Restless Legs Syndrom: Auf einen Blick
- RLS ist eine häufige neurologische Erkrankung mit starkem Bewegungsdrang der Beine.
- Typische Beschwerden sind u. a. Kribbeln, Ziehen, Brennen und Unruhegefühl in den Beinen.
- Die Beschwerden treten in Ruhe vor allem am Abend oder in der Nacht auf und bessern sich bei Bewegung.
- Schlafstörungen, gedrückte Stimmung und Erschöpfung zählen zu den häufigsten Folgen.
- Sowohl konservative Maßnahmen als auch eine medikamentöse Therapie sind bei starken Beschwerden möglich.
Was ist das Restless Legs Syndrom?
Das Restless Legs Syndrom (RLS) ist eine häufige neurologische schlafbezogene Bewegungsstörung. Sie äußert sich durch einen starken Bewegungsdrang der Beine, ausgelöst durch Missempfindungen wie zum Beispiel Kribbeln oder Stechen.
Die Beschwerden treten in Ruhe auf. Besonders ausgeprägt sind sie abends und nachts. Bewegung bessert die unangenehmen Empfindungen, in Ruhe kehren sie aber wieder zurück.
Auch wenn vermehrt ältere Menschen betroffen sind, beginnen bei manchen Betroffenen die Symptome bereits im 3. oder 4. Lebensjahrzehnt.
Beeinträchtigung des Nachtschlafs
Viele Betroffene können durch den starken Bewegungsdrang und die Missempfindungen kaum ein- und durchschlafen. Sie fühlen sich oft erschöpft und in ihrer Lebensqualität eingeschränkt.
Gedrückte Stimmung, Müdigkeit und Erschöpfung sind oftmals die Folge. Die Beschwerden können so stark sein, dass der soziale Alltag und das Berufsleben beeinträchtigt sind.
Schon gewusst?
Rund 15 Prozent aller klinisch relevanten Schlafstörungen werden durch das Syndrom unruhiger Beine verursacht. Frauen sind doppelt so häufig von der Erkrankung betroffen wie Männer.
Ursachen des Restless Legs Syndroms
„Die genaue Ursache des Restless Legs Syndroms ist bislang nicht abschließend geklärt. Man geht von Störungen des Eisen-, Dopamin- und Opiatstoffwechsels im Gehirn aus. Dies spiegelt sich auch in medikamentösen Therapieansätzen wider“, sagt Frank Schilling, Leitender Oberarzt und Facharzt für Neurologie im Helios Klinikum Meiningen.
RLS-ähnliche Beschwerden können im Zusammenhang mit zahlreichen anderen Erkrankungen oder Zuständen auftreten. Dazu zählen:
- Harnvergiftung (Urämie)
- Polyneuropathien (zum Beispiel bei Diabetes mellitus)
- Blutarmut durch Eisenmangel
- Schilddrüsenerkrankungen
- rheumatische Erkrankungen
- Angststörung, Depression, Demenz
- Schwangerschaft
- als Nebenwirkung zahlreicher Medikamente
Bestimmte Risikofaktoren können die Beschwerden zusätzlich verstärken:
- genetische Faktoren
- Erschöpfung
- Alkoholkonsum vor dem Schlaf
- warmes Wetter im Sommer
Was sind typische RLS Symptome?
"Das Restless Legs Syndrom führt zu unangenehmen Missempfindungen in Füßen und Waden wie Kribbeln, Reißen oder Brennen. Linderung finden Betroffene, wenn sie ihre Beine bewegen", sagt Facharzt Schilling. Die Symptome treten vor allem abends und in der Nacht auf, wodurch der Schlaf gestört ist.
In seltenen Fällen können die Beschwerden auch an den Armen, an Rumpf und Kopf auftreten.
Typische Empfindungen sind:
- Kribbeln
- Ziehen
- Pochen
- Stechen
- Jucken
- Hitzegefühl
- Schmerzen
Wie wird das Restless Legs Syndrom diagnostiziert?
Zunächst findet ein ausführliches Gespräch zu Ihrer Krankengeschichte, den Beschwerden und der Familienanamnese statt.
Ärztinnen und Ärzte beurteilen das Vorliegen eines RLS anhand von fünf anerkannten Kriterien:
- Ein starker Drang, die Beine zu bewegen, oft begleitet oder ausgelöst durch Missempfindungen wie Kribbeln, Ziehen, Pochen oder einem Unruhegefühl in den Beinen.
- Beschwerden, die beginnen oder sich verschlechtern durch Ruhe und Inaktivität, z. B. Sitzen oder Liegen.
- (vorübergehende) Besserung der Beschwerden durch Bewegung, etwa durch Gehen, Massieren oder Strecken.
- Die Beschwerden treten nur abends oder in der Nacht auf oder verschlechtern sich zu diesen Tageszeiten.
- Es gibt keine Erklärung der Beschwerden durch andere Erkrankungen und Zustände.
Zusätzlich findet eine Blutuntersuchung statt, mit der sich unter anderem der Eisenstatus, die Schilddrüsenwerte sowie Leber- und Nierenwerte bestimmen lassen.
Darüber hinaus müssen Ärztinnen und Ärzte andere mögliche Erkrankungen für die Beschwerden ausschließen. Dazu gehören:
- Muskelschmerzen (Myalgie)
- venöse Stauungen
- Wassereinlagerungen in den Beinen
- Arthritis
- Beinkrämpfe
- Beschwerden durch eine bestimmte Körperhaltung
- gewohnheitsmäßiges Wippen mit den Füßen
Eine Untersuchung zur Diagnose von Schlafstörungen (Polysomnographie) im Schlaflabor wird nicht standardmäßig durchgeführt. In der Regel ist sie nur sinnvoll, wenn es Hinweise auf zusätzliche Erkrankungen gibt.
Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es bei RLS?
Die Therapie bei RLS richtet sich immer nach den individuellen Beschwerden der Patientinnen und Patienten. Ziel ist, die Beschwerden möglichst zu lindern, um den Alltag und Schlaf zu verbessern.
Basismaßnamen:
Erste Maßnahmen zielen zunächst auf die auslösenden Faktoren ab. Liegt eine Begleiterkrankung vor, sollte diese behandelt werden.
Begünstigt die Einnahme bestimmter Medikamente hingegen die Beschwerden, sollten diese geprüft und gegebenenfalls durch andere Medikamente ersetzt werden. Wichtig: Medikamente sollten nie ohne ärztliche Rücksprache abgesetzt werden.
Eine ausgewogene Ernährung, die ausreichend Eisen enthält, ist ebenfalls relevant. Eisenhaltige Lebensmittel sind beispielsweise Hülsenfrüchte, Nüsse und Samen, aber auch Rindfleisch, Ente, Vollkornbrot, Haferflocken. Um die Eisenaufnahme zu fördern, ist Vitamin C unverzichtbar. Größere Mengen finden sich in Paprika, Brokkoli sowie in Zitrusfrüchten. Eine eisenreiche Ernährung ersetzt bei einem diagnostizierten Eisenmangel jedoch keine verordnete Eisentherapie.
Bewegung und Massagen können als begleitende Maßnahmen ebenfalls unterstützend wirken.
Medikamente:
Schränken die Beschwerden den Alltag und Schlaf stark ein, können Medikamente verordnet werden.
Bei einem vorliegenden Eisenmangel sind Eisentabletten oder Eisen-Infusionen Mittel der Wahl:
- Liegt der Ferritin-Wert (Eisenspeicher) im Blut unter 75 Mikrogramm je Liter, werden in der Regel Eisentabletten verschrieben.
- Sollte sich kein Anstieg des Eisenstatus einstellen, es zu Unverträglichkeiten kommen oder die Transferrin-Sättigung (Wert, der zeigt, wie viel Eisen im Blut transportiert wird) bei unter 20 Prozent liegen, kann Eisen als Infusion gegeben werden.
Bleiben die Beschwerden trotz Eisenzufuhr bestehen oder sind die Eisenwerte unauffällig, können Dopamin-Agonisten infrage kommen. Sie ahmen den Botenstoff Dopamin in seiner Wirkweise im Gehirn nach.
Auch die Gabe von sogenannten Gabapentinoiden mit den Wirkstoffen Gabapentin oder Pregabalin ist vor allem bei schmerzhaften RLS und/oder einer Angststörung als Begleiterkrankung empfohlen. Allerdings handelt es sich hierbei um einen Off-Label-Use, da die Medikamente nicht für die Behandlung des Restless Legs Syndroms zugelassen sind.
Opioide können laut Leitlinie als Behandlung zweiter Wahl verordnet werden, wenn die anderen Therapien nicht anschlagen oder eine Verschlechterung eingetreten ist. Sie sind jedoch nicht risikoarm, sodass eine enge Kontrolle erforderlich ist.
Was können RLS-Betroffene selbst tun?
Es gibt ein paar Selbsthilfe-Maßnahmen, um die Beschwerden zu reduzieren. Wie gut welche Strategie funktioniert, ist individuell verschieden.
Das kann helfen:
- Wechselduschen
- kalte oder warme Fußbäder
- kalte Beinwickel
- Infrarotlicht-Therapie
- Beine einreiben mit kühlenden Salben und Gelen
- Massagen der Beine mit Noppen- oder Massagebürsten
- Dehnen sowie regelmäßige sportliche Aktivität (z.B. Yoga, Pilates)
- ausgewogene, gesunde Ernährung (eisenreich, z. B. rotes Fleisch, Hülsenfrüchte)
- Stress reduzieren und Entspannungstechniken anwenden
- Verzicht auf Nikotin, Alkohol, Kaffee
Folgen des gestörten Schlafes durch RLS
„Die Krux der Erkrankung liegt darin, dass die Beschwerden genau dann verstärkt auftreten, wenn sich Körper und Geist nach Entspannung und Ruhe sehnen. Doch genau dann lässt der Bewegungsdrang, mit dem viele Betroffene tagsüber den Symptomen zumindest teilweise entgegenwirken können, kaum erholsamen Schlaf zu“, erläutert der Facharzt.
Folgen des chronisch gestörten Schlafes können sein:
- Tagesmüdigkeit
- Konzentrationsstörungen
- Leistungsschwäche
- Reizbarkeit
- Depressivität
Das Restless Legs Syndrom beeinträchtigt häufig die Lebensqualität und erhöht das Risiko für müdigkeitsbedingte Verkehrs- und Arbeitsunfälle.
„Erkennen Sie sich also mit den geschilderten Symptomen wieder, zögern Sie nicht, Ihre hausärztliche Praxis über Ihren Verdacht zu informieren und bitten Sie ihn um eine Überweisung in eine neurologischen Praxis“, sagt Oberarzt Frank Schilling.
FAQ
Wenn Sie den Verdacht auf Restless Legs haben, können Sie sich zunächst an Ihre hausärztliche Praxis wenden. Von dort können Sie an Fachpraxen der Neurologie und/oder Schlafmedizin überwiesen werden.
In einer Studie wurde unter anderem die Wirksamkeit von Magnesium für die Linderung der RLS-Symptome untersucht. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass die Einnahme von Magnesium vorteilhaft sein kann und die Schwere der Beschwerden verringern sowie die Schlafqualität verbessern kann.
Derzeit reicht die bisherige Studienlage nicht aus, um Magnesium allgemein zur Behandlung zu empfehlen. Sie sollten vor der Einnahme daher immer mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt sprechen.
Es gibt allerdings auch Patientinnen und Patienten, die einen Magnesiummangel haben und als Folge an nächtlichen Wadenkrämpfen leiden. Bei diesen können sich die Symptome nach einer Substitution bessern – unabhängig davon, ob Symptome des RLS vorliegen.
Einige Medikamente können RLS auslösen oder verschlimmern, dazu zählen unter anderem Neuroleptika gegen Psychosen oder Unruhe sowie Antidepressiva.
Selten können auch Antihistaminika, Lithium und Magen-Darm-Medikamente Beschwerden des RLS begünstigen.
In diesen Fällen sollte durch eine Ärztin oder einen Arzt geprüft werden, ob andere Medikamente verordnet werden können.
Die Hauptunterschiede zwischen dem Restless Legs Syndrom und nächtlichen Wadenkrämpfen sind das Bedürfnis, sich zu bewegen und die Art des Beschwerden.
Beim RLS kommt es zu einem Bewegungsdrang, oft begleitet von Missempfindungen in den Beinen, die nachlassen, sobald die Beine in Bewegung sind. Bei Wadenkrämpfen kommt es zu unwillkürlichen Muskelzuckungen. Besserung tritt meist nach dem Dehnen ein, Bewegung hilft meist erst verzögert.
Ja, RLS kann in der Schwangerschaft auftreten. Circa 15 bis knapp 39 Prozent der Schwangeren haben im letzten Drittel der Schwangerschaft die typischen RLS-Beschwerden. Die Beschwerden verschwinden meist nach der Geburt.
Früher wurde zwischen zwei verschiedenen Erscheinungsformen des Restless Legs Syndroms unterschieden: der idiopathischen Form ohne erkennbare Ursache und der symptomatischen Form, bei der die unruhigen Beine infolge anderer Erkrankungen oder Zustände entstehen.
Diese Unterscheidung wurde jedoch zunehmend infrage gestellt. Heute wird RLS nur diagnostiziert, wenn sich die Beschwerden nicht durch eine andere Erkrankung oder einen bestimmten Zustand erklären lassen.
Leitlinie Restless Legs Syndrom für Patientinnen und Patienten Online: https://register.awmf.org/... (Zugriff am 16.07.2026)
Studie Wirksamkeit Magnesium bei RLS Online: https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/... (Zugriff am 16.07.2026)