Mastektomie: Informationen zur Brustentfernung
Das Wichtigste zum Eingriff im Überblick

Mastektomie: Informationen zur Brustentfernung

70 bis 80 Prozent aller Tumore können brusterhaltend operiert werden. Ist der Tumor jedoch sehr groß und bösartig, handelt es sich um einen Befall der Haut oder aber um die Ausbildung mehrerer Tumore in verschiedenen Arealen der Brust, findet meist eine Brustamputation statt.

Was ist eine Mastektomie?

Der Eingriff erfolgt am häufigsten bei der Diagnose Brustkrebs. "Der Begriff Mastektomie beschreibt die vollständige Entfernung der Brustdrüse bei Frauen oder Männern ", sagt Dr. Anja Merte, Oberärztin und Leiterin des Brustzentrums im Helios Klinikum Erfurt. In vielen Fällen kann die Haut erhalten bleiben, in manchen Fällen auch die Brustwarze, was für verschiedene Formen der Brustrekonstruktion mitbedacht werden sollte.

Die Mastektomie wird landläufig auch als Amputation der Brust, Brustamputation oder in Fachkreisen als Ablatio mammae bezeichnet.

Wann wird eine Brustamputation durchgeführt?

„Grundsätzlich kommen heute bei bösartigen Tumoren der Brust in der Mehrzahl der Fälle brusterhaltende Therapien zum Einsatz. Ein Grund hierfür ist, dass auf Basis gut ausgebauter Vorsorgenetzwerke Brustkrebs oft schon in einem frühen Stadium erkannt wird“, so Dr. Merte. Bei circa 20 bis 30 Prozent der Patientinnen lässt sich die gesamte Entfernung der Brust nicht vermeiden.

Indikatoren, die eine Mastektomie notwendig machen:

  • sehr großer und/oder entzündlicher Brustkrebs
  • ausgedehnte Vorstufen von Brustkrebs (DCIS)
  • mehrere Tumorherde in einer Brust (multizentrisches Mammakarzinom)
  • auf Wunsch der Patientin / des Patienten
  • Begleiterkrankungen, die Chemo- und Strahlentherapie nicht möglich machen
  • Brusthaust ist betroffen
  • Tumor konnte bei vorausgegangener OP nicht vollständig entfernt werden, bei Nachoperation Brusterhalt nicht möglich
  • Bei einem nachgewiesenen Gendefekt mit erhöhtem Risiko für Brustkrebs kann eine prophylaktische Mastektomie durchgeführt werden. Ein prominentes Beispiel hierfür ist die Schauspielerin Angelina Jolie. Sie erregte vor einigen Jahren mit dieser öffentlich gemachten Entscheidung große mediale Aufmerksamkeit.

Grundsätzlich kommen heute bei bösartigen Tumoren der Brust in der Mehrzahl der Fälle brusterhaltende Therapien zum Einsatz. Ein Grund hierfür ist, dass auf Basis gut ausgebauter Vorsorgenetzwerke Brustkrebs oft schon in einem frühen Stadium erkannt wird.

Dr. Anja Merte | Oberärztin und Leiterin des Brustzentrums im Helios Klinikum Erfurt

Mastektomie auch bei Männern

Ärztin mit Maske
Frauen und Männer können an Brustkrebs erkranken | Foto: Adobe.com @Siam

Jährlich erkranken zwischen 600 und 700 Männer an Brustkrebs. Sie machen damit rund ein Prozent aller Brustkrebsfälle aus. Entsprechend ist eine Mastektomie beim Mann ebenso möglich. Der Arzt wählt in diesen Fällen in aller Regel die Form der einfachen oder modifiziert-radikalen Mastektomie.

Neben einer bösartigen Erkrankung wird auch ein abnormes Brustwachstum beim Mann mit einer Mastektomie behandelt.

Was ist bei der Mastektomie zu beachten?

Die Experten insbesondere an den von der Deutschen Krebsgesellschaft zertifizierten Zentren besprechen das Vorgehen gemeinsam im Ärzteteam, zum Beispiel in sogenannten Tumorkonferenzen oder Tumorboards. Im Anschluss daran erfolgt die Beratung mit den Betroffenen selbst. Nicht immer wünschen sich Patientinnen eine Rekonstruktion der Brust. Und nicht immer ist eine Rekonstruktion der Brust möglich. Individuelle Gespräche bringen an dieser Stelle Klarheit.

Darüber hinaus haben alle Patientinnen und Patienten die Möglichkeit, eine Zweitmeinung einzuholen.

Was wird bei einer Mastektomie gemacht?

Grafik Brust entfernt
Bei 20 bis 30 Prozent der Betroffenen wird die gesamte Brust entfernt | Grafik: Helios

„Bei einer radikalen Mastektomie entfernt der Operateur das gesamte Drüsengewebe. Auch die darüber liegende Haut, die Brustwarze und die Bindegewebshaut werden entfernt“, erklärt Dr. Merte.

Soll die Brust rekonstruiert werden, können Haut (skin sparing) und/oder Brustwarze (nipple sparing) stehen bleiben. Das ist allerdings nur möglich, wenn die Haut und Brustwarze nicht vom Tumor befallen sind.

Für die Brustentfernung stehen verschiedene Verfahren zur Verfügung:

  • einfache Mastektomie: Die gesamte Brustdrüse mit der darüber liegenden Haut und der Brustwarze wird entfernt. Die Lymphknoten in den Achselhöhle werden belassen.
  • hautsparende / subkutane Mastektomie: Der Brustdrüsenkörper wird unter Erhaltung der darüber liegenden Haut und der Brustwarze entfernt.
  • modifiziert-radikale Mastektomie: Entfernung der gesamten Brustdrüse mit der darüber liegenden Haut und der Brustwarze und Entfernung von Lymphknoten aus der Achselhöhle.
  • radikale Mastektomie: Zusätzlich zur Brust werden der große und kleine Brustmuskel und die Lymphknoten in der Achselhöhle und um das Brustbein entfernt. Von dieser Methode sehen Ärzte heutzutage allerdings ab.

Nach der OP: Was ist zu beachten?

Die Dauer der Genesung ist grundsätzlich vom Krankheitsbild beziehungsweise weiteren notwendigen Behandlungen und Therapien abhängig. Generell sollten sich Betroffene circa zwei bis vier Wochen schonen.

Unmittelbar nach der Entfernung der Brust sollten Patientinnen den Anweisungen des Arztes folgen.

Nach der OP zu beachten:

  • Schonen, aber keine Schonhaltung
  • Körperliche Anstrengung (schweres Heben, ruckartige Bewegungen, etc.) für sechs bis acht Wochen vermeiden
  • Frauen sollten ggf. Spezial-BHs und Epithese tragen
  • Brustepithesen sind Formkissen aus Silikon. Sie werden nicht implantiert, sondern auf der Körperoberfläche getragen. Sie ahmen in Form und Gewicht die normale Brust nach und werden entweder in den BH eingelegt oder mit Haftmittel auf die Brustwand geklebt.
  • Nikotinkarenz (besonders nach einer Rekonstruktion)

Lymphödem vorbeugen

Da häufig auch die Lymphknoten in der Achselhöhle entfernt werden, kann es zu Abflussstörungen und somit zu Flüssigkeitsansammlungen im Gewebe des Arms kommen.

Dazu sollten Patientinnen:

  • Arm mit Kissen hochlagern
  • Arm, wenn möglich, ausstrecken und leicht abgewinkelt vom Oberkörper lagern
  • enge Kleidung vermeiden
  • große Hitzeeinwirkungen (Sauna, Sonnenbaden) vermeiden
  • Belastung des Armes vermeiden

Welche Risiken birgt eine Brustamputation?

  • Blutergüsse und Stau von Wundflüssigkeit
  • Wundheilungsstörungen / Infektionen
  • Lymphödem
  • psychische Belastung insbesondere bei Frauen aufgrund des veränderten Erscheinungsbildes des Körpers
  • Verletzungen von Nerven
  • überschießende Narbenbildung
  • psychische Belastung durch ein verändertes Körperbild

Brustwiederaufbau: Welche Möglichkeiten gibt es?

Grafik Brustaufbau
Grafik: Helios

Der Wiederaufbau der Brust kann sofort oder in einer zweiten Operation, mit körperfremden oder körpereigenem Material beziehungsweise Gewebe erfolgen.

Jedes Verfahren hat Vor- und Nachteile, die mit jeder Patientin individuell besprochen werden:

Ein Wiederaufbau der Brust kann sowohl psychische als auch physische Gründe haben. Das Körperbild einer Frau ändert sich, wenn eine Brust fehlt und dass kann für die Betroffene belastend sein.

Dr. Anja Merte | Oberärztin und Leiterin des Brustzentrums im Helios Klinikum Erfurt

körperfremdes Material

  • Brustimplantate: Mit Silikon gefüllte Formkissen werden unter oder über dem großen Brustmuskel eingebracht, gegebenenfalls in Kombination mit einem Netz.
  • Expander: Eine aufdehnbare Prothese wird unter oder über dem großen Brustmuskel eingebracht und nach Dehnung der Haut gegen ein Implantat eingetauscht.

körpereigenes Material

  • Lappenplastiken: Bei diesen plastischen Operationen wird Gewebe aus anderen Körperregionen (Rücken, Bauch, Gesäß) auf die Brustwand verlagert und dort zu einer neuen Brust geformt. Hier unterscheiden Ärzte zwischen gestielter oder freier Lappenplastik.

„Ein Wiederaufbau der Brust kann sowohl psychische als auch physische Gründe haben. Das Körperbild einer Frau ändert sich, wenn eine Brust fehlt und dass kann für die Betroffene belastend sein. Eine nachgebildete Brust entspricht jedoch nicht ganz der natürlichen Brust. Sie ist weniger empfindsam“, sagt Dr. Anja Merte.