93-jähriger Covid-Patient wird nach Behandlung mit „künstlichen Antikörpern“ in der Lungenklinik Heckeshorn nach Hause entlassen
Horst Graf lässt sich nicht unterkriegen

93-jähriger Covid-Patient wird nach Behandlung mit „künstlichen Antikörpern“ in der Lungenklinik Heckeshorn nach Hause entlassen

Berlin

Horst Graf ist 93 Jahre. Mit seinen weißen Haaren sieht man ihm an, dass er viel in seinem Leben erlebt hat. Aber seine Augen blitzen, wenn er erzählt und sein schelmisches Lächeln verrät, dass er sich selbst nicht zu ernst nimmt. Doch was ihm in den letzten Wochen widerfahren ist, muss man ernst nehmen: Der noch ungeimpfte Horst Graf infizierte sich mit Covid-19 und musste ins Krankenhaus. In der Lungenklinik Heckeshorn am Helios Klinikum Emil von Behring wurde er mit monoklonalen Antikörpern behandelt. Das Besondere hieran: Diese Antikörper hat das Bundesministerium für Gesundheit zur Verfügung gestellt.

Horst Graf hat viel erlebt: Er wurde 1928 in Norddeutschland geboren und ist in jungen Jahren mit seiner Familie nach Finnland ausgewandert. Er hat Verwandte in Dänemark, einige von ihnen haben sogar Kontakte zum dänischen Königshaus. Er lebte auf eigenem Wunsch auch schon in einem Altersheim, um Kontakte und Gesprächspartner zu haben. Nach ein paar Jahren wurde ihm das aber zu langweilig und er zog wieder aus. Wer ihn erzählen hört, bekommt schnell den Eindruck, dass in seinem Leben viel passiert ist. Auf manches hätte er auch sicherlich verzichten können, zum Beispiel darauf, dass er zu lange gewartet hat, um sich gegen das Corona-Virus zu impfen. Sein Impf-Termin stand zwar inzwischen im Kalender, doch er infizierte sich kurz vorher mit Covid-19. Mitte August fand ihn seine Tagespflege mit deutlichen Symptomen vor: Er war schwach, hatte Durchfall, Husten, Gliederschmerzen und eine erschwerte Atmung (Dyspnoe).

Monoklonale Antikörper als Therapie-Option

Schnell wurde Horst Graf ins Krankenhaus eingewiesen und fand bei den Medizinerinnen und Medizinern in der Lungenklinik Heckeshorn die optimale Hilfe: Das Team um Chefarzt Prof. Dr. Torsten Bauer behandelte den 93-Jährigen mit einer einmaligen Gabe von monoklonalen Antikörpern. „Einfach ausgedrückt sind das künstliche Antikörper, die das Corona-Virus ‚neutralisieren‘ können“, erklärt die behandelnde Stationsärztin Jasmin Williams. „Dadurch können in der Regel schwere Covid-19-Verläufe und Aufenthalte auf der Intensivstation vermieden werden.“ So war es auch bei Horst Graf.

Chefarzt Prof. Bauer ergänzt: „Das Bundesministerium für Gesundheit hat Anfang des Jahres monoklonale Antikörper zum Einsatz bei Patienten im leichten oder moderaten Stadium von Covid-19 zur Verfügung gestellt. Aufgrund seines fortgeschrittenen Alters und der frühen Krankheitsphase mit nur geringem Sauerstoffbedarf waren diese Antikörper eine sehr gute Therapieoption für Herrn Graf.“

Das Bundesministerium für Gesundheit hat Anfang des Jahres monoklonale Antikörper zum Einsatz bei Patienten im leichten oder moderaten Stadium von Covid-19 zur Verfügung gestellt.

Prof. Dr. Torsten Bauer, Chefarzt der Lungenklinik Heckeshorn

Um dem 93-Jährigen auf diese Weise behandeln zu können, brauchte es vorab eine Indikationsstellung eines beratenden Infektiologen. Wie gut, dass die Lungenklinik Heckeshorn als Zentrum für Infektiologie von der Deutschen Gesellschaft für Infektiologie zertifiziert und zusätzlich auch ein autorisiertes, infektiologisches Beratungszentrum ist. Durch diesen schnellen und unkomplizierten Zugang im Haus konnte Horst Graf direkt von den Antikörpern profitieren.

Wichtig für diese Therapie ist, dass sie frühzeitig erfolgt. „Zu Beginn seiner Therapie musste er wegen seiner erschwerten Atmung mit Sauerstoff versorgt werden“, erinnert sich Oberarzt Dr. David Krieger. „Nach zwei Tagen ging es Herrn Graf schon deutlich besser. Wir konnten seine Sauerstoff-Versorgung deutlich reduzieren. Und nach fünf Tagen brauchte Herr Graf überhaupt keinen Sauerstoff mehr von uns.“

Jetzt wurde der 93-Jährige als genesen entlassen und konnte in seine Wohnung zurückkehren, wo er auch wieder von seinem ambulanten Pflegedienst unterstützt wird. Dass er den Weg aus dem Krankenhaus findet, hatte Horst Graf nicht mehr erwartet. Umso glücklicher ist er – und kann nun zu seinem ereignisreichen Leben ein weiteres Kapitel anfügen.