Ein Tumor, so groß wie ein Handball

Ein Tumor, so groß wie ein Handball

Schwerin

Am 15. Februar ist Welt-Kinderkrebstag. Krebsbehandlungen bei Kindern werden in den modernen Industrienationen weltweit oft mit sehr hohen medizinischen Standard durchgeführt und haben eine gute Erfolgsquote. Doch jeder Patient hat seine individuelle Erkrankung. Was, wenn die Standardbehandlung nicht wirkt?

In den Helios Kliniken Schwerin arbeiten dafür Dr. Aram Prokop und sein Team der Kinderonkologie in ihrem Labor „Experimentelle Onkologie“. Für praktizierende Kinderärzte an Krankenhäusern ist es ungewöhnlich, dass sie auch Forschung betreiben. Doch für Dr. Prokop war es wichtig, als er vor einem Dreivierteljahr nach Schwerin kam, dass sein Labor und sein Team mitkommen.

Mit ihrer Forschung haben sie bereits mehrere als austherapiert geltende Kinder mit einer individuellen Therapie retten können. „Austherapiert bedeutet, dass die normalerweise eingesetzte Behandlung dem Krebs nichts mehr entgegensetzen kann“, erklärt der Oberarzt aus der Kinder- und Jugendmedizin. „Das sie in Schwerin oder München oder auch in anderen Städten weltweit die gleiche Behandlung für ein Krebsleiden bei Kindern bekommen, spricht eindeutig für den hohen Standard und die guten Erfolgsquoten.“ In Deutschland liegt zurzeit in der Kinderonkologie die Überlebensrate bei etwa 79%. Aber manchmal ist ein Tumor so aggressiv, dass er auf die Therapie einfach nicht anspricht. „Dann begeben wir uns auf die Suche nach einer individuellen Therapie.“

Ein Fall blieb Dr. Prokop dabei besonders in Erinnerung. „Ein Jugendlicher mit einem Tumor so groß wie ein Handball in der Brust saß in meinem Sprechzimmer. Eine sehr seltene Krebsart. Ich saß mit ihm und seinen Eltern zusammen und musste ihm mitteilen, dass noch kein Patient weltweit seine Erkrankung überlebt hat. Er sah mich an und sagte: Dann werde ich der erste sein! Ich war perplex und fragte später die Eltern, ob sie mich verstanden haben. Es gäbe niemanden, der diesen Krebs überlebt hätte. Ihre Antwort darauf: Es gibt für uns zwei Möglichkeiten: Sie bieten uns eine Therapie an, oder wir wechseln die Klinik.“ Das Team entwickelte im Labor eine individuelle Therapie für den Jungen, die er als erster Mensch weltweit erhielt. Es war ein sehr anstrengender Weg für ihn, der schlussendlich ein gutes Ende nahm. Heute führt der junge Mann ein glückliches Leben in Gesundheit – nun schon acht Jahre nach der Therapie. „Manchmal passt eben alles zusammen“, so Dr. Prokop. „Das ist leider nicht immer so, aber wenn es gut ausgeht, hat sich der Aufwand gelohnt.“

Patrick Hoppe

Referent Unternehmenskommunikation
Patrick Hoppe

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