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Leistungsspektrum untere Extremitäten

Meniskusverletzungen

Wir Menschen besitzen im Kniegelenk einen inneren und einen äußeren Meniskus. Beide bestehen aus einer von elastischen Fasern durchsetzten Knorpelsubstanz und haben eine Halbmondform, so ähnlich wie die Scheiben einer Orange. Betrachtet man den gelenkbildenden Oberschenkelknochen von der Seite, so hat dieser eine runde Form. Das Schienbein hat eine gerade Gelenkfläche. Stark vereinfacht bewegt sich beim Beugen und Strecken ein walzenähnlicher Oberschenkel auf einem flachen Plateau. Das Gewicht des Körpers lastet somit auf einer kleinen Fläche. Die beiden Menisci füllen den Hohlraum zwischen beiden Knochen aus und vergrößern die Auflagefläche. Gleichzeitig stabilisieren sie das Gelenk.

Viele Meniskusrisse sind degenerativer Natur. Unfallbedingte Risse entstehen meist durch einen sogenannten Drehsturz. Der Innenmeniskus ist bei beiden Formen wesentlich häufiger betroffen, und dort in erster Linie das Hinterhorn. Die Einteilung erfolgt nach der Rissform. Hervorzuheben ist der Korbhenkelriss. Es handelt sich um einen Einriss parallel zum Meniskusverlauf, der den zum Inneren des Gelenks liegenden Rand nicht überschreitet. Weichen die Rissränder auseinander, so sieht der in das Gelenkzentrum ragende Anteil aus wie der Henkel eines Korbes, was ihm den Namen gibt. Wir kennen noch den Radiärriss und den Lappenriss.

Degenerative Risse verursachen ein unspezifisches Beschwerdebild, nicht alle Meniskusrisse machen überhaupt Beschwerden. Akute Risse führen oft zu Einklemmungen. Das Knie kann nicht mehr vollständig gebeugt oder gestreckt werden. Diese Bewegungseinschränkung ist ziemlich schmerzhaft. Sie kann auch plötzlich verschwinden, nämlich dann, wenn der ein- oder abgerissene Teil in seine „Originalposition“ zurückschnappt. Auch abgerissene Meniskusteile können einklemmen und die Beweglichkeit spontan wieder freigeben.

Zur Diagnostik gehören drei Bestandteile: Die Befragung des Patienten leitet den Arzt zu einer Verdachtsdiagnose. Bei Einklemmungserscheinungen nach einem typischen Drehsturz ist dieses Symptom so bedeutsam, dass sich daraus bereits die Diagnose mit ziemlicher Sicherheit ergibt. Die klinische Untersuchung erhärtet die Verdachtsdiagnose. Das MRT zeigt uns am besten die Binnenstrukturen des Kniegelenks. Manchmal kann die Untersuchung mit Kontrastmittel sinnvoll sein. Eine Röntgenuntersuchung komplettiert die Apparatediagnostik. Wir halten es für außerordentlich wichtig, dass der Arzt, der die Diagnose stellt und mit dem Patienten die Frage der weiteren Versorgung diskutiert, die klinischen Untersuchungsbefunde mit den Ergebnissen von MRT, Röntgen und anderen vergleicht und untereinander in Beziehung setzt. Dazu reicht es nicht, nur den Befund zu lesen, man muss die Bilder betrachten.

Prinzipiell kann man Meniskusrisse, besonders solche degenerativer Art, konservativ mit Schmerzmitteln, Physiotherapie und Teilentlastung behandeln. Patienten, die zu uns kommen, haben meist ein akutes Ereignis und wünschen in der Regel ein operatives Vorgehen. Man kann abgerissene Meniskusteile entfernen. Dies geschieht heute nahezu immer arthroskopisch. Dazu wird ein Rohr mit etwa 6mm Durchmesser in das Kniegelenk eingeführt. In diesem befindet sich eine Optik, die die Bilder über eine Digitalkamera auf einen Monitor überträgt. Außerdem wird das Kniegelenk mit einer glasklaren Flüssigkeit gefüllt, um gute Sicht zu haben. Blut und Ergussflüssigkeit, aber auch abgelöste Partikel werden ausgespült. Über einen oder mehrere kleine Schnitte werden Instrumente eingeführt, die zum Austasten des Gelenks, zum Schneiden, Schleifen oder Nähen dienen.

Risse, die zum Zentrum des Gelenks zeigen, werden abgetragen. Man kann Meniskusrisse aber auch nähen. Das wird wegen der anatomischen Verhältnisse (Walze auf Plateau) angestrebt. Besonders geeignet sind die vorn genannten Korbhenkelrisse, insbesondere dann, wenn sich der Riss im durchbluteten Teil des Meniskus befindet. Je nachdem, ob man den Faden von innen nach außen oder von außen nach innen führt, heißt die Technik inside-out- oder outside-in- Technik. Diese Methoden eignen sich für die vorderen bis mittleren Teile des Meniskus. Wir verwenden chirurgisches Nahtmaterial, das auf der Gelenkkapsel so geknotet wird, dass ein O entsteht. Selten wird dabei ein kleiner Hautnerv mit der Naht gefasst, der gereizt wird, was Beschwerden verursacht. Dann kann man ziemlich bald den Fanden entfernen, was in der Regel schlagartig zu Beschwerdefreiheit führt. Risse im Hinterhornbereich können so nicht versorgt werden, eine Verletzung von Blutgefäßen und Nerven in der Kniekehle könnte entstehen.

Deshalb wählen wir die all- in- Technik. Die Industrie bietet dafür immer neue Nahtapparate an. Nicht alle Meniskusnähte führen zum Verheilen der Verletzung. Die Literatur gibt eine Heilungsrate von zirka 75% an. Weitere 10% sind beschwerdefrei, auch wenn keine Heilung erzielt werden konnte. Dann bleibt noch die Entfernung.