Schmerzen unterer Rücken: Ursachen und Behandlung
Wann sollten Sie zum Arzt?

Schmerzen unterer Rücken: Ursachen und Behandlung

Volkskrankheit Rückenschmerzen. Im Laufe des Lebens macht fast jeder einmal Bekanntschaft mit Schmerzen im Rücken. Art und Ausmaß der Beschwerden können dabei sehr unterschiedlich sein.

Woher kommen Schmerzen im unteren Rücken?

Junge Frau fasst sich schmerzlich an unteren Rücken
Rückenschmerzen sind am häufigsten im unteren Rücken | Foto: Canva

Rückenschmerzen sitzen am häufigsten im unteren Rücken. Die Lendenwirbelsäule (LWS) ist anfälliger für Verletzungen und Schädigungen als die Hals- und Brustwirbelsäule.

"Ursachen für Schmerzen im Rücken sind beispielsweise Übergewicht, Bewegungsmangel, Stress oder ein Bandscheibenvorfall", so PD Dr. Dr. Terzis. Zudem können sie auch immer als Warnfunktion auf eine Entzündung oder Verletzung hindeuten, aber auch diverse weitere Ursachen haben.

"Bei anhaltenden Problemen im unteren Rückenbereich können chronische Schmerzen entstehen, die sich zu einem eigenen Krankheitsbild entwickeln. Dazu zählen etwa ein Hexenschuss, also das akute LWS-Syndrom, eine Reizung des Ischias-Nervs oder Osteoporose", so PD Dr. Dr. Terzis.

Ursachen für Schmerzen im Rücken sind beispielsweise Übergewicht, Bewegungsmangel, Stress oder ein Bandscheibenvorfall.

PD Dr. Dr. A. Jorge A. Terzis, Chefarzt und Experte für Neurochirurgie und Wirbelsäulenchirurgie

Rückenschmerzen je nach Dauer

Die Einteilung der Schmerzen in akut, subakut und chronisch basiert darauf, wie lange die Patientin oder der Patient bereits Symptome beziehungsweise Schmerzen hat.

Akute Rückenschmerzen

"Von akuten Rückenschmerzen sprechen wir, wenn diese zum ersten Mal oder nach mindestens sechs schmerzfreien Monaten auftreten. Die Beschwerden halten maximal sechs Wochen an", so PD Dr. Dr. Terzis.
Bei vielen Betroffenen bessern sich die akuten Schmerzen im Rücken innerhalb weniger Wochen.

Subakute Rückenschmerzen

Wenn die Rückenschmerzen länger als sechs Wochen bis maximal drei Monate anhalten, gelten sie als subakut. Diese Form der Schmerzen bildet den Übergang zwischen akut und chronisch verlaufenden Erkrankungen.

Chronische Rückenschmerzen

"Chronische Rückenschmerzen sind Schmerzen, die länger als 12 Wochen andauern. Es handelt sich um rezidivierende, also wiederkehrende Schmerzen, bei denen die Schmerzintensität in dieser Zeit variieren und mal stärker und mal schwächer ausfallen kann", so PD Dr. Dr. Terzis. Mit zunehmenden Alter treten chronische Rückenschmerzen häufiger auf.

"Oftmals gehen chronische Rückenschmerzen mit zusätzlichen Erkrankungen, sogenannten Komorbiditäten einher. Etwa verschleißbedingte und entzündliche Gelenkerkrankungen, Osteoporose, Schlaganfall, Herzschwäche, Depressionen oder auch mit starkem Übergewicht", so PD Dr. Dr. Terzis.

Die meisten Beschwerden sind nicht-spezifische Rückenschmerzen.

PD Dr. Dr. A. Jorge A. Terzis, Chefarzt und Experte für Neurochirurgie und Wirbelsäulenchirurgie

Rückenschmerzen je nach Ursache

Rückenschmerzen lassen sich je nach Ursache in zwei Kategorien einteilen: spezifische und nicht-spezifische Rückenschmerzen.

Spezifische Rückenschmerzen:

Die Ursache der Rückenschmerzen ist eindeutig feststellbar. Sie muss aber nicht im Bereich der Wirbelsäule liegen. Oft sind Erkrankungen anderer Organe der Grund für die Beschwerden im Rücken.  

Mögliche Ursachen von spezifischen Rückenschmerzen sind unter anderem:

  • Muskelverspannungen
  • Blockaden der Wirbel
  • Bandscheibenvorfall
  • Verschleiß der Wirbelsäule
  • Osteoporose
  • Schwangerschaft
  • Gürtelrose
  • Akute Prostataentzündung
  • Nierenbeckenentzündung
  • Nierensteine
  • Brustenge
  • Herzinfarkt
  • Lungenentzündung
  • Wirbelsäulen- und Rippentumor

Nicht-spezifische Rückenschmerzen:

Der Arzt kann keine eindeutige Ursache für die Beschwerden finden. "Die Mehrheit der Beschwerden ist den nicht-spezifischen Rückenschmerzen zu zuschreiben", so Dr. Dr. Terzis.

Was hilft gegen Schmerzen im unteren Rücken?

Mann mit Brille im Arztkittel hält abbildung einer Wirbelsäule
PD Dr. Dr. Terzis weiß, was der Wirbelsäule gut tut | Foto: Helios

Wer über starke Schmerzen im unteren Rücken klagt, kann neben der Behandlung durch Ärzte und Physiotherapeuten aber auch durch Präventionsmaßnahmen unterstützen. PD Dr. Dr. Terzis hat Tipps, worauf Betroffene achten sollten:

  1. Ausreichend Bewegung im Alltag und aktive Pausen in den Tagesablauf integrieren
  2. Einseitige Belastungen möglichst vermeiden
  3. Übergewicht reduzieren, um anhaltenden Rückenschmerzen entgegenzuwirken

"Früher war die allgemeine Ansicht weit verbreitet, sich bei Rückenschmerzen zu schonen, doch heute weiß man, dass Bewegung das A und O ist. Durch sie wird die Durchblutung gefördert und Verspannungen in der Muskulatur gelockert", sagt PD Dr. Dr. Terzis.

Betroffene sollten immer dann einen Arzt aufsuchen, wenn ihre Lebensqualität durch die Schmerzen stark eingeschränkt wird und die Beschwerden mehrere Tage in Folge anhalten.

weiß Chefarzt PD Dr. Dr. A. Jorge A. Terzis, Experte für Neurochirurgie und Wirbelsäulenchirurgie

Ab wann muss ich bei Rückenschmerzen zum Arzt?

Oft stecken relativ harmlose Ursachen hinter den Kreuzschmerzen, etwa Muskelverspannungen durch falsche Körperhaltung oder unzureichende Bewegung.

"Betroffene sollten immer dann einen Arzt aufsuchen, wenn ihre Lebensqualität durch die Schmerzen stark eingeschränkt wird und die Beschwerden mehrere Tage in Folge anhalten", so PD Dr. Dr. Terzis. "Das gilt auch, wenn sich ein Taubheitsgefühl in den Beinen bemerkbar macht", ergänzt der Experte.

PD Dr. Dr. Terzis empfiehlt zudem, einen Arzt aufzusuchen, wenn es sich um untypische, anhaltende oder zunehmende Rückenschmerzen handelt.

Wie sieht eine Untersuchung am unteren Rücken aus?

Der wichtigste Punkt bei der Untersuchung von Schmerzen im unteren Rücken ist die korrekte Anamnese. Dazu stellt der Arzt dem Patienten konkrete Fragen: Wo und wann tritt der Schmerz auf? Seit wann bestehen die Schmerzen? Was verstärkt oder lindert die Beschwerden? Wurden Schmerzmittel eingenommen?

Im nächsten Schritt folgt die körperliche Untersuchung. Hierbei achtet der Arzt sowohl auf die Körperhaltung als auch auf die Form der Wirbelsäule, Muskelverhärtungen, Beweglichkeit, Muskelkraft und Reflexe. Zudem werden seelische und berufliche Belastungen miteinbezogen, die sich auf den Krankheitsverlauf auswirken können.

Ein MRT (Magnetresonanztomographie) der Lendenwirbelsäule kann dabei helfen, die genaue Ursache für die Schmerzen zu finden. Es ermöglicht dem Arzt, sich anhand der Aufnahmen ein genaues Bild von der Wirbelsäule zu machen.

Auf die Psyche achten

Der Verlauf von Rückenschmerzen kann zudem durch psychische Faktoren beeinflusst werden. Darunter fallen etwa Denk- und Verhaltensmuster, die Rückenschmerzen begünstigen oder verstärken. Rückenschmerzen sind bei Depressionen neben Schlafstörungen ein häufiges körperliches Symptom.

"Wenn körperlich alles stimmt, die Rückenschmerzen aber nicht mehr weggehen, lohnt ein Blick auf die Psyche, da sie bei Rückenproblemen eine große Rolle spielen kann", so PD Dr. Dr. Terzis.

Bei der Anamnese sollten auch psychosoziale Risikofaktoren wie Stress, Konflikte am Arbeitsplatz oder die Neigung zu Depressionen besprochen werden. Dadurch lässt sich einschätzen, wie groß das Risiko für chronische Rückenschmerzen ist.

Wenn körperlich alles stimmt, die Rückenschmerzen aber nicht mehr weggehen, kann die Psyche verantwortlich sein.

PD Dr. Dr. A. Jorge A. Terzis, Chefarzt und Experte für Neurochirurgie und Wirbelsäulenchirurgie

Wie sieht eine Therapie bei unteren Rückenschmerzen aus?

Person wird massiert am Rücken
Häufig helfen konservative Therapien wie Massagen | Foto: Canva

"Meistens raten Experten zu konservativen Therapien, wie Physiotherapie, Massage sowie Kälte- oder Wärmeanwendungen", so PD Dr. Dr. Terzis.

Sollten diese Therapieformen nicht helfen, kommen minimalinvasive Injektions- oder Infiltrationsbehandlungen infrage. Allerdings ist bei Operationsindikationen Vorsicht geboten: "Geht es einzig und allein nur um die Reduzierung des Rückenschmerzes, kann der Arzt dem Patienten keine Garantie auf Erfolg geben", sagt PD Dr. Dr. Terzis. Sollte jedoch eine Schädigung am Rücken zu gravierenden Nervenausfällen beim Patienten führen, ist eine Operation häufig das letzte Mittel.

Dies ist vor allem in der Neurochirurgie beim Bandscheibenvorfall oder bei der Spinalkanalstenose häufig der Fall. So muss nicht jeder Bandscheibenvorfall, der auf dem MRT-Bild zu sehen ist oder der schmerzt, zwingend operiert werden. Leichte Nervenausfälle werden meistens erst einmal toleriert. Oft lassen die Rückenschmerzen innerhalb der ersten Tage oder Wochen nach.

Übungen gegen Schmerzen im unteren Rücken

Insbesondere die Bauch- und Rückenmuskulatur sollte mit Hilfe angeleiteter Physiotherapie gestärkt werden, wenn Beschwerden im unteren Rücken vorliegen.

"Leichte Dehnungsübungen und eine Entspannung der Rückenmuskulatur können die Schmerzen nachhaltig lindern", sagt Dr. Dr. Terzis.

Zudem sollten Betroffene ihre Rückenmuskulatur bei der tagtäglichen Aktivität konsequent schonen:

Rücken schonen – so geht's

  • Richtig bücken, heben und tragen: Gehen Sie beim Hochheben und Abstellen von Lasten immer in die Knie und halten Sie den Rücken gerade. Beim Tragen sollten Sie die Last nahe am Körper halten.
  • Rückenfreundlicher Arbeitsplatz: Achten Sie darauf, dass Ihr Arbeitsplatz ergonomisch gestaltet ist. Also die Arbeitshöhe und Sitzhöhe sich an die Körpergröße anpassen, die Beine genug Bewegungsspielraum haben und Sie eine natürliche Körperhaltung einnehmen können.
  • Übungen gegen Rückenschmerzen: Kräftigen Sie Ihren Rücken durch spezielle Übungen, die Sie zum Beispiel in der Rückenschule oder bei der Physiotherapie lernen.
  • Entspannungsverfahren: Atmen Sie durch und finden Sie Ruhe durch Autogenes Training und Meditation oder beim Yoga, Qi Gong und Tai-Chi. Letztere bitte nur unter Anleitung.
  • Wärmebehandlung: Entspannen Sie die Muskulatur mit Wärme, etwa mit einer Wärmflasche, Wärme- oder Fangopackungen. Gerade bei nicht-spezifischen Schmerzen bringt dies Linderung der Rückenschmerzen.

Zu welchem Arzt bei Schmerzen im unteren Rücken?

Wer über anhaltende Schmerzen im unteren Rücken klagt, sollte einen Neurochirurgen oder Orthopäden aufsuchen, der auf die Wirbelsäule spezialisiert ist. Auch Schmerztherapeuten sind bei speziellen Fällen die richtigen Ansprechpartner.

Rückenschmerz ist nicht gleich Rückenschmerz

Rückenschmerzen entstehen vor allem durch strapazierte Muskeln und Bänder. Aber auch durch den Verschleiß der Wirbelsäule und Bandscheiben. Häufig sitzt die Pein im unteren Rücken. Wichtig ist, die Ursache der zum Teil starken Rückenschmerzen zu finden. Häufig handelt es sich um unspezifische Rückenschmerzen, die meist von selbst wieder verschwinden. Bei länger anhaltenden Rückenschmerzen und Verspannungen im unteren Rücken sollte ein Arzt aufgesucht werden.