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PSA-Wert: Was ist normal, was erhöht?

Ein erhöhter PSA-Wert kann zu Sorgen und Ängsten führen. Die gute Nachricht: Nicht immer handelt es sich um Prostatakrebs. Erfahren Sie, welche Gründe es für den Anstieg des Prostataspezifischen Antigens (PSA) gibt und was ein erhöhter Wert bedeutet.

06.12.2022 Lesedauer: - Min. Aktualisiert am 29.04.2026
Medizinisch geprüft von David Stobbe
Patient bei Therapiesitzung
Inhaltsverzeichnis

PSA-Wert: Fakten auf einen Blick

  • Ein erhöhter PSA-Wert bedeutet nicht automatisch Prostatakrebs. Auch eine gutartige Prostatavergrößerung, Entzündungen oder ein Samenerguss können den Wert erhöhen.
  • Der PSA-Wert wird mithilfe eines Bluttests bestimmt und in Nanogramm je Milliliter ausgegeben.
  • PSA-Werte ab 3 ng/ml gelten als auffällig und erfordern eine erneute Kontrolle binnen drei Monaten, bevor weitere Untersuchungen erfolgen.
  • Zusätzliche Werte wie freies und gebundenes PSA, PSA-Quotient, PSA-Dichte und PSA-Verdopplungszeit helfen dabei, das Krebsrisiko besser einzuschätzen.

Was ist der PSA-Wert?

PSA ist ein Eiweiß, das von Zellen der Vorsteherdrüse (Prostata) gebildet wird. Somit ist der PSA-Wert nicht krebsspezifisch, sondern prostataspezifisch. Auch andere Veränderungen der Prostata, wie

  • die altersbedingte gutartige Vergrößerung,
  • Entzündungen der Prostata oder auch
  • Fahrradfahren und ein Samenerguss

führen zu einem Anstieg des PSA-Werts.

Was sagt der PSA-Wert aus?

Um den PSA-Wert zu ermitteln, wird ein Bluttest zur Bestimmung des prostataspezifischen Antigens durchgeführt.

"Für Patienten ist wichtig zu wissen: Einen absoluten Schwellenwert, über dem ein Tumor vorliegt, gibt es nicht. Vielmehr müssen das Alter des Patienten, die Größe der Prostata und wie sich der PSA-Wert im Verlauf verändert, bei der Beurteilung des Wertes berücksichtigt werden", sagt Dr. David Stobbe, Ärztlicher Leiter und Facharzt und Innere Medizin am Helios Prevention Center München.

Ärztinnen und Ärzte beziehen immer mehrere Faktoren mit ein, um das Risiko für das Vorliegen einer bösartigen Erkrankung der Prostata abzuleiten. Anhand dieser Faktoren wird das weitere Vorgehen festgelegt.

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Helios Prevention Center München

Ärztlicher Leiter | Facharzt für Innere Medizin und Arbeitsmedizin | HPC München

Für Patienten ist wichtig zu wissen: Einen absoluten Schwellenwert, über dem ein Tumor vorliegt, gibt es nicht. Vielmehr müssen das Alter des Patienten, die Größe der Prostata und wie sich der PSA-Wert im Verlauf verändert, bei der Beurteilung des Wertes berücksichtigt werden.

Was bedeuten die PSA-Werte?

Das Ergebnis des PSA-Tests wird in Nanogramm je Milliliter (ng/ml) ausgegeben. Je nach Wert empfiehlt die S3-Leitlinie folgende Kontrollintervalle:

  • PSA-Wert bis 1,5 ng/ml: Kontrolle alle 5 Jahre, niedriges Krebsrisiko
  • PSA-Wert 1,5 bis 2,99 ng/ml: Kontrolle alle 2 Jahre, mittleres Krebsrisiko
  • PSA-Wert ab 3 ng/ml: deutlich erhöhtes Krebsrisiko, erneuter Test innerhalb von 3 Monaten, bevor weitere Untersuchungen folgen

Gut zu wissen: Die allgemeinen Referenzwerte der Prostatakrebs-Früherkennung sind altersunabhängig.

Weitere spezialisierte Laborwerte rund um PSA

Ärztinnen und Ärzte ziehen zur genaueren Diagnose von Prostatakrebs weitere PSA-Werte heran:

Freies und gebundenes PSA

PSA liegt in zwei Varianten vor und ergibt zusammen das Gesamt-PSA. Man unterscheidet zwischen:

  • Freies PSA (fPSA), das ungebunden im Blut schwimmt und etwa 10 bis 30 Prozent ausmacht.
  • Gebundes PSA (cPSA), das an andere Eiweiße gekoppelt ist und einen Anteil von 70 bis 90 Prozent ausmacht.

Für die Diagnose ist das Verhältnis relevant: Bei niedrigem freiem PSA ist die Wahrscheinlichkeit für Prostatakrebs erhöht.

PSA-Quotient

Der PSA-Quotient beschreibt das Verhältnis von freiem PSA zum Gesamt-PSA. Er kann dabei helfen, zwischen einer Prostatavergrößerung und Krebs zu unterscheiden. Je niedriger der Wert, desto wahrscheinlicher ist ein Prostatakarzinom.

  • Quotient unter 15 Prozent: erhöhtes Risiko für Prostatakrebs
  • Quotient über 20 Prozent: Wahrscheinlich eine gutartige Ursache
  • Quotient zwischen 15 und 20 Prozent: weitere Untersuchungen notwendig

PSA-Dichte

Die PSA-Dichte setzt den PSA-Wert ins Verhältnis zur Prostatagröße. Es geht darum zu klären, ob der Wert wegen einer vergrößerten Prostata hoch ist oder ob er für die Prostatagröße auffällig hoch ist. Dazu wird der PSA-Wert durch das Prostatavolumen geteilt, um das persönliche Risiko besser abzuschätzen. Liegt der Wert über 0,2 ng/ml, kann das Risiko für Krebs erhöht sein.

PSA-Verdopplungszeit

Die PSA-Verdopplungszeit gibt an, wie schnell sich der Wert rechnerisch verdoppelt. Je kürzer der Zeitraum, desto schneller ist vermutlich das Tumorwachstum. Um den Wert zu ermitteln, sind mindestens zwei Messungen mit mehreren Monaten Abstand notwendig. Je mehr Werte vorliegen, umso klarer das Ergebnis. Die S3-Leitlinie zieht die Verdopplungszeit vor allem zur Risikoeinteilung eines biochemischen Rezidivs nach der Behandlung heran.

Wichtig: Alle genannten Werte sind Hilfswerte, die Ärztinnen und Ärzte unterstützen, einen ermittelten PSA-Wert besser einzuordnen und zu entscheiden, welche weiteren Untersuchungen nötig sind. Kein Wert allein kann sicher sagen, dass es sich um Krebs handelt.

Was bedeutet ein erhöhter PSA-Wert?

Während früher bei einem erhöhten PSA-Wert oft sofort eine Gewebeprobe (Biopsie) aus der Prostata entnommen wurde, empfiehlt die Leitlinie heute zunächst eine urologische Abklärung und bei bestätigtem Risiko ein MRT der Prostata, um verdächtige Bereiche zu identifizieren und gezielter zu biopsieren.

Ergibt sich aus den MRT-Aufnahmen ein begründeter Verdacht, schließt sich eine Biopsie an. In der Regel werden zwei bis drei Proben entnommen, die anschließend im Labor mikroskopisch auf krankhafte Veränderungen untersucht werden. Die Biopsie ermöglicht eine sichere Diagnose bösartiger Veränderungen der Zellen.

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Wann sollte ein PSA-Test durchgeführt werden?

Die S3-Leitlinie Prostatakarzinom empfiehlt den PSA-Test Männern ab 45 Jahren mit einer Lebenserwartung von mindestens zehn Jahren, die sich eine Früherkennung wünschen. Voraussetzung ist, dass sie vorab ausführlich über dessen Aussagekraft und mögliche Folgebehandlungen beraten werden. Wenn sie danach weiterhin eine Früherkennung wünschen, soll ihnen ein PSA-Test angeboten werden.

Die Früherkennung mittels Tastuntersuchung soll laut Leitlinie nicht mehr durchgeführt werden. Sie wird nur noch für Männer empfohlen, deren Prostata kein PSA bildet.

Schon gewusst?

Medizinische Leitlinien sprechen Empfehlungen aus, wie die Diagnostik und Behandlung von bestimmten Krankheiten idealerweise ablaufen sollte. Die Leitlinien werden in regelmäßigen Abständen von Fachgesellschaften auf ihre Aktualität und neue medizinische Erkenntnisse hin geprüft und überarbeitet.

FAQ

Nein. Ein erhöhter PSA-Wert kann ein Hinweis auf Prostatakrebs sein, aber auch andere Ursachen haben. Dazu gehören unter anderem eine gutartige Prostatavergrößerung, eine Entzündung, Druck auf die Prostata sowie andere vorübergehende Einflüsse. Daher gilt: Ein auffälliger Wert allein reicht nicht aus, um die Diagnose Prostatakrebs zu stellen.

Ein PSA-Wert unter 3 ng/ml gilt in der Früherkennung meist als unauffällig, sollte aber bei einem Wert zwischen 1,5 und 2,99 ng/ml zweijährlich kontrolliert werden.

 

Liegt der Wert über 3 ng/ml empfiehlt die S3-Leitlinie eine weitere Abklärung. Dabei wird der PSA-Wert innerhalb von drei Monaten zunächst erneut kontrolliert, bevor weitere diagnostische Verfahren folgen.

 

Auch andere Faktoren wie das Alter, die persönliche Vorgeschichte, das familiäre Risiko und die PSA-Verdopplungszeit spielen bei der Bewertung eine wichtige Rolle.

Ist der erhöhte PSA-Wert auf eine gutartige Prostatavergrößerung oder Entzündung zurückzuführen, kann er durch verschiedene Maßnahmen gesenkt werden. Dazu zählen:

 

  • Medikamente: Bestimmte Medikament können die Größe der Prostata verringern oder die Ursache einer Entzündung behandeln.
  • Ernährung: Eine pflanzenbasierte Ernährung kann sich positiv auswirken. Gut sind entzündungshemmende Lebensmittel wie Tomaten, Brokkoli, Granatäpfel und grüner Tee.
  • Lebensstil: Auch das Vermeiden von Druck auf die Prostata, etwa durch Radfahren oder der Verzicht auf eine Ejakulation vor dem PSA-Test können dem Anstieg des PSA-Wert vorbeugen.

 

Wichtig: Diese Maßnahmen können helfen, den PSA-Wert zu senken. Sie sollten aber immer die Ursache für den erhöhten PSA-Wert durch eine Urologin oder einen Urologen abklären lassen.

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S3-Leitlinie Prostatakarzinom (Version 8.1) Online: https://www.leitlinienprogramm-onkologie.de/... (Zugriff am 29.04.2026)