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Inkontinenz nach Prostataektomie: Hilfe durch künstlichen Schließmuskel

Die eigene Wohnung wurde zum Isolationsort und Hobbys aufgegeben: Heino Petereit verlor immer mehr seine Lebensqualität. Heute traut man dem sportlichen Rentner dieses abgeschiedene Leben nicht mehr zu. Nach einem langen Leidensweg wollte sich der 66-Jährige seiner Harninkontinenz nicht fügen, sondern das Tabuthema behandeln lassen. Ein künstlicher Schließmuskel (auch artifizieller Sphinkter) war die einzige Lösung.

Patientenbericht Inkontinenz nach Prostata-OP

Inkontinenz nach Prostataektomie ein Erfahrungsbericht

Das Problem, den Urin nicht mehr halten zu können, kennen viele Menschen. Häufig haben Frauen mit zunehmendem Alter mit Blasenschwäche zu kämpfen. Bei Männern, so wie bei Heino Petereit, ist die Inkontinenz eine Nebenwirkung nach der radikalen Entfernung der Prostata. Nach dem Eingriff litt er unter permanentem und unwillkürlichem Harnverlust. „Jeder Gang vor die Tür wurde zur Qual. Die psychische Belastung war unerträglich“, beschreibt der Patient. „Ich hatte maximal 30 Minuten, um Dinge zu erledigen. Der Urin lief einfach völlig unkontrolliert.“

Aus Scham leiden Betroffene unnötig lange. „Oft geht es zunächst darum, die Hemmschwelle zu überwinden und das Thema offen anzusprechen. Eine Inkontinenz beeinträchtigt die Lebensqualität schwer, dennoch gehen neun von zehn Betroffenen nicht in eine ärztliche Praxis, obwohl wir gut 90 Prozent aller Patienten wieder eine gute Lebensqualität geben können“, sagt Dr. Rudi Abdunnur, Chefarzt der Klinik für Urologie und Kinderurologie im Helios Klinikum Schwelm. 

Helios Klinikum Schwelm

Chefarzt der Klinik für Urologie und Kinderurologie

Eine Inkontinenz beeinträchtigt die Lebensqualität schwer, dennoch gehen neun von zehn Betroffenen nicht in eine ärztliche Praxis, obwohl wir gut 90 Prozent aller Patienten wieder eine gute Lebensqualität geben können

Implantation eines künstlichen Schließmuskels

Patienten, deren Schließmuskel der Harnröhre völlig außer Funktion ist, kann mithilfe eines chirurgischen Eingriffs geholfen werden. Durch die Implantation eines künstlichen Schließmuskels kann die Kontinenz wiederhergestellt werden. Das Implantat besteht aus drei Komponenten: einer Kontrollpumpe, einem druckregulierenden Ballon und einer Manschette.

Operationsablauf eines artifiziellen Sphinkters

Das chirurgische System wird komplett in den Körper eingesetzt und übernimmt die Funktion eines intakten, gesunden Schließmuskels und bietet so eine Kontrolle über das Entleeren der Blase. Für diesen Mechanismus wird der Druckregulierungsballon in den Unterbauch operiert. Die Manschette wird um die Harnröhre gelegt und ist mit einer Pumpe verbunden, die in den Hodensack implantiert wird. Diese drückt die Harnröhre mit einem speziellen Polster zu und hält sie geschlossen, so dass der Urin nicht unkontrolliert entweichen kann. Zum Wasserlassen muss die im Hodensack befindliche Pumpe mehrmals betätigt werden. Die Blasenentleerung wird bei jedem Toilettengang manuell eingeleitet. Die Flüssigkeit fließt somit aus der Manschette, die Blockierung der Harnröhre wird geöffnet und der Urin kann aus der Blase fließen. Mit diesem Vorgang simuliert das Implantat durch das kontrollierte Öffnen und Schließen der Harnröhre die normale Funktion eines Schließmuskels. Die Patienten erhalten damit wieder ihre natürliche Blasenkontrolle. Die Wiederauffüllung der Manschette erfolgt dann automatisch.

Leben mit künstlichem Schließmuskel

Im Vorfeld der Operation informierte Dr. Rudi Abdunnur detailliert über den genauen Ablauf des Eingriffs und die Vorbereitungsmaßnahmen für Heino Petereit. „Zudem fanden Dr. Abdunnur und sein Team immer ein offenes Ohr für meine Gedanken“, so der Rentner. Letztlich halfen ihm Vertrauen und Zuversicht.
Die Entlassung nach Hause erfolgt mit dem noch inaktiven Sphinktersystem. Bis circa sechs Wochen nach der Operation musste Heino Petereit körperliche Anstrengungen und vor allem schweres Heben vermeiden. Nach dieser Heilungsphase kommt das Implantat unter ärztlicher Kontrolle erstmals zum Einsatz. „Und heute bin ich dichter als jemals zuvor“, beschreibt Heino Petereit sein neues Gefühl nach dieser Aktivierung lachend. „Zunächst muss man sich an das neue Vorgehen mit der Pumpe gewöhnen. Doch der Erfolg ist unbezahlbar. „Endlich kann ich wieder am Leben teilhaben und zum Fitnesstanzen gehen“, berichtet Petereit. 

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