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Eine Wirbelsäulen-Operation als letzte Option

Die Ursachen für Schmerzen an der Wirbelsäule sind so vielfältig, dass ein weites Spektrum an medizinischer Kompetenz und Erfahrung für eine wirksame Therapie erforderlich ist. Gegen Ihre Rückenschmerzen haben wir alle für eine interdisziplinäre Therapie notwendigen Teams unter einem Dach vereint.

18.11.2022 Lesedauer: - Min. Aktualisiert am 17.02.2026
Medizinisch geprüft von Jens Gulow
Operation in der Orthopädie
Inhaltsverzeichnis

Krankheiten der Wirbelsäule

Die Wirbelsäule des Menschen ist durch den aufrechten Gang besonderen Belastungen ausgesetzt. Die Hals- und Lendenwirbelsäule sind dabei die beweglichsten Abschnitte. An den Übergängen zur eher starren Brustwirbelsäule und zum starren Steißbein wirken besonders hohe Belastungen, sodass es hier zu verstärkten Verschleißerscheinungen und Beschwerden kommt.

Die erste Herausforderung besteht darin, aus den verschiedenen Symptomen, Schmerztypen und Untersuchungsergebnissen eine möglichst exakte Diagnose der Schmerzursache abzuleiten. Sie bildet die Voraussetzung für ein erfolgversprechendes Therapiekonzept.

Im Falle akuter Rückenschmerzen und leichter neurologischer Ausfälle (Sensibilitätsstörungen) spricht vieles gegen einen zu schnellen Griff zum Skalpell. Viele krankhafte Ursachen für Rückenbeschwerden lassen sich heute sehr gut konservativ behandeln. Das gelingt bei 70 bis 80 Prozent aller Patientinnen und Patienten.

Untersuchungen an der Wirbelsäule

Verschiedene Gründe für Rückenbeschwerden lassen sich heute sehr gut nicht-operativ behandeln. Zum Beispiel: Bandscheibenschäden, Asymmetrien des muskulären Halteapparates sowie entzündliche Prozesse an den kleinen Wirbelgelenken (Facettengelenke) oder der gelenkigen Verbindung zwischen Kreuz- und Darmbein, dem sogenannten Iliosakralgelenk. Hierzu bedarf es sehr spezieller Untersuchungstechniken, die wir für Ihre Behandlung vorhalten:

Diagnostische Methoden sind: 

  • Röntgendarstellung der betroffenen Wirbelsäulenabschnitte mit WS-Ganzaufnahmen
  • Modernste Schnittbilddiagnostik mittels Magnetresonanztomographie (MRT) und Computertomographie (CT)
  • PET-CT
  • Diagnostische Untersuchungsmethoden wie Discographie und Myelographie der gesamten Wirbelsäule
  • Neurologische Untersuchungen (elektrophysiologische Abklärung, Nervenleitgeschwindigkeit, Muskelstromuntersuchung)
  • Diagnostische Facettengelenksinfiltrationen

Zwar können nicht alle Schmerzauslöser an der Wirbelsäule ursächlich therapiert werden. Mit Hilfe konservativer Verfahren gelingt es aber bei einer großen Mehrheit der Patienten, den Schmerzprozess effektiv zu durchbrechen und so den Reizzustand zu beruhigen. Dazu beigetragen hat eine veränderte Wahrnehmung und Beurteilung der Frage, welche anatomische Struktur an der Wirbelsäule schmerzursächlich sein kann. Gleiches gilt für den Stellenwert, den Medizinerinnen und Mediziner mechanischen Entzündungen im Facetten- und Iliosakralgelenk beimessen – etwa als Ursache für Rückenschmerzen, die auch vorübergehend so schlimm sein können, dass sie Betroffene ans Bett fesseln.

Ein typisches Beispiel für den Erfolg konservativer Therapien ist die Behandlung des akuten Bandscheibenvorfalls der Lendenwirbelsäule. Früher gehörte es zur klassisch-konservativen Therapie, Betroffene erst einmal unter Schmerzmitteln ins Bett zu legen. Heute heißt die Marschrichtung mittels medikamentöser Schmerztherapie in Aktivität zu bleiben.

Ziel ist es, die schmerzverursachenden Strukturen an der Wirbelsäule durch Bewegung und eine systematische Stärkung des muskulären Stützkorsetts zu entlasten und dem Körper Zeit zu verschaffen, den Bandscheibenvorfall mittels körpereigener Abwehrzellen und der Hilfe von Enzymen weicher zu machen und abzubauen.

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Interdisziplinäre Therapieansätze und chirurgische Expertise

Sind die konservativen Behandlungsmöglichkeiten ausgeschöpft oder liegt ein Befund an der Wirbelsäule vor, der zwingend der operativen Intervention bedarf (Tumor, Infektion, Frakturen, Instabilitäten, erhebliche Achsverschiebungen), bieten wir ein breites Spektrum an operativen Techniken – von minimalinvasiven und mikrochirurgischen Eingriffen bis hin zu komplexen Rekonstruktionen der Wirbelsäule.

Sollten die Veränderungen an der Wirbelsäule größere Operationen bis hin zum Ersatz mehrerer Wirbelkörper notwendig machen, kommt die Interdisziplinarität bei uns besonders zum Tragen. Die gebündelte chirurgische Fachkompetenz und die Rahmenbedingungen machen eine Behandlung von Erkrankungen der Wirbelsäule, des Rückenmarks und des peripheren Nervensystems vom Übergang vom Schädel zur Halswirbelsäule bis zum Kreuz- und Steißbein möglich.

Wichtige Schwerpunkte bilden die schonenden minimalinvasiven und dynamischen Verfahren zur Behandlung von Frakturen, Entzündungen, Nervenwurzel- und Rückenmarkskompressionen, Tumoren sowie Bandscheibenvorfällen mit geringstmöglicher Beeinträchtigung und schnellstmöglicher Mobilisierung der Patient:innen.

In Fällen, bei denen die Wirbelsäule auch von vorne (ventral) stabilisiert werden muss, verfügen wir bei diesen hochkomplexen Eingriffen ebenfalls über viel Expertise und zwar für alle Regionen der Wirbelsäule. Hier arbeiten Expertinnen und Experten der Fachbereiche Gefäßchirurgie, Neurochirurgie, Thoraxchirurgie wie auch der Intensivmedizin interdisziplinär zusammen, um die optimale Behandlung zu gewährleisten.

Aber nicht immer muss es die „große Chirurgie“ sein, die hilft. So können bei Verschleiß der kleinen Wirbelgelenke oder Bandscheiben sowie dem sogenannten Wirbelgleiten die schmerzleitenden Nervenfasern minimal-invasiv durch Thermokoagulation oder Endoskopie verödet werden. Auch bei Wirbelkörpereinbrüchen aufgrund von Osteoporose wird der Wirbel in Schlüssellochtechnik mit Knochenzement aufgefüllt und aufgerichtet, ohne intakte Knochensubstanz zu zerstören.

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Nicht-operative (konservative) Therapieansätze

  • Intensivierte Schmerztherapie (intravenös und/oder oral in Zusammenarbeit mit der Klinik für Schmerztherapie)
  • SpineMED Behandlung (computergestützte Distraktionsbehandlung)
  • Röntgenologisch gestützte Nervenwurzelblockaden (PRT)
  • Infiltrationen und Verödungen schmerzhafter Wirbelgelenke (Facettengelenksthermokoagulation)
  • Im Kreuzbeinbereich sogenannte Ileosacralfugeninfiltrationen
  • Neuraltherapie
  • Krankengymnastische Übungsbehandlung und physikalische Maßnahmen in Zusammenarbeit mit der physiotherapeutischen Abteilung
  • Magnetfeld
  • Reizstromtherapie
  • Balneotherapie
  • Traktion
  • Kryo-/Wärmetherapie

Was spricht für eine konservative Schmerzbehandlung bei Wirbelsäulenerkrankungen? Jetzt lesen!

Operative Therapieansätze

  • Mikroskopische Bandscheibenoperation der Hals-, Brust- und Lendenwirbelsäule
  • Mikrochirurgische Halsbandscheibenentfernung und Implantation von Bandscheibenprothesen
  • Endoskopische Facettendenervierungen
  • Endoskopische Neuroforamenerweiterung und Entfernung von Bandscheibenvorfällen
  • Mikrochirurgische Behandlung von Wirbelkanalverengungen (Spinalkanalstenosen)
  • Stabilisierungsoperation an Hals-, Brust- und Lendenwirbelsäule sowohl von hinten als auch im Bedarfsfall durch den Brust- oder Bauchraum
  • Stabilisierung von Wirbelkörperfrakturen durch minimalinvasives Einspritzen von Knochenzement (sogenannte Kyphoplastie)
  • Langstreckige Versteifungsoperation mit Korrektur des Wirbelsäulenprofils zum Beispiel bei Skoliose oder Wirbelkörpergleiten (Spondylolisthesis)
  • Wirbelkörpersatz, auch mehrere Wirbel von vorne und von hinten
  • Skoliose und Aufrichtungsoperationen bei Kindern und Erwachsenen
  • 3D Bildwandler
  • Navigationsgestützte Operationstechniken

Gemeinsam mit Ihnen kann ein individuell abgestimmtes Behandlungskonzept entwickelt werden. Das grundsätzliche Bestreben ist es, zu versuchen, die Operation zu vermeiden. Da, wo sie jedoch notwendig und erfolgsversprechend ist, werden ausgiebig die Vor- und Nachteile besprochen und eine realistische Erwartungshaltung vermittelt

Mögliche Risiken müssen in jedem Fall abgewogen werden. Immer muss das Nutzen-Risiko-Verhältnis deutlich zugunsten des „Nutzens“ stehen. Hochpräzise Instrumente und Implantate, schonende Narkoseverfahren und Operationstechniken sowie ein speziell geschultes Team der Physiotherapeutie können dazu beitragen, dass selbst betagte Patientinnen und Patrienten in der Regel schnell wieder auf die Beine kommen. Dabei stehen immer der Erhalt und die Wiederherstellung möglichst der kompletten Bewegungsfähigkeit sowie die Schmerztherapie im Vordergrund.

FAQ

Nein. Im ersten Schritt muss die Ursache der Rückenbeschwerden sorgfältig abgeklärt werden. Im Rahmen der körperlichen Untersuchung, lässt sich meist schon der betroffene Bereich der Wirbelsäule identifizieren.

 

Ergänzend kommen bildgebende Verfahren wie Magnetresonanztomographie (MRT) oder Computertomographie (CT) zum Einsatz, um den Bereich der Beschwerden noch weiter einzugrenzen.  

 

Bei komplexen Beschwerdebildern können zusätzliche Untersuchungen sinnvoll sein, darunter:

 

  • eine Angiographie zur Darstellung der Blutgefäße
  • eine Elektrophysiologie, um die Nervenfunktion zu messen

 

Diese diagnostischen Mittel ermöglichen es Ärztinnen und Ärzten, alle Bereiche der Wirbelsäule auszuleuchten, um eine Empfehlung für eine Operation oder konservative Behandlung mittels Physio- und/oder Schmerztherapie zu stellen.

Das hängt davon, welcher Eingriff an der Wirbelsäule erfolgte. 
Nach einer Bandscheiben-OP oder Erweiterung des Spinalkanals sollten Sie eine Schonzeit von rund sechs Wochen einhalten. Das heißt:

 

  • kein Heben und Tragen von schweren Lasten über fünf Kilogramm
  • keine schwere körperliche Arbeit 
  • vorerst kein Sport (außer stabilisierenden Übungen)

 

Leichte, rückenschonende Tätigkeiten im Alltag wie beispielsweise Spaziergänge, Tätigkeiten im Haushalt ohne schwere Belastung der Wirbelsäule, langsames Treppensteigen können nach rund zwei Wochen wieder aufgenommen werden.

Nach einer „Versteifungsoperation“ der Wirbelsäule (Spondylodese) dauert die Heilung etwas länger, da die benachbarten Wirbel zusammenwachsen sollen. Dies benötigt natürlich deutlich mehr Zeit.

 

Für Operierte bedeutet zunächst:

 

  • die körperliche Schonung sollte mindestens drei Monate betragen
  • es können weiterhin Schmerzen auftreten (jedoch sollte Intensität und Häufigkeit der Schmerzattacken im Verlauf deutlich abnehmen)

Die Genesung kann je nach Alter und individuellen Gesundheitszustand bis zu einem Jahr dauern. Wer diese Phase nutzt, um die Muskulatur in Bauch und Rücken langsam zu kräftigen, kann nachhaltig von der Operation profitieren. In der Physiotherapie und Reha erhalten Betroffene praktische Tipps und lernen unter Anleitung wie das Gelingen kann und was sie beachten sollten.


Die Rückkehr in den Beruf ist meist nach einigen Wochen wieder möglich. Der behandelnde Arzt entscheidet in Abhängigkeit der Tätigkeit, ab wann ein guter Zeitpunkt für die Rückkehr in den beruflichen Alltag ist. 

Meist erfolgt die Reha in der Aufbau- und Belastungsphase, also circa sechs bis zwölf Wochen nach dem operativen Eingriff. Sollten Lähmungserscheinungen bestehen, kann ein früherer Beginn der Reha sinnvoll sein. 


Für ältere Patientinnen und Patienten kann sich unter Umständen direkt nach der Operation eine geriatrische Reha anschließen. Ziel ist, die Selbstständigkeit im Alltag wiederherzustellen und zu erhalten. 

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