Bandscheibenprothese: Ein Erfahrungsbericht
Viele Jahre stand Elisabeth Götz als OP-Fachschwester selbst am Operationstisch in der Klinik. Nach zwei Bandscheibenvorfällen an der Halswirbelsäule musste sie diese Tätigkeit aber schon vor längerer Zeit aufgeben und arbeitet seitdem in der chirurgischen Ambulanz. Nach einigen weitgehend schmerzfreien Jahren dann Anfang 2021 der Schock: Schmerzen im Nacken und Gefühllosigkeit in den Händen sind ein deutliches Anzeichen dafür, dass die Beschwerden trotz zwei Operationen wieder zurück sind.
Behandlungsmethoden bei kaputter Bandscheibe
„Auf den Bildern der Computertomographie ist deutlich zu sehen, dass Frau Götz einen weiteren Bandscheibenvorfall hatte“, beschreibt Prof. Dr. Markus Kröber, Chefarzt der Klinik für Orthopädie, Unfall- und Wirbelsäulenchirurgie in der Helios Klinik Rottweil, die Ursache der Symptome.
Der Chefarzt zeigt der Patientin die verschiedenen Behandlungsmöglichkeiten auf. Die konservative Behandlung, bei der mit Schmerz- und Physiotherapie auf eine Besserung hingearbeitet wird, hatte bei Elisabeth Götz keine Wirkung gezeigt. Blieben zwei Varianten: Zum einen die Versteifung der betroffenen Wirbelkörper, zum zweiten die Implantation eines echten Ersatzes für die Bandscheibe.
Bandscheiben-Implantat stoppt den Schmerz und bringt Beweglichkeit
„Bei der Versteifung arbeiten wir mit sogenannten Cages, mit denen wir die Wirbel zunächst verbinden und den Cage dann mit Knochenmaterial auffüllen“. Dieses Implantat verwächst im Zeitraum von sechs Monaten mit dem Füllstoff und den betroffenen Wirbeln, die dadurch fest miteinander verbunden sind. Der operierte Bereich muss während der ersten Heilungsphase für sechs Wochen ruhiggestellt werden, das heißt, die Betroffenen müssen während dieser Zeit eine Halskrause tragen.
„Eine gute und sehr moderne Alternative im Bereich der Halswirbel ist dagegen eine Prothese“, fügt Prof. Kröber hinzu. Sie besteht aus einer Titankomponente und einem Kunststoff-Inlay, vergleichbar etwa mit einem Gelenkersatz. Der Vorteil der Prothese: Sie erhält die Beweglichkeit und die Patient:innen sind schneller wieder mobil, weil sie sich schon kurz nach der Operation wieder bewegen dürfen und sollen.
Elisabeth Götz war sofort einverstanden: „Ich habe mich gefreut, dass nicht nochmals zwei Wirbel versteift werden müssen.“ Etwa eine Stunde dauert die Operation, bei der die geschädigte Bandscheibe durch die Prothese ausgetauscht wird.
Bandscheibenvorfälle im Halsbereich
Durch falsche Haltung oder Bewegungen werden die Bandscheiben, die für die Beweglichkeit der Wirbelsäule sorgen, unterschiedlich stark belastet. Dadurch entstehen Verschleißerscheinungen, ein Bandscheibenvorfall ist die Folge. Am häufigsten treten dieser im Bereich der Lendenwirbelsäule auf, an der Halswirbelsäule kommen sie sehr viel seltener vor.
Die Gefahr einer Verschiebung in diesem Bereich: Die Halsbandscheibe liegt direkt vor dem Rückenmark. Beim Vorfall kommt es meist zu akuten Nackenschmerzen. Drückt der Vorfall auf die umliegenden Nerven, breitet der Schmerz sich bis in die Arme aus und kann zum ständigen Begleiter werden. Gefährlich wird es, wenn Lähmungen auftreten: Je länger der Druck auf die Nerven andauert, desto schlechter sind die Regenerationschancen. Lähmungserscheinungen und Sensibilitätsstörungen wie Kribbeln, Taubheitsgefühl und Gleichgewichtsstörungen können bei Patient:innen dauerhaft bestehen bleiben. Helfen kann zum Beispiel ein operativer Eingriff, bei dem eine künstliche Bandscheibe eingesetzt wird.
FAQ
Eine künstliche Bandscheibe kommt zum Einsatz, wenn konservative und operative Verfahren die Beschwerden nicht beheben konnten. Laut S2k-Lelitlinie zur Versorgung bei Bandscheibenvorfällen werden sie sowohl an der Hals- als auch an der Lendenwirbelsäule eingesetzt.
Die Prothesen im Bereich der Halswirbelsäule (HWS) sind klein und in ihrer Beweglichkeit und Anatomie auf die Halswirbelsäule abgestimmt.
Im Bereich der Lendenwirbelsäule (LWS) sind die Prothesen robuster und können einer höheren Belastung standhalten.
Die Bandscheibenprothese ist für Menschen mit einem Bandscheibenvorfall in der Halswirbelsäule geeignet. Sie kann auch nach einem Bandscheibenvorfall im Lendenwirbelbereich eingesetzt werden.
Bei einer Versteifung der Wirbelsäule (Spondylodese) werden Wirbelkörper über und unter der entfernten Bandscheibe dauerhaft unbeweglich mithilfe von Schrauben, Stäben und Platten miteinander verbunden und dadurch stabilisiert. Die Spondylodese wird durchgeführt, um Beschwerden wie Rückenschmerzen oder Lähmungen zu reduzieren und die Wirbelsäule zu stabilisieren.
Die Bandscheibenprothese hingegen ersetzt eine Bandscheibe und erhält die Beweglichkeit der Wirbelsäule. Sie gilt als Alternative zur Versteifung, insbesondere für den Bereich der Halswirbelsäule.
Das ärztliche Team entscheidet je nach Befund, welche Methode zum Einsatz kommen sollte.
Eine Bandscheibenprothese ist im Vergleich zu einer Versteifung risikoärmer. Dennoch bestehen wie bei jedem operativen Eingriff Risiken für:
- Infektionen und Wundheilstörungen
- anhaltende oder neu auftretende Schmerzen
- Verrutschen oder Lockerung der Bandscheibenprothese
Vor dem Eingriff bespricht das ärztliche Team mit Ihnen mögliche Komplikationen, sodass Sie vollumfänglich informiert sind. Im Gespräch haben Sie auch die Gelegenheit, Fragen zu klären.
In den meisten Fällen hält eine Bandscheibenprothese Jahrzehnte. Es kann jedoch im Alter zu anatomischen Veränderungen kommen, wodurch sich die Beweglichkeit der Prothese reduziert.
Sollte die Bandscheibenprothese erneuert werden müssen, erfolgt dies im Rahmen einer Operation. In dieser wird das alte Implantat entfernt und durch ein neues ersetzt.
Gründe für einen Ersatz des Implantats sind u. a.:
- Lockerung oder Verrutschen der Prothese
- Fehlfunktion
- Unerwünschte Verknöcherungen
Wenn die Prothese richtig eingeheilt ist, haben Sie keine Einschränkungen zu erwarten und können diese voll belasten.