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Narbenkorrektur: Was tun bei störenden Narben?

Narben erzählen oft eine Geschichte. Manchmal verursachen sie jedoch Beschwerden, schränken Bewegungen ein oder werden als belastend empfunden. Welche Möglichkeiten der Narbenbehandlung es gibt, erfahren Sie hier.

21.05.2026 Lesedauer: - Min.
Medizinisch geprüft von Hans-Georg Damert
Operativer Eingriff 3
Inhaltsverzeichnis

Das Wichtigste im Überblick

  • Narben lassen sich oft verbessern, aber meist nicht vollständig entfernen.
  • Oft helfen bereits Silikontherapie oder Narbenpflege.
  • Bei ausgeprägten Narben kommen operative Verfahren infrage.
  • Wulstige Narbenwucherungen (Keloide) benötigen häufig kombinierte Therapien.
  • UV-Schutz und Narbenpflege sind wichtig für die Heilung.

Was sind Narben?

Narben entstehen, wenn die Haut oder tieferliegendes Gewebe verletzt wurde. Dabei ersetzt der Körper das geschädigte Gewebe durch kollagenreiches Bindegewebe. Dieses unterscheidet sich in Struktur und Elastizität von gesunder Haut.

Wie eine Narbe verheilt, ist individuell verschieden. Einfluss haben unter anderem:

  • genetische Veranlagung
  • Hauttyp
  • Körperbereich der Verletzung
  • Wundheilung
  • Spannung auf der Haut
  • Entzündungen oder Infektionen
  • Pflege und Nachsorge

Viele Narben verursachen keine Beschwerden. Manche können jedoch jucken, schmerzen, spannen oder die Beweglichkeit einschränken. Besonders Narben über den Gelenken können zu Schrumpfungen des Narbengewebes (Narbenkontrakturen) und in der Folge auch zu funktionellen Einschränkungen führen.

Befinden sich Narben an sichtbaren Körperstellen, können sie je nach Größe und Form auch als belastend und störend empfunden werden.

Wann kann eine Narbenkorrektur sinnvoll sein?

Eine Behandlung kann infrage kommen, wenn:

  • eine Narbe schmerzt oder spannt
  • Bewegungen eingeschränkt sind
  • die Narbe stark verdickt oder eingezogen ist
  • wiederholt Entzündungen auftreten
  • die Haut sehr empfindlich oder verletzlich ist
  • die Narbe kosmetisch als belastend empfunden wird

Auch plötzlich auftretende Veränderungen älterer Narben wie beispielsweise Wachstum, offene Stellen, Blutungen oder anhaltende Schmerzen sollten ärztlich abgeklärt werden.

„Vor jeder Behandlung steht eine individuelle Untersuchung. Dabei wird beurteilt, welche Methode medizinisch sinnvoll und mit realistischen Erfolgsaussichten verbunden ist“, sagt Dr. med. Hans-Georg Damert, Chefarzt Klinik für Plastische, Ästhetische und Handchirurgie der Helios Bördeklinik.

Helios Bördeklinik

Chefarzt Klinik für Plastische, Ästhetische und Handchirurgie

Vor jeder Behandlung steht eine individuelle Untersuchung. Dabei wird beurteilt, welche Methode medizinisch sinnvoll und mit realistischen Erfolgsaussichten verbunden ist.

Welche nicht-operativen Behandlungen gibt es?

Nicht jede Narbe muss operiert werden. Besonders frische oder weniger ausgeprägte Narben lassen sich häufig konservativ behandeln. Mögliche Verfahren sind:

Silikontherapie

Silikongel oder Silikonpflaster können helfen, Narben weicher und flacher werden zu lassen. Sie werden insbesondere bei frischen Narben oder verdickten Narben eingesetzt, die Therapie dauert im Allgemeinen zwischen 12 und 24 Wochen.

Narbenmassage und Pflege

Regelmäßige Massage und rückfettende Pflege können die Beweglichkeit des Gewebes unterstützen und Spannungsgefühle reduzieren.

Kompressionstherapie

Druckbehandlungen kommen vor allem bei großflächigen Narben oder Verbrennungsnarben zum Einsatz.

Kortison-Injektion

Bei wulstigen, sogenannten hypertrophen Narben oder Keloiden können Kortikosteroid-Injektionen das überschießende Gewebewachstum bremsen.

Kryotherapie

Die kontrollierte Vereisung von Narbengewebe wird vor allem bei Keloiden oder verdickten Narben angewendet, häufig in Kombination mit anderen Verfahren.

Medical Needling

Beim Medical Needling wird die Haut mit feinen Nadeln behandelt. Dadurch sollen Umbauprozesse im Gewebe angeregt werden. Ziel kann eine Verbesserung von Elastizität, Struktur und Hautbild sein.

Empfohlen wird das Verfahren häufig bei hypertrophen Narben und besonders nach Verbrennungen beziehungsweise Verbrühungen.

Laserbehandlung

Laser können bei bestimmten Narben eingesetzt werden, zum Beispiel um Rötungen, Verhärtungen, Juckreiz oder Unebenheiten zu verbessern. Welche Laserform geeignet ist, hängt vom Narbentyp ab.

Bei Keloiden sollte eine Laserbehandlung nicht isoliert, sondern nur nach ärztlicher Abwägung und häufig in Kombination mit anderen Verfahren erfolgen.

Welche Behandlung geeignet ist, hängt vom individuellen Befund ab.

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Welche operativen Verfahren der Narbenkorrektur gibt es?

Viele Eingriffe können ambulant durchgeführt werden. Je nach Größe und Lage der Narbe kommen örtliche Betäubung, Dämmerschlaf oder Vollnarkose infrage.

Chirurgisches Entfernen (Narbenexzision)

In unkomplizierten Fällen kann die Narbe chirurgisch entfernt und die Haut erneut spannungsarm vernäht werden.

Z-Plastik und W-Plastik

Bei verkürzten oder spannenden Narben wird die Narbe häufig umgelagert oder verlängert. Hierfür kommen sogenannte Z- oder W-Plastiken zum Einsatz.

Durch die gezielte Umlagerung kleiner Hautlappen kann:

  • Spannung reduziert,
  • die Beweglichkeit verbessert,
  • und der Narbenverlauf unauffälliger gestaltet werden.

Diese Verfahren werden besonders bei Narben über den Gelenken oder bei krankhaften Schrumpfungen beziehungsweise Verhärtungen von Narbengewebe (Narbenkontrakturen) vorgenommen.

Dermabrasion

Bei bestimmten oberflächlichen oder unregelmäßigen Narben kann eine kontrollierte Abtragung der oberen Hautschicht (Dermabrasion) helfen, Unebenheiten zu reduzieren.

Eigenfett-Transplantation (Lipofilling)

Bei eingesunkenen Narben kann in ausgewählten Fällen körpereigenes Fettgewebe unter die Narbe eingebracht werden. Dadurch lässt sich das Gewebe teilweise anheben und lockern.

Studien deuten darauf hin, dass Fettgewebe regenerative Eigenschaften besitzen kann und sich dadurch Narbenbeschwerden oder die Gewebequalität verbessern könnten. Insgesamt ist die Studienlage aber noch begrenzt.

Wie werden größere Narben behandelt?

Bei großflächigen Narben können zusätzliche Methoden vor oder während des Eingriffs notwendig werden, um zum Beispiel die Narbe vollständig zu entfernen und durch gesunde Haut zu ersetzen. Hierfür gibt es folgende Möglichkeiten:

Serielle Exzision

Hierbei werden große Narben schrittweise in mehreren Eingriffen entfernt. Zwischen den Operationen kann sich die Haut nachdehnen. Diese Methode wird auch bei großen Muttermalen angewendet.

Hautexpander

Unter die benachbarte Haut wird ein ballonartiges, dehnbares Silikonkissen (Expander) eingesetzt, das über Wochen schrittweise mit Flüssigkeit gefüllt wird. Dadurch entsteht zusätzliche Haut für die spätere Rekonstruktion.

Verschieben von benachbartem Gewebe (lokale Lappenplastik)

Das Gewebe wird aus der unmittelbaren Umgebung verschoben oder rotiert, um den Defekt zu decken.

Gewebeverpflanzungen aus anderen Körperregionen (Fern- und freie Lappenplastik)

Wenn in der Umgebung nicht genügend verschiebbares Gewebe vorhanden ist, kann Gewebe aus anderen Körperregionen transplantiert werden. Dabei werden die Blutgefäße mikrochirurgisch angeschlossen.

Hauttransplantationen

Hierbei werden oberflächliche Hautschichten an anderen Körperstellen entnommen und verpflanzt, die Entnahmestelle heilt dabei wie eine Schürfwunde ab. Voraussetzung ist ein gut durchbluteter Wundgrund unter der Narbe. Bei diesen Verfahren geht es vor allem um eine Funktionsverbesserung, nicht um eine kosmetische Korrektur.

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Korrektur von hypertrophen Narben und Keloiden

Eine Besonderheit sind sogenannte hypertrophe Narben und Keloide. Als Keloid wird stark wucherndes, juckendes und rötlich verfärbtes Narbengewebe bezeichnet, das über das eigentliche Narbenareal hinauswächst. Häufige Stellen für Keloide sind am Brustbein, hinter dem Ohr oder an den Schulterblättern. Diese Neigung ist genetisch bedingt.

Eine alleinige Operation sollte vermieden werden, da das Keloid meistens größer als vorher wiederkehrt. Die Behandlung erfolgt häufig kombiniert, zum Beispiel durch:

  • Silikontherapie
  • Kompression
  • Kortison-Injektion
  • Kryotherapie
  • operative Entfernung der Narbe
  • ergänzende Strahlentherapie in ausgewählten Fällen

Die hypertrophe Narbe ähnelt dem Keloid. Da sie aber die ursprüngliche Narbengrenze nicht überschreitet, kann sie in der Regel besser chirurgisch behandelt werden.

Nach der Operation: Was ist wichtig?

Wie bei jeder Operation kann es bei einer Narbenkorrektur Risiken geben, etwa:

  • Blutergüsse
  • Nachblutungen
  • Infektionen
  • Wundheilungsstörungen
  • erneute auffällige Narbenbildung

Direkt nach dem Eingriff wird meist ein spezieller Verband angelegt. Das Nahtmaterial ist oft selbstauflösend oder muss nach einiger Zeit entfernt werden. In dieser Phase sind Ruhe und Schonung sehr wichtig, je nach Lokalisation ist eine vorübergehende Ruhigstellung durch eine Schiene nötig.

Wichtig für die Heilung sind:

  • körperliche Schonung
  • konsequente Narbenpflege
  • möglichst geringe Spannung auf der Narbe
  • konsequenter UV-Schutz

Direkte Sonneneinstrahlung sollte in der Regel für mehrere Monate, häufig bis zu einem Jahr, vermieden werden, da Pigmentveränderungen entstehen können.

Befindet sich die Narbe über einem Gelenk, kann eine ergänzende Physiotherapie sinnvoll sein.

Welche Ergebnisse sind realistisch?

Eine Narbenkorrektur kann das Erscheinungsbild und die Funktion des Gewebes häufig verbessern. Wie stark die Veränderung ausfällt, hängt jedoch von vielen Faktoren ab – etwa vom Narbentyp, der Körperregion, der individuellen Wundheilung und der Nachsorge.

„Wichtig ist eine realistische Erwartung: Narben können meist nicht vollständig entfernt werden. Ziel der Behandlung ist vielmehr, Beschwerden zu lindern, Spannungen zu reduzieren und die Narbe möglichst unauffällig zu gestalten“, sagt Dr. med. Hans-Georg Damert.

Narben reifen langsam aus. Die endgültige Narbenreifung kann 12 bis 18 Monate dauern.

FAQ

Das hängt vom Befund ab. Viele Narben werden zunächst beobachtet, bis die Narbenreifung abgeschlossen oder zumindest fortgeschritten ist.

 

Eine Narbe sollte idealerweise blasser, weicher, flacher und nicht mehr stark gerötet sein, bevor man über eine Korrektur entscheidet.

 

Bei funktionellen Beschwerden oder ausgeprägten Narben kann auch eine frühere Behandlung sinnvoll sein.

Das ist unterschiedlich. Frische hypertrophe Narben oder eingezogene Narben lassen sich aber häufig besser beeinflussen als ausgeprägte Keloide.

Der Unterschied zwischen hypertropher Narbe und Keloid liegt im Wachstum: Während die hypertrophe Narbe auf den ursprünglichen Verletzungsbereich begrenzt bleibt, wächst das Keloid über die ursprünglichen Wundgrenzen hinaus.

Keloide entstehen durch eine überschießende Heilungsreaktion. Deshalb besteht auch nach einer Behandlung ein erhöhtes Risiko für ein erneutes Wachstum. 

Wenn sich eine Narbe plötzlich verändert, sollte sie abgeklärt werden. Sinnvoll ist das bei:

  • Wachstum
  • Schmerzen
  • Blutungen
  • offenen Stellen

Das hängt in der Regel vom Befund und der medizinischen Notwendigkeit ab. Sollen funktionelle Beschwerden gelindert oder ausgeprägte Narbenkontrakturen behandelt werden, wird das anders bewertet als rein kosmetische Korrekturen. 

Ja. Bestimmte Laserbehandlungen können helfen, Rötungen, Verhärtungen oder Unebenheiten von Narben zu verbessern. Welche Methode infrage kommt, hängt vom Narbentyp ab.

Nein. Narben lassen sich in der Regel nicht vollständig entfernen. Ziel ist meist eine funktionelle und optische Verbesserung. 

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