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Morbus Dupuytren: Wenn die Finger krumm sind

Morbus Dupuytren ist eine gutartige Erkrankung des Bindegewebes in der Hand. Betroffene können ihre Finger meist nicht mehr richtig strecken, was sie im Alltag beeinträchtigen kann. Das sollten Betroffene wissen.

25.07.2023 Lesedauer: - Min. Aktualisiert am 24.03.2026
Medizinisch geprüft von Lars Thomaschewski, Carsten Baade
Handchirurgie, Unfallchirurgie, Helios Klinikum Berlin-Buch
Inhaltsverzeichnis

Was ist Morbus Dupuytren?

Morbus Dupuytren – auch Dupuytrensche-Kontraktur genannt – ist eine Erkrankung, die das Bindegewebe meist in der Handinnenseite betrifft. „Es kommt zu einer gutartigen Bindegewebsvermehrung des Unterhautgewebes auf der Innenseite der Hand bis in zu den Fingern mit Ausbildung sichtbarer Knoten und Strängen“, sagt Dr. Lars Thomaschewski, Chefarzt der Unfall-, wiederherstellungs- und orthopädischen Chirurgie den Helios Weißeritztal-Kliniken.

Durch die Verbindung zur Haut und die Verkürzung dieser Stränge kommt es zu Beugefehlstellungen der Finger. Die Folge: Patientinnen und Patienten verlieren je nach Krankheitsstadium die Fähigkeit, ihre Finger zu strecken.

In der Regel tritt Morbus Dupuytren ab dem 50. Lebensjahr auf. Oft sind der Ring- und der kleine Finger betroffen. Die Dupuytren-Kontraktur kann jedoch an jedem Finger auftreten. Männer sind deutlich häufiger als Frauen betroffen. Die Erkrankung ist medikamentös nicht heilbar, aber durch operative Maßnahmen gut behandelbar.

Welche Ursachen führen zu Morbus Dupuytren?

Die genaue Ursache ist noch nicht geklärt. Bekannt ist, dass es eine familiäre Häufung gibt, sodass Forschende von einer genetischen Veranlagung ausgehen. Zudem tritt die Erkrankung bei Menschen mit Diabetes mellitus sowie bei starken Raucherinnen und Rauchern oder bei übermäßigem Alkoholkonsum vermehrt auf. Dahinter könnte eine verminderte Durchblutung kleinster Gefäße stehen, wodurch sich das Risiko für krankhafte Veränderungen des Bindegewebes erhöhen kann.

Beschwerden: Wie macht sich Morbus Dupuytren bemerkbar?

Betroffene nehmen zunächst Knoten und harte Schwellungen an der Handinnenfläche wahr. Bis es zu Schwierigkeiten beim Strecken der Finger kommt, können jedoch Monate bis Jahre vergehen. Schmerzen sind zu Beginn eher selten, können aber im späteren Verlauf auftreten. 

In späteren Stadien führt die Funktionseinschränkung der Hand dazu, dass ein zunehmendes Streckdefizit der Finger entsteht und die Hand nicht mehr ohne Behinderung in die Hosentasche geführt werden kann. Auch alltägliche Handlungen wie das Waschen des Gesichts oder das Anziehen und Tragen von Handschuhen können eingeschränkt sein.

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Chefarzt Unfall-, Wiederherstellungs- und Orthopädische Chirurgie, Ärztlicher Direktor

Es kommt zu einer gutartigen Bindegewebsvermehrung des Unterhautgewebes auf der Innenseite der Hand bis hin zu den Fingern mit Ausbildung sichtbarer Knoten und Strängen.

Stadieneinteilung nach Tubiana

Die Dupuytren-Kontraktur wird in verschiedene Stadien eingeteilt:

  • Stadium 0: keine sichtbaren Veränderungen
  • Stadium N: Knoten, aber kein Streckdefizit
  • Stadium N/I: Knoten und Streckdefizit 1 bis 10 Grad
  • Stadium I: Knoten und Streckdefizit bis 45 Grad
  • Stadium II: Knoten und Streckdefizit 46 bis 90 Grad
  • Stadium III: Knoten und Streckdefizit 91 bis 135 Grad
  • Stadium IV: Knoten und Streckdefizit über 135 Grad

Wie wird die Krankheit diagnostiziert?

Die Erkrankung ist in der Regel eine Blickdiagnose. Zusätzlich erfolgen ein ausführliches Gespräch zur Krankheitsgeschichte (Anamnese) und eine körperliche Untersuchung

Zur Abgrenzung anderer Ursachen eines Streckdefizits der Finger, wie verhärtete Narben, Arthrosen, Weichteiltumoren oder Beugesehnenveränderungen,  können zusätzliche bildgebende Verfahren, zum Beispiel Röntgen oder MRT, erforderlich sein.

Welche Behandlungsmethoden gibt es?

Auch wenn die Krankheit nicht heilbar ist, stehen Ärztinnen und Ärzten konservative und operative Maßnahmen zur Verfügung, um die Beschwerden der Betroffenen zu lindern und die Streckung der Finger wieder möglich zu machen.

Konservative Therapie

„Die Möglichkeiten der konservativen Therapie sind begrenzt. Dehnungsübungen beispielsweise erhalten vorübergehend eine gewisse Beweglichkeit, den Prozess können sie aber nicht aufhalten“, erklärt Oberarzt Dr. Carsten Baade, Abteilungsleiter der Handchirurgie an den Helios Weißeritztal-Kliniken.

Eine weitere Option stellt die Strahlentherapie dar. Dabei werden die Hände mit „weicher“ Röntgenstrahlung oder Elektronen bestrahlt. Laut S2-Leitlinie Strahlentherapie gutartiger Erkrankungen sollte sie nur im aktiven frühen Stadium der Knotenbildung zum Einsatz kommen. Die Strahlen können das Wachstum des Bindegewebes verlangsamen, zudem können kleine Knoten verschwinden oder sich gegebenenfalls auch zurückbilden. Eine Umkehr der Verkrümmung der Finger ist jedoch nicht möglich.

Bei bereits ausgeprägten Verkrümmungen der Finger kann eine Injektion mit Kollagenase sinnvoll sein. Das ist ein Enzym, welches Kollagenfasern zerstören und somit den Dupuytren-Strang schwächen kann. Nachdem an Tag 1 die Injektion verabreicht wird, baut das Enzym das Kollagen im Strang ab. Nach circa 24 Stunden können die Finger meist wieder kraftvoll gestreckt und dadurch der Dupuytren-Strang zerrissen werden.

Hinweis: Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) und das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) konnten aus wissenschaftlichen Daten keinen Vorteil der Kollagenase-Injektion gegenüber anderen Methoden ableiten. Daher ist das Medikament zwar weiterhin in Deutschland zugelassen, die Behandlungskosten werden jedoch nicht mehr von der gesetzlichen Krankenkasse übernommen

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Die Möglichkeiten der konservativen Therapie sind begrenzt. Dehnungsübungen beispielsweise erhalten vorübergehend eine gewisse Beweglichkeit, den Prozess können sie aber nicht aufhalten.

Operative Therapie

„Ob eine Operation notwendig ist oder nicht, ergibt sich allein aus dem individuellen Beschwerdebild und kann nicht einfach anhand des Schweregrades festgemacht werden“, sagt der Chefarzt. Grundsätzlich können jedoch frühe Stadien und isolierte Stränge einfacher und mit einer größeren Auswahl an Operationstechniken versorgt werden.

„Allerdings ist immer auf Komplikationen wie derbe Narbenbildung und das Triggern von Rezidiven hinzuweisen. Handchirurgie ist eine Chirurgie der Gleitschichten und wir müssen uns und den Patienten immer vergegenwärtigen, dass wir selten folgenlos in diese eingreifen“, führt Dr. Baade aus.

Nadelfasziotomie

Die Nadelfasziotomie kommt bei isolierten Strängen in der Hohlhand als minimalinvasives Verfahren infrage. Der tastbare Strang wird durch die Haut mit einer speziell geschliffenen Nadel fächerförmig durchstochen. Im Anschluss wird der so geschwächte Strang aufgedehnt. Das krankhaft veränderte Gewebe verbleibt in der Hand, sodass ein Wiederauftreten der Beugefehlstellung innerhalb von ein bis drei Jahren häufig ist.

Fasziektomie

In weiter fortgeschrittenen Stadien ist die Entfernung des veränderten Gewebes im Rahmen der sogenannten Fasziektomie durch einen weit offenen Hautschnitt möglich. Der Eingriff wird mit einer speziellen Vergrößerungsbrille durchgeführt. Dadurch lassen sich Nerven und Blutgefäße besser erkennen und schützen. Ist das Gelenk versteift, kann eine Gelenklösung notwendig sein. Dabei werden Verwachsungen am Gelenk gelöst, um dieses wieder beweglich zu machen.

Welche Operationsrisiken gibt es?

In seltenen Fällen kann es zu einer Nerven- oder Blutgefäßverletzung kommen. Durchblutungsminderung mit vermehrtem Kälteempfinden und Sensibilitätsstörungen sind die Folge.

In fortgeschrittenen Stadien kann die vollständige Fingerstreckung nicht garantiert werden.

Das Risiko für das Wiederauftreten von Bindegewebssträngen und die wieder zunehmende Beugefehlstellung der Finger wird mit circa zehn bis 20 Prozent angegeben.

Nachbehandlung: Wie geht es nach der Operation weiter?

Wie lange die Wundheilung dauert, hängt von der OP-Methode ab:

  • Nach einer Nadelfasziotomie beträgt sie meist nur wenige Tage.
  • Bei der kompletten Entfernung der Stränge ist sie durch die notwendige Ablösung der Haut häufig dauert sie länger.
  • Eine Krankschreibung ist abhängig vom Tätigkeitsprofil der Patienten für bis zu sechs Wochen nötig.

Mit intensiven Bewegungsübungen sollte bereits in den ersten Tagen nach dem Eingriff begonnen werden.

Um die Streckstellung der Finger in der ersten Zeit zu unterstützen, kann zudem eine Nachtlagerungsschiene angepasst werden. „Die meisten Patientinnen und Patienten können die Hand für einfache manuelle Tätigkeiten nach drei Wochen und für schwere nach circa sechs bis acht Wochen wieder einsetzen“, erklärt Chefarzt Thomaschewski.

Wie sind die Erfolgsaussichten?

Wichtig: Zwar kann in den allermeisten Fällen eine Verbesserung der Beschwerden erzielt werden, eine vollständige Streckung der Finger ist aber nicht in jedem Fall garantiert.

FAQ

Nein. Zwar sind knotige Veränderungen oft ein erstes Anzeichen für Morbus Dupuytren, aber nicht die einzige mögliche Ursache. Eine genaue ärztliche Abklärung ist notwendig, um beispielsweise eine Narbenbildung nach Verletzung, ein Fibrom oder einen schnellenden Finger auszuschließen.

Nein. Ob und wann ein operativer Eingriff sinnvoll ist, ist sehr individuell. In den meisten Fällen ist die Operation erst angezeigt, wenn die Bewegungseinschränkung fortgeschritten ist.

 

Auch bei starken Schmerzen oder Hauteinziehungen ist eine OP sinnvoll. Sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt, wann der richtige Zeitpunkt für eine Operation ist.

In den meisten Fällen können Sie weiterhin sportlich aktiv sein. Sie sollten jedoch auf Sportarten mit starker Druckbelastung auf die Handfläche verzichten, wie etwa Klettern.

 

In der Physiotherapie können Sie Dehnübungen erlernen, mit denen Sie einerseits die Beweglichkeit Ihrer Finger möglichst erhalten und die Sie andererseits als Erwärmung vor dem Sport durchführen können.

 

Bei Unsicherheiten wenden Sie sich an eine handchirurgisch etablierte Praxis.

Ja. Bei etwa 20 Prozent der Patientinnen und Patienten kommt es zu einem Rückfall und dem erneuten Auftreten von Knoten und Strängen in der Handfläche. Da Morbus Dupuytren nicht heilbar ist, kann es sein, dass der Eingriff nach ein paar Jahren wiederholt werden muss.

 

Das Risiko der Schädigung von Gefäßen und Nerven steigt mit Anzahl der Eingriffe aufgrund der veränderten Anatomie.

Morbus Dupuytren: Fakten auf einen Blick

  • Morbus Dupuytren ist eine gutartige Bindegewebserkrankung der Hand.
  • Typisch sind Knoten und Stränge in der Handfläche, was zu einem Streckdefizit der Finger führt.
  • Meist nehmen die Beschwerden langsam zu und schränken zunehmend im Alltag ein.
  • Zwar ist die Erkrankung nicht heilbar, dafür aber gut operativ behandelbar.
  • Auch nach erfolgreicher Behandlung kann Morbus Dupuytren wieder auftreten.
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