Immunsystem stärken und Krankheitserreger abwehren
Tipps für ein starkes Immunsystem

Immunsystem stärken und Krankheitserreger abwehren

Wie lässt sich das Immunsystem stärken? Eine Frage, die sich viele Menschen in der Erkältungszeit aber auch im Hinblick auf die Corona-Pandemie stellen.

Privatdozentin Dr. Sabine Adler, kommissarische Chefärztin Gastroenterologie/Hepatologie, Endokrinologie/Diabetologe und Rheumatologie im Helios Klinikum Erfurt, erklärt, wie sich die Immunabwehr stärken lässt und wie die Immunabwehr funktioniert.

Was ist das Immunsystem?

"Das Immunsystem ist der angeborene Schutz gegenüber schädlichen Viren, Bakterien und Schadstoffen, die uns krankmachen können", sagt PD Dr. Adler. "Unser Immunsystem ist etwas, auf das wir uns tagtäglich verlassen können", so die Expertin. Von ihm hängt das Überleben des menschlichen Organismus ab, der ständig von Erregern umgeben ist.

Gerade in der kalten Jahreszeit sorgen trockene Heizungsluft und Temperaturschwankungen schnell dafür, dass die körpereigenen Abwehrkräfte ins Wanken geraten und der Mensch anfälliger für Erkältungen sowie grippale Infekte ist – ein gesundes Immunsystem schützt den Menschen.

Die Aufgabe des Immunsystems ist es, die eigenen "Bausteine" von fremden "Eindringlingen" zu unterscheiden. Dabei bekämpft es unerwünschte Eindringlinge und eliminiert giftige Substanzen.

Das Immunsystem ist der angeborene Schutz gegenüber schädlichen Viren, Bakterien und Schadstoffen, die uns krankmachen können. Unser Immunsystem ist etwas, auf das wir uns tagtäglich verlassen können.

PD Dr. Sabine Adler, kommissarische Chefärztin Gastroenterologie/Hepatologie, Endokrinologie/Diabetologe und Rheumatologie | Helios Klinikum Erfurt

Aufbau des Immunsystems

Das menschliche Immunsystem besteht aus zwei Komponenten: einer angeborenen (unspezifischen) und einer erworbenen (spezifischen) Abwehr. Diese sind weder auf ein Organ noch einen Ort beschränkt, sondern verteilen sich im gesamten Körper. Die Blutbahn und die Lymphgefäße transportieren Immunzellen und Botenstoffe im Körper. Sauerstoff und Nährstoffe werden zu den Geweben transportiert und beschädigte oder tote Zellen, Krankheitserreger und Fremdstoffe wieder abtransportiert.

unspezifische Immunabwehr

Baby
Das angeborene Immunsystem ist nach der Geburt aktiv | Foto: Canva

Der Mensch kommt bereits mit einem einfachen, angeborenen Immunsystem auf die Welt. "Schon im Mutterleib wird das Immunsystem aufgebaut, sodass jeder Säugling direkt nach der Geburt einen Schutzschild für potenzielle Krankheitserreger hat", so PD Dr. Adler. Das können zum Beispiel noch Antikörper aus dem Mutterleib sein, die noch eine ganze Weile aktiv sind – oft so lange, bis das neu erworbene Immunsystem funktioniert.

Das angeborene Immunsystem reagiert meist sehr unspezifisch mit einer generellen Abwehrreaktion, weswegen auch von einer unspezifischen Immunabwehr gesprochen wird. Allerdings ist die angeborene Immunabwehr meist nicht ausreichend wirksam und nur begrenzt in der Lage, die Ausbreitung von Erregern im Körper zu verhindern.

spezifische Immunabwehr

Frau krank auf Sofa
Das erworbene Immunsystem baut sich im Laufe des Lebens auf | Foto: Canva

Das erworbene (spezifische) Immunsystem hat ein lebenslanges Training zu bewältigen, um ganz spezifisch auf Eindringlinge reagieren zu können. Die spezifische Immunabwehr wird im Laufe des Lebens erworben, wodurch es zu einer Ausbildung eines Immungedächtnis kommt. Die dafür verantwortlichen Zellen heißen "memory-", also "Gedächtniszellen". Bei einer erneuten Infektion mit demselben Erreger kann der Körper daher schnell passende Antikörper produzieren und darauf reagieren.

An der erworbenen Immunabwehr sind verschiedene Immunzellen, unter anderem die T-Zellen und die B-Zellen beteiligt.

Was gehört alles zum Immunsystem?

Organe und Organteile, aber auch einzelne Zellen sowie Botenstoffe sind Bestandteile des Immunsystems. Dazu zählen etwa:

  • Haut und Schleimhäute von Nase, Rachen und Darm: erste Eintrittspforte für Erreger und gleichzeitig erste Immunabwehr
  • Lymphknoten und Lymphbahnen: Sammelstelle und Transportwege für Abwehrzellen und Antikörper
  • Milz: Speicherort der Abwehrzellen
  • Knochenmark: bildet die meisten Vorstufen und einige reife Abwehrzellen aus
  • Thymus: Vollständige Ausreifung krankheitsbekämpfender Abwehrzellen, wie T-Zellen
  • Mandeln: Enthalten Abwehrzellen, die Antikörper bilden
  • Weiße Blutkörperchen: Wichtigste Zellen des Abwehrsystems, etwa Granulozyten, Monozyten und Makrophagen sowie B- und T-Lymphozyten

Ungebetene Eindringlinge halten die Abwehr täglich 24 Stunden auf Trab. Diese Abwehr stellt sicher, dass wir gesund bleiben.

PD Dr. Sabine Adler, kommissarische Chefärztin Gastroenterologie/Hepatologie, Endokrinologie/Diabetologe und Rheumatologie | Helios Klinikum Erfurt

So funktioniert das Immunsystem

Arm eines Kindes der eine Spritze vom Arzt bekommt
Eine Impfung schützt von krankmachenden Erregern | Foto: Canva

"Ungebetene Eindringlinge halten die Abwehr täglich 24 Stunden auf Trab. Diese Abwehr stellt sicher, dass wir gesund bleiben. Durchs Atmen, Berühren oder auch durch Nahrung nehmen wir möglicherweise Stoffe auf, die uns fremd sind, die unser Immunsystem aber tolerieren kann. Und das seit Jahrtausenden", erklärt PD Dr. Adler.

Eine starke Abwehr erkennt Krankheitserreger bestenfalls schon als "alte Bekannte" und schickt einen Abwehrtrupp von spezialisierten Immunzellen oder Botenstoffen. Diese machen den Erreger unschädlich oder eliminieren ihn. Im Anschluss werden Antikörper gebildet, die den Erreger beim nächsten Mal schneller abwehren können.

So einen "Angriff" simuliert beispielsweise eine Grippeimpfung. Der Patient wird mit abgetöteten Virusanteilen geimpft. Die körpereigene Abwehr denkt nun, dass es Antikörper (Abwehrstoffe) gegen das Grippevirus bilden muss und produziert diese entsprechend. Auf diese Weise entsteht ein Schutz gegen das Grippevirus, ohne dass der Körper damit infiziert war.

Körpereigene Abwehrkräfte stärken

Frau liegt im Bett und schläft
Schlaf ist wichtig für die Abwehrkräfte | Foto: Canva

Es ist bekannt, dass vorherige Generationen an wesentlich mehr Infektionen schwerer gelitten haben. Tuberkulose hatte beispielsweise in Zeiten einer nährstoffarmen Ernährung und schlechter Wohnverhältnisse ein "leichtes Spiel" und konnte sich verbreiten und den Menschen schaden.

"Heute weiß man, dass eine ausgewogene und gesunde Ernährung gemäß den allgemein gültigen Empfehlungen eine positive Rolle spielt", so PD Dr. Adler. Ergänzungsstoffe sind bei einer ausgewogenen Ernährung nicht unbedingt notwendig. Gerade in frischem Obst und Gemüse sind die Vitamine A, Vitamin C und Vitamin E enthalten, die zur Stärkung der Abwehrkräfte beitragen. Auch Zink und Eisen sollten durch die Ernährung in ausreichender Menge aufgenommen werden.

Ein ausgewogener und regelmäßiger, erholsamer Nachschlaf ist ebenfalls wichtig für die Abwehrkräfte und ein gesundes Immunsystem.

"Wer raucht und vermehrt Alkohol konsumiert, schadet seinem Abwehrsystem", so die Chefärztin.

Der Darm spielt ebenfalls eine wichtig Rolle für die Immunabwehr. In ihm trainieren Mikroben das menschliche Immunsystem und halten Krankheitserreger im Verdauungstrakt im Schach. Dazu tummeln sich bis zu 1000 verschiedene Bakterien-Arten in der gesunden Darmflora und gewährleisten somit eine Immunbalance.

 

Sieben Tipps für starke Abwehrkräfte

  • Stress reduzieren und Entspannungstechniken nutzen
  • Ausgewogen und gesund ernähren
  • Regelmäßig Bewegung an der frischen Luft
  • Ausreichend und erholsam schlafen
  • Regelmäßig und gründlich die Hände waschen
  • Auf Zigaretten und Alkohol verzichten
  • Ausreichend trinken, am besten Wasser oder Kräutertees

Schwaches Immunsystem: Das passiert im Körper

Menschen mit einem geschwächten Immunsystem sind anfälliger für Infekte. Bei ihnen funktioniert die Immunabwehr nicht mehr so gut, wodurch Krankheitserreger, die sonst abgewehrt wurden, ein leichteres Spiel haben.

Der Lebensstil kann bei den meisten Menschen positiv beeinflusst werden. Manchmal steckt jedoch eine Erkrankung oder eine notwendige Medikation hinter einem geschwächten Immunsystem.

Bei einer geschwächten Abwehr können die notwendigen Botenstoffe nicht mehr in der ausreichenden Menge zusammengesetzt werden. Bestimmte Medikamente, aber auch eine einseitige Mangelernährung, bestimmte chronische Krankheiten sowie ein erhöhtes Stressaufkommen können dafür Auslöser sein.

Anzeichen für schwaches Immunsystem können sein

  • erhöhte Infektanfälligkeit
  • Müdigkeit und Abgeschlagenheit
  • lang andauernde Krankheitsverläufe
  • vermehrte allergische Reaktionen
  • Haarausfall
  • Hautirritationen

Wie reagiert die Immunabwehr auf Covid-19?

"Wie jedes andere Virus auch, sucht sich das Corona-Virus eine Andockstelle, durch die es möglichst unerkannt in die Zellen eindringen und sich dort vermehren kann", sagt PD Dr. Adler.

Dabei schädigt das Corona-Virus nicht unbedingt primär das Immunsystem, sondern greift über Blut- und Atemwege bestimmte Organe und auch das Gerinnungssystem an. Dadurch ist die spezifische Abwehr stark herausgefordert. Der Erkranke ist zunächst müde und schlapp, die Atmung ist eingeschränkt und teilweise kann es zu einer gefürchteten Überreaktion des Immunsystems kommen. Diese Überreaktion gilt es zu bremsen, soweit das mit den heutigen Medikamenten möglich ist.

"Nach einer überstandenen Covid-19 Infektion dürfen und müssen wir unserem Immunsystem und uns selbst Zeit geben, die verbrauchten Immunressourcen wieder aufzuforsten", meint PD Dr. Adler.

Nach einer überstandenen Covid-19 Infektion dürfen und müssen wir unserem Immunsystem und uns selbst Zeit geben, die verbrauchten Immunressourcen wieder aufzuforsten.

PD Dr. Sabine Adler, kommissarische Chefärztin Gastroenterologie/Hepatologie, Endokrinologie/Diabetologe und Rheumatologie | Helios Klinikum Erfurt

Auf die Abwehrkräfte vertrauen

Ohne das Immunsystem gäbe es die Menschheit schon lange nicht mehr. Wer sein Immunsystem positiv beeinflussen möchte, sollte sich ausgewogen ernähren, Stress meiden und auf ausreichend Schlaf achten. Nikotin und Alkohol sollten vermieden werden. Auch Sport und Bewegung an der frischen Luft stärken das Immunsystem.

Impfungen wirken zusätzlich präventiv, um aus einer Virusinfektion keine Erkrankung werden zu lassen.

Gerade in der Corona-Pandemie ist es zudem wichtig, sein Immunsystem nicht zu sehr zu fordern, sondern es in seiner Funktion zu unterstützen.

Generell gilt: Je besser die Abwehrkräfte, desto eher bleibt man gesund und kann Infektionen vorbeugen.