Der Morgen macht den Tag. Stimmt das?

Der Morgen macht den Tag. Stimmt das?

Wer kennt sie nicht – die Schokocreme mit dem Schwarz-Roten-Schriftzug. Von Kindern und Erwachsenen gleichermaßen geliebt, versüßt sie das Frühstücksbrötchen ebenso wie das Pausenbrot. Ins Leben gerufen von der Journalistin Sara Rosso, feiert der Schokoaufstrich jedes Jahr am 5. Februar weltweit seinen Ehrentag. Für uns Grund genug mal hinter die Facette zu blicken.

Obwohl es inzwischen zahlreiche Nuss-, Nougat- oder Schokoaufstriche mit leicht unterschiedlicher Zusammensetzung gibt, ist keine davon so beliebt wie Nutella®. Circa 250.000 Tonnen der Nuss-Nougat-Creme werden jährlich weltweit konsumiert. In 75 Ländern wird es vermarktet und schmeckt dabei nicht immer gleich. Je nach vorherrschendem Geschmack der Einwohner und ausgerichtet auf die regional üblichen Brotsorten enthält es entweder mehr Kakao oder Magermilchpulver.

Gesundes Frühstück

Sicherlich fallen euch aus dem Stehgreif auch die eine oder andere Nutella-Werbung ein. Über viele Jahre hinweg vermarktete sich Nutella als „nahrhaftes“, „gesundes“ Frühstück. „Begründet wurde diese Argumentation mit den enthaltenen Haselnüssen und der zugeführten Milch“, erklärt Franziska Meyer, Diplom-Ernährungswissenschaftlerin am Helios Park-Klinikum Leipzig. „Tatsächlich beinhaltet ein 450 Gramm-Glas 50 Haselnüsse, aber auch 56 Prozent Zucker und 32 Prozent Fett“, fügt sie hinzu.

Inhaltsstoffe Nutella

Nutella Inhaltsstoffe

Je nach Rezeptur weist die Nuss-Nougat-Creme einen Energiegehalt je 100 Gramm von 2150 kJ (514 kcal.) oder 2284 kJ (547 kcal.) auf.

Auf der Zutatenbeschreibung in Deutschland finden sich folgende Angaben:
56,3 Prozent Zucker, 32 Prozent Palmöl, 13 Prozent Haselnüsse, 8,7 Prozent Magermilchpulver, fettarmer Kakao, Emulgator Lecithine (Soja), Vanillin

Für einen Aufstrich, ungefähr 20 Gramm, ergeben sich nachstehende Nährwerte:

  • 109 kcal (Kalorien)
  • 11,4g Kohlenhydrate, davon 11,2g Zucker
  • 6,4g Fett
  • 1,3g Eiweiß
  • 0,7g Ballaststoffe (Tagesbedarf: 30g)
  • 1,6 mg Vitamin E (Tagesbedarf: 12 mg)
  • 90 mg Kalium (Tagesbedarf: 4.000 mg)
  • 25,6 mg Calcium (Tagesbedarf: 1.000 mg)
  • 35 mg Phosphor (Tagesbedarf: 700 mg)
  • 15,8 mg Magnesium (Tagesbedarf: 300 mg)
  • 8 mg Natrium (Tagesbedarf: 1.400 mg)
  • 0,5 mg Eisen (Tagesbedarf: 10-15 mg)

Als Ernährungswissenschaftlerin weist Franziska Meyer daraufhin, dass ein hoher Zucker- und Fettkonsum mit einer Verfettung der Leber (der sogenannten nicht-alkoholischen Fettleber) und Herz-Kreislauf-Erkrankungen assoziiert ist. Zudem erhöht sich das Risiko, Diabetes mellitus Typ 2 und Krebserkrankungen zu entwickeln. Auch negative Auswirkungen auf Gehirnzellen, die Darmgesundheit sowie das Immunsystem sind bereits wissenschaftlich belegt.

Und doch möchten wir nicht darauf verzichten

Doch auch die Ernährungsexpertin möchte den Konsum der Schokocreme nicht schlecht reden.

Es geht – wie bei allen Dingen im Leben – um das Maß. Gegen diesen Schokoladen-Aufstrich ab und zu – vor allem am Morgen – ist bei einer ansonsten ausgewogenen, ballaststoff- und rohkostreichen Ernährung sowie ausreichend Bewegung nichts einzuwenden.

Franziska Meyer Ernährungswissenschaftlerin Park-Klinikum Leipzig

Palmöl im Nutella – ökologisch bedenklich und krebserregend

Medial immer wieder diskutiert, ist das im Nutella enthaltene Palmöl. „Es besteht zu 80 Prozent aus gesättigten Fetten und hat einzigartige positive Eigenschaften: Es ist hitzebeständig, geschmacksneutral und oxidationsstabil, wird also nicht schnell ranzig“, erläutert Franziska Meyer. Neben Kokosfett ist es damit das einzige pflanzliche Fett, das bei Raumtemperatur eine feste Konsistenz hat. Hinzu kommt, dass Ölpalmen besonders ertragreich sind. Im Vergleich zu den heimischen Ölpflanzen Raps, Sonnenblume oder Soja liefern sie bei gleicher Anbaufläche fünf bis zehn Mal so viel Öl. Dies führt zu weniger Anbaufläche je erzeugter Menge Öl und damit geringeren Kosten.

Das Problem liegt im notwendigen Anbaugebiet: Die hohen Ölerträge können nur in Gebieten mit hohem Niederschlag und überproportional hoher Sonneneinstrahlung erreicht werden. Deshalb wird Palmöl in tropischen Regionen produziert. Bei der Ausweitung der Palmölproduktion wurden in der Vergangenheit u. a. Regenwälder gerodet, Torfmoore trockengelegt und Lebensräume zahlreicher Tierarten eingeschränkt. Ökologisch ist es daher kritisch zu bewerten.

Allerdings fällt es schwer Alternativen zu finden. Um dieselbe Menge andere Öle und Fette zu erhalten, bedarf es ein Vielfaches an Anbaufläche. Allein dadurch würden deutlich mehr Treibhausgase entstehen, was unter Nachhaltigkeitsgesichtspunkten nicht anzustreben ist. Es geht also auch beim Thema Nachhaltigkeit wieder um das Maß des Konsums.

Durch die Verdauung wird Glycidol freigesetzt, welches von der Weltgesundheitsorganisation als „wahrscheinlich krebserregend beim Menschen“ eingestuft wurde.

Zugleich steht das Palmöl auch unter Verdacht, krebserregend zu sein. „Hintergrund hierfür“, so Franziska Meyer, „ist die Bildung von Fettsäureester bei der Raffination von Pflanzenölen. Durch die Verdauung wird Glycidol freigesetzt, welches von der Weltgesundheitsorganisation als „wahrscheinlich krebserregend beim Menschen“ eingestuft wurde. Diese Fettsäureester sind also nicht nur im Palmöl, sondern auch in anderen Speiseölen enthalten – wenn auch nicht in den hohen Konzentrationen, wie sie in Palmölen und Palmfetten gefunden wurden. Es gilt: Je schlechter das Pflanzenöl raffiniert ist, umso stärker kann das Öl mit den Fettschadstoffen belastet sein. Allerdings hat die Europäische Union im Jahr 2018 Grenzwerte für Glycidyl-Fettsäureester festgelegt. Somit ist der Verzehr von Nutella im Hinblick auf diese genotoxischen Substanzen unbedenklich.

Zusatz:

Lasst euch damit euer Frühstück schmecken – wie gesagt: Immer auf das Maß achten!

Wer dennoch nach einer gesunden, nachhaltigen Nutella-Alternative Ausschau hält, für den haben wir hier noch ein verlockendes Rezept.

kochmuetze

Schoko-Nuss-Creme

Für ein kleines Glas benötigst du folgende Zutaten:

  • 120 g Haselnüsse, Mandeln, Walnüsse oder einen Nussmix nach Geschmack, alternativ Nussmus (am besten Haselnussmus)
  • 80 g Datteln ohne Stein – alternativ 100 g Honig
  • 20 g Rohkakao-Pulver
  • 1 Prise Salz
  • 1 Prise geriebene Vanilleschote oder etwas Zimt (optional)

Und so bereitest du die Schoko-Nuss-Creme zu:

  1. Backofen auf 180 Grad Ober- und Unterhitze vorheizen.
  2. Datteln mit heißem Wasser übergießen und für 10 min einweichen. Währenddessen Nüsse im Ofen für ca. 10 min anrösten.
  3. Eingeweichte Datteln in ein Sieb abgießen, Einweichwasser auffangen.
  4. Nüsse im Mixer zu einem feinen Mus pürieren, am besten in kurzen Mix-Etappen mit Pausen dazwischen.
  5. Datteln, Kakao und Salz hinzugeben und mitpürieren.
  6. Nach und nach das Einweichwasser hinzugeben, bis die gewünschte Konsistenz erreicht ist.
gluehbirne

Der die oder das Nutella: Wie heißt es richtig?

In diesem Punkt streiten sich die Geister. Von der Marke Ferrero gibt es hierzu kein Statement. Sicher ist:

  • Die Bezeichnung Nutella ist eine Zusammensetzung aus dem englischen Wort für Nuss „nut“ und der italienischen Endung „-ella“, was eine feminine Verkleinerungsform ist. Somit müsste es heißen: „die“ Nutella.
  • Allerdings ist „Nutella“ ein Markenname. Darauf bezogen ist es „das“ Nutella.
  • Zugleich heißt es „der“ Brotaufstrich, wodurch auch die maskuline Form richtig wäre.

Damit bleibt es wohl jedem selbst überlassen, welchen Artikel er verwenden möchte. Im Duden sind alle drei Artikel verzeichnet. So kann es also „der“, „die“ oder „das“ Nutella heißen.