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Kopfschmerzen: Was Kindern und Jugendlichen hilft

Wenn Kopfschmerzen bei Kindern oder Jugendlichen häufig auftreten, leidet oft die gesamte Familie. Werden Schultage regelmäßig abgebrochen und fallen Verabredungen aus, zieht sich die Welt für Betroffene zusammen. Wir erklären, warum eine genaue Diagnose wichtig ist, was Kinder und Eltern selbst tun können und wann eine spezialisierte Schmerztherapie sinnvoll sein kann.

21.09.2026 Lesedauer: - Min.
Medizinisch geprüft von Sascha Szoltysik
sad young boy, kids stress and exhaustion
Inhaltsverzeichnis

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Wiederkehrende Kopfschmerzen bei Kindern und Jugendlichen sollten ärztlich abgeklärt werden, besonders dann, wenn sie öfter auftreten, stärker werden oder den Alltag beeinträchtigen.
  • Ein Kopfschmerztagebuch kann helfen, Muster, mögliche Auslöser und die Häufigkeit der Beschwerden zu erkennen.
  • Bei chronischen Kopfschmerzen, die das Leben stark einschränken, kann eine multimodale Behandlung sinnvoll sein. Hier arbeiten Medizin, Psychologie und weitere therapeutische Fachrichtungen zusammen.

Was sind chronische Kopfschmerzen bei Kindern und Jugendlichen?

Nicht jedes Kind, das häufiger Kopfschmerzen hat, leidet unter chronischen Kopfschmerzen. Beim chronischen Spannungskopfschmerz beispielsweise treten die Beschwerden an mindestens 15 Tagen pro Monat über mehr als drei Monate auf. Auch Migräne kann einen chronischen Verlauf nehmen. Beide gehören zu den häufigsten Kopfschmerzformen im Kindes- und Jugendalter.

Grundsätzlich unterscheiden Fachleute zwischen primären und sekundären Kopfschmerzen. Bei primären Kopfschmerzen ist der Kopfschmerz selbst die Erkrankung. Dazu gehören insbesondere Migräne und Spannungskopfschmerz. Sekundäre Kopfschmerzen entstehen dagegen als Folge einer anderen Erkrankung oder Ursache, beispielsweise eines Infekts oder einer Kopfverletzung.

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Wie unterscheiden sich Migräne und Spannungskopfschmerz?

Wie bei Erwachsenen zählen Kopfschmerzen bei Kindern und Jugendlichen zu den häufigsten gesundheitlichen Beschwerden. Sie können bereits ab dem ersten Lebensjahr auftreten.

Migräne bei Kindern und Jugendlichen

Kopfschmerzen und vor allem Migräne zeigen sich bei Kindern mitunter anders als bei Erwachsenen. „Bei Kindern sind Migräneattacken beispielsweise häufiger beidseitig oder frontal lokalisiert, während Erwachsene typischerweise eher einseitige Kopfschmerzen beschreiben“, sagt Dr. Sascha Szoltysik, Chefarzt der Kinderschmerzklinik im Helios Klinikum Uelzen. „Zudem steht bei Kindern nicht immer der Kopfschmerz im Vordergrund – manchmal sind Übelkeit, Erbrechen oder sogar Bauchschmerzen die auffälligsten Beschwerden. Deshalb sollte man auch bei wiederkehrenden, anfallsartigen Bauchschmerzen an eine Migräne denken.“

Mit zunehmendem Alter entwickeln sich die Symptome häufig in Richtung des typischen Beschwerdebildes von Erwachsenen. Die Pubertät ist dabei eine wichtige Übergangsphase: Besonders bei Mädchen nimmt die Häufigkeit von Migräne nach Beginn der Pubertät zu. Hormonelle Veränderungen spielen dabei wahrscheinlich eine Rolle. Gleichzeitig verändern sich in dieser Lebensphase Schlafrhythmus, schulische Anforderungen, soziale Beziehungen, Mediennutzung und Alltagsstruktur.

Spannungskopfschmerz bei Kindern und Jugendlichen

Spannungskopfschmerzen werden meist als dumpf, drückend oder ziehend beschrieben und sind oft leicht bis mittelstark. Anders als bei Migräne verstärkt normale körperliche Aktivität die Beschwerden in der Regel nicht.

Welche Kopfschmerzform vorliegt, lässt sich anhand einzelner Symptome nicht immer sicher bestimmen. Auch Mischformen können auftreten, zudem können Kinder und Jugendliche auch von verschiedenen Kopfschmerzarten betroffen sein.

Welche Ursachen können chronische Kopfschmerzen haben?

Bei wiederkehrenden Kopfschmerzen gibt es häufig mehrere auslösende Faktoren. Dazu gehören beispielsweise:

  • unregelmäßiger oder zu wenig Schlaf
  • ausgelassene Mahlzeiten
  • zu wenig Flüssigkeit
  • Stress und hohe Belastungen
  • fehlende Erholungsphasen
  • individuelle Kopfschmerz-Trigger

Auch Medikamente können eine Rolle spielen: Werden Mittel gegen Kopfschmerzen zu oft eingesetzt, können sie selbst dazu beitragen, dass Kopfschmerzen häufiger auftreten. Deshalb sollten Eltern Schmerzmittel bei wiederkehrenden Beschwerden nicht dauerhaft in Eigenregie geben, sondern die kinderärztliche Praxis einbeziehen.

Kann chronischer Kopfschmerz auch psychosomatisch sein?

Auch psychische und soziale Belastungen können Schmerzen beeinflussen. Das bedeutet aber ausdrücklich nicht, dass die Beschwerden eingebildet sind.

„Der Schmerz ist real. Er entsteht im Zusammenspiel von Nervensystem, Körper, Psyche und Umwelt – und genau an mehreren dieser Stellschrauben können wir therapeutisch ansetzen“, sagt Dr. Sascha Szoltysik. Das gilt auch für Bauchschmerzen im Rahmen von Migräne oder anderen funktionellen Schmerzstörungen. „Wir wissen, dass das Gehirn Schmerzen abhängig von Schlaf, Stress und Gefühlen verarbeitet. Diese Faktoren können beeinflussen, wie stark wir Schmerzen wahrnehmen. Deshalb können wir den Schmerz manchmal auch dadurch beeinflussen, dass wir diese Faktoren verändern.“

Vereinfacht kann man sich das wie eine Lautstärkeregelung vorstellen: Eine bestehende biologische Empfindlichkeit kann durch anhaltenden Stress, Angst oder Schlafmangel gewissermaßen „hochgeregelt“ werden. Das kann sich sowohl in Kopfschmerzen als auch in Bauchschmerzen äußern.

Das ist auch der Grund, weshalb moderne Kopfschmerztherapie zunehmend multimodal arbeitet. Medizinische Behandlung wird mit psychologischen und verhaltensmedizinischen Verfahren sowie Bewegung und Entspannung kombiniert.

Welche Rolle spielen Schlaf, Bewegung, Stress, Leistungsdruck, Schule oder Mediennutzung?

„Diese Faktoren können bei entsprechend veranlagten Kindern und Jugendlichen die Wahrscheinlichkeit von Kopfschmerzen erhöhen oder bestehende Beschwerden verstärken. Migräne ist allerdings keine reine „Stresskrankheit“, sondern eine neurologische Erkrankung mit einer individuellen biologischen Veranlagung“, sagt Dr. Szoltysik.

Bei Schule und Leistungsdruck sollte man differenzieren: Schule verursacht keine Migräne. Prüfungsstress, hohe Erwartungen, Konflikte oder dauerhafte Überforderung können bei einem bereits empfindlichen Nervensystem aber als Verstärker wirken.

Auch die Mediennutzung sollte man nicht pauschal verteufeln. Problematisch kann insbesondere die Kombination aus langen Bildschirmzeiten, wenig Bewegung, spätem Zubettgehen und verkürztem Schlaf sein.

„Wir sollten nicht versuchen, Kindern eine völlig stressfreie Welt zu schaffen – das ist unrealistisch. Wir sollten ihnen vielmehr zeigen, wie sie mit Stress umgehen und ihr Nervensystem wieder herunterregulieren können,“ so der Uelzener Schmerzexperte.

Helios Klinikum Uelzen

Chefarzt Kinderschmerzklinik/ IMST

Wir sollten nicht versuchen, Kindern eine völlig stressfreie Welt zu schaffen – das ist unrealistisch. Wir sollten ihnen vielmehr zeigen, wie sie mit Stress umgehen und ihr Nervensystem wieder herunterregulieren können.

Wann sollte ich Kopfschmerzen bei meinem Kind ärztlich abklären lassen?

Gelegentliche Kopfschmerzen sind häufig und oft kein Hinweis auf eine Erkrankung. Ein Arztbesuch ist jedoch sinnvoll, wenn:

  • die Kopfschmerzen regelmäßig auftreten oder häufiger werden
  • die Schmerzen stärker werden oder sich anders anfühlen als bisher
  • das Kind wegen der Beschwerden häufig in der Schule fehlt
  • Schlaf, Freizeit oder Familienalltag deutlich beeinträchtigt sind
  • weitere Beschwerden hinzukommen
  • regelmäßig Medikamente gegen die Kopfschmerzen benötigt werden

Erste Anlaufstelle kann die Kinder- und Jugendarztpraxis sein. Je nach Beschwerden werden dann weitere Fachrichtungen hinzugezogen.

Wie werden chronische Kopfschmerzen diagnostiziert?

Am Anfang steht das genaue Zuhören. Für die Ärztin oder den Arzt sind die Beschreibung und der Verlauf der Beschwerden besonders wichtig. Gefragt wird beispielsweise:

  • Wann treten die Kopfschmerzen auf?
  • Wie häufig kommen sie vor?
  • Wie lange dauern sie an?
  • Wo tut es weh?
  • Sind die Schmerzen drückend, stechend oder pochend?
  • Wie stark sind sie?
  • Gibt es weitere Beschwerden wie Übelkeit, Lichtempfindlichkeit oder Müdigkeit?
  • Was macht Beschwerden besser oder schlechter?
  • Wie wirken sie sich auf Schule, Schlaf und Freizeit aus?
  • Welche Medikamente werden eingenommen?

Nach dem Gespräch folgt eine körperliche beziehungsweise neurologische Untersuchung. Weitere Untersuchungen wie ein MRT oder CT werden vor allem dann eingesetzt, wenn es Hinweise darauf gibt, dass der Kopfschmerz auf eine andere Ursache beziehungsweise Erkrankung zurück geht (sekundärer Kopfschmerz).

Was bringt ein Kopfschmerztagebuch?

Ein Kopfschmerztagebuch kann vor allem das Arztgespräch unterstützen. „Es ist ein einfaches, aber sehr wertvolles Instrument, das hilft, Muster zu erkennen, die im normalen Arztgespräch übersehen werden können. Außerdem kann man damit beurteilen, ob eine Behandlung tatsächlich zu einer Verbesserung führt“, sagt Chefarzt Szoltysik.

Bei Kindern sollte man dabei nicht nur nach dem Kopfschmerz fragen. Auch Bauchschmerzen und andere Begleitsymptome sollten dokumentiert werden. Gerade wenn Bauchschmerzen wiederkehrend, anfallsartig und zusammen mit Übelkeit, Erbrechen oder Blässe auftreten, kann diese Information diagnostisch sehr wichtig sein.

Festgehalten werden sollten beispielsweise:

  • Datum, Dauer und Intensität des Kopfschmerzes beziehungsweise der Bauchschmerzen
  • Begleitsymptome wie Übelkeit, Erbrechen, Blässe, Licht- oder Geräuschempfindlichkeit
  • Bei Bauchschmerzen zusätzlich möglichst genau: Wo tut es weh und wie fühlt sich der Schmerz an?
  • Schlafdauer und Schlafqualität
  • Stresssituationen, beispielsweise Prüfungen oder Konflikte
  • Bewegung und körperliche Aktivität
  • regelmäßige oder ausgelassene Mahlzeiten und Trinkmenge
  • besondere Ereignisse oder mögliche individuelle Auslöser
  • bei weiblichen Jugendlichen gegebenenfalls der Menstruationszyklus
  • eingenommene Medikamente und deren Wirkung
  • Auswirkungen auf Schule, Freizeit und soziale Aktivitäten.

Wichtig ist, dass das Tagebuch nicht zu einer zusätzlichen Belastung wird. „Es geht nicht darum, das Kind minutiös zu überwachen, sondern darum, Zusammenhänge sichtbar zu machen, den Kopfschmerz besser zu verstehen und dadurch handlungsfähiger zu werden“, erklärt Dr. Szoltysik.

Wie werden chronische Kopfschmerzen behandelt?

Die Behandlung richtet sich danach, welche Kopfschmerzform vorliegt, wie häufig die Beschwerden auftreten und wie stark das Kind im Alltag beeinträchtigt ist.

Bei akuten Kopfschmerzen können geeignete Schmerzmedikamente eingesetzt werden. Welches Medikament in welcher Dosis verabreicht wird, sollte mit der behandelnden Ärztin beziehungsweise dem behandelnden Arzt besprochen werden. Denn: Für Kinder und Jugendliche gelten anderen Voraussetzungen als für Erwachsene.

Bei wiederkehrenden Kopfschmerzen spielen nichtmedikamentöse Maßnahmen eine wichtige Rolle. Dazu gehören unter anderem regelmäßige körperliche Aktivität, Entspannungsverfahren sowie Strategien zum Umgang mit Stress und Schmerz.

Was gehört zur Behandlung in einer Kinderschmerzklinik?

Eine erfolgreiche Behandlung bedeutet nicht nur, möglichst schnell den Schmerz zu unterdrücken. Vielmehr geht es darum, gemeinsam mit dem Kind oder Jugendlichen herauszufinden, welche Faktoren die Beschwerden beeinflussen, welche Behandlung sinnvoll ist und welche Strategien das Kind selbst anwenden kann.

„Ein moderner Ansatz in Kinderschmerzkliniken ist deshalb ganzheitlich: Wir verbinden medizinische Diagnostik und Therapie mit Maßnahmen zur Schlafregulation, Bewegung, Stressbewältigung, Entspannung und psychologischen Schmerzbewältigung“, sagt der Chefarzt der Uelzener Kinderschmerzklinik. „Wir wollen Kindern nicht nur beibringen, wie sie Schmerzen behandeln können. Wir wollen ihnen vermitteln, dass sie selbst Einfluss auf ihre Erkrankung nehmen können. Das stärkt Selbstvertrauen und Selbstwirksamkeit – und genau das ist bei chronischen Schmerzen besonders wichtig.“

Säulen der Multimodalen Schmerztherapie

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Welche Rolle spielen die Eltern in der Behandlung?

Eltern sind gerade bei jüngeren Kindern ein wichtiger Bestandteil der Behandlung. Sie können einen verlässlichen Rahmen schaffen: regelmäßige Schlafenszeiten, ausreichend Trinken, regelmäßige Mahlzeiten, Bewegung, Erholungsphasen und einen vernünftigen Umgang mit Medien.

Gleichzeitig sollte der Kopfschmerz nicht zum Mittelpunkt des gesamten Familienlebens werden. Beschwerden müssen ernst genommen werden, ohne dem Kind das Gefühl zu vermitteln, dass es seinem Schmerz ausgeliefert ist.

„Gerade bei Kindern mit wiederkehrenden Bauch- und Kopfschmerzen ist es hilfreich, wenn Eltern beobachten, wann die Beschwerden auftreten, ohne jedes Symptom ständig zu hinterfragen. Ein ruhiger und strukturierter Umgang mit den Beschwerden ist meist hilfreicher als eine permanente Fokussierung auf den Schmerz“, sagt Dr. Szoltysik.

Mit zunehmendem Alter sollte die Eigenverantwortung des Jugendlichen wachsen. „Eltern sollten Sicherheit geben, aber nicht ständig kontrollieren. Das Ziel ist, dass aus einem Kind mit Kopfschmerzen ein junger Mensch wird, der seine Kopfschmerzen versteht und zunehmend selbst mit ihnen umgehen kann.“

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FAQ

Ja. Sehprobleme können Kopfschmerzen begünstigen. Vor allem eine nicht oder nicht ausreichend korrigierte Fehlsichtigkeit oder Probleme beim Zusammenspiel der Augen können die Augen bei längerem Lesen oder Arbeiten im Nahbereich stark beanspruchen. 

 

Wichtig: Bei wiederkehrenden Kopfschmerzen kann eine augenärztliche Untersuchung helfen, Sehprobleme als mögliche Ursache zu erkennen oder auszuschließen. Studien zeigen jedoch, dass viele Kinder mit Kopfschmerzen einen unauffälligen Augenbefund haben.

Chronische Kopfschmerzen können sich im Laufe der Kindheit und Jugend deutlich verändern. Bei einem Teil der Kinder nehmen die Beschwerden mit der Zeit ab oder verschwinden vollständig. Langzeitstudien zeigen aber, dass Kopfschmerzen bei einem Teil der Betroffenen fortbestehen oder sich die Kopfschmerzform verändert, beispielsweise von Migräne zu Spannungskopfschmerz oder umgekehrt.

 

Ob und wie sich die Beschwerden entwickeln, lässt sich für das einzelne Kind nicht vorhersagen. Wiederkehrende Kopfschmerzen sollten deshalb ärztlich abgeklärt und begleitet werden.  

Das hängt von der Art der Kopfschmerzen ab. Besonders bei Migräne kann die genetische Veranlagung eine Rolle spielen. Migräne tritt oft familiär gehäuft auf, wird aber in der Regel nicht über ein einzelnes Gen oder ein einfaches Vererbungsmuster weitergegeben. Vielmehr wirken verschiedene genetische Faktoren mit Umwelt- und Lebensstilfaktoren zusammen.