Blutzucker messen: So klappt’s richtig
Diabetes im Griff

Blutzucker messen: So klappt’s richtig

Eine Messung des Blutzuckerspiegels ist für Diabetikerinnen und Diabetiker Alltag. Wichtig ist, dass die Betroffenen die passenden Werte sowie die korrekte Messung ausführlich mit dem behandelnden Diabatesteam abstimmen.

Manja Spohn ist Diabetesberaterin der Deutschen Diabetesgesellschaft und tätig im Helios Hanseklinikum Stralsund. Sie gibt Tipps, wie eine Messung des Blutzuckerspiegels erfolgreich gelingt.

Blutzucker messen: Wann und wie oft?

Selbstkontrolle des Insulinspiegels | Foto: Canva

"Eine Blutzuckermessung (BZ-Messung) hängt von der Art und der Therapie des Diabetes ab", erklärt Manja Spohn. Ein Diabetes mellitus Typ 2 Patient, der beispielsweise orale Antidiabetika einnimmt, benötigt in der Regel keine BZ-Messungen. Hier reicht die Bestimmung des HbA1c alle drei Monate. Nimmt ein Typ 2 Diabetiker keine Antidiabetika ein, muss er den Insulinwert für gewöhnlich täglich messen. Sobald die Patientin oder der Patient Insulin spritzt, sind Blutzuckermessungen täglich notwendig.

HbA1c auf einen Blick

HB ist die Abkürzung für Hämoglobin. Hämoglobin bezeichnet den roten Blutfarbstoff im Körper, der wichtig für den Sauerstofftransport ist. Wenn sich Zuckermoleküle an das Hämoglobin anlagern, sprechen Experten von HbA1c. Hohe Blutzuckerwerte lassen sich durch einen erhöhten HbA1c-Wert erkennen. Der HbA1c wird auch als Langzeit-Blutzucker bezeichnet.

Wenn die Behandlung eines Diabetes durch eine Insulintherapie erfolgt, richtet sich die Häufigkeit der BZ-Messung sowohl nach der Art der Insulintherapie als auch nach äußeren Faktoren.

Eine Insulintherapie ist von Patient zu Patient unterschiedlich. Deshalb ist eine enge Abstimmung mit dem Diabetesteam ratsam.

Manja Spohn, Diabetesberaterin der Deutschen Diabetesgesellschaft | Helios Hanseklinikum Stralsund.

Sie ergänzt: "Manche Patientinnen und Patienten sind dazu angehalten ihre Blutzuckerwerte einmal täglich zu messen, andere Patienten bis zu viermal am Tag oder häufiger."

Grundsätzlich sollte eine Überprüfung der Werte sowohl vor der ersten Mahlzeit (Nüchternwerte) als auch vor dem Schlafengehen erfolgen.

Folgende Aspekte können zusätzliche Messungen erforderlich machen:

  • Erkältung oder Unwohlsein
  • Symptome einer Überzuckerung: Schwächegefühl, starker Durst, vermehrtes Wasserlassen, Konzentrationsstörungen, Übelkeit ...
  • Symptome einer Unterzuckerung: starkes Schwitzen, zitternde Hände, Unruhe, Herzrasen, Heißhunger, Konzentrationsschwäche ...
  • Sport oder körperliche Aktivität
  • Reisen mit Zeitverschiebung

Sind die Werte außergewöhnlich hoch oder niedrig, sollten die Patienten einen Arzt aufsuchen.

Den Blutzucker richtig messen

Diabetikerinnen und Diabetiker können die Blutzucker-Selbstkontrolle vornehmen, indem sie mit einer feinen Lanzette einen Tropfen Blut aus der Fingerspitze gewinnen und den austretenden Tropfen Blut auf einen Teststreifen auftragen. Betroffene führen diesen in ein Blutzuckermessgerät ein. Nach kurzer Zeit zeigt das Messgerät das Ergebnis an.

Das sollten Sie bei der Blutzuckermessung beachten:

  • Verwenden Sie jede Lanzette nur einmal. Bei mehrmaligem Gebrauch erhöht sich die Gefahr einer Infektion.
  • Achten Sie auf saubere Finger. Zuhause reicht Händewaschen aus, im Krankenhaus sollten die Finger desinfiziert werden.
  • Es hilft, unmittelbar vor der Blutentnahme, die Hand oder den Arm leicht zu massieren oder zu schütteln. Das regt Ihre Durchblutung an und erhöht die Chancen auf eine erfolgreiche Blutprobe.
  • Wischen Sie den ersten Blutstropfen ab. Im ersten Tropfen kann Gewebeflüssigkeit den Wert verfälschen.
  • Stechen Sie nicht direkt in die Fingerbeere, sondern eher seitlich. Dort sind die Blutgefäße dichter. Gleichzeitig befinden sich dort weniger Schmerzrezeptoren.
  • Pressen Sie die Fingerspitze nicht zu stark, sonst kann sich die Blutprobe durch Gewebewasser verdünnen.
  • Wechseln Sie die Entnahmestellen regelmäßig. Lassen Sie beim häufigen Messen Daumen und Zeigefinger aus.
  • Verwenden Sie nach der Messung eine feuchtigkeitspflegende Handcreme.

Dokumentation des Blutzuckerwerts

Halten Sie Ihre Insulinwerte schriftlich fest | Foto: Canva

Diabetikerinnen und Diabetiker sollten ihren Messwert und die abgegebene Insulineinheit in einem Blutzucker-Tagebuch dokumentieren", sagt Diabetesassistentin Manja Spohn. Die tägliche Dokumentation sei wichtig für die Patienten selbst, das Diabetesteam und den behandelnden Arzt. Anhand der Werte könnten die Experten eine Therapie gegebenenfalls anpassen.

Folgende Möglichkeiten bieten sich für eine genaue Dokumentation:

  • Handschriftliches Diabetestagebuch
  • Blutzuckermessgeräte, die die Werte automatisch speichern
  • Blutzucker-Apps auf einem Mobiltelefon

Diese Fehler sollten Sie vermeiden:

  • Kein Händewaschen vor der Messung
  • zu wenig Blut auf dem Teststreifen
  • veraltete Teststreifen
  • direkt in die Fingerkuppe stechen anstatt seitlich
  • die Fingerkuppe zu stark pressen
  • immer an derselben Stelle stechen

Hände pflegen bei Diabetes

Häufiges Stechen und eine schlechte Wundheilung können die Hände sehr strapazieren. Außerdem ist etwa ein Drittel aller Zuckerkranken von einer Funktionsstörung der Haut betroffen. Menschen mit Diabetes mellitus müssen daher besonders auf eine sorgfältige Pflege ihrer Hände achten. Spohn empfiehlt: "Vor allem nach der Blutzuckermessung sollten die Hände mit einer reichhaltigen Feuchtigkeitscreme versorgt werden. Das pflegt die Haut und beugt Infektionen vor."

Außerdem zählt zu einer richtigen Hautpflege auch eine ausreichende Flüssigkeitsaufnahme. Expertinnen und Experten empfehlen eine tägliche Trinkmenge von etwa zwei Litern.

Diabetologische Tagesklinik im Helios Hanseklinikum Stralsund

Die Diagnose Diabetes ist begleitet von Fragen, Unsicherheiten und Ängsten. Lernen Sie den richtigen Umgang mit dieser Krankheit von erfahrenen Spezialisten.

Erwachsene mit Diabetes mellitus Typ I oder II, der neu festgestellt wurde oder besser eingestellt werden soll, werden in einer kleinen Gruppe ausführlich geschult und informiert. Parallel dazu wird der Stoffwechsel neu eingestellt. Sie erlernen die Grundlagen zu Ihrer Erkrankung sowie die Blutzucker-Selbstmessung, bei Bedarf auch den Umgang mit Insulin-Pens und Insulinpumpen. Es gibt eine Ernährungsberatung mit Vermittlung der Broteinheiten und Tipps zur Gewichtsreduktion sowie praktischen Übungen direkt zu den Mahlzeiten. Des Weiteren werden ein Bewegungsprogramm und eine Fußschulung durchgeführt. Nach Rücksprache mit Ihnen, sind auch Ihre Angehörigen eingeladen. Wir beantworten gerne Ihre Fragen zum Umgang mit Diabetes.

Deutsche Diabetesgesellschaft (DDG)

Die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) ist mit über 9.000 Mitgliedern eine der großen medizinisch-wissenschaftlichen Fachgesellschaften in Deutschland.

Zu den Mitgliedern zählen Ärzte in Klinik und Praxis, Psychologen, Apotheker, Wissenschaftler, Diabetes-Fachkräfte sowie weitere diabetologisch tätige Experten.

Die DDG setzt sich für Forschung und Wissenschaft ein, organisiert Fort- und Weiterbildung, zertifiziert Behandlungseinrichtungen und entwirft Leitlinien.

Im Jahr 2015 wurde das Helios Klinikum Berlin-Buch als erste Einrichtung der Maximalversorgung in Deutschland von der Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) zertifiziert. Viele weitere Helios Kliniken deutschlandweit folgten seitdem.