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Koronare Herzkrankheit: das steckt dahinter

Die koronare Herzkrankheit, kurz KHK, gehört zu den häufigsten Herzerkrankungen. Sie führt zu Durchblutungsstörungen des Herzens.

Auswertung EKG

In Deutschland sind rund 5,5 Millionen Frauen und Männer betroffen. Prof. Dr. Michael Niehaus, Chefarzt der Medizinischen Klinik I Kardiologie und Rhythmologie im Helios Klinikum Gifhorn erklärt, was die koronare Herzkrankheit ist und welche Symptome auf sie hinweisen.

Was ist eine koronare Herzkrankheit?

„Bei der koronaren Herzerkrankung handelt es sich um eine schwerwiegende Erkrankung des Herzens, die zu Durchblutungsstörungen des Herzmuskels führt“, so der Chefarzt. Bei der KHK liegt eine Gefäßverkalkung (Arteriosklerose) in den Herzkranzgefäßen vor, wodurch diese verengt werden.

„Herzkranzgefäße sind Arterien, die das Herz mit sauerstoff- und nährstoffreichem Blut versorgen. Sie ziehen sich kranzförmig um das Herz“, sagt Prof. Niehaus.

Mit zunehmenden Alter steigt das Risiko für Arteriosklerose und damit einhergehend auch das Risiko einer koronaren Herzerkrankung. Männer sind häufiger und früher betroffen, oft ab dem 45. Lebensjahr.

Frauen sind durch das weibliche Sexualhormon Östrogen zunächst besser geschützt. Erst nach der Menopause wird dieser Schutz schwächer, sodass Frauen ab dem 55. Lebensjahr an der koronaren Herzkrankheit erkranken können.

Die koronare Herzkrankheit ist vor allem in westlichen Ländern weit verbreitet und stellt dort die häufigste Todesursache dar. Das Tückische: eine KHK kann lange Zeit symptomlos verlaufen. Treten dann die Beschwerden der Angina Pectoris (Brustenge) erstmals, erstmals in Ruhe oder intensiver als zuvor auf, hat sich das Risiko eines Herzinfarktes deutlich erhöht.

Helios Klinikum Gifhorn

Chefarzt

Bei der koronaren Herzerkrankung handelt es sich um eine schwerwiegende Erkrankung des Herzens, die zu Durchblutungsstörungen des Herzmuskels führt.

Wie entsteht eine koronare Herzerkrankung?

Ursächlich für eine KHK ist die Gefäßverkalkung (Arteriosklerose) der Herzkranzgefäße. Sie entsteht vor allem durch erhöhte Blutfette – insbesondere Cholesterinkristalle – und Entzündungszellen, die sich in den Innenwänden der Blutgefäße ablagern. Dies führt zu einer chronischen Entzündung, welche überschüssiges Bindegewebe bildet.

Für den Blutstrom in der Arterie bleibt immer weniger Platz und das Risiko, dass die Innenwand reißt, erhöht sich. Kommt es zum Riss der Innenwand, bildet sich ein Gerinnsel, das den Blutfluss stoppt und einen Herzinfarkt auslöst. Die gefährliche Komplikation der Koronaren Herzkrankheit.

Symptome einer KHK

Die Beschwerden einer Koronaren Herzkrankheit können sehr unterschiedlich ausfallen. Liegt nur eine leichte bis mäßige Verengung der Herzkranzgefäße vor, sind die Patienten fast immer beschwerdefrei.

Das Leitsymptom der koronaren Herzkrankheit ist die Angina Pectoris. Diese beschreibt ein Engegefühl in der Brust.

Zu weiteren typischen Beschwerden zählen anfallsartig auftretende brennende, drückende oder reißende Schmerzen in der Herzgegend. Neben einem Gefühl der Enge im Brustkorb, können die Schmerzen auch in den Rücken, die Oberarme und vor allem bei Frauen auch in Schulter-Nacken, Oberbauch und den Kiefer ausstrahlen.

Zu den Angina Pectoris-Beschwerden kommen nicht selten vegetative Symptome wie Schweißausbrüche, Übelkeit, Schwindel, Kurzatmigkeit bis Luftnot, Unruhe bis hin zu Todesangst.

Während es im Anfangsstadium nur unter starker und längerer Belastung zur Angina Pectoris kommt, können die Beschwerden mit fortschreitender Erkrankung bereits beim normalen Gehen oder Treppensteigen auftreten. Von einer "stabilen Angina Pectoris" spricht man, wenn die Beschwerden unter ähnlichen Belastungen wiederkehrend sind.

Ursachen und Risikofaktoren einer koronaren Herzkrankheit

  • krankhafte Ablagerungen in den Wänden der Herzkranzgefäße: Die Herzkranzgefäße verengen sich durch Ablagerungen zunehmend.
  • Erbliche Veranlagung: Wenn Mutter, Vater oder Geschwister in jungen Jahren einen Herzinfarkt erlitten haben, ist das eigene Risiko für eine KHK deutlich erhöht.
  • Rauchen: Stoffe aus dem Tabakrauch fördern Ablagerungen in den Gefäßen
  • Diabetes: Insbesondere der juvenile Diabetes, kann selbst bei gut eingestellten Blutzuckerwerten die Blutgefäße und damit auch die Koronarien schädigen.
  • Erhöhte Blutfette: Vor allem hohes LDL-Cholesterin und stark erhöhte Triglyceride fördern die Ablagerung in den Gefäßen.
  • Übergewicht (Adipositas): Oft sind Blutfette und Blutzucker bei übergewichtigen Menschen erhöht; zudem werden im Bauchfett Entzündungsbotenstoffe gebildet, die Gefäßwände schädigen.
  • Bluthochdruck: schädigt direkt die Gefäßwände.
  • Bewegungsmangel: erhöht den Blutdruck, verschlechtert die Blutfettwerte und senkt die Insulinempfindlichkeit der Muskelzellen

"Fast immer ist es nicht nur ein Faktor, der für das Entstehen einer KHK verantwortlich ist. Oft sind es mehrere Faktoren, die sich in ihrer schädigenden Wirkung zudem vervielfachen", so der Chefarzt.

KHK Diagnose: diese Untersuchungen finden statt

Anamnese

Die Erhebung einer genauen Anamnese ist im Rahmen der Diagnostik sehr wichtig. Dazu klärt der Kardiologe oder die Kardiologin mit dem Patienten unter anderem:

  • Wann die Schmerzen normalerweise auftreten?
  • Welche Begleitsymptome vorliegen?
  • Ob es Begleiterkrankungen gibt?
  • Ob geraucht wird?
  • Ob Herzerkrankungen in der Familie bekannt sind?

Körperliche Untersuchung

Im Rahmen der körperlichen Untersuchung werden unter anderem der Bauchumfang und der Blutdruck gemessen. Zudem erfolgt eine Blutentnahme zur Bestimmung verschiedener Werte wie Blutzucker, Langzeit-Blutzucker, Blutfette und Nierenwerte.

Um das Risiko für das Vorliegen einer Koronaren Herzkrankheit festzustellen, finden weitere Untersuchungen statt. Dazu zählen etwa:

  • Ruhe-EKG: Erfasst die elektrischen Aktivitäten des Herzmuskels und kann darüber Aufschluss geben, ob die aufgetretenen Brustschmerzen auf einen akuten Herzinfarkt oder eine Durchblutungsstörung zurückzuführen sind. Ebenso sind Herzrhythmusstörungen erkennbar.
  • Herz-Echo (Herz-Ultraschall) in Ruhe: Bildgebendes Verfahren, das es ermöglicht, die Größe, Struktur und Funktion der Herzkammern zu beurteilen und Bewegungsstörungen der Herzwand als Hinweis auf eine KHK zu erkennen.

Belastungsuntersuchungen

Belastungsuntersuchungen können ebenfalls im Rahmen der Untersuchungen eingesetzt werden, da vor allem in den Frühstadien krankhafte Veränderungen erst unter Belastung sichtbar sind. Dazu zählen:

  • Belastungs-EKG: Die elektrischen Potenziale des Herzens werden während körperlicher Anstrengung auf einem Fahrradergometer aufgezeichnet und geben Aufschluss über mögliche Schädigungen des Herzens.
  • Stress-Echokardiographie: Kann direkte Hinweise auf eine gestörte Durchblutung der Herzkranzgefäße geben.
  • Nuklearmedizinische Untersuchung (Myokardszintigraphie): Isotop in Armvene injiziert, um die Durchblutung in den Herzmuskelzellen zu sehen. Ist ein Herzmuskelareal unter körperlicher Belastung nicht ausreichend mit Blut versorgt, kommt es in diesem Bereich auch nicht zur Aufnahme des Isotops.
  • Stress-MRT (Kernspintomographie): Dient der Unterscheidung zwischen anderen Herzerkrankungen und einer KHK. Beim Stress-MRT erhalten die Patienten ein Medikament, das die Blutgefäße erweitert. Auch ein Kontrastmittel wird verabreicht. Wenn die Koronararterie in der Untersuchung nur schwach auf das Medikament reagiert, ist dies ein Hinweis auf eine Verengung.

Folgeerkrankungen der Koronanen Herzkrankheit

Herzinfarkt: Verschließt sich eine Koronararterie plötzlich, wird der Herzmuskel nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff versorgt und beginnt abzusterben. Er stellt immer ein akut lebensbedrohliches Ereignis dar, weil unabhängig von der Ausdehnung des Infarktareals das Risiko für das Auftreten von bösartigen Herzrhythmusstörungen durch den Infarkt stark erhöht ist.

Herzinsuffizienz: Tritt vor allem als Folge eines Herzinfarktes auf, da der durch den Infarkt zugrunde gegangene Herzmuskel durch Bindegewebe ersetzt wird und nicht mehr mitarbeiten kann. Dadurch nimmt die Pumpleistung ab.

Plötzlicher Herztod: Eine unerkannte KHK findet sich oft bei Patient:innen, die an einem unerwartet eintretenden Tod sterben.

KHK Therapie

Prof. Dr. Michael Niehaus: "Die Behandlung einer Koronaren Herzkrankheit setzt sich aus mehreren Maßnahmen zusammen. Das umfasst etwa einen angepassten Lebensstil, Medikamente und möglicherweise auch invasive Eingriffe."

Am wichtigsten - Lebensstil anpassen: Rauchen einstellen, Gewicht reduzieren, regelmäßige, moderate sportliche Bewegung, Stress vermeiden.

Medikamente gegen Begleiterkrankungen: Hemmung der Aggregation von Blutplättchen, Cholesterinsenker, Beta-Blocker, ACE-Hemmer, ggf. Nitrate. Diese müssen nach Absprache eingenommen und dürfen nicht eigenmächtig abgesetzt werden. Mögliche Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten (Potenzmittel) müssen mit dem Arzt besprochen werden.

Invasive Maßnahmen: Mittels Herzkatheter-Untersuchung können Engstellen identifiziert werden. Die Untersuchung wird mittlerweile fast immer vom Handgelenk aus durchgeführt, manchmal auch von der Leiste. Dazu führt der Kardiologe einen dünnen Schlauch, den Katheter zu den Herzkranzgefäßen und stellt diese mit Kontrastmittel dar.

Behandlungsbedürftige Einengungen können im Rahmen der Untersuchung meist direkt behandelt werden. Dazu wird die Engstelle zunächst mit einem kleinen Ballon erweitert. Anschließend wird ein Stent gesetzt. In bestimmten Fällen muss zur Sicherung der Herzdurchblutung eine Bypass-Operation durch den Herzchirurgen erfolgen.

Die kleinen Gefäßbrücken, die während der Bypass-Operation eingesetzt werden, führen das Blut an der Engstelle der Herzkranzgefäße vorbei. So wird der Blutfluss weiterhin sichergestellt und der Herzmuskel erhält wieder ausreichend Blut und Sauerstoff.  

Krankheitsverkauf und Prognose

Je früher die KHK erkannt wird, desto effektiver lassen sich oft Verschlimmerungen mit entsprechenden Therapien behandeln und aufhalten. Ziel ist es immer, einen Herzinfarkt zu verhindern.

Da die Nebenwirkungsrate bei den Medikamenten eher niedrig ist, können gut betreute KHK-Patienten ihrem Alltag ohne Einschränkungen nachgehen.

Allerdings ist die KHK nicht heilbar. Daher ist es umso wichtiger, dass die Patienten selbst ihren Lebensstil aktiv und nachhaltig etwas ändern.

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