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Und plötzlich war es Schilddrüsenkrebs: Wie Marie (18) sich ihren Alltag zurückholt

Ein Knoten in der Schilddrüse ist meist harmlos. Bei Marie R. jedoch stellten mehrere Untersuchungen etwas anderes fest. Heute blickt die 18-Jährige auf eine intensive Behandlungszeit zurück und arbeitet daran, Schritt für Schritt in ihren Alltag zurückzufinden.

30.09.2026 Lesedauer: - Min.
Arzt Patienten Gespräch

Vor drei Jahren hat es schleichend begonnen: Marie fühlt sich oft schlapp, litt unter Kopf- sowie Bauchschmerzen und hatte immer wieder das Gefühl, einen Kloß im Hals zu haben. Ein Ultraschall beim Hausarzt zeigte tatsächlich einen Knoten in der Schilddrüse. Da ihre Blutwerte unauffällig waren, wurde der Befund als unproblematisch eingestuft. Doch ihre Symptome blieben. Nach einem Hausarztwechsel wurde der Knoten erneut untersucht: Er war gewachsen und zeigte eine auffällige Durchblutung.

Dabei ist ein Schilddrüsenknoten nicht automatisch ein Grund zur Sorge. Das kleine, schmetterlingsförmige Organ unterhalb des Kehlkopfes produziert lebenswichtige Hormone für Stoffwechsel und Kreislauf. Fast jede vierte Person entwickelt im Laufe des Lebens solche Knoten, meist sind sie gutartig. Bösartige Tumore sind selten - und früh erkannt, gut heilbar. Bei Marie folgten Untersuchungen in der Nuklearmedizin, darunter drei Szintigrafien. Doch der Befund blieb uneindeutig. Ein HNO-Arzt empfahl der 18-Jährigen schließlich die Vorstellung in der Helios St. Elisabeth Klinik in Oberhausen.

Die entscheidende Antwort kommt im OP

"Die Untersuchungen haben leider kein eindeutiges Bild zeichnen können, aber es blieb ein ungutes Gefühl", erzählt Dr. Darick Fidan, Oberarzt der Allgemein- und Viszeralchirurgie an der Helios St. Elisabeth Klinik. Daher haben sich Marie und das Ärzteteam gemeinsam für eine Operation entschieden.

Zunächst entfernten die Chirurgen nur die betroffene Seite der Schilddrüse, um möglichst viel gesundes Gewebe zu erhalten. Doch die feingewebliche Untersuchung während des Eingriffs brachte die Gewissheit: Der Knoten war bösartig. Die Schilddrüse musste vollständig entnommen werden. "So konnten wir direkt reagieren und Marie eine mögliche zweite Operation ersparen", erklärt Dr. Fidan. Die Schilddrüsenchirurgie gehört zu den Schwerpunkten der Allgemein-, Viszeral- und Endokrinen Chirurgie der Helios St. Elisabeth Klinik. Dass die endgültige Diagnose erst im OP feststand, zeigt die enge Zusammenarbeit mit der Pathologie und anderer Fachbereiche: Für die optimale Versorgung arbeitet das Team eng mit Endokrinologie, Nuklearmedizin, HNO und Onkologie zusammen. Bei Tumorerkrankungen wird das Vorgehen zudem regelmäßig im interdisziplinären Tumorboard gemeinsam besprochen.

Für Marie kam die Krebsdiagnose völlig unerwartet. Schließlich hatte es Jahre geheißen, alles sei in Ordnung. Nun ging plötzlich alles sehr schnell. "Am Anfang war ich einfach nur überfordert. Aber direkt vor der Operation wurde mit mir über alles gesprochen. Ich konnte meine Fragen und Ängste ansprechen. Mir hat es viel bedeutet, dass jemand zu mir gesagt hat: ,Sie sind nicht allein, wir schaffen das.'" Durch die enge Kooperation mit der Uniklinik Essen konnte die erforderliche Anschlussbehandlung mittels sogenannter Radiojodtherapie zeitgerecht erfolgen. Ihre Familie war während der gesamten Behandlung an ihrer Seite. "Wir haben jede Therapie zusammen gemacht. Sie waren jeden Tag da."

Schritt für Schritt zurück in den Alltag

Heute lebt Marie ohne Schilddrüse. Regelmäßige Blutkontrollen und die richtige Einstellung ihrer Medikamente gehören seit der Operation im April zu ihrem Alltag. "Ich fühle mich nicht krank. Aber es ist schon ein komisches Gefühl, dass mir jetzt etwas fehlt, das die meisten Menschen ihr ganzes Leben lang haben." Ganz bei Kräften ist sie noch nicht, doch ihr Ziel ist klar: zurück in ihr gewohntes Leben. Für die Behandlung musste Marie ihre Ausbildung zur Medizinischen Fachangestellten in einer gynäkologischen Praxis zunächst unterbrechen. Inzwischen arbeitet sie wieder, besucht die Berufsschule und möchte ihre Ausbildung unbedingt abschließen.

Ihre eigene Geschichte hat auch ihren Blick auf die Patientinnen und Patienten verändert, die sie in der Praxis betreut. Dort begegnet sie vielen Menschen mit Krebsdiagnosen: "Früher habe ich die Befunde gesehen und wusste fachlich, was darauf steht. Aber erst jetzt weiß ich, wie es sich anfühlt, selbst so einen Befund zu bekommen, von Arzt zu Arzt zu laufen und diese Ungewissheit zu spüren." Heute möchte Marie anderen genau das geben, was ihr selbst in dieser Zeit geholfen hat: das Gefühl, nicht alleine zu sein. "Wenn ich jetzt einen Befund sehe, weiß ich, wie viel Angst darin stecken kann. Ich möchte die Menschen dann am liebsten beiseitenehmen, für die da sein und ihnen sagen: Sie sind nicht allein."

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