Abteilung für Anästhesie und Intensivmedizin

SOP Perioperatives Blutzuckermanagement

SOP Perioperatives Blutzuckermanagement

Diabetes mellitus, eine der Volkskrankheiten, fordert den aufmerksamen Anästhesisten. Worauf es beim Blutzuckermanagement ankommt und wie wir den Blutzuckerspiegel schonend beeinflussen, ist Thema dieser SOP.

1 Allgemeines

  • präoperative Voraussetzung = möglichst optimale Therapieeinstellung:
    • mittlerer Blutzucker-Zielbereich 6 - 10 mmol/l
    • keine Hypoglykämien < 5 mmol/l
  • präoperative Laboruntersuchungen:
    • Glukose
    • Na, K
    • Crea, Hast
    • Blutgasanalyse
    • Urinstatus nur bei Pat. mit erhöhtem HbA1c
  • geplante OP ggf. verschieben (bei Entgleisung, Nachweis von Azeton im Urin)
  • im kritischen Zustand mit unsicherer Resorption nach s.c.-Applikation (= Schock) Umstieg auf i.v.-Gabe; dazu Aufnahme auf Intensivstation

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2 Patienten mit Diabetes mellitus 1 oder 2 UND Insulin-Behandlung

  • präoperativ am Vortag: Insulin wie bisher
  • präoperativ am OP-Tag:
    • intensivierte Insulintherapie
    • konventionelle Insulintherapie
      • 50 % des Gesamtbedarfs als Basal-Insulin geben
  • Blutzuckermessungen im Tag/Nacht-Profil: 7, 12, 18, 21, 1, 3 Uhr; bei Entgleisen: stündlich
  • ab Nahrungsaufnahme: bisherige Therapie mit Normal-Insulin mit Korrektur wieder beginnen
  • wenn lediglich am postoperativen Abend eine Nahrungsaufnahme nicht möglich ist: jeweils Normal-Insulin nach Korrektur weiter (auch 0 Uhr) sowie Basal-Insulin abends wie bisher
  • bei kurzfristiger Nahrungskarenz: Insulin-Dosis auf 25 % reduzieren
  • solange eine Nahrungsaufnahme nicht möglich ist: Normal-Insulin-Gabe nur in Korrekturdosis (Korrektur ab 10 mmol/l)

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3 Patienten mit Diabetes mellitus 1 oder 2 OHNE Insulin-Behandlung

  • Metformin 48 h vor OP absetzen
  • Pause für Sulfonylharnstoffe und Glinide bei kompensiertem Diabetes mellitus 2 bis zur nächsten Nahrungsaufnahme
  • wenn nötig: dafür Normal-Insulin nach Korrektur früh, mittags, abends, ggf. auch 0 Uhr
  • Metformin 48 h nach OP wieder beginnen, übrige orale Antidiabetika zur Nahrungsaufnahme

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4 Korrekturregeln

  • wichtig: Blutzuckerspiegel (BZ) vor Insulin-Gabe messen und Normal-Insulin-Dosis um Korrektur-Dosis ergänzen!
  • 1 Kohlenhydrateinheit (KHE) = 10 g Glukose
Korrekturregeln Insulintherapie
BZ-WerteInsulindosierungen
BZ > 8 mmol/lzusätzlich 1 IE Normal-Insulin
BZ > 10 mmol/lzusätzlich 2 IE Normal-Insulin
BZ > 12 mmol/lzusätzlich 3 IE Normal-Insulin
BZ > 15 mmol/lzusätzlich 4 IE Normal-Insulin
BZ > 18 mmol/zusätzlich 5 IE Normal-Insulin
BZ < 5 mmol/l zusätzlich 2 KHE oder 2 IE Normal-Insulin weniger

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5 Therapie im Postaggressionsstoffwechsel

  • i.v.-Insulin-Gabe erforderlich
  • nach Überwinden des Postaggressionsstoffwechsels und ausreichender Mikrozirkulation: wiederholte s.c. Injektionen und prospektives Festlegen (wovon?) mit Korrekturen
  • ab 2. postoperativen Tag: Beginn Substratgabe (= Ernährung enteral/parenteral), Insulin weiter zum Erreichen des Zielblutzuckerspiegels von 6 - 10 mmol/l
    • intubierter Patient: Beginn innerhalb 12 h nach intensivpflichtigem Ereignis
    • wacher Patient: nach Patientenbedarf und chirurgischer Anordnung
  • gezielter Elektrolytersatz (Kalium!)

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6 Insulintherapie bei Intensivpatienten

  • Zielblutzuckerspiegel 6 - 10 mmol/l
  • Insulingabe als Normal-Insulin-Therapie mit Korrektur mindestens früh, mittags, abends
  • bei Diabetes mellitus 1 oder 2 mit Gabe von Basal-Insulin: dieses unverändert fortführen 

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7 Umstellen von i.v.- auf s.c.-Insulin

  • meist möglich, wenn < 4 IE Normal-Insulin/h i.v.
  • Verwenden von Normal-Insulin und Basal-Insulin
  • wenn bis 2 IE Normal-Insulin/h:
    • Umstellen nur auf Normal-Insulin (in 24 Std. applizierte Gesamtmenge im Verhältnis 2:1:1,5 s.c. als Normal-Insulin)
  • wenn > 2 IE Normal-Insulin/h:
    • Umstellen auf Basal-Insulin morgens und abends im Verhältnis 2/3 – 0 – 1/3 der 24h-Insulin-Menge sowie Normal-Insulin nach Wert
  • bei Diabetes mellitus 1:
    • s.c. Umstellung immer mit Basal-Insulin

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8 Glossar

Basal-InsulinProtaphane®, Lantus®
Basal-Insulin-Dosierungfestes Schema aus Basal-Insulin + 3x tgl. Normal-Insulin einschließlich Korrektur
Normal-InsulinActrapid®

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Stand, Kontakt, Haftung

Stand: 04.11.2019

Kontakt

Dr. med. Christian Icke

Chefarzt Anästhesie und Intensivmedizin
Dr. med. Christian Icke

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(036459) 5 2880