Nicht alle Ursachen für blutigen Stuhlgang sind gefährlich

Blut im Stuhl – immer ein Alarmsignal?

Blut im Stuhl – immer ein Alarmsignal?

Blutiger Stuhlgang ist ungewöhnlich und sorgt bei den Betroffenen oft für Angst. Tatsächlich gibt es aber zahlreiche vergleichsweise harmlose Ursachen wie Hämorrhoiden, Afterrisse oder Entzündungen im Magen-Darm-Bereich, die Blutungen verursachen können.

Prof. Dr. Norbert Grüner ist Experte für Darm-Erkrankungen. (© Helios)

Prof. Dr. Norbert Grüner, Chefarzt der Abteilung für Gastroenterologie, Hepatologie, Hämato-Onkologie sowie Diabetologie und Leiter des Darmzentrums am Helios Amper-Klinikum Dachau, gibt einen Überblick, was Blut im Stuhl bedeuten kann.

Sichtbares Blut im Stuhl bei Erwachsenen

Viele Betroffenen schämen sich: Blut im Stuhl sollte allerdings immer ärztlich abgeklärt werden. (iStock/ dusanpetkovic)

Sichtbares Blut auf dem Stuhl (Fachbegriff Hämatochezie) wird immer als beunruhigend empfunden, obwohl es in der Regel nur kleine Spuren sind. Dabei kann sichtbares Blut im Stuhl – das oft erst am Toilettenpapier bemerkt wird - auch eine harmlose Ursache haben.

Sicherheit kann hier aber nur eine ärztliche Untersuchung bringen. „Betroffene sollten deshalb ihre Scham überwinden und bei blutigem Stuhl unbedingt immer ihren Hausarzt aufsuchen“, empfiehlt Prof. Dr. Grüner.

Mit zunehmendem Lebensalter steigt allgemein das Risiko für Erkrankungen. Parallel steigt auch das Blutungsrisiko im Magen-Darm-Trakt zum Beispiel durch bestimmte Medikamente, durch Divertikel im Dickdarm, verschiedene Darm-Entzündungen oder gut und bösartige Geschwulste und Tumore.

Die folgende Übersicht gibt einen ersten Anhaltspunkt, wann Blut im Stuhl auftreten kann.

Blutung im mittleren und unteren Verdauungstrakt

Blut im Stuhl kann unterschiedlich Ursachen haben. (© iStock/ AtlasStudio)

Farbe und Beschaffenheit von Blut im Stuhl gibt dem Fachmann Hinweise, wo das Blut im Verdauungstrakt austritt. Blut kann hell und dunkelrot oder schwarz sein. Die genaue Farbgebung hängt davon ab, wie viel Blut ausgetreten ist und ob das Blut bereits durch Magensäure zersetzt wurde.

Hellrotes Blut, das dem Kot beigemischt ist oder streifenförmig aufliegt, deutet auf relativ frisches Blut aus dem mittleren oder unteren Teil des Verdauungsapparates hin, da es nicht von Magensäure oder Darmbakterien umgewandelt wurde. Dieses aufgelagerte Blut nennt man Hämatochezie.

Hellrotes Blut im Stuhl und mögliche Ursachen


„Die Ursache für hellrotes Blut können vergleichsweise harmlose Hämorrhoiden sein. Das Auftreten von Blut im Stuhl sollte jedoch immer ärztlich abgeklärt werden, da auch tiefsitzende Tumore zum Abgang von hellrotem Blut führen können,“ sagt der Chefarzt Prof. Dr. Grüner. 

Hämorrhoiden im Analkanal haben in Deutschland den Rang einer Volkskrankheit. Schätzungen, wie viele Patienten betroffen sind, bewegen sich zwischen 50 und 70 Prozent, da wegen der Scham vieler Patienten von einer hohen Dunkelziffer auszugehen ist. 

Auch Analfissuren, kleine Risse am After, sind vergleichsweise häufig und führen zu blutigen Spuren auf der Ausscheidung. Während eine Analfissur eher schmerzhaft ist, sind Hämorrhoiden vor allem sehr unangenehm und bereiten der Patientin oder dem Patienten Juckreiz und Nässe am After.

Während und nach einer Magen-Darm-Infektion kann es in Einzelfällen ebenfalls zu blutigem Stuhlgang kommen. Die Darmschleimhaut wird dann von Bakterien oder Viren angegriffen und ist daher sehr gereizt. Neben anderen Symptomen wie Durchfall ist aus diesem Grund auch eine leichte Blutung möglich. 

Gründe für dunkelrotes Blut im Stuhl

Eine längere Antibiotika-Einnahme kann auch zu einer Dickdarmentzündung führen, die Durchfälle mit Blut verursachen kann. (© iStock/amphotora)

„Bei dunkelrot eingefärbtem Stuhl könnte hingegen eine stärkere Blutung im Dickdarm der Grund sein,“ bemerkt Prof. Dr. Grüner.

Divertikel sind Ausstülpungen der Dickdarmwand, die vor allem bei älteren Patienten auffällig sind. Bei 20% der Patienten mit Darm-Divertikel entzünden sich diese, was zu Blutbeimengungen führen kann. 

Auch Darmpolypen sind sehr häufig. Schätzungen gehen davon aus, dass jeder Zehnte Erwachsene mindestens einen Darmpolypen hat. Polypen sind Vorwölbungen der Darmschleimhaut, die in Einzelfällen auch bluten können. 

„Aus gutartigen Polypen kann gefährlicher, bösartiger Darmkrebs entstehen kann, deshalb ist eine medizinische Abklärung so wichtig“ erläutert der Leiter des Darmzentrums. 

Weitere Krankheitsbilder aus dem Dünn- oder Dickdarm, die zu Blutstuhl führen können sind:

  • Dünn- oder Dickdarmtumore. Tumore können, müssen aber nicht bösartig sein.
  • Auch chronische Darmerkrankungen können eine Ursache für blutigen Stuhlgang sein – Morbus Crohn und Colitis ulcerosa sind hier zu nennen. Auch diese Möglichkeit sollte immer medizinisch ausgeschlossen werden.
  • Nach einer längeren Antibiotika-Therapie kann es zu einer pseudomembranösen Kolitis kommen. Dabei handelt es sich um eine Dickdarmentzündung, die durch die Vermehrung bestimmter Darmbakterien ausgelöst wird. Auch hier sind starke Durchfälle, oft auch mit beigemischtem Blut, nicht selten.
  • Mesenterialinfarkt. Darunter versteht man einen akuten Verschluss eines Darmgefäßes, der schließlich zu einem Absterben des entsprechenden Darmabschnitts führt. Auch hier kann im Vorfeld – bei den meist sehr hoch betagten Patienten – Blut im Stuhl sichtbar werden.

Blutung im oberen Verdauungsapparat

Häufiges Erbrechen kann zu einem Riss der Schleimhaut führen und mit blutigem Stuhl einhergehen. (© iStock/monkeybusinessimages

Eine Blutung im oberen Magen-Darm-Trakt, zwischen Speiseröhre und Zwölffingerdarm, macht sich meist durch schwarzen Stuhlgang (Teerstuhl, Meläna) bemerkbar, denn Magensäure und Darmbakterien haben dann das Hämoglobin des Blutes bereits in schwarzes Hämatin oxidiert.

Schwarzes Blut im Stuhl – was dazu führen kann
Verantwortlich für Blutungen im oberen Verdauungstrakt sind häufig Magengeschwüre – ein zusätzlich schwarzes, kaffeesatzartiges Erbrechen kann hier ein weiteres Leit-Symptom sein.

 

Weitere Krankheitsbilder des oberen Verdauungstrakts, die mit blutigem Stuhl einhergehen können sind:

  • Zwölffingerdarmgeschwüre, deren Auslöser häufig eine Helicobacter Pylori-Infektion ist
  • Längere Einnahme bestimmter Medikamente wie beispielsweise Acetylsalicylsäure (ASS) zur Blutverdünnung
  • Chronisches Sodbrennen und eine dadurch angegriffene Schleimhaut der Speiseröhre
  • Bestimmte Erkrankungen der Leber
  • Häufiges Erbrechen, das zu einem Riss der Schleimhaut zwischen Magen und Speiseröhre führen kann
  • Magenkrebs kann ebenfalls eine Ursache für dunkel-blutigen Stuhlgang sein

Falscher Verdacht auf dunkel blutigen Stuhlgang

Bei dunklem Stuhl kann es auch zu Verwechslungen kommen, denn bestimmte Medikamente verursachen ebenfalls Teerstuhl. Eisentabletten und Lebensmittel wie Heidelbeeren, rote Bete oder Rotwein können die Ausscheidungen vorübergehend ebenfalls dunkel färben.

Unsichtbares (okkultes) Blut

Eine wichtige Methode der Darmkrebsvorsorge ist ein Stuhltest auf okkultes Blut. Nicht sichtbares Blut kann ein erstes Symptom für einen Darmtumor sein, da Tumore sehr viel leichter bluten als gesundes Gewebe. Tumore geben nur minimal Blut ab, so dass es mit bloßem Auge in der Regel nicht sichtbar mit einem immunologischen Stuhltest aber auch in sehr geringen Mengen nachweisbar ist.

Darmkrebsvorsorge: Immunologischer Stuhltest

Begleitend zur Vorsorge-Darmspiegelung wird in Deutschland für Männer und Frauen im Alter von 50 bis 54 Jahren der Stuhlbluttest als jährliche Kassenleistung angeboten. Ab einem Alter von 55 Jahren hat man in Deutschland alle zwei Jahre Anspruch auf einen immunologischen Stuhltest.

Liefert der Stuhltest Hinweise auf okkultes Blut, ist in der Regel immer eine zeitnahe Darmspiegelung nötig, um die genaue Ursache einer möglichen Blutung herauszufinden.

Darmkrebsvorsorge: Darmspiegelung

Die Darmspiegelung ist der sicherste Weg, um Darmkrebs rechtzeitig zu erkennen. (© iStock/romaset)

Bei Männern besteht ab einem Alter von 50 Jahren und bei Frauen ab einem Alter von 55 Jahren die Möglichkeit einer Vorsorge-Darmspiegelung als Kassenleistung. Bei Auftreten von Darmkrebs in der Familie kann der Zeitpunkt der ersten Vorsorge Darmspiegelung auch bereits deutlich früher sein. Die Darmspiegelung ist der sicherste Weg, um Darmkrebs rechtzeitig zu erkennen. Außerdem können bereits während der Untersuchung Polypen, also Vorstufen von Darmkrebs, entfernt werden. Das Risiko an Darmkrebs zu erkranken kann durch regelmäßige Vorsorge-Darmspiegelungen um über 90% reduziert werden. Alle zehn Jahre kann eine Darmspiegelung bei unauffälligem Befund als Kassenleistung wiederholt werden. Bei Nachweis von Polypen werden die notwendigen Untersuchungsintervalle vom behandelnden Gastroenterologen individuell empfohlen und liegen in der Regel zwischen 2-5 Jahren.

Was macht der Arzt bei blutigem Stuhlgang?

Blutiger Stuhlgang sollte immer medizinisch abgeklärt werden, um eine ernste Ursache auszuschließen. Darmkrebs wird in vielen Fällen noch immer sehr spät erkannt, da die Patienten lange Zeit beschwerdefrei und die ersten Symptome oft zunächst unspezifisch sind. Über die Notwendigkeit zur Magen und/oder Darmspiegelung kann der behandelnde Arzt anhand gezielter Fragen zur Krankengeschichte des Patienten entscheiden.  

Titelbild: © iStock/AtlasStudio