Warum ist Früherkennung bei Lungenkrebs wichtig?
Lungenkrebs macht in frühen Stadien oft kaum oder gar keine Beschwerden. Mögliche Anzeichen wie anhaltender Husten, Atemnot, Müdigkeit oder Gewichtsverlust sind unspezifisch und werden leicht anderen Ursachen zugeschrieben. Deshalb wird die Erkrankung häufig erst erkannt, wenn sie bereits weiter fortgeschritten ist.
„Je früher ein Lungentumor entdeckt wird, desto besser sind die Behandlungsmöglichkeiten und umso höher sind die Chancen auf einen positiven Verlauf und eine günstigere Prognose“, sagt Prof. Dr. Joachim Schmidt, Chefarzt der Thoraxchirurgie am Helios Klinikum Bonn/Rhein-Sieg und Leiter des regionalen Lungenkrebszentrums der Deutschen Krebsgesellschaft (DKG).
„Früherkennung hat damit ein klares Ziel: Sie soll helfen, Lungenkrebs in einem möglichst frühen Stadium zu entdecken, in dem eine heilende oder langfristig kontrollierende Behandlung möglich ist. Die Chancen, die sich durch unsere modernen Systeme wie zum Beispiel die robotische Navigations-Bronchoskopie ergeben, werden durch die Früherkennung noch besser nutzbar. So können wir unseren Patientinnen und Patienten die Möglichkeit bieten, zusammen mit unseren Kolleginnen und Kollegen aus der Pneumologie kleinste und weit in der Lungenperipherie gelegene Herde unmittelbar zu sichern und bei Tumornachweis eine direkte Entfernung des Lungenanteils mittels Da-Vinci Operationssystems in nur einer Narkose durchzuführen.“
Herausforderungen bei der Früherkennung von Lungenkrebs
Schon lange wird nach einer geeigneten Früherkennung für Lungenkrebs gesucht. Folgende Untersuchungen können einen Beitrag zur Lungenkrebs-Früherkennung leisten:
- Röntgenuntersuchung des Brustkorbs (Röntgen-Thorax)
- Bestimmung der Tumormarker
- Spiegelung der Bronchien (Bronchoskopie)
- mikroskopische Untersuchung abgehusteter Sekrete (Sputumzytologie)
Röntgen-Thorax
Die Röntgenuntersuchung des Brustkorbs ist ein seit vielen Jahrzehnten verwendetes Verfahren, um Lungenkrebs früh zu erkennen.
Verschiedene langjährige Studien zeigen jedoch, dass auch durch eine jährliche Röntgenuntersuchung die Sterblichkeit nicht gesenkt werden kann. Darüber hinaus stellte unter anderem die ELCAP-Studie („Early Lung Cancer Action Project“) heraus, dass die niedrig dosierte Computertomografie der normalen Röntgenaufnahme beim Nachweis des Lungenkrebses hoch überlegen ist.
Tumormarker
Als alleiniges Screening-Verfahren sind Tumormarker ungeeignet, da sie in vielen Fällen einen unnötigen Verdacht auslösen („falsch-positiv“).
Wie hoch ihre Genauigkeit in Kombination mit weiteren Untersuchungen ist, wird wissenschaftlich noch geprüft.
Sputumzytologie
Die mikroskopische Untersuchung abgehusteter Sekrete wurde früher oft in Kombination mit der Röntgenuntersuchung des Brustkorbs für die Früherkennung von Lungenkrebs genutzt.
Dass die Untersuchung die Sterblichkeit bei einem Lungenkarzinom reduziert, konnte jedoch nie nachgewiesen werden.
Bronchoskopie
Die Bronchoskopie ist ein Untersuchungsverfahren, bei dem ein Endoskop durch Nase oder Mund und über die Atemwege bis in die Bronchien geschoben wird. Da sich mit ihr ein Lungenkarzinom im frühem Stadium nur schlecht feststellen lässt, wird sie nicht für ein Lungenkrebs-Screening empfohlen.
Fazit: Für sich allein genommen sind die meisten Früherkennungsverfahren nicht zuverlässig genug oder würden zu viele unnötige Verdachtsmomente erzeugen. Andere Untersuchungen sind für eine regelmäßige Untersuchung zu belastend.
Deshalb suchen Fachgesellschaften schon lange nach einer Methode, mit der Lungenkrebs früh entdeckt werden kann, ohne den Körper unnötig zu belasten. Für bestimmte Risikogruppen ist die Low-Dose-CT hier ein wichtiger Fortschritt.
Low-Dose-CT (LDCT): Fortschritt in der Früherkennung
Große Studien aus den USA (NLST) und Europa (NELSON-Studie) zeigen: Bei Menschen mit hohem Risiko, vor allem also langjährigen starken Raucherinnen und Rauchern, kann eine regelmäßige Untersuchung mit Low-Dose-Computertomographie das Risiko senken, an Lungenkrebs zu sterben.
Wer profitiert vom Low-Dose-CT? Teilnahmevoraussetzungen
Auch eine Low-Dose-Computertomographie nutzt Röntgenstrahlung. Die Strahlendosis ist aber deutlich geringer, als bei einer normalen CT-Untersuchung und beträgt circa 1 bis 2 Millisievert (mSv). Das entspricht in etwa der Strahlung, die Menschen in Deutschland in einem Jahr aus der Umwelt aufnehmen. Denn: Das Bundesamt für Strahlenschutz geht davon aus, dass die durchschnittliche jährliche Strahlenbelastung aus natürlichen Quellen hierzulande zwei bis drei Millisievert beträgt.
Wichtig: Die Untersuchung wird nur Menschen angeboten, bei denen der Nutzen das Risiko überwiegt. Ihre Ärztin oder Ihr Arzt bespricht mit Ihnen, ob das für Sie zutrifft.
Meilenstein in der Früherkennung: roboterassistierte Bronchoskopie „Ion“
Das roboterassistierte Bronchoskopie-System Ion gilt als Gamechanger in der Lungenheilkunde. Mit ihm kommen Ärztinnen und Ärzte bis ins tiefste Lungengewebe und können selbst millimeterkleine verdächtige Gewebeverdichtungen erreichen und Proben entnehmen.
Vor der Spiegelung erstellt ein Computertomograph ein 3D-Bild der Lunge. Eine Software erzeugt daraus einen „digitalen Zwilling“ der Atemwege und berechnet den sichersten Weg zur verdächtigen Stelle.
Unter Narkose wird ein ultradünner, biegsamer Katheter mit Sensor und Kamera über einen Beatmungsschlauch in die Bronchien eingeführt und zu den Rundherden navigiert.
Leitlinienprogramm Onkologie: Lungenkarzinom Online: https://www.leitlinienprogramm-onkologie.de/... (Zugriff am 24.11.2025)
Krebs in Deutschland Online: https://www.krebsdaten.de/... (Zugriff am 19.06.2025)
GB-A Online: https://www.g-ba.de/... (Zugriff am 20.06.2025)