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Blasensprung – wenn die Fruchtblase platzt

Bis das Baby zur Welt kommt, hat die Fruchtblase eine wichtige Funktion: Sie umschließt den Fötus und das Fruchtwasser, wächst mit ihm und schützt ihn – bis zur Geburt. Manchmal kommt es allerdings zu einem vorzeitigen Blasensprung – was passiert dann? Hier erfahren Sie mehr.

Vorgespräch

Was ist die Fruchtblase?

Die komfortable Schutzhülle besteht aus zwei Eihäuten, dem Chorion und dem Amnion. Diese zwei Schichten bilden eine dünne aber stabile Membran und schützen das Kind vor Infektionen. Zum Zeitpunkt der Geburt enthält die Fruchtblase circa ein bis eineinhalb Liter Fruchtwasser.

Den Blasensprung erkennen

„Bei einem Blasensprung kommt es zur Ruptur der Amnionhöhle, es reißt die Fruchtblase ein – meist im unteren Bereich in der Nähe des Muttermundes", erklärt Oberärztin Heike Pfüller aus dem Helios Klinikum Aue. Die Schwangere bemerkt dann, dass plötzlich viel Flüssigkeit aus der Scheide abgeht. Bei einem hohen Blasensprung mit Einriss im oberen Teil der Fruchtblase verliert die Frau nur tröpfchenweise Fruchtwasser.

Wann kommt es zu einem Blasensprung?

Um den errechneten Geburtstermin kommt es in etwa acht bis zehn Prozent zu einem vorzeitigen Blasensprung. Das heißt Fruchtwasserabgang ohne Wehen, meist als Vorbote der anstehenden Geburt.

Davon abzugrenzen ist der frühe vorzeitige Blasensprung, der vor der vollendeten 37. Schwangerschaftswoche auftritt, bis dahin spricht man von einer Frühgeburt. Dies betrifft circa drei Prozent der Schwangeren. Je früher der Blasensprung auftritt, umso problematischer kann es für das Kind werden.

Symptome eines Blasensprungs

  • schwallartiger oder tröpfchenweiser Abgang von Flüssigkeit aus der Scheide
  • Austreten der Flüssigkeit lässt sich nicht beeinflussen oder unterdrücken
  • Flüssigkeit ist geruchslos und klar, zum Ende der Schwangerschaft milchig-weiß

Welche Arten des Blasensprungs gibt es?

Es gibt verschiedene Arten von Blasensprüngen. Sie unterscheiden sich im Zeitpunkt, zu dem die Fruchtblase platzt.

Rechtzeitiger Blasensprung

Ein rechtzeitiger Blasensprung tritt am Ende der Eröffnungsperiode auf, der Anfangsphase der Geburt, wenn der Muttermund durch die Geburtswehen vollständig eröffnet ist.

Frühzeitiger Blasensprung

Von einem frühzeitigen Blasensprung spricht man bei einem Blasensprung in der Eröffnungsperiode, das heißt bei noch nicht vollständig eröffneten Muttermund.

Vorzeitiger Blasensprung

Bei etwa knapp zehn Prozent aller Schwangeren platzt die Fruchtblase vor dem Einsetzen regelmäßiger Wehen, der Blasensprung ist also vorzeitig. „Tritt dieser in den frühen Schwangerschaftswochen auf, spielen meist aufsteigende Infektionen eine Rolle“, sagt die Oberärztin. Auch eine Überdehnung der Gebärmutter kann ursächlich sein. Zu einer Überdehnung kann es durch Zwillingsschwangerschaften oder übermäßiges Fruchtwasser (Polyhydramnion) kommen.

Was löst einen Blasensprung aus?

Viele krankhafte Veränderungen, die die Körperfunktionen beeinflussen, können zu einem Blasensprung führen.

Verschiedene Membranproteine (Eiweiße im Aufbau der Fruchtblase) sorgen für die Festigkeit der Eihäute. Enzyme können diese Membranproteine abbauen. Normalerweise besteht ein Gleichgewicht und die abbauenden Enzyme werden geblockt. Infektionen und Entzündungen (Inflammation) oder wiederkehrende Blutungen können das Gleichgewicht jedoch stören und letztlich zum Blasensprung führen.

Gegen Ende der Schwangerschaft finden im Bereich des Muttermunds viele Umbauprozesse im Gewebe statt, um die Geburt des Kindes vorzubereiten. Dies führt auch dazu, dass die Eihäute nicht mehr so belastbar sind und leichter reißen können.

Die Fruchtblase ist geplatzt – was tun?

„Schwangere sollten zunächst einmal Ruhe bewahren", sagt Heike Pfüller. Springt die Fruchtblase um den errechneten Geburtstermin, ist dies meist kein großes Problem: Der kindliche Kopf ist im mütterlichen Becken fixiert, sodass das Risiko eines Nabelschnurvorfalls sehr gering ist.

Die werdende Mutter sollte bei einer geplatzten Fruchtblase eine Entbindungsklinik aufsuchen. Hier wird geschaut, wie es Mutter und Kind geht. Bei einem Blasensprung gibt es verschiedene Vorgehensweisen: aktiv, mit sofortigem Einleiten und abwartendes Management. In der Regel wird bei normalen Befunden erst einmal abgewartet, denn bei 60 bis 70 Prozent der schwangeren Frauen mit einem vorzeitigen Blasensprung setzen innerhalb von 24 Stunden von allein Wehen ein.

Wenn es nach dem Blasensprung noch dauert

Mit zunehmender Zeitdauer vom Blasensprung bis zum Einsetzen regelmäßiger Wehen steigt das kindliche und mütterliche Infektionsrisiko, wie auch das Risiko für verstärkte postpartale Blutungen, also Blutungen nach der Geburt. Deswegen wird spätestens nach 18 Stunden mit einer antibiotischen Prophylaxe (vorbeugend) und spätestens nach 24 Stunden mit der Geburtseinleitung begonnen.

Bei einer Besiedlung beziehungsweise dem Nachweis von ß-hämolysierenden Streptokokken sind die Zeiträume entsprechend kürzer. Diese Bakterien können von der Mutter auf das Kind übertragen werden und schwere Infektionen auslösen. Sind Hinweise für eine Infektion vorhanden, wird sofort eingeleitet.

Unterschiedliche Risiken nach Schwangerschaftswoche

Bei einem frühen vorzeitigen Blasensprung vor vollendeter 37. Schwangerschaftswoche ist das Risiko für einen Nabelschnurvorfall größer. Es kann zu Infektionen oder vorzeitiger Plazentalösung kommen. Das weitere Vorgehen richtet sich nach dem Schwangerschaftsalter.

Die Prognose für den Fötus ist vor vollendeter 20. Schwangerschaftswoche äußerst schlecht. Vor der 24. Woche ist das Vorgehen immer individuell und wird eng mit den Eltern, Neonatolog:innen und Geburtshelfer:innen abgestimmt.

Von der 25. bis zur 35. Schwangerschaftswoche ist das Vorgehen konservativ, also ohne operativ einzugreifen, mit antibiotischer Abschirmung, der Verabreichung einer Lungenreifeprophylaxe unter Wehenhemmung (Kurzzeittokolyse). Vorausgesetzt, die Entzündungsparameter sind negativ und das Herzfrequenzmuster des Kindes ist unauffällig.

Von der 35. bis zur 37. Schwangerschaftswoche kann weiterhin abwartend vorgegangen werden. Es gilt die Risiken der Frühgeburt gegen die der Infektion abzuwägen. Die führenden Risiken der Frühgeburt in diesen Schwangerschaftswochen sind das Atemnotsyndrom (RDS), die Infektion und die Sepsis, auch als „Blutvergiftung“ bekannt.

Wer neigt eher zu einem vorzeitigen Blasensprung?

Risikofaktoren für einen vorzeitigen Blasensprung sind genitale Infektionen, rezidivierende (wiederkehrende) Blutungen, Rauchen und ein vorzeitiger Blasensprung in einer vorangehenden Schwangerschaft. Außerdem sind Schwangere betroffen, die auch ein erhöhtes Risiko für eine Frühgeburt haben.

Das betrifft etwa Frauen

  • die bereits eine Frühgeburt hatten
  • sehr junge Mütter unter 18 Jahren
  • Frauen mit Unterernährung
  • mit Mehrlingsschwangerschaften
  • mit kurzem Schwangerschaftsintervall unter zwölf Monate
  • nach einer Konisation (einer Gewebeentfernung am Gebärmutterhals)
  • mit Parodontitis
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