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Karpaltunnelsyndrom: Symptome, Ursachen & Behandlung

Kribbeln, Taubheitsgefühle oder Schmerzen in der Hand können ein Hinweis auf das Karpaltunnelsyndrom sein. Erfahren Sie, welche Ursachen hinter der Erkrankung stecken und wie sie behandelt wird.

12.03.2022 Lesedauer: - Min. Aktualisiert am 04.05.2026
Medizinisch geprüft von Martin Kunze
Hände tippen auf Tastatur
Inhaltsverzeichnis

Was ist das Karpaltunnelsyndrom?

Das Karpaltunnelsyndrom (KTS) ist das häufigste Engpass-Syndrom (Nervenkompressionssyndrom) am Handgelenk, bei dem es zu einer chronischen Druckschädigung des Mittelnervs kommt. KTS tritt häufig beidseitig auf.

Vor allem Menschen zwischen dem 40. bis 70. Lebensjahr erkranken am Karpaltunnelsyndrom, wobei Frauen häufiger betroffen sind als Männer.

Welche Bedeutung hat der Mittelnerv?

Der Mittelnerv (Nervus medianus) verläuft am Handgelenk im sogenannten Karpalkanal. Der Karpalkanal wird in der Tiefe von den Handwurzelknochen und zur Handfläche hin vom Karpalband begrenzt. Mit diesem Nerv verlaufen auch die Beugesehnen der Finger und des Daumens durch den Karpalkanal. Der Mittelnerv ist in dieser Region maßgeblich für die Berührungsempfindung der Beugeseite des Daumens, Zeige-, Mittel- und hälftig des Ringfingers zuständig. Daneben versorgt er einen Teil der Daumenballenmuskulatur.

Schwillt das Gewebe im Karpaltunnel an, kann es auf den Mittelnerv drücken und das Karpaltunnelsyndrom auslösen. Der resultierende Druck auf den Nerven vermindert die Durchblutung des Nervens in diesem Streckenabschnitt und führt zu einer Funktionsminderung“, sagt Dr. Martin Kunze, Leitender Oberarzt des Zentrums für Integrative Orthopädie und Unfallchirurgie sowie Facharzt für Chirurgie, spezielle Unfallchirurgie und Handchirurgie im Helios Klinikum Aue.

Ursachen des KTS

Beim Karpaltunnelsyndrom kommt es zur Einengung des Mittelnervs. Am häufigsten ist eine verschleiß-, stoffwechsel- oder entzündungsbedingte Verdickung der Sehnenscheiden der Fingerbeugesehnen die Ursache.

Auch hormonelle Umstellungen wie Schwangerschaft, Wechseljahre oder Vorerkrankungen wie Diabetes mellitus, chronische Polyarthritis (Gelenkerkrankung) können die Entstehung eines KTS begünstigen.

Seltener kommt es infolge fehlverheilter Speichen- oder Handwurzelbrüche zu einer echten Einengung des Karpalkanals.

Helios Klinikum Aue

Oberarzt

Schwillt das Gewebe im Karpaltunnel an, kann es auf den Mittelnerv drücken und das Karpaltunnelsyndrom auslösen. Der resultierende Druck auf den Nerven vermindert die Durchblutung des Nervens in diesem Streckenabschnitt und führt zu einer Funktionsminderung.

Symptome eines Karpaltunnelsyndroms

In der Regel treten die Symptome zunächst bei zusätzlicher Druckbelastung durch bestimmte Handgelenksstellungen auf. „Das nächtliche "Einschlafen der Hand" ist ein typisches Erstsymptom“, sagt Oberarzt Dr. Martin Kunze . Vorwiegend betroffen sind von den Missempfindungen die Mittel- und Ringfinger, später auch Daumen und Zeigefinger mit Schmerzausstrahlung in den Arm.

Die Beschwerden können sich so mit wechselnder Intensität über einen längeren Zeitraum hinziehen, bis es zu einem chronischen Karpaltunnelsyndrom kommt.

Typische KTS-Beschwerden sind:

  • Einschlafen der Finger (zu Beginn nachts und gegen morgen, später auch tagsüber bei bestimmten Tätigkeiten)
  • Kribbeln, „Ameisenlaufen“ der Finger
  • Nächtliches Erwachen mit Schmerzen der Hand, zum Teil bis in den Arm ziehend
  • Mangelndes Feingefühl/Taubheit der Finger
  • Fallenlassen von Gegenständen durch die fehlende Kontrolle
  • Muskelschwund am Daumenballen mit Kraftverlust und Bewegungseinschränkung

Karpaltunnelsyndrom Diagnostik

Die Diagnose ergibt sich meist bereits aus der Krankheitsgeschichte und der klinischen Untersuchung. Hierbei können beispielsweise durch forcierte Beuge- oder Streckstellungen des Handgelenkes die genannten Symptome hervorgerufen oder verstärkt werden.

Ein typischer Test besteht auch im Beklopfen des Nervs entlang des Handgelenkes, der aufgrund seiner Überempfindlichkeit hierbei elektrisierende Impulse mit Ausstrahlung in die Fingerspitzen verspüren lässt.

Zur weiteren Abklärung wird eine elektroneurographische Messung der Nervenleitgeschwindigkeit von Neurologinnen und Neurologen durchgeführt. Die Untersuchung zeigt, wie gut Nerven elektrische Impulse weiterleiten und inwiefern die Funktion der Nerven eingeschränkt ist.

Laut S3-Leitlinie Diagnostik und Therapie des Karpaltunnelsyndroms kann zusätzlich ein Ultraschall (Sonografie) erfolgen, um ergänzende Informationen zur Weite des knöchernen Karpalkanals zu erhalten und zystische Veränderungen sichtbar zu machen.

Im Rahmen der Diagnostik sollten zudem andere Erkrankungen ausgeschlossen werden, wie zum Beispiel eine Polyneuropathie oder Nervenwurzelreizungen durch Veränderungen der Halswirbelsäule (Radikulopathie der Wurzeln C6 und C7).

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Wie wird das Karpaltunnelsyndrom behandelt?

Das Karpaltunnelsyndrom kann konservativ und operativ behandelt werden. In der Regel ist zunächst der konservative Ansatz zu verfolgen.

Konservative Therapie

Bei beginnender Symptomatik mit nächtlicher Ausprägung der Beschwerden kann das Tragen einer Handgelenksschiene, welche die Beugestellung des Handgelenkes unterbindet, hilfreich sein.

Zur vorübergehenden Linderung der Beschwerden kann unter bestimmten Umständen eine Injektion von Kortison in den Karpaltunnel nützlich sein, da es hierdurch zu einem Abschwellen der entzündlich verdickten Sehnenscheiden kommt. Jedoch ist dies keine langfristige Option.

Eine weitere Option ist laut S3-Leitlinie die sogenannte Low-Level-Lasertherapie. Dabei dringt das Laserlicht in das Gewebe ein und stimuliert die Zellaktivität, was sich positiv auf die Schmerzen auswirken kann und die Durchblutung fördert.

Operative Therapie

Bei anhaltenden Beschwerden und motorischen Ausfällen, Kraftverlust sowie erfolgloser Schmerztherapie empfiehlt sich eine Operation. Hierbei wird das Karpalband über dem Karpaltunnel durchtrennt, um so den Druck auf den Mittelnerv im Tunnel zu verringern.

Die Durchtrennung des Bandes wird entweder "offen" vorgenommen, durch einen Schnitt über dem Karpalkanal mit direkter Sicht auf das Karpalband. Alternativ kann sie endoskopisch mit kleineren Hautschnitten (minimalinvasiv, Schlüssellochoperation) erfolgen. Dabei wird das Durchtrennen des Bandes mithilfe einer kleinen Kamera auf einem Monitor verfolgt. Ziel ist, den Mittelnerv wieder zu entlasten.

Der Eingriff wird in der Regel ambulant unter Lokalanästhesie durchgeführt und dauert 15 bis 20 Minuten. Alternativ kann auch die sogenannte WALANT-Anästhesie (Wide Awake Local Anesthesia No Tourniquet) zum Einsatz kommen. Dabei handelt es sich um ein Anästhesieverfahren der Handchirurgie, das eine Operation bei vollen Bewusstsein ohne Sedierung und Blutsperre ermöglicht.

Anschließend ist für wenige Tage ein einfacher Watteverband oder ein Verband mit leichtem Druck notwendig. Auch eine kurzzeitige Ruhigstellung des Handgelenks mittels Schiene ist möglich.

Was passiert nach der OP?

Bereits am ersten Tag nach der Operation sollte mit selbstständigen Bewegungsübungen der Finger ohne Belastung gestartet werden. Dies kann einer Schwellung der Hand und Fingersteife vorbeugen. Nur selten wird eine physiotherapeutische Nachbehandlung erforderlich.

Je nach individuellem Verlauf ist eine Arbeitsunfähigkeit von drei bis sechs Wochen möglich.

Gibt es OP-Risiken?

Die Risiken einer Verletzung des Nervs oder von Begleitstrukturen sind bei geübten Operateurinnen und Operateuren sehr gering. Prinzipiell kann es neben den allgemeinen Operationsrisiken zu einer vorübergehenden Schmerzhaftigkeit und Verhärtung der Narbe kommen.

Wie sind die Erfolgsaussichten?

„In den meisten Fällen sind die Beschwerden bereits unmittelbar nach der Operation deutlich gelindert und die Sensibilität normalisiert sich in den folgenden Wochen“, sagt Dr. Martin Kunze.

Je nach Dauer und Schwere der Beschwerden und der Vorschädigung des Nervs kann es auch zu einer verzögerten oder nur teilweisen Erholung kommen. Ein Taubheitsgefühl kann somit verbleiben oder die Regeneration der Daumenballenmuskulatur ausbleiben.

Bei weiter bestehenden Beschwerden empfiehlt sich eine Rücksprache mit Ihrer Operateurin beziehungsweise Ihrem Operateur, um gegebenenfalls weitere Maßnahmen einleiten zu können. Eine neurologische Kontrolluntersuchung ist in der Regel erst drei Monate nach der Operation sinnvoll.

Helios Klinikum Aue

Oberarzt

In den meisten Fällen sind die Beschwerden bereits unmittelbar nach der Operation deutlich gelindert und die Sensibilität normalisiert sich in den folgenden Wochen.

Kann ich einem Karpaltunnelsyndrom vorbeugen?

Das Risiko für eine Erkrankung kann durch verschiedene Maßnahmen verringert werden:

  • Achten Sie auf neutrale Handposition beim Schlafen, Arbeiten und beim Sport, zum Beispiel mittels Gelenkschoner.
  • Bei viel Computerarbeit stellen Sie den Schreibtischstuhl so ein, dass die Unterarme beim Sitzen auf einer Linie mit der Tastatur sind.
  • Schonen Sie die Handgelenke zusätzlich mit einer Handballenauflage.
  • Machen Sie ausreichend Pausen, schütteln und dehnen Sie die Handgelenke bei anhaltenden und wiederkehrenden Tätigkeiten.
  • Wechseln Sie bei längeren Telefonaten die Hände.
  • Nutzen Sie bei elektrischen Geräten wie beispielsweise dem Bohrer möglichst Produkte mit schwingungsdämpfenden Griffen
  • Achten Sie beim Fahrrad oder Motorrad auf eine ergonomische Ausrüstung zur richtigen Stellung der Handgelenke.

FAQ

Wenn Beschwerden wie Kribbeln, Taubheitsgefühle oder Schmerzen in der Hand länger als zwei Wochen anhalten, sich verschlimmern oder Sie einen Kraftverlust beim Greifen und Halten von Gegenständen wahrnehmen, sollten Sie dies ärztlich abklären lassen.

 

Fachärztinnen und -ärzte der Orthopädie und Unfallchirurgie sowie der Handchirurgie können eine umfassende Untersuchung durchführen und eine Diagnose stellen sowie nächste Schritte mit Ihnen besprechen.

Diabetes mellitus ist ein Risikofaktor für ein KTS, da es sich negativ auf Gefäße und Nerven auswirkt. Auch Menschen mit Übergewicht sowie rheumatoider Arthritis haben ein erhöhtes Risiko für die Entstehung des Karpaltunnelsyndroms.

Das hängt vom individuellen Heilungsprozess ab. In den meisten Fällen können Sie bereits am Tag nach der Operation wieder Auto fahren. Besprechen Sie mit der behandelnden Ärztin oder dem behandelnden Arzt, wann das eigenständige Autofahren wieder sicher ist und worauf möglicherweise achten sollten.

Mit dem sogenannten Phalen-Test können Sie zuhause einen ersten Test durchführen, wenn Sie den Verdacht auf ein KTS haben. Beugen Sie dafür die Handgelenke möglichst weit nach innen und drücken Sie die Handrücken gegeneinander. Ihre Finger zeigen nach unten. Verbleiben Sie in dieser Haltung circa eine Minute und achten Sie auf Beschwerden wie Kribbeln, Schmerzen oder Taubheitsgefühle.

 

Grundsätzlich gilt: Ein Selbsttest ersetzt keine medizinische Untersuchung. 

Auf einen Blick: Karpaltunnelsyndrom

  • Typische Anzeichen sind Kribbeln, Taubheit und nächtliches Einschlafen der Hand/Hände.
  • Ursächlich ist eine Einengung des Mittelnervs im Karpalkanal am Handgelenk.
  • Im frühen Stadium kann eine Schiene helfen, in späteren Stadien kommen weitere konservative oder operative Methoden dazu.
  • Treten Gefühlsstörungen, Kraftverlust trotz konservativer Maßnahmen weiterhin auf, ist eine OP sinnvoll.
  • Eine frühzeitige Abklärung von Beschwerden kann die Heilungschancen verbessern und Nervenschäden vorbeugen.
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