Von den ersten Symptomen über die Behandlung bis zur Genesung
Darmkrebs: Ein Erfahrungsbericht

Von den ersten Symptomen über die Behandlung bis zur Genesung

Eine Krebserkrankung wirft bei Betroffenen wie Angehörigen viele Fragen und Unsicherheiten auf. Orientierung und Hilfe können Erfahrungen von anderen Krebs-Patienten bieten. Patienten wie Manfred Kaiser.

Kaiser überstand eine Darmkrebs-Erkrankung, zwei Rückfälle und insgesamt vier Operationen. Der Krebs setzte den aktiven Duisburger zwar vorübergehend außer Gefecht. In seiner Lebenslust stoppen konnte er ihn aber nicht.

Darmkrebs: Von den ersten Symptomen bis zur Diagnose

Mann vor Tablet
Auch mit 71 Jahren ist Manfred Kaiser noch im Stadtrat aktiv | Foto: Murat Aslan

Manfred Kaiser ist kein Kind von Traurigkeit. Ein Mann mit viel Humor, den man schnell ins Herz schließt. Mit 71 Jahren sitzt er noch im Rat der Stadt Duisburg. Er ist aktiv im Karnevalsverein, geht gerne schwimmen. Kurz: Kaiser steht mitten im Leben.

Blut im Stuhl: Die ersten Darmkrebs-Symptome

Eine besondere Leidenschaft der Kaisers ist das Reisen. "Meine Frau und ich sind viel unterwegs", sagt Kaiser. "Wir wollen etwas sehen von der Welt." Ob Italien, Ägypten oder Bayerischer Wald: Seit vielen Jahren zieht es das Ehepaar in die Welt hinaus. Es ist also kein Zufall, dass es während eines Urlaub ist, dass Manfred Kaiser die seiner Krankheit verspürt.

Es fängt an mit kleineren Beschwerden und Schmerzen. "Manchmal war beim Stuhlgang ein bisschen Blut in der Toilette", erinnert sich Kaiser an den Herbst an der Mosel. Das Blut – womöglich das erste Anzeichen für eine ernstere Erkrankung? Kann eine Darmspiegelung – eine sogenannte Koloskopie – Aufklärung bringen?

Um das herauszufinden, sucht Kaiser nach der Rückkehr aus dem Urlaub seinen Hausarzt auf und erhält eine Überweisung für eine onkologische Behandlung.

Der Gang zum Arzt: Vertrauen ist das A und O

Mann auf Bank, kratzt sich Kopf
Manfred Kaiser hatte einen harten Weg vor sich | Foto: Murat Aslan

Wenn es um die Gesundheit geht, ist eine vertrauensvolle Beziehung zwischen Patient und Behandelndem wichtig. Das merkt Manfred Kaiser, als er ein solches Vertrauensverhältnis bei seiner ersten Krankenhaus-Station gerade nicht vorfindet – im Gegenteil.

"Man hat mich untersucht und dann fast eine Woche im Krankenhaus behalten", erzählt Kaiser. Nach der Darmspiegelung hat er nur erfahren: "Da ist etwas am Darm." Weitere Erklärungen erhält er nicht. Nach einer Woche heißt es morgens plötzlich: Gleich werden Sie operiert. "Ich bin aus allen Wolken gefallen", sagt Kaiser. "Mit mir hatte ja niemand gesprochen." Wütend lässt er sich entlassen. Er hat eine Woche verloren.

Eine Bekannte, die im Helios Klinikum Duisburg arbeitet, empfiehlt Kaiser ihren Standort der Helios St. Johannes Klinik in Alt-Hamborn. Hier, im Fachbereich der Allgemein-, Viszeral- und Minimalinvasiven Chirurgie (AVC) findet er endlich die vertrauensvollen Ansprechpartner, die er sich von Anfang an erhofft hat.

"Die Ärzte sind top", sagt Kaiser. "Ich hatte von Anfang an absolutes Vertrauen in sie." Die Duisburger Mediziner erklären Manfred Kaiser jeden einzelnen Schritt der Untersuchung und der weiteren Behandlung. "Es nimmt einem als Patient viel Angst, wenn man weiß, was auf einen zukommt", sagt Kaiser. Was er in diesem Moment noch nicht weiß: Zukommen wird leider noch einiges auf ihn.

Die Diagnose war zwar erstmal ein Schock. Aber man darf sich nicht unterkriegen lassen.

Manfred Kaiser, Patient

Diagnose verarbeiten: Den Krebs annehmen

Mann und Frau in Küche
Seine Frau stand ihm die ganze Zeit über zur Seite | Foto: Murat Aslan

"Die Diagnose war zwar erstmal ein Schock", sagt Manfred Kaiser. "Aber man darf sich nicht unterkriegen lassen." Angst hat er keine. In seinem Beruf hat er als Vertrauensmann viele Gespräche mit erkrankten Kollegen geführt und weiß: Man muss die Krankheit annehmen.

Das tut er – mit der Unterstützung seiner Frau, die von Anfang an bei allen Gesprächen und Terminen dabei ist. "So etwas durchzustehen, das geht nur gemeinsam", sagt Kaiser. Ein Kind hat das Ehepaar nicht, andere Verwandte stehen den beiden aber zur Seite. Das hilft, auch wenn Kaiser aufs Reisen und Schwimmen zunächst einmal verzichten muss.

Er bleibt dennoch zuversichtlich, vor allem wegen der Sorgfalt der Mediziner: Statt etwas übers Knie zu brechen, beraten die behandelnden Fachärzte gemeinsam über die beste Therapie für ihren Patienten. "Es war ein sehr vertrauensvolles Gespräch – da habe ich mich direkt sicher gefühlt", erinnert sich Kaiser.

Keine Chemotherapie – aber gleich zwei Operationen

Mann blickt zur Seite
Eine lange Behandlungsgeschichte liegt hinter ihm | Foto: Murat Aslan

Im Gespräch werden alle Therapie-Optionen zur Diskussion gestellt. Anwesend ist auch ein Spezialist der Radiologie, um über den Einsatz einer Chemotherapie zu beraten. "Bei einer Behandlung mit einer Chemotherapie hat man die Erfolgschancen auf 95 bis 96 Prozent geschätzt", erzählt Kaiser. "Bei einer Operation ohne Chemotherapie ungefähr genauso hoch.“ Gemeinsam entscheidet man sich dazu, es ohne Chemotherapie versuchen.

Tatsächlich wird Kaiser in seiner langen Behandlungsgeschichte eine Chemotherapie erspart bleiben. Stattdessen verständigt man sich auf eine Operation, genauer zwei Operationen: Zuerst soll das schnellwachsende Tumor-Gewebe an der Leber entfernt werden. Erst in einem zweiten Eingriff will das Team dem Patienten den bösartigen Tumor am Darm entfernen.  

Eingriff mit Folgen: Vom OP auf die Intensivstation

Mann vor Ampel
Nicht von der Krankheit ausbremsen lassen | Foto: Murat Aslan

Eine Woche später wird Manfred Kaiser im Helios Klinikum Duisburg operiert. Der Eingriff an der Leber verläuft zunächst wie geplant. Die rechte Leber mit dem betroffenen Gewebe wird entfernt und fördert eine Überraschung zutage: Es handelt sich nicht um Metastasen, sondern um lebereigene Tumore, die unabhängig entstanden. Entdeckt wurde diese zweite Erkrankung nur durch den Mastdarmkrebs – Glück im Unglück.

Als die Ärzte jedoch am nächsten Morgen nach dem Rechten schauen, wird ihnen sofort klar: Hier gibt es ein Problem. Kaiser ist rot im Gesicht und fiebrig. Eine allergische Reaktion auf die Plastikschläuche in seinem Körper. Mit einer Entzündung wird er auf die Intensivstation verlegt.

"Dort wurde ich zwar besonders gut versorgt", erzählt Kaiser. "Es ging mir aber nicht besonders gut." Woche um Woche muss Kaiser auf der Intensivstation bleiben, insgesamt sieben Wochen. Nach einer weiteren Woche auf der normalen Station darf er endlich nach Hause – vorübergehend: Denn nach wenigen Wochen Erholung steht die zweite Operation an, die am Darm.

Diesmal verläuft alles reibungslos. Der Tumor am Mastdarm wird erfolgreich entfernt. Die ungünstige Lage und Größe des Tumors lassen allerdings nicht zu, dass der Schließmuskel des Patienten erhalten bleibt. Manfred Kaiser wird ein künstlicher Darmausgang gelegt. 

Der Krebs ist besiegt: Neuer Alltag und zwei Rückfälle

Mann vor Lokal
25 Kilo verlor Manfred Kaiser | Foto: Murat Aslan

Die anschließenden Untersuchungen zeigen, dass alles wie gewünscht verlaufen ist: Manfred Kaiser hat den Darmkrebs besiegt. Er erholt sich schnell von seiner Behandlung. Bereits nach ein paar Tagen kann er entlassen werden – ganz zur Freude seiner Frau. Von Tag zu Tag geht es Kaiser nun besser.

Doch die beiden Operationen haben ihre Spuren hinterlassen. 25 Kilogramm Gewichtsverlust stehen zu Buche. "Mein Gewicht ist von 95 auf 70 Kilo runtergegangen", sagt Kaiser. "Und meine Kleidergröße von 54 auf 50."

Nicht gelitten hat darunter sein Humor: „Das einzige, was mich gestört hat, war, dass meine Sachen nicht mehr gepasst haben“, sagt Kaiser lachend.

Die Stoma-Therapeutin hat mir alles ganz genau erklärt. Sie hat mich anfangs auch zuhause besucht und mir beigebracht, wie man den Beutel wechselt.

Manfred Kaiser, Patient

Künstlicher Darmausgang: Ein Leben mit Stoma

Mann seitlich
Manfred Kaiser hat den Darmkrebs besiegt | Foto: Murat Aslan

Schnell gewöhnt sich Manfred Kaiser auch an sein neues Leben mit einem künstlichen Darmausgang. Beim sogenannten "Stoma" handelt es sich um eine künstliche Verbindung, die den Schließmuskel ersetzt. Ausscheidungen werden darüber in ein Behältnis abgeführt. Bei Darmkrebs-Patienten ist diese Form der Therapie nicht ungewöhnlich.

Beim Umgang mit dem Stoma-Beutel hat Kaiser keine Berührungsängste. "Die Stoma-Therapeutin hat mir alles ganz genau erklärt", sagt er. "Sie hat mich anfangs auch zuhause besucht und mir beigebracht, wie man den Beutel wechselt."

Im Alltag fühlt sich Kaiser durch den Stoma-Beutel kein bisschen einschränkt. "Ich kann alles machen, was ich will: spazieren gehen, einkaufen, verreisen", sagt er. "Ich trage einfach meine Hemden etwas weiter, dann fällt der Beutel darunter gar nicht auf."

Bald fängt Kaiser sogar wieder damit an, einer großen Leidenschaft nachzugehen: dem Schwimmen. "Ich habe mir eine spezielle Manschette für den Beutel besorgt, mit der nichts passieren kann", erzählt er. Den ersten Schwimmversuch mit Beutel unternimmt er im Italien-Urlaub. Es funktioniert reibungslos.

"Im Grunde ist mein Alltag heute wieder genauso wie vor dem Darmkrebs", sagt Kaiser. Einzig beim Essen muss er vorsichtig sein: "Bei der Operation wurde auch der Dickdarm entfernt, wodurch der Darm die Speisen nicht mehr so gut verarbeiten kann", erklärt er. "Wenn ich gut kaue, ist das meistens kein Problem." Manchmal könnten größere Stücke bei der Verdauung aber ein wenig Schmerzen verursachen.

Die Krebs-Nachsorge: Zwei Rückfälle in drei Jahren

Mann läuft auf Lokal zu
Zwei Jahre nach der ersten Erkrankung folgte der Rückschlag | Foto: Murat Aslan

Patienten, die vom Krebs genesen, haben ein erhöhtes Risiko für eine erneute Erkrankung. Bei den vierteljährlichen Nachsorge-Checks wird Manfred Kaiser sorgfältig untersucht, um eine mögliche erneute Bildung von Tumoren und Metastasen schon im Frühstadium zu entdecken. Bauchschmerzen bereitet Kaiser der Termin zur Früherkennung nicht: "Ich weiß ja, dass ich bei den Ärzten in guten Händen bin."

2017, gerade einmal zwei Jahre nach der ersten Erkrankung, kommt der erste Rückfall. Beim Röntgen werden Punkte auf der Lunge entdeckt. Neue Metastasen? Ohne Eingriff ist das nicht zu beantworten. Kaiser muss erneut operiert werden. Der Eingriff an der Lunge verläuft gut, das entfernte Gewebe erweist sich glücklicherweise nicht als bösartig. Schnell kann Kaiser wieder mit den Ärzten scherzen: "Mit diesen Narben kann ich aber nicht mehr als Model arbeiten."

Wiederum zwei Jahre später, im Jahr 2019, werden erneut Tumorherde bei Manfred Kaiser festgestellt – diesmal an der Leber. Erneut soll operiert werden. Der Tumor liegt genau an einer großen Vene, der Hohlvene, die zum Herzen führt. Es wird befürchtet, dass der Tumor bereits mit dem großen herznahen Gefäß verwachsen sein könnte. Darum entscheidet man, dass die Operation mit Unterstützung eines Gefäßchirurgen durchgeführt wird. Dafür wird Kaiser aus Duisburg vorübergehend in das rund 25 Kilometer entfernte Helios Klinikum Krefeld verlegt.

Morgens findet die Operation statt. Als Kaiser mittags auf der Wachstation zu sich kommt, stehen beide Mediziner an seinem Bett und fragen ihn: Wie geht es Ihnen? "Gut", sagt Kaiser. So gut, dass er kurz darauf zurück nach Duisburg verlegt werden kann. Zwei weitere Tage später wird er entlassen.

Am Jahresende kann Kaiser in Ägypten auf seinen 71. Geburtstag anstoßen. Und darauf, dass er den Krebs erneut besiegt hat.

Fazit: Kopf hoch, Blick nach vorn

Mann blickt in Kamera
Den Blick in die Zukunft gerichtet | Foto: Murat Aslan

"Es geht mir gut, ich fühle mich stark", sagt Manfred Kaiser heute. Bislang sind alle weiteren Untersuchungen wunschgemäß verlaufen. Nach dem Darmkrebs hat der Alltag wieder Einzug in sein Leben erhalten. "Spazieren gehen, einkaufen, schwimmen und auch mal feiern im Karnevalsverein: Alles kein Problem", sagt Kaiser. "Ich genieße meine Zeit genauso wie vorher."

An seine Erkrankung und die zurückliegende Therapie denkt Kaiser selten zurück. "Wir blicken lieber nach vorn", sagt er. Nur die regelmäßigen Nachsorge-Untersuchungen erinnern ihn noch an das, was er überstanden hat. "Damit muss ich leben – und das kann ich auch." Sollten eines Tages neue Tumoren oder Metastasen entdeckt werden, vertraut er voll und ganz seinen Ärzten, zu denen er inzwischen ein freundschaftliches Verhältnis pflegt: "Dann gehe ich dahin, die machen das weg – und gut."

Anderen Betroffenen könne er nur empfehlen, die eigene Situation zu akzeptieren. "Man muss die Krankheit annehmen, wie sie ist", sagt Kaiser. "Und das Wichtigste ist: Nie den Kopf hängen lassen!"

Manfred Kaiser selbst hat den Kopf nie hängen lassen – zwei Rückfällen und vier Operationen zum Trotz. Und er hat sich noch viel vorgenommen: "Meine Mutter ist 92 geworden. So alt will ich auch noch werden – mindestens!"

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