Vorsorge und Früherkennung

Vorsorge und Früherkennung

Von allen Maßnahmen des Darmkrebs-Screenings nimmt die Darmspiegelung (Koloskopie) eine besondere Rolle ein: Mit ihr lässt sich Krebs nicht nur frühzeitig erkennen, vielmehr kann durch die Entfernung der gutartigen Vorstufen (Darmpolypen) verhindert werden, dass er überhaupt entsteht.

Warum ist Darmkrebsvorsorge so wichtig?

2002 wurde die Darmspiegelung in den Vorsorgekatalog der gesetzlichen Krankenkassen aufgenommen. Die Zahlen sprechen für sich: Seit 2003/2004 erkranken weniger Menschen an Darmkrebs. Vor allem Krebs des absteigenden Dickdarms und des Enddarms wird laut dem Robert-Koch-Institut seltener diagnostiziert [1].  

Die Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften empfiehlt in ihren Leitlinien ab dem 50. Lebensjahr die Koloskopie zur Darmkrebs-Vorsorge und -früherkennung [2].

Die Darmkrebsvorsorge ist eine echte Vorsorge, da damit Vorläuferstadien von Krebs erkannt und entfernt werden können.

Prof. Dr. med. Jörg-Peter Ritz, Ärztlicher Direktor und Chefarzt der Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie der Helios Kliniken Schwerin

Welche Darmkrebsvorsorge-Untersuchungen gibt es?

Die Verfahren des Darmkrebs-Screenings werden danach unterschieden, ob sie allein zur Darmkrebs-Früherkennung oder auch zur Erkennung der gutartigen Krebsvorstufen dienen. Die Leitlinien der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften empfehlen folgende vier Verfahren für das Screening:

Verfahren zur Erkennung von Darmkrebs und Darmpolypen:

  • große Darmspiegelung (Koloskopie) 
  • kleine Darmspiegelung (Sigmoidoskopie)

Verfahren zur Erkennung von Darmkrebs: 

  • chemischer Stuhltest 
  • immunologischer Stuhltest („iFOBT-Test“)
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Vor- & Nachsorge bei Krebs - Präventionsphobien abbauen

Dr. Christina Klein, Oberärztin für Allgemein- und Viszeralchirurgie und Leiterin des Viszeralonkologischen Zentrums beantwortet wichtige Fragen rund um die tückische Krankheit. Welche Vorsorge- und Nachsorgemöglichkeiten gibt es und wie sehen die modernen Behandlungsmöglichkeiten aus?

Darmspiegelung

Was ist eine Koloskopie?

Die „große“ Darmspiegelung ist die einzige Methode, mit der sowohl Darmkrebs als auch seine gutartigen Vorstufen im gesamten Dick- und Enddarm erkannt und gleichzeitig entfernt werden können. Die präventive Untersuchung gilt daher als Goldstandard in der Darmkrebs-Vorsorge und Darmkrebs-Früherkennung.

Infografik vom Darm und Koloskop bei Darmspiegelung
Unter Narkose wird ein Endoskop mit einer Kamera in den Darm eingeführt. Grafik: Helios

Wie verläuft eine Darmspiegelung?

Bei der Koloskopie wird unter Narkose das Endoskop, ein beweglicher, fingerdicker Schlauch, mit einer Kamera in den Darm eingeführt und bis zum Beginn des Dünndarms geschoben. Dann zieht der Arzt das Endoskop langsam wieder heraus. Dabei untersucht er die Schleimhaut des Darms. Werden Polypen gefunden, können diese in der Regel gleich entfernt werden. Auch bei unklaren Veränderungen der Darmschleimhaut können Proben entnommen werden. Diese werden in einer Biopsie genauer untersucht. Damit der Darm gut einsehbar ist, muss im Vorfeld eine Spüllösung getrunken werden, um ihn zu reinigen.

Für wen eignet sich die Darmspiegelung? 

Sie eignet sich für alle Altersgruppen. Gegen eine Koloskopie können jedoch schwere Grunderkrankungen des Patienten sprechen wie beispielsweise eine schwere Herzschwäche. Lehnt der Patient die Darmspiegelung ab oder kann die vorab nötige Darmreinigung nicht ausreichend durchgeführt werden, sollten ebenfalls Alternativen besprochen werden.

Wie zuverlässig ist diese Untersuchung? 

Die Koloskopie gilt als die zuverlässigste Untersuchungsmethode im Bereich der Darmkrebsvorsorge und -früherkennung. Um zu gewährleisten, dass sie exakt vorgenommen wird, gelten in Deutschland strenge Richtlinien in Bezug auf Hygiene, technische Ausstattung und die Qualifikation der untersuchenden Ärzte.

So darf eine Darmspiegelung nur von Medizinern durchgeführt werden, die eine Facharztprüfung in den Bereichen Innere Medizin, Gastroenterologie, Chirurgie oder Kinderheilkunde abgelegt haben. Zudem müssen die Ärzte jährlich mindestens 200 Koloskopien durchführen und dabei wenigstens zehn Mal Polypen abtragen. 

Welche Risiken gibt es?

Die Darmspiegelung gilt als sehr sichere Untersuchungsmethode, Komplikationen treten nur selten auf: Die Darmschleimhaut wird bei 0,01 Prozent aller Patienten verletzt (Darmperforation). Zu Blutungen kommt es bei 0,05 Prozent. Beide Komplikationen treten vor allem auf, wenn während der Darmspiegelung Polypen entfernt werden.

Welche Voraussetzungen gelten?

In Deutschland haben Männer ab dem 50. und Frauen ab dem 55. Lebensjahr in den gesetzlichen Krankenversicherungen Anspruch auf eine Koloskopie. Treten mögliche Darmkrebsymptome auf, sollte auch bei jüngeren Menschen eine medizinische Abklärung erfolgen. Bei chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen, wie Colitis ulcerosa oder Morbus Crohn, einer familiären Vorbelastung oder einer vererbten Genmutation erfolgt die erste Darmspiegelung ebenfalls deutlich früher.

Ein Tumor im Darm wächst lange Zeit unbemerkt und macht häufig erst Beschwerden, wenn er mehrere Zentimeter groß ist. Bei einer Darmspiegelung können sie ihn aber schon erkennen, wenn er erst ein bis zwei Millimeter groß ist.

Prof. Dr. med. Jörg-Peter Ritz, Ärztlicher Direktor und Chefarzt der Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie der Helios Kliniken Schwerin

Sigmoidoskopie

Wie verläuft eine Sigmoidoskopie?

Bei der „kleinen“ Darmspiegelung werden nur die letzten 40 bis 60 Zentimeter des Dickdarms – das sogenannte Sigma und der absteigende Dickdarm – mit einem beweglichen Schlauch untersucht. Die Untersuchung dauert nur wenige Minuten. 

Für wen eignet sich eine Sigmoidoskopie?

Die Sigmoidoskopie eignet sich für Menschen, die eine Koloskopie ablehnen. Da es für die Sigmoidoskopie nicht nötig ist, den Darm vorab mit einer Spüllösung zu reinigen, ist die Vorbereitung weniger aufwendig, als bei der großen Darmspiegelung. Direkt vor der Untersuchung wird der untere Darmabschnitt mit einem Einlauf gesäubert.

Wie zuverlässig ist diese Untersuchung?

Auch bei der Sigmoidoskopie können direkt während der Untersuchung Polypen entfernt oder verdächtiges Gewebe für eine genauere Untersuchung entnommen werden. Da jedoch nur der letzte Darmabschnitt betrachtet wird, bleiben eventuell vorhandene Polypen oder bösartige Tumore im nicht untersuchten Darmbereich unerkannt. Es wird daher empfohlen, die kleine Darmspiegelung mit einem jährlichen Test auf nicht sichtbares Blut im Stuhl (okkultes Blut) zu kombinieren. 

Welche Risiken gibt es?

Die Gefahr für Komplikationen ist bei der Sigmoidoskopie sehr gering. Blutungen oder Entzündungen treten bei drei bis acht Patienten von 10.000 auf. Auch Verletzungen der Darmwand sind möglich – aber selten. Manchmal können die genutzten Abführmittel noch einige Tage nach der Untersuchung zu Verdauungsproblemen führen. 

Welche Voraussetzungen gelten?

Im Gegensatz zur Koloskopie gelten für die kleine Darmspiegelung keine gesonderten Regelungen – jeder Arzt darf die Untersuchung durchführen. Da die Sigmoidoskopie keine Leistung der gesetzlichen Krankenkassen ist, muss die Kostenübernahme vorab geklärt werden.

Chemischer Stuhltest

Was ist ein chemischer Stuhltest?

Der sogenannte Guajak-Test ist ein fäkaler Okkultbluttest, mit dem sich durch eine biochemische Reaktion verstecktes Blut im Stuhl nachweisen lässt.

Wie verläuft ein chemischer Stuhltest?

Die Proben für den Test werden von den Patienten zu Hause entnommen. Dafür erhalten sie drei Briefchen, in die jeweils zwei Proben aus drei aufeinanderfolgenden Stühlen gestrichen werden. Die Briefe werden anschließend wieder in der Arztpraxis abgegeben, dort wird der eigentliche Test durchgeführt.

Für wen eignet er sich?

Der chemische Stuhltest eignet sich prinzipiell für jeden. Jedoch muss seine relativ hohe Fehlerquote einbezogen werden.

Wie zuverlässig ist diese Untersuchung?

Da der Test nicht nur bei menschlichem Blut, sondern auch bei Nahrungsmitteln wie rotem Fleisch oder Gemüsesorten wie Brokkoli oder Tomaten anschlägt, gilt er als relativ störanfällig. Ebenso können bestimmte Medikamente, wie ASS, das Ergebnis verfälschen. Vor dem Hintergrund, dass Darmpolypen und Kolonkarzinome nicht täglich bluten, kann auch bei einem befundlosen Testergebnis nicht ausgeschlossen werden, dass trotzdem Polypen oder Krebs vorhanden sind.

Welche Risiken gibt es?

Der biochemische Stuhltest hat keine Risiken.

Welche Voraussetzungen gelten?

Der chemische Stuhltest wurde in der Regel in Hausarztpraxen sowie bei Gynäkologen und Urologen ausgegeben. Im April 2017 wurde er durch den immunologischen Stuhltest abgelöst und gehört seitdem nicht mehr zum Screening-Programm.

Immunologischer Stuhltest

Was ist der immunologische Stuhltest?

Der immunologische Stuhltest („iFOBT“) ist ein relativ neuer Test, der seit April 2017 angeboten wird und mit dem nicht sichtbares Blut im Stuhl nachgewiesen wird. Der Test reagiert ausschließlich auf den menschlichen Blutfarbstoff Hämoglobin.

Wie verläuft der immunologische Stuhltest?

Wie beim chemischen Stuhltest auch wird die Probe vom Patienten selbst zu Hause entnommen. Die Stuhlprobe sollte spätestens am Folgetag wieder in der Arztpraxis abgegeben werden, von wo sie an ein Labor weitergeleitet wird.

Für wen eignet sich der immunologische Stuhltest?

Der immunologische Test eignet sich für jeden. Bei Menschen, die Medikamente aus der Gruppe der Protonenpumpen-Hemmer einnehmen, kann die Aussagekraft des Tests jedoch herabgesetzt sein.

Wie zuverlässig ist die Untersuchung?

Zwar ist der immunologische Stuhltest zuverlässiger als der chemische. Jedoch kann auch er lediglich okkultes Blut im Stuhl nachweisen – ohne dass eine Aussage über die Ursache der Blutung getroffen werden kann. Zeigt der immunologische Stuhltest ein positives Testergebnis, wird daher immer eine große Darmspiegelung zur weiteren Abklärung empfohlen.

Welche Risiken gibt es?

Der immunologische Stuhltest hat keine Risiken.

Welche Voraussetzungen gelten?

Der immunologische Stuhltest wird in der Regel von Hausärzten, Gynäkologen oder Urologen ausgegeben. Die gesetzlichen Krankenversicherungen zahlen den Stuhltest jährlich zwischen dem 50. und 54. Lebensjahr. Anschließend wird die Darmspiegelung zur Vorsorge empfohlen. Versicherte, die die Koloskopie ablehnen, können alternativ alle zwei Jahre den immunologischen Stuhltest durchführen lassen.

Wann und in welchen Intervallen sollte ich zur Vorsorge?

Liegen keine Symptome und Risikofaktoren wie eine familiäre Häufung, eine vererbte Genmutation oder eine chronisch-entzündliche Darmerkrankung vor, wird eine Darmkrebsvorsorge ab dem 50. Lebensjahr als ausreichend angesehen. Und auch erst ab diesem Alter von den gesetzlichen Krankenkassen gezahlt.

Ist eine große Darmspiegelung unauffällig geblieben, so wird eine Wiederholung erst nach zehn Jahren empfohlen. Eine befundlose kleine Darmspiegelung sollte laut Leitlinie der AWMF (Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften) nach fünf Jahren wiederholt werden. Da Stuhltests weniger sicher in ihrer Aussagekraft sind, sollten sie engmaschiger genutzt und alle zwei Jahre durchgeführt werden [3].

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Besteht eine familiäre Vorbelastung, so lautet die Empfehlung, den Darm erstmals zehn Jahre vor dem Erkrankungsalter des betroffenen Verwandten ersten Grades spiegeln zu lassen – spätestens jedoch mit dem 40. Lebensjahr.

Für Patienten mit chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen empfiehlt die amerikanische Leitlinie ab dem achten Jahr der Erkrankung regelmäßige Darmspiegelungen.

Ist in der Familie eine Genmutation bekannt, beginnt die Darmkrebsvorsorge in der Regel nochmals früher. So wird bei Patienten mit bestätigter familiärer adenomatöser Polyposis (FAP) bereits ab dem 10. Lebensjahr jährlich ein Check-up in Form einer kleinen Darmspiegelung empfohlen. Werden dort Darmpolypen nachgewiesen, so sollte eine große Darmspiegelung folgen.

Bei Patienten mit Lynch-Syndrom (HNPCC) sollte die Darmkrebsvorsorge inklusive großer Darmspiegelung ab dem 25. Lebensjahr durchgeführt werden. Da von HNPCC auch andere Organe betroffen sein können, werden den Patienten auch frühzeitige Vorsorgeuntersuchungen für Speiseröhre, Magen und Zwölffingerdarm angeboten. Frauen sollten darüber hinaus die Früherkennung von Eierstock- und Gebärmutterkrebs in Anspruch nehmen.

Untersuchung zur Früherkennung eines kolorektalen Karzinoms bei HNPCC-Patienten nach S3-Leitlinie

AltersangabeUntersuchungIntervall
vor dem 25. Lebensjahrgenetische Beratung
ab dem 25. Lebensjahrkörperliche Untersuchungjährlich
Koloskopiejährlich
Bei Frauen: gynäkologische Untersuchung einschließlich transvaginaler Sonografiejährlich
ab dem 35. LebensjahrÖsophagogastroduodenoskopieregelmäßig
bei Frauen: Endometriumbiopsiejährlich

 Quelle: [4]

 

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