Leiter der Unfall- und Handchirurgie.
Die genaue Ursache eines Schnappfingers bleibt meist unklar. Begünstigende Risikofaktoren, die zu Verdickung der Sehne führen, sind unter anderem:
- Überlastung und einseitige Bewegungsabläufe sowie Fehlhaltungen
- Sehnenscheidenentzündung
- Begleiterkrankungen wie Gicht, rheumatoide Arthritis oder Diabetes mellitus
- Alter und Geschlecht, häufig ab dem 50. Lebensjahr, wobei Frauen häufiger als Männer betroffen sind
- Frakturen oder Operationen im Bereich der Hand und des Unterarmes
Welche Beschwerden sind typisch bei einem Schnappfinger?
Im Anfangsstadium nehmen Betroffene oftmals folgende Symptome wahr:
- unspezifische Schmerzen bei Bewegung
- Schwellungen am Finger und dem Handballen
- Finger ist morgens steif und spannt
- unvollständiger Faustschluss der Finger
Im fortgeschrittenen Krankheitsstadium kommt es zum charakteristischen Schnappen oder Springen des Fingers beim vollständigen Beugen und anschließendem Strecken. Schließlich kann der Finger in der Beugestellung blockieren. Diese Blockade lässt sich meist nur mit zusätzlicher Kraft (aktiv) oder mit Hilfe der anderen Hand (passiv) lösen.
Wie wird ein Schnappfinger diagnostiziert?
In der Regel lässt sich die Diagnose schon durch die Krankheitsgeschichte und die körperliche Untersuchung sicherstellen. Der betroffene Finger wird einerseits auf Schwellungen, Knötchen und Schmerzen untersucht. Andererseits wird auch die Beweglichkeit des Fingers überprüft und ob sich das typische Schnappen auslösen lässt.
Bei beginnender Symptomatik oder dem Verdacht auf eine andere Erkrankung wie ein Ringbandganglion (Ausstülpung der Gelenkinnenhaut) oder Arthrose kann eine Ultraschalluntersuchung hilfreich sein.
Wie wird ein Schnappfinger behandelt?
Die Behandlung setzt vor allem auf eine Vermeidung der Überbelastung, die vermutlich zur Sehnenentzündung geführt hat und auf begleitende Maßnahmen zur Linderung der Beschwerden.
Konservative Behandlung
Zu Beginn kommen in der Regel konservative Maßnahmen infrage. Ziel ist, den Finger zu schonen und zu entlasten, indem er ruhiggestellt wird. Auch entzündungshemmende Medikamente können verordnet werden.
„Eine Schiene anzulegen, um den Finger ruhigzustellen, kann zwar vor dem unangenehmen und schmerzhaften Schnappen schützen, birgt aber auch das Risiko der Sehnenverklebung. Ich würde daher empfehlen, den Finger ohne Belastung zu bewegen – hier kann auch die Ergotherapie unterstützend eingesetzt werden“, sagt Dr. Uwe-Jens Teßmann.
Wenn diese Maßnahmen nicht ausreichen, kann erwogen werden, Kortison an das Sehnengleitlager zu spritzen. Damit kann vorübergehend eine Linderung erzielt werden. Allerdings treten die Beschwerden häufig nach ein paar Monaten wieder auf. In diesem Fällen ist dann oft eine operative Lösung notwendig. Bei Injektionen in die Sehne können Sehnenschäden provoziert werden.
Bestrahlung
Eine Bestrahlung kann den entzündlichen Reiz im Beugesehnenfach reduzieren. Es handelt sich um eine schmerzfreie Maßnahme, jedoch hat sie den Nachteil, dass der gewünschte Effekt erst langsam eintritt.
Operative Behandlung
Tritt keine Besserung ein, kann eine Operation verhindern, dass die Beschwerden chronisch werden. Sie kommt vor allem dann infrage, wenn
- die Beschwerden schon länger bestehen (über Monate) oder
- es trotz konservativer Therapie keine ausreichende Besserung gibt.
„Der Eingriff findet in der Regel ambulant unter lokaler Betäubung statt. Über einen queren Hautschnitt von etwa einem Zentimeter im Bereich der Hohlhandbeugefalte wird das verengte Ringband in gespalten. Dadurch weitet es sich und entlastet die Sehne. Bei Bedarf wird entzündetes Sehnengleitgewebe direkt entfernt“, sagt Dr. Uwe-Jens Teßmann.
Welche Operationsrisiken gibt es?
Die Ringbandspaltung ist ein risikoarmer Eingriff, wenngleich es drei bis vier Wochen dauern kann, bis Betroffene vollständig beschwerdefrei sind. Insbesondere beim Mittelfinger kann die Heilung mehrere Monate dauern.
Möglich sind zudem Wundheilungsstörungen, Verletzungen der Nerven, ein Hervortreten der Beugesehne bei Durchtrennung mehrerer Ringbänder, Narbenbildung sowie Nachblutungen. Sämtliche OP-Risiken werden im Vorfeld des Eingriffs mit Ihnen besprochen.
Nachbehandlung: Wie es nach der Operation weitergeht
Nach der Operation erfolgt die Anlage eines kleinen Kompressionsverbandes, der am nächsten Tag gewechselt wird. Die Fäden werden nach ungefähr zehn Tagen entfernt. Nach etwa vier Wochen kann die Hand wieder voll belastet werden.
Mit den selbsttätigen Bewegungsübungen kann und sollte unmittelbar nach der Operation begonnen werden. Ergotherapeutische Übungen sorgen im Anschluss dafür, dass das Gewebe nicht verklebt und es zu keinen Bewegungseinschränkungen kommt.
Wichtig: Die Schmerzgrenze darf nicht überschritten werden, aber ein einfaches „Wackeln“ der Finger hat auch keinen Effekt. Durch die Anleitung in der Ergotherapie lernen Sie das richtige Maß für die Bewegung kennen und können zukünftig einem Schnappfinger durch Überlastung rechtzeitig vorbeugen.
FAQ
Das Hauptmerkmal eines Schnappfingers oder schnellenden Fingers ist ein plötzliches Blockieren des Fingers beim Beugen oder Strecken, dem ein ruckartiges „Schnappen“ folgt.
Im fortgeschrittenen Stadium lässt sich der Finger nur noch mithilfe der anderen Hand wieder in eine gestreckte Position bringen.
In einem frühen Stadium kann der Schnappfinger von allein ausheilen.
Konservative Maßnahmen wie Schonung, entzündungshemmende Medikamente, ggf. auch eine Schiene können hilfreich sein.
Oft ist jedoch ärztliche Behandlung notwendig, um zu verhindern, dass die Beschwerden chronisch werden.
Wenn Sie Beschwerden haben und diese nach kurzer Zeit nicht nachlassen, sollten Sie diese ärztlich abklären lassen.
Dazu zählen etwa
- Schmerzen in der Handfläche,
- morgendliche Steifheit des Fingers sowie ein
- Blockieren oder Schnappen des Fingers.
Eine frühzeitige Therapie kann chronischen Beschwerden vorbeugen.
Insgesamt wird mit der Operation in über 95 Prozent ein Therapieerfolg mit hoher Zufriedenheit erreicht, ein erneutes Auftreten eines Schnappfingers liegt bei unter einem Prozent.
Schnappfinger: Das Wichtigste auf einen Blick
- Bei einem Schnappfinger kann die Sehne des Fingers nicht mehr frei gleiten.
- Der betroffene Finger schnappt schmerzhaft, springt oder blockiert in der gebeugten Stellung.
- Typische Symptome sind u. a. unspezifische Schmerzen bei Bewegung, Schwellugen und Morgensteifigkeit am Finger.
- Die Behandlung kann konservativ oder operativ erfolgen und richtet sich nach Schwere der Beschwerden.
- Die Gute Nachricht: Ein Schnappfinger kann in einem frühen Stadium von allein ausheilen.