Plötzliche Schmerzattacke im Gesicht © Foto: Canva
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Trigeminusneuralgie

Plötzliche Schmerzattacke im Gesicht

Eine Störung am Trigeminusnerv kann zu kaum auszuhaltenden Reizungen in einer Gesichtshälfte führen. Treten die Schmerzen blitzartig einschießend und sekundenlang mit maximaler Intensität auf, ist die Ursache meist ein Konflikt zwischen dem Nerv und einem Gefäß am Hirnstamm.

„Betroffene befinden sich oft unter einem enormen Leidensdruck“, weiß Prof. Dr. Andreas Steinbrecher, Chefarzt in der Klinik für Neurologie im Helios Klinikum Erfurt. „Die Äste des Trigeminusnervs sind für die Empfindungen im Gesicht zuständig. Die klassische Trigeminusneuralgie resultiert oft aus einer Irritation des Nerves durch benachbarte Blutgefäße kurz vor der Eintrittsstelle in den Hirnstamm. Bei der multiplen Sklerose können auch Störungen der Trigeminusfasern im Gehirn selbst zu den Schmerzen führen“, erklärt Prof. Steinbrecher. Typisch ist, dass Schmerzattacken durch Berührungen, oft auch durchs Zähneputzen oder Kauen ausgelöst werden.

Operative Eingriffe können Beschwerden lindern

„Allein in Erfurt behandeln wir interdisziplinär jährlich etwa 30 Menschen mit Trigeminusneuralgie, darunter einige, die sehr gut mit Medikamenten therapiert werden können. In vielen Fällen lassen sich durch einen operativen Eingriff die die Nerven komprimierenden Blutgefäße auf Abstand halten. Damit lassen sich die Symptome nachhaltig bessern und die Erkrankung kann sogar geheilt werden “, erklärt Prof. Dr. Steffen Rosahl, Chefarzt in der Klinik für Neurochirurgie im Erfurter Klinikum. „Für einige Betroffene eignet sich auch eine radiochirurgische Behandlung, das heißt eine Präzisionsbestrahlung in einer Sitzung“, ergänzt Dr. Susanne Fichte, leitende Ärztin am Cyberknife-Zentrum. „Die Erkrankung kann für die Betroffenen buchstäblich die Hölle sein – für die meisten Patientinnen und Patienten lässt sich aber ein befriedigender Behandlungserfolg erreichen“, sind sich die Erfurter Expert:innen einig.

Betroffene befinden sich oft unter einem enormen Leidensdruck.

Prof. Dr. Andreas Steinbrecher, Chefarzt in der Klinik für Neurologie | Helios Klinikum Erfurt

Kerngebiet des Trigeminus

Der Trigeminus hat ein sehr ausgedehntes Kerngebiet im Hirnstamm. Hier arbeitet er auch mit anderen „Kollegen“ wie dem Mimik-Nerven und dem Gaumennerven zusammen. Aus dem Hirnstamm kommt der Trigeminusnerv mit zwei Anteilen, einem sensorischen und einem motorischen. Für die typische Trigeminusneuralgie gilt die Faustregel: je weiter unten im Gesicht die Beschwerden auftreten, desto weiter oben wird der Nerv durch einen Gefäßkonflikt betroffen.

Heutzutage können wir auch eine Elektrode in das Ganglion einlegen, um Schmerzen durch leichte elektrische Ströme zu dämpfen.

Prof. Dr. Andreas Steinbrecher, Chefarzt in der Klinik für Neurologie | Helios Klinikum Erfurt

Das Ganglion trigeminale ist eine Anhäufung von Nervenzellkörpern innerhalb der Schädelhöhle, das die Teilungsstelle des Trigeminusnerv darstellt. Wegen seines halbmondförmigen Aussehens wird dieser Nervenknoten auch als Ganglion semilunare (latein. semi = halb, luna = Mond) bezeichnet. „Heutzutage können wir auch eine Elektrode in das Ganglion einlegen, um Schmerzen durch leichte elektrische Ströme zu dämpfen“, erklärt Prof. Dr. Rosahl. Vom Ganglion an werden drei Äste des Trigeminus unterschieden: Augenast, Oberkieferast und Unterkieferast.

Die Äste des Trigeminus

Ganglion trigeminale: Dieser halbmondförmige Nervenknoten wird auch Ganglion semilunare oder Ganglion Gasseri genannt. Ein österreichischer Anatom, Raimund Balthasar Hirsch, hat 1723 das schon früher entdeckte Ganglion trigeminale zu Ehren seines Wiener Lehrers Johann Lorenz Gasser, Ganglion Gasseri genannt.

Augenast (Nervus ophthalmicus), zuständig für die Gesichtssensiblität an Stirn, in der Nase und um das Auge, aber vor allem für die Empfindlichkeit der Hornhaut. Ist dieser Ast geschädigt, wird der Lidschlag nicht mehr
regelmäßig ausgelöst, man spürt keine Fremdkörper im Auge und die Hornhaut (Cornea) wird bis zur Erblindung zerstört.

Oberkieferast (Nervus maxillaris), zuständig für die Sensibilität in Wange und Oberlippe.

Unterkieferast (Nervus mandibularis), zuständig für das Gefühl am Unterkiefer und die Funktion der Kaumuskeln.

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