Depressive Erkrankungen - Klinisches Bild

Depressionen unterscheiden sich deutlich von den auch bei Gesunden vorkommenden Zuständen, in denen nur kurzzeitig (für Stunden oder Tage) Beeinträchtigungen der Stimmung oder der Leistungsfähigkeit auftreten. Typische Anzeichen einer depressiven Erkrankung sind niedergedrückte Stimmung, Konzentrationsstörungen, Grübelneigung, Freudlosigkeit, ein Gefühl von Sinnlosigkeit, innere Unruhe, Schlafstörungen – häufig mit Früherwachen – Schuldgefühle, Suizidgedanken sowie körperliche Symptome wie dumpfe Kopfschmerzen oder ziehende Rückenschmerzen. Kleinste Verrichtungen erfordern eine große Anstrengung und hinterlassen das Gefühl einer anhaltenden Erschöpfung.

Bei der bipolaren affektiven Störung, auch als manisch-depressive Erkrankung bekannt, wechseln schwere depressive Zustände mit manischen Phasen ab, die durch Antriebssteigerung, geringes Schlafbedürfnis, Größenideen, unsinnige Geldausgaben, aber auch Aggressivität bis hin zu Erregungszuständen gekennzeichnet sind. Bei schweren Depressionen kann es auch zu Wahnvorstellungen kommen, z. B. im Sinne eines Verarmungswahns oder der Vorstellung, an einer unheilbaren körperlichen Erkrankung, z. B. an Krebs oder der Alzheimer-Demenz, zu leiden.

 

Depressive Erkrankungen - Allgemeine Behandlung

Häufig ist die längerfristige Einnahme antidepressiv wirkender Medikamente erforderlich, um entsprechende Ungleichgewichte im Hirnstoffwechsel auszugleichen. In besonderer Weise haben sich auch psychotherapeutische Maßnahmen bewährt, die z. B. den Abbau dysfunktionaler und depressionsverstärkender Kognitionen und Grundeinstellungen fokussieren. Ein soziales Kompetenztraining kann dazu beitragen, dass die Betroffenen aus chronischen Überforderungssituationen herauskommen und lernen, eigene Bedürfnisse adäquat zu äußern und, wenn möglich, auch zu erfüllen.

Therapeutisch steht bei akuten Zuständen zunächst die Pharmakotherapie im Vordergrund. Entscheidend ist, dass, wenn irgend möglich, eine Vollremission der jeweiligen Krankheitsphase angestrebt wird. Langzeitstudien zeigen, dass die Rezidivneigung durch eine konsequente mehrjährige Einnahme der antidepressiven und/oder phasenprophylaktischen Medikation deutlich reduziert werden kann. Menschen mit einer Neigung zu Depressionen müssen lernen, ein angemessenes Verhältnis von An- und Entspannung, von Arbeit und Freizeit zu finden, um nicht in einen chronischen Erschöpfungszustand zu geraten. In diesem Zusammenhang kann insbesondere ein regelmäßiges körperliches Training in einer Form, die den Betroffenen auch Spaß macht, einen wichtigen Beitrag leisten. Andere Behandlungsmaßnahmen wie Ergo- oder Kunsttherapie können den Heilungsprozess unterstützen.