Muskelzerrung - Was tun?

Muskelzerrung - Was tun?

Zerrungen des Muskelgewebes tauchen ganz plötzlich auf, können jeden Muskel treffen und entstehen meist durch zu starke und plötzliche Belastung oder bei Prellungen. Hier erfahren Sie, woran Sie Zerrungen erkennen, wie sie darauf reagieren sollten und wie Sie vorbeugen können.

Was ist eine Zerrung und woran erkenne ich sie?

Eine Zerrung ist eine Überdehnung des Muskelgewebes. Aufgrund eines Zusammenstoßes oder einer abrupten Bewegung signalisieren Sensoren in den Muskeln, die so genannten Muskelspindeln, dass sich der Muskel zusammenziehen soll, während er gleichzeitig durch Einwirkung von außen gestreckt wird. Dieses „Zerren" am Muskel in zwei Richtungen ist dann sehr schmerzhaft. Der Muskel verhärtet und verspannt oder verkrampft sich. Oft werden die Beschwerden mit der Zeit noch stärker, so dass der Muskel nicht mehr belastbar ist.

„Deutliches Anzeichen für eine Zerrung ist, dass der Schmerz bei einer einfachen Anspannung der Muskulatur wahrgenommen wird, bei einer Dehnung des Muskels jedoch eher abnimmt. Die Zerrung selbst ist nicht sichtbar, kann jedoch getastet werden", sagt Blend E. Krebber, Facharzt vom Helios Orthopädisches Zentrum Wittenau.

Wie reagiere ich am besten bei einer Zerrung?

Eine Muskelzerrung entsteht ganz plötzlich und genauso schnell müssen Sie auch reagieren, um eine Verschlimmerung der Verletzung zu verhindern. Der Facharzt Blend E. Krebber rät: „Egal ob Wade, Schulter, Rücken oder Oberschenkel, beachten Sie unmittelbar nach einer Muskelverletzung die so genannte PECH-Regel:

Pause: Muskulatur ruhigstellen, den betroffenen Körperteil nicht mehr belasten

Eis: betroffene Stelle kühlen, um Anschwellen und Schmerzen einzudämmen

Compression: Druckverband oder Bandagen anlegen, um Schwellungen zu verhindern

Hochlagern: Bein oder Arm hochlagern, um möglichen Blutstau zu vermeiden"

 

Diese Maßnahmen lindern Schmerzen und Schwellungen und können die Heilung beschleunigen. Über diese „Erste Hilfe" hinaus sollten Sie folgendes beachten:

1. Zum Arzt gehen

Grundsätzlich sollten Muskelverletzungen einem Orthopäden oder Sportmediziner vorgestellt werden. Es muss abgeklärt werden, ob ein Muskelfaserriss vorliegt oder ob es sich nur um eine Zerrung handelt. Diese Diagnose kann nur ein Arzt stellen. 

Wichtig: Wenn Sie eine Zerrung nicht behandeln, kann sich einer „harmlosen" Zerrung ein deutlich schwerwiegenderer Muskelfaserriss entstehen.

2. Den Muskel schonen

Der betroffene Muskel muss unbedingt ruhig gehalten werden. Meist dauert es 2 Tage bis der Muskel überhaupt wieder belastet werden darf. Danach sind es weitere zwei bis vier Tage bis Sie mit schonenden leichten Übungen beginnen dürfen und mindestens zwei Wochen, bis der Muskel wieder sportlich aktiviert werden darf.

Darauf achten: Auch Massagen bewegen den Muskel und schaden der Regeneration des Muskelgewebes.

3. Schmerzen lindern

Zerrungen sind schmerzhaft. Um eine Fehlhaltung im Bewegungsapparat oder weitere Verkrampfung der Muskulatur zu vermeiden, sollte der Schmerz wirksam behandelt werden.

Tipp: Neben entsprechenden Salben oder Schmerztabletten, wirken auch Hausmittel wie feuchte Wickel mit Essig oder Quark.

4. Schwellungen verhindern: Kühlen

Eine Zerrung muss zu Beginn der Verletzung ausreichend kühl gehalten werden. Nutzen Sie auch im Alltag einen Kühlverband, z.B. nach der warmen Dusche oder unter der Bettdecke. Verwenden Sie auf gar keinen Fall durchblutungsfördernde Sportsalben, Infrarotbestrahlung oder Wärmflaschen und gehen Sie nicht in die Sauna.

Interessant: Unmittelbar nach einer Zerrung ist wichtig, dass Muskeln durch Kühlung schnell abschwellen. Nach der Akutphase kann Wärme sogar helfen, weil sie entspannt und durchblutungsfördernd ist.

Beachten Sie:

Schlagen Sie Kaltkompressen oder Eiswürfel in ein Tuch – legen Sie Kühlmittel nie direkt auf die nackte Haut, da sonst Erfrierungen der Hautpartien drohen.

5. Schmerzfrei starten

Nach der akuten Schonungsphase beginnen Sie die Aktivierung des gezerrten Muskel mit sanften Dehnübungen und ersten Bewegungen. Wenn vom Arzt empfohlen, dann können nach der Phase der Schonung und Kühlung auch Kinesio-Tapes, Physiotherapie und Wärmebehandlungen die Heilung beschleunigen.

Regel: Aktivieren Sie den betroffenen Muskel ausschließlich im schmerzfreien Bereich. Bei Schmerzen sofort aufhören, sonst kann es eventuell zu weiteren Schäden kommen.

Wie kann ich einer Muskelzerrung vorbeugen?

Wichtigste Maßnahme ist das Vermeiden von Verletzungen und Überforderung:

  • Immer Aufwärmen vor dem Sport!
  • Keine unvorbereiteten, abrupten Bewegungen machen.
  • Vermeiden Sie Überlastungen der Muskulatur.
  • Nie über den Schmerz hinaus gehen – hören Sie auf Ihren Körper!
  • Achten Sie auf gutes Schuhwerk, nutzen Sie bei Bedarf orthopädische Einlagen.
  • Unterstützen Sie gefährdete Muskeln mit Bandagen oder Tapes.
  • Treiben Sie keinen Sport, wenn Sie Entzündungen im Körper haben.