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Wirbelsäulen-Erkrankungen: Konservative Schmerztherapie

Nicht immer müssen Erkrankungen der Wirbelsäule operativ behandelt werden. Oft reichen konservative Schmerztherapien. Erfahren Sie, welche Möglichkeiten der Behandlung es gibt.

12.04.2022 Lesedauer: - Min. Aktualisiert am 17.03.2026
Medizinisch geprüft von Ute Mückshoff
Ultrasound and electrotherapy treatment for a young woman
Inhaltsverzeichnis

Was bedeutet konservative Therapie?

Unter einer konservativen Therapie versteht man die nicht-operative Schmerzbehandlung, die im Wesentlichen auf den drei Grundpfeilern der

  • medikamentösen Schmerztherapie,
  • physikalischen Therapie (Wärme/Kälte, Elektrotherapie, Massage) und
  • krankengymnastischen/ manualtherapeutischen Therapie basieren.

Diese kann auch durch invasiv-infiltrative Maßnahmen erweitert werden.

Multimodale Schmerztherapie

Patientinnen und Patienten mit chronischen Schmerzen, insbesondere am Stütz- und Bewegungssystem, werden im Rahmen eines multimodalen Behandlungsprogrammes betreut.

Die multimodale Schmerztherapie ist eine Sonderform der konservativen Therapie. Hierbei wird neben der üblichen konservativen Therapie auch Wert auf die psychische Komponente gelegt, die einen nicht unwesentlichen Beitrag zur Schmerzsymptomatik leisten kann. Ein wichtiger Baustein des Konzeptes der multimodalen Schmerztherapie ist die Schmerzedukation zum Verständnis der Zusammenhänge von Schmerz, Körper und Seele.

Ein interdisziplinäres Expertenteam aus verschiedenen Fachbereichen entscheidet über die Notwendigkeit der Behandlung und deren Behandlungsinhalte. Die Patientinnen und Patienten erhalten dann einen individuellen Behandlungsplan. Regelmäßige Patientenkontakte und Besprechungen des Behandlungsteams ermöglichen jederzeit eine Anpassung der Therapieinhalte.

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PRT (periradikuläre Therapie) und Facettengelenkinfiltration

Hierbei handelt es sich um eine invasive Schmerzbehandlung bei der unter Verwendung von bildgebenden Verfahren (Röntgen oder Computertomographie) dünne Injektionsnadeln in die Nähe der Nervenwurzeln der Wirbelsäule (PRT) oder an die Gelenke der Wirbelsäule (Facettengelenke) herangeführt werden. Nach der Lagekontrolle wird ein Schmerzmitteldepot eingespritzt.

Diese Behandlung ist sinnvoll, wenn Ihre Schmerzen nach gesicherter Diagnose (Computertomographie oder Magnetresonanztomographie) auf Verschleißerscheinungen der Wirbelsäule zurückzuführen sind. Und eine medikamentöse oder physikalische/physiotherapeutische Therapie (etwa Wärme, Massage, Bewegungsbehandlung, manuelle Therapie) keine weitere Verbesserung erbrachte sowie eine operative Behandlung nicht oder noch nicht indiziert ist.

Andererseits kann sie aber auch im Rahmen einer Stufendiagnostik vor einem operativen Eingriff zur genauen Lokalisierung des betroffenen Bewegungssegmentes dienen. Andererseits aber auch zur Abschätzung, was von einem operativen Eingriff erwartet werden darf.

Die Risiken eines solchen Eingriffes sind im Vergleich zu einer Operation sehr überschaubar und werden im Vorfeld des Eingriffes gezielt mit Ihnen besprochen.

Radiofrequenzablation oder Radiofrequenzthermokoagulation

Die Radiofrequenzablation bietet eine minimal-invasive und schonende Methode zur Behandlung von Schmerzen an der Wirbelsäule ausgehend von den kleinen Wirbelgelenken. Hierbei werden die schmerzleitenden Nervenfasern um die kleinen Wirbelgelenke durch punktgenaue Hitzeanwendung (Verödungen) ausgeschaltet.

Radiofrequenzablation (RFA)

Die Radiofrequenzablation (RFA) ist eine effektive Therapiealternative, besonders bei degenerativen Erkrankungen an der Wirbelsäule (durch Verschleiß) ausgehend von den kleinen Wirbelgelenken. Im Vorfeld des Eingriffes sollte allerdings eine Testblockade (Facetteninfiltration) des entsprechenden Wirbelsäulenabschnittes durchgeführt worden sein, um eine gewisse Erfolgsaussicht der Radiofrequenztherapie abschätzen zu können.

Der Eingriff wird unter Röntgenkontrolle und örtlicher Betäubung durchgeführt. Strahlenschäden sind hierbei nicht zu erwarten, da die verabreichte Strahlendosis durch das Röntgengerät sehr gering ist.

Sie liegen bei diesem Eingriff auf dem Bauch. Danach erfolgt die optimale röntgenologische Einstellung des zu behandelnden Wirbelsäulenabschnittes. Unter sterilen Bedingungen wird röntgenkontrolliert die Kanüle eingestochen. Die korrekte Lage der Kanülenspitze wird über einen schwachen Stromimpuls überprüft, wodurch eine Reizung der Nerven ausgelöst werden soll. Anschließend erfolgt die örtliche Betäubung dieser Nerven, sodass Sie dann die eigentliche Verödung nicht spüren sollten.

Die Risiken eines solchen Eingriffes sind im Vergleich zu einer Operation sehr überschaubar und werden im Vorfeld des Eingriffes gezielt mit Ihnen besprochen.

FAQ

Erkrankungen der Wirbelsäule, wie Rückenschmerzen oder ein Bandscheibenvorfall, müssen in den meisten Fällen nicht operiert werden. Oft helfen nicht-operative (konservative) Behandlungen.

 

Die konservative Therapie kommt unter anderem bei folgenden Beschwerden und Krankheitsbildern zum Einsatz:

 

  • Unspezifische Rückenschmerzen
  • Hexenschuss
  • Spinalkanalstenose
  • Fehlhaltungen
  • Bandscheibenvorfall ohne Lähmungen
  • Wirbelgleiten
  • Morbus Bechterew

Die Dauer ist individuell verschieden und hängt von der Ursache ab. Akute Rückenschmerzen bessern sich in der Regel innerhalb weniger Tage bis Wochen.

 

Bestehen die Beschwerden bereits längerer als zwölf Wochen gelten sie als chronisch. In diesem Fall kann die multimodale Schmerztherapie sinnvoll sein, bei der verschiedenen Fachbereiche zusammenarbeiten.

 

Ziel ist, die Beschwerden zu lindern, die Funktionalität zu verbessern und eine Operation möglichst zu vermeiden.  

Die konservative Therapie birgt mehrere Vorteile, darunter:

 

  • breites Behandlungsspektrum durch einen multimodalen Ansatz
  • langfristige Stärkung der Muskulatur durch krankengymnastische Übungen
  • besseres Verständnis, wie Schmerzen entstehen und wie man selbst aktiv gegensteuern kann
  • keine Operation und kein operationsbedingtes Risiko für Komplikationen
  • Verbesserung der Lebensqualität
  • Erhalt der Selbstständigkeit

 

Wichtig: Die Erfolgsaussichten der konservativen Therapie hängen von verschiedenen Faktoren ab, wie der Art und Schwere der Erkrankung, dem Alter und dem allgemeinen Gesundheitszustand.

Jeder operative Eingriff an der Wirbelsäule sollte gut begründet und auf die Notwendigkeit hin geprüft werden. Eine Operation kann notwendig sein, wenn die konservativen Maßnahmen aus Physiotherapie, Schmerzmitteln oder Injektionen keine ausreichende Linderung der Beschwerden bringen.

 

Zudem ist ein Eingriff bei Rückenschmerzen dringend erforderlich bei:

 

  • akuten neurologischen Ausfällen, wie einer plötzlichen Lähmung
  • Harn- und Darmentleerungsstörungen
  • Starken Schmerzen, die trotz hochdosierter Medikation nicht nachlassen
  • Gefühlsstörungen und Taubheitsgefühlen
  • Cauda-Syndrom (seltene Form des Bandscheibenvorfall mit Schädigung der Nervenwurzeln des unteren Rückenmarks)
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