Ernährung bei Brustkrebs – ausgewogen und gesund soll es sein
Ernährungsempfehlungen von der Expertin

Ernährung bei Brustkrebs – ausgewogen und gesund soll es sein

Mit rund 69.000 Neuerkrankungen jährlich ist Brustkrebs die häufigste Krebserkrankung bei Frauen. Fast jede Betroffene stellt sich im Laufe ihrer Behandlung die Frage nach der richtigen Ernährung. Und das heißt vor allem eins: gesund ernähren.

Darum spielt Ernährung bei Brustkrebs eine zentrale Rolle

Ob zur Prävention, im Kampf gegen eine bestehende Brustkrebserkrankung oder nach einer erfolgreich abgeschlossenen Therapie – die richtige Ernährung spielt eine wichtige Rolle.

Bestimmte Ernährungsfaktoren können das Risiko für Brustkrebs (Mammakarzinom) steigern. Dazu zählen etwa ein über Jahre zu hoher Fett-, Zucker-, und Fleischkonsum sowie industriell verarbeitete Lebensmittel bei gleichzeitig geringem Obst- und Gemüseverzehr.

„Lebensmittel, die brustkrebsförderlich sind, sollten gemieden oder zumindest bewusst reduziert werden. Dennoch kann eine einzige Ernährungstherapie weder Brustkrebs verhindern, verzögern noch heilen“, sagt Anett Behrendt, Ernährungsberaterin im Helios Hanseklinikum Stralsund.

Lebensmittel, die brustkrebsförderlich sind, sollten gemieden oder zumindest bewusst reduziert werden. Dennoch kann eine einzige Ernährungstherapie weder Brustkrebs verhindern, verzögern noch heilen.

Anett Behrendt, Ernährungsberaterin | Helios Hanseklinikum Stralsund

Denn während sich Risikofaktoren wie die genetische Disposition nicht beeinflussen lassen, kann man auf äußere Risikofaktoren, wie die Ernährung, bewusst Einfluss nehmen.

Brustkrebs durch Ernährung vorbeugen

Obst und Gemüse
Wir empfehlen eine ausgewogene Ernährung | Foto: Canva

Zur Senkung des individuellen Risikos sollte die Ernährung ausgewogen sein. Eine optimale Ernährung beinhaltet die komplette Versorgung des Körpers mit Energie, Vitaminen, Mineralien und Spurenelementen.

Dabei gilt für Brustkrebspatientinnen was auch für gesunde Frauen gilt: abwechslungsreiche Kost, die viele Ballaststoffe, frisches Obst, Gemüse, Salate, Molkereiprodukte und leicht verdauliche Fleischsorten enthält. Vor allem Lebensmittel mit überwiegendem Kohlenhydratanteil und Ballaststoffen, mageres Fleisch und Fisch sind auf dem Speiseplan zu bevorzugen. Vollkornbrote sind Weiß- und Graubroten vorzuziehen.

Wichtig ist, dass kein Lebensmittel allein Brustkrebs vorbeugen kann. Es zählt die gesunde und ausgewogene Ernährung im Ganzen. Dennoch: „Krebs kann jeden treffen. Selbst, wer sich ausgewogen ernährt, viel Sport macht und einen gesunden Lebensstil pflegt, kann erkranken. Andere Einflüsse, wie eine familiäre Veranlagung oder zufällig mutierte Zellen lassen sich nicht beeinflussen“, so Behrendt.

Diese Lebensmittel machen eine gesunde Ernährung aus

Das darf öfter auf den Teller

  • fettreicher Fisch wie Lachs, Sardellen, Hering, Makrele, Thunfisch
  • Grünkohl
  • Spinat
  • Brokkoli
  • Kürbis
  • Süßkartoffeln
  • Tomaten
  • Bohnen
  • Sojaprodukte
  • Gemüse und Obst
  • Vollkornprodukte
  • Walnüsse
  • Leinsamen
  • Lein- und Rapsöl

Diese Lebensmittel steigern das Brustkrebsrisiko

Stark verarbeitete Nahrungsmittel:

Der Konsum von stark verarbeiteten Nahrungsmitteln steigert allgemein das Risiko für eine Krebserkrankung – auch für Brustkrebs. Dies gilt insbesondere für den postmenopausalen Brustkrebs.

Fleisch:

Zwei- bis dreimal pro Woche, öfter sollte Fleisch nicht auf dem Speiseplan stehen. Wurst sogar noch seltener. Die gesättigten Fettsäuren erhöhen das Risiko. Bei der Wahl des Fleisches sollte zudem auf rotes Fleisch verzichtet werden.

Krebs kann jeden treffen. Selbst wer sich ausgewogen ernährt, viel Sport macht und einen gesunden Lebensstil pflegt, kann erkranken. Andere Einflüsse, wie eine familiäre Veranlagung oder zufällig mutierte Zellen lassen sich nicht beeinflussen.

Anett Behrendt, Ernährungsberaterin | Helios Hanseklinikum Stralsund
Zwei Frauen unterhalten sich in einem Büro
Anett Behrendt berät eine Patientin | Foto: Helios

Zucker:

Zwar steigert Zucker nicht per se das Risiko an Krebs zu erkranken, dennoch ist er indirekt an vielen Erkrankungen beteiligt und führt zu Übergewicht. Dieses stellt den drittgrößten Krebs-Risikofaktor dar.

Alkohol:

Je mehr man davor trinkt, desto schädlicher ist es. Die Art des Alkohols ist dabei nicht relevant. Trinkt Frau mehr als ein Glas und Mann mehr als zwei Gläser pro Tag, erhöht sich nicht nur das Risiko für Krebs in der Brust, sondern auch für Mundhöhlen-, Speiseröhren-, und Leberkrebs.

Mit der richtigen Ernährung den Genesungsprozess unterstützen

Zwei Frauen unterhalten sich in einem Büro
Dos und Dont's in der Ernährung bei Brustkrebs | Foto: Helios

Auch während der Brustkrebstherapie ist es wichtig, sich optimal zu ernähren. „Die Ernährung ist eine Grundlage für die Behandlung und kann den Verlauf der Krankheit positiv beeinflussen. Zudem kann sie die Heilungschancen und das persönliche Wohlbefinden verbessern als auch zu mehr Lebensqualität beitragen“, so die Ernährungsberaterin.

Ernährung während der Brustkrebstherapie

Behrendt empfiehlt eine regelmäßige Mahlzeitenaufteilung und -einnahme mit mindestens 30 Gramm Ballaststoffen aus Vollkorngetreideprodukten und mindestens drei Handvoll Gemüse sowie zwei Handvoll frischem Obst. Saisonales Obst und Gemüse sind hier zu bevorzugen. Zudem sollten täglich naturbelassene Milchprodukte auf dem Speisenplan stehen und hochwertige Öle bewusst eingebaut werden. Zweimal pro Woche sollte Seefisch auf den Teller kommen.

Hinzu kommt eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr von 1,5 bis 2,5 Liter pro Tag über ungesüßte Getränke, wie Wasser und Tee. Wer sich täglich ausreichend bewegt, rundet das Ganze ab.

Fleisch und Wurst sowie übermäßiger Zucker sollten nur in Maßen gegessen werden.

„Während der Therapie sollten Patientinnen auf schwerverdauliche Lebensmittel verzichten. Besser sind kleinere, über den Tag verteilte Mahlzeiten, die den Körper nicht zusätzlich belasten“, erklärt Behrendt.

Die Ernährung ist eine Grundlage für die Behandlung und kann den Verlauf der Krankheit positiv beeinflussen. Zudem kann sie die Heilungschancen und das persönliche Wohlbefinden verbessern als auch zu mehr Lebensqualität beitragen.

Anett Behrendt, Ernährungsberaterin | Helios Hanseklinikum Stralsund

Gut verträgliche Lebensmittel während Brustkrebs-Therapie:

  • Kartoffeln und Reis
  • Nudeln
  • Schrotbrot
  • Joghurt und Quark
  • Nüssen und Samen
  • Keimlinge
  • fettarmes Fleisch und magere Wurstwaren
  • Seefisch
  • frisches Obst
  • leicht verträgliches Gemüse (Möhren, Brokkoli, zarte Kohlrabi, Blumenkohl, Spinat, Mangold, Kürbis, Zucchini, Rote Bete, Feldsalat/Chicoree, ...)

Schlecht verträgliche Lebensmittel während Brustkrebs-Therapie:

  • unreifes und saures Obst
  • fette und fritierte Speisen
  • blähende Gemüse (Bohnen, Erbsen, Linsen, ...)
  • stark gewürzte und geräucherte Lebensmittel
  • süße und fette Backwaren
  • zu kalte und zu heiße Speisen
  • Alkohol

Ernährung bei einer Brustkrebs Strahlentherapie und Chemotherapie

„Vor einer Chemo- und Strahlentherapie muss man den Körper "fit machen". Das heißt, es muss darauf geachtet werden, dass der Körper der Patientin weder gewichts- noch kräftemäßig weiter abbaut“, so Behrendt.

Sowohl eine Chemo- als auch eine Strahlentherapie sind für den Körper sehr kräftezehrend. Daher ist es wichtig, dass das Verdauungssystem der Patientin nicht noch zusätzlich belastet wird. Während der Behandlungszyklen ist leichte Kost die optimale Wahl. Die Lebensmittel sollten leicht verdaulich sein. Außerdem sollten keine stark gewürzten oder fetthaltigen Speisen gegessen werden.

Vegan oder vegetarisch ernähren während einer Brustkrebserkrankung

Ein grauer Teller mit einem Salat
Das Blutbild kann Nährstoffmängel aufzeigen | Foto: Canva

Bei Veganerinnen und Vegetarierinnen kann über das Blutbild festgestellt werden, ob wichtige Nährstoffe, wie Calcium, Magnesium, Kalium oder Eisen fehlen. Mögliche Mängel müssen bestimmt und ausgeglichen werden.

Ernährungsexperten, wie Frau Behrendt, prüfen, welche Alternativen es über die Ernährung gibt, um Defizite auszugleichen. Wenn Patientinnen von möglichen Alternativen übel wird oder sie diese nicht essen möchten, können Nahrungsergänzungsmitteln oder Vitaminspritzen verabreicht werden. Im Vordergrund steht auch hier, dass der Körper optimal versorgt ist.

Abnehmen mit Diäten während einer Brustkrebserkrankung?

Brustkrebs zählt zu den Tumorarten, die den Energiestoffwechsel meist wenig verändern. Solange die Erkrankung frühzeitig erkannt und behandelt wird, beeinträchtigt der Tumor weder das Gewicht noch den Stoffwechsel.

„Patientinnen sollten ein normales Körpergewicht mit einer ausgewogenen Ernährung anstreben. Unter einer laufenden Chemotherapie sollten sie jedoch keine Diät machen, da es sonst zu einem Mangel an Nähr- und Mineralstoffen kommen kann“, sagt Behrendt. „Eine einseitige, strenge Diät wirkt sich hierbei eher negativ aus“, so die Expertin weiter.

Viele Frauen haben nach der Diagnose Brustkrebs mit Übergewicht zu kämpfen. Die genauen Gründe sind noch nicht ausreichend erforscht. Ein Teil der Erkrankten war bereits vorher übergewichtig, andere vermuten einen Zusammenhang mit bestimmten Therapieformen. Übergewicht führt bei den Patientinnen dazu, dass sie sich nach der ersten Krebsbehandlung häufiger und länger erschöpft fühlen als normalgewichtige Patientinnen. Bei adipösen Patientinnen ist zudem die Brustoperation erschwert und das Risiko für Nebenwirkungen, die das Herz beeinflussen steigt bei einigen Chemotherapien.

Behrendt empfiehlt einen gesunden Lebensstil, aber keine Diät. So schließen sich Sport und Brustkrebs nicht aus. Vielmehr hat Sport einen positiven Einfluss auf den Genesungsverlauf während der Behandlung. Bereits ein Trainingsumfang von insgesamt 180 Minuten pro Woche reicht aus.

Sport ist gut für Körper und Geist gleichermaßen. Die Patientinnen fühlen sich Leistungsfähiger und regen ihren Stoffwechsel an, was die Gewichtsabnahme automatisch erleichtert. Zudem steigert sich das Selbstwertgefühl und sie schlafen besser.

Unter einer laufenden Chemotherapie sollten sie jedoch keine Diät machen, da es sonst zu einem Mangel an Nähr- und Mineralstoffen kommen kann. Eine einseitige, strenge Diät wirkt sich hierbei eher negativ aus.

Anett Behrendt, Ernährungsberaterin | Helios Hanseklinikum Stralsund

Ernährungstipps bei Beschwerden während der Brustkrebserkrankung

Während einer Brustkrebserkrankung kann es auch zu Beschwerden, wie Übelkeit oder Müdigkeit kommen. Auch hier sollte weiterhin auf die optimale Versorgung mit Nährstoffen geachtet werden. Die Expertin hat Tipps und kennt einige Hausmittel mit denen sich die Beschwerden eindämmen lassen.

Ernährungstipps bei Beschwerden während der Brustkrebserkrankung

  • Appetitlosigkeit: Pepsinwein, klare Brühe, Bitterstoffe, Ingwer, Zimt, Zitrusfrüchte, frisches Obstmus, Joghurt und Quark
  • Durchfall: Möhrenpüree, Reis und Haferflocken/Flohsamen mit lauwarmen Wasser, frisch geriebener Apfel, Salzgebäck, Schwarztee, Kakaopulver, Heilerde, Salbei, Kamille, Heidelbeeren
  • Übelkeit: verschiedene Teesorten, wie Kamille, Pfefferminz, Lindenblüten, Ingwer, Melisse, Kümmel-Anis-Fenchel, Baldrian, sowie Zwieback und Salzgebäck
  • Obstipation (Verstopfung): fermentierte Milchprodukte, frisches Obst, Ballaststoffanteil mindestens 30g/Tag, Flohsamen/geschrotete Leinsamen, Sauerkrautsaft
  • Müdigkeit: Zitrusfrüchte, Ingwer, Obst/frisches Obstmus, Nüsse/Samen, Avocado, Bewegung an der frischen Lust, Wechselduschen

Was tun bei einem Gewichtsverlust?

Bei einem etwaigen Gewichtsverlust kann die zusätzliche tägliche Gabe von spezieller Trinknahrung nötig sein. Diese liefert fehlende Energie und enthält wichtige Vitamine, Mineralien und Spurenelemente.

Sollte während der Therapie keine orale Nahrungsaufnahme möglich sein, erfolgt die Versorgung über eine Port-Anlage oder eine PEG-Anlage direkt in den Magen. Die täglichen Rationen sind individuell auf die Patientin abgestimmt – auf mögliche Unverträglichkeiten wird geachtet.

Krebsdiäten bei Brustkrebs gibt es nicht

„Spezielle Diäten, mit denen sich Krebs oder konkret Brustkrebs heilen lässt, gibt es nicht. Die sogenannten Krebsdiäten haben keine nachgewiesene heilende Wirkung“, erklärt Behrendt.

Häufig führen Krebsdiäten zu einer Mangelernährung, da keine ausreichende, bedarfsdeckende Versorgung mit Energie und Nährstoffen gewährleistet ist. Das kann gerade während der Behandlung eine zusätzliche Belastung für die Patientin darstellen. „Ein Tumor kann durch Fasten auch nicht ausgehungert werden, wie es einige Krebsdiäten versprechen“, so die Expertin.

Krebsdiäten schwächen den Körper der Patientin zusätzlich und wecken falsche Hoffnungen. Wer seine Genesung unterstützen möchte, sollte sich ausgewogen und abwechslungsreich ernähren.

Spezielle Diäten, mit denen sich Krebs oder konkret Brustkrebs heilen lässt, gibt es nicht. Die sogenannten Krebsdiäten haben keine nachgewiesene heilende Wirkung.

Anett Behrendt, Ernährungsberaterin | Helios Hanseklinikum Stralsund

Ernährung nach Brustkrebs: Darauf sollten Sie in der Nachsorge achten

Eine Frau raucht eine Zigarette
Auf Alkohol und Zigaretten sollten Betroffene verzichten | Foto: Canva

„Auch nach einer erfolgreichen Therapie sollten sich Betroffene weiterhin bewusst ernähren. Hier gelten die gleichen Empfehlungen wie für die krebsvorbeugende Ernährung“, so Behrendt.

Sie rät auch nach der Brustkrebstherapie zu einer Ernährung, die reich an frischem Gemüse, Obst und Vollkornprodukten sowie einem mäßigen Fleisch- und Fettkonsum ist. Auf Alkohol und Zigaretten sollte verzichtet werden. „Wer übergewichtig ist, sollte zudem versuchen, das Gewicht zu reduzieren“, so Behrendt.

„Ich rate meinen Patientinnen, sich gewisse Auszeiten zu nehmen. Ein kleines Nickerchen zwischendurch, das bewusste Genießen der Lieblingsspeisen, ein wohltuendes Bad oder eine angenehme Massage sind eine willkommene Abwechslung und Balsam für die Seele“, rät Behrendt.

Immer individuell auf die Patientin abgestimmt

Während der gesamten Brustkrebstherapie ist es wichtig, die Patientin oder den Patient individuell zu betrachten. Dazu dienen ein persönlichen Gespräch mit dem Betroffenen und de Angehörigen, um die aktuelle Situation einschätzen und optimieren zu können. Ziel ist, die ausreichende Versorgung im gesamten Behandlungsverlauf und danach zu gewährleisten, um die Genesung zu fördern.

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