Herzerkrankungen durch Stress: Was macht Stress mit dem Herz? © Foto: Canva
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Herzerkrankungen durch Stress: Was macht Stress mit dem Herz?

"Ich krieg‘ noch einen Herzinfarkt" – eine Aussage, die bei zu viel Stress leider schnell Realität werden kann. Denn psychischer Stress, belastende Ereignisse, finanzielle Sorgen und Liebeskummer können sich negativ auf die Herzgesundheit auswirken. Aber warum eigentlich?

Dr. Jochen Schneider, Oberarzt der Kardiologie am Helios Klinikum Pforzheim, erklärt, was dauerhafter Stress mit dem Herzen macht und welche gesundheitlichen Folgen er haben kann.

Was ist Stress?

Dunkelhäutige Frau gestress
Zu viel Dauertstress ist schlecht für das Herz | Foto: Canva

Bei Menschen mit Herzrasen, unregelmäßigem Herzschlag oder einem Engegefühl im Brustkorb steckt nicht immer eine ernsthafte Erkrankung dahinter: die Ursache kann auch zu viel Stress sein. Wird dieser chronisch, kann er sich mit Herz-Kreislaufbeschwerden äußern.

Übersetzt heißt Stress so viel wie "Anspannung". "Im Grunde ist Stress eine für das Überleben notwendige Reaktion des Körpers auf seelische oder körperliche "Angriffe" und Belastungen. Dieser Schutzmechanismus geht auf unsere Vorfahren zurück: wenn diese einer Gefahr ausgesetzt waren, versetzte der so ausgelöste Stress den Körper in eine Alarm- und Abwehrbereitschaft. Dies erhöhte den Blutdruck, die Herzfrequenz und alarmierte den Geist, sich auf einen Angriff oder eine Flucht vorzubereiten", sagt der Oberarzt.

Es ist wichtig, dass auf eine stressbedingte Anspannungsphase auch eine Erholungsphase folgt. Bleibt diese länger aus, werden wir krank.

Dr. Jochen Schneider, Oberarzt der Kardiologie | Helios Klinikum Pforzheim

Warum ist Stress schlecht fürs Herz?

Mann greift sich an Brust
Herzrasen oder unregelmäßige Herzschläge können durch Stress ausgelöst werden | Foto: Canva

Stress ist an sich etwas Natürliches. Aber "es ist wichtig, dass auf eine stressbedingte Anspannungsphase auch eine Erholungsphase folgt. Bleibt diese länger aus, werden wir krank", so Dr. Jochen Schneider. Dauerstress wirkt sich ungünstig auf das Herz-Kreislauf-System aus. Unter Stress produziert der Körper Stresshormone wie Adrenalin und Kortisol, die das Nerven- und Immunsystem beeinflussen: das Herz schlägt schneller oder unregelmäßig, entzündliche Prozesse im Körper werden aktiviert, die Blutgefäße verengen sich. Bei Betroffenen begünstigen der dauerhaft zu hohe Blutdruck und die veränderte Blutgerinnung Verengungen und Verstopfungen der Blutgefäße.

"Generell ist Bluthochdruck ein wichtiger Risikofaktor für die Entwicklung von Herzinfarkten, Schlaganfällen, aber auch von Herzschwäche", so der Pforzheimer Oberarzt. Auch Schlafstörungen können eine mögliche Folge sein. Ebenso Diabetes aufgrund der vermehrten Ausschüttung von Insulin.

Ein weiterer wichtiger Faktor ist, dass Betroffene oft dazu neigen, in stressigen Zeiten ungesunde Verhaltensweisen anzunehmen, etwa Rauchen, Frustessen oder übermäßiger Alkoholkonsum. Auch der Spaziergang oder Sport werden dann meist durch einen Filmabend ersetzt, sodass ausreichend Bewegung ausbleibt.

Symptome von Herz-Stress erkennen

  • trockener Mund
  • Kalte, blasse Hände und Füße
  • Herzklopfen
  • anhaltendes Herzrasen mit teilweise Schwindel
  • Druckschmerzen im Bereich des Brustkorbs
  • Blutdruckkrisen, die sich mit Kopf- oder Brustschmerzen äußern
  • Atemnot
  • starke Angstgefühle
  • innere Unruhe
  • Müdigkeit

Welche Herzerkrankungen ruft Stress hervor?

Langanhaltender Stress kann eine Vielzahl von körperlichen und seelischen Erkrankungen auslösen – insbesondere, wenn er nicht durch eine Phase von Entspannung und Erholung unterbrochen wird.

Bluthochdruck

Frau misst Blutdruck mit Messgerät
Stress lässt den Blutdruck gefährlich steigen | Foto: Canva

Ein häufiges Symptom von Stress auf das Herz ist eine Blutdruckerhöhung, teilweise auch mit anfallsweisen Blutdruckentgleisungen.Dieser sogenannte "hypertensive Notfall" kann direkten Schaden an einem Organsystem verursachen. Betroffene können bei einem gravierenden Anstieg des Blutdrucks Brustschmerzen, Schwindel aber auch Luftnot durch einen Rückstau von Blut in der Lunge verspüren. Zudem kann es durch die Blutdruckkrise zu Kopfschmerzen, Hirnblutungen oder weiteren neurologischen Störungen kommen.

Herzinfarkt

Herzinfarkte haben in der Regel eine längere Vorgeschichte. Ausgelöst wird ein Infarkt durch einen akuten Gefäßverschluss im Herzen.

Eine Ursache: Chronischer Stress. Dieser setzt den Blutgefäßen auf Dauer zu. Es kommt zu atherosklerotischen Umbauprozessen, bedingt durch Bluthochdruck und die Aktivierung von Gerinnungs- und Entzündungsmechanismen. Über längere Zeit führen diese zu Ablagerungen (Plaques) in den Arterien, die aus Fetten und Kalk bestehen. Eine schwerwiegende Verengung eines Blutgefäßes oder aber das Platzen einer Fett- und Kalkablagerung, kann einen Herzinfarkt auslösen.

Herzrhythmusstörungen

"Bei vielen Menschen kann Stress zu einer beschleunigten Herzfrequenz führen. Darüber hinaus kann es zu vorzeitigen Herzschlägen aus den Herzvorhöfen oder den Hauptkammern kommen. Wir sprechen dann von sogenannten Extrasystolen", sagt Dr. Jochen Schneider. Viele Betroffene nehmen das Herzstolpern als sehr störend und bedrohlich wahr.

Das Risiko für weitere Rhythmusstörungen wie etwa Vorhofflimmern ist stressbedingt ebenfalls erhöht. Beim Vorhofflimmern kommt es zu einer unkontrollierten elektrischen Erregung in den Herzvorhöfen. Diese außer Kontrolle geratenen Impulse werden dann häufig sehr schnell und ganz unregelmäßig auf die Hauptkammer übergeleitet.

Stress-Kardiomyopathie

Bei der Stress-Kardiomyopathie, auch Tako-Tsubo-Kardiomyopathie, handelt es sich um eine eher seltene, aber bedrohliche, akut auftretende Schädigung des Herzmuskels. Auslöser ist ein akuter "Überschuss" von Stresshormonen. Die meist älteren Patienten äußern häufig ähnliche Beschwerden wie bei einem Herzinfarkt, manchmal in Verbindung mit schwerer Luftnot. Bei einem überwiegenden Teil der Patienten zeigt sich eine ausgeprägte Pumpschwäche des Herzens.

Da nicht selten schwere emotionale Stresssituationen, etwa nach einem Todesfall eines nahen Angehörigen, die Stress-Kardiomyopathie auslösen, spricht man auch vom Broken-Heart-Syndrom

Die Behandlung erfolgt mit Medikamenten, sodass ein großer Teil der Patienten eine gute Erholung des Herzens innerhalb der nächsten Wochen erwarten kann.

Angststörung/Depression

Auch das psychische Wohlbefinden wird durch Stress maßgeblich beeinflusst. Wut oder aggressives Verhalten sind häufige Reaktionen auf stressbedingte Situationen. Viele Menschen verspüren bei anhaltender Belastung der Psyche Gefühle der Hilflosigkeit, Überforderung oder Erschöpfung.

Wenn es nicht gelingt, aus der stressverursachenden Situation heraus zu kommen und diese zu bewältigen, kann es zu depressiven Störungen oder Angststörungen kommen. Zudem können bereits bestehende psychische Erkrankungen durch Stress verschlimmert werden oder wieder aufbrechen.

Wie behandelt man Erkrankungen am Herz?

Frau in Therapiesitzung
Stress kann eine Depression oder Angststörung auslösen. Hier kann professionelle Unterstützung helfen | Foto: Canva

"Stress lässt sich nicht so einfach mit Medikamenten behandeln", sagt Dr. Jochen Schneider. So können Beruhigungsmittel zwar kurzfristig entspannend und beruhigend wirken, aber das Stress auslösende Problem bleibt bestehen. Einige Medikamente wie Benzodiazepine oder auch Alkoholkonsum als Entspannungsmittel bergen das Risiko in eine Abhängigkeit zu geraten und die Situation zu verschärfen. "Eine schwere Angststörung oder eine Depression können aber sehr wohl ein Grund für eine medikamentöse Behandlung sein. Wichtig ist die engmaschige Kontrolle durch einen Experten", so der Oberarzt.

In der Regel werden die Folgeschäden von chronischem Stress am Herz-Kreislauf-System wie Blutdruck, Blutfette und Diabetes mit Medikamenten behandelt. 

Wenn bei Betroffenen der psychische Stress außer Kontrolle gerät und sie einen hohen Leidensdruck empfinden, kann es sinnvoll sein, sich professionelle Hilfe zu suchen. Dies rät der Pforzheimer Oberarzt insbesondere, wenn Anzeichen einer Angststörung oder einer depressiven Störung auftreten.

Wie kann ich mein Herz vor Stress schützen?

Es ist fast unmöglich im normalen Alltag Stress zu vermeiden. Wichtig ist, stressende Faktoren oder Situationen zu erkennen und wenn möglich, zu entschärfen.

Kardiologe Dr. Schneider empfiehlt:

  • Nehmen Sie sich ausreichende Ruhe- und Erholungsphasen
  • Finden Sie einen Ausgleich im Alltag
  • Versuchen Sie, regelmäßig Sport zu treiben, am besten Ausdauersport
  • Achten Sie auf eine pflanzenbasierte und ballaststoffreiche Ernährung
  • Verzichten Sie auf Suchtmittel wie Rauchen und Alkohol
  • Probieren Sie Entspannungsübungen oder Meditation zur Stressbewältigung
  • Pflegen Sie soziale Kontakte